Karpfenangeln am Elbe-Lübeck-Kanal

Schleswig Holstein besitzt viele tolle Gewässer zum Karpfenangeln. Eines davon ist der Elbe-Lübeck-Kanal. Ich liebe diese künstliche Wasserstraße und die kampfstarken Karpfen aus dem ELK, wie Einheimische den Kanal nennen. Insgesamt sieben Schleusen teilen die rund 60 Kilometer lange Strecke in verschiedene Bereiche. Überall lassen sich die Rüssler fangen und der Bestand kann sich mehr als sehen lassen. Ihr dürft mit Fischen zwischen 15 und 30 Pfund rechnen, wobei das Verhältnis zwischen Spiegel- und Schuppenkarpfen relativ ausgeglichen ist. Ich machte allerdings die Erfahrung, dass die Spiegler im Schnitt größer sind, die Schuppis eher kleiner, dafür aber lang gestreckt und extrem kampfstark! Ein 20 Pfund schwerer Schuppi besitzt im Elbe-Lübeck-Kanal sehr viel Power, weshalb stabile Haken der Größe 4 bis 6 Pflicht sind. Hier möchte ich Euch nun zeigen, wie ich beim Karpfenangeln am Elbe-Lübeck-Kanal vorgehe.

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Große Kähne und tolle Karpfen erwarten Euch am Elbe-Lübeck-Kanal

Karpfen an den Kanten
In der Mitte ist der Kanal nur etwa 2,50 Meter tief. Dabei befindet sich auf beiden Seiten der Fahrrinne eine mehr oder weniger ausgeprägte Kante. Und genau am Kantenfuß präsentiere ich jeweils eine meiner Montagen. Da drei Ruten erlaubt sind, werfe ich das dritte Rig entweder in die Kanalmitte oder relativ dicht an das gegenüberliegende Ufer. Durch die ständige Schifffahrt sind die Karpfen sehr aktiv und schwimmen auf der Nahrungssuche weite Strecken. Wenn Ihr die Köder so wie ich anbietet, dann stoßen Spiegler und Schuppis irgendwann auch auf die leckeren Happen.

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Im Schnitt sind die Spiegelkarpfen größer als die Schuppenkarpfen. Fische von 30 Pfund sind immer möglich

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Die Karpfen aus dem Elbe-Lübeck-Kanal ziehen von Schleuse zu Schleuse und legen dabei weite Strecken zurück

Tigernüsse und Boilies fangen
Es ist nicht ganz einfach, die Karpfen mit Futter über einen längeren Zeitraum am Platz zu halten. Die Fische im ELK sind Vagabunden und ziehen von einer Schleuse zur nächsten und wieder zurück. Trotzdem verzichte ich nicht auf Karpfenfutter. Boilies zum Beispiel funktionieren echt super. Diese biete ich an der simplen Haarmontage an, wobei ich Bleie zwischen 90 und 120 Gramm verwende. Von mir besonders gern verwendete Köder beim Angeln im Elbe-Lübeck-Kanal sind Tigernüsse. Diese brachten mir schon so einige tolle Karpfen in den Kescher. Meistens füttere ich Boilies und Tigernüsse zusammen und bereite einen großflächigen Futterplatz vor. Meine Futtertaktik sieht dabei so aus: Ich lege eine breite Futterspur vom eigenen bis zum anderen Kanalufer. An dieser kommt kein Karpfen dran vorbei und ich kann wenigstens ein paar Fische kurz zum Anhalten sowie Fressen bewegen. Je nach Jahreszeit und Weißfischaktivität wähle ich meine Futtermenge. Häufig nehmen viele Güster, Rotaugen, Brassen und Alande am Festmahl teil, sodass ich die Menge meines Futters erhöhe. Ganz wichtig: Wenn ein Güterschiff durchfährt, füttere ich immer ein wenig nach, da meine Partikel und Boilies durch den Sog der Schuten vom Angelplatz weggetrieben werden.

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Tigernüsse sind super Karpfenköder am ELK. Probiert es mal aus!

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Auf die angebotenen Köder beißen nicht nur Karpfen. Auch Alande stehen auf Boilies und Partikel

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Selbst große Rotaugen fressen Boilies und bleiben ab und zu an der Karpfenmontage hängen

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Die Schuppenkarpfen aus dem Elbe-Lübeck-Kanal sind extrem kampfstark

Schiffe: Was muss ich beim Karpfenangeln beachten?
Da der Elbe-Lübeck-Kanal eine Bundeswasserstraße ist, bleibt der Bootsverkehr nicht aus. Alleine im Jahr 2018 befuhren 1.220 Güterschiffe und 3.523 Freizeitkapitäne dieses Gewässer. Beim Angeln auf Karpfen ist dies manchmal sehr anstrengend. Es ist extrem wichtig, seine Schnüre gut abzusenken. Kleinere Sportboote fahren bei der Verwendung von Absenkbleien ohne Kontakt über die Montagen und Leinen. Aber Achtung: Kommen größere Kähne auf Euch zu, müssen die Rigs schnell aus dem Wasser geholt werden! Das Absenken hilft bei den Schuten nicht viel. Wer es verpennt, seine Karpfenmontagen aus dem Kanal zu holen, dem reißt es alle Ruten vom Rod Pod. Die großen Schiffe sind sehr leise und kaum zu hören. Wenn Ihr also in einer Schilflücke sitzt und den ELK nicht im Blick habt, solltet Ihr besonders achtsam sein. Zum Glück haben größere Schiffe ein AIS (Automatisches Identifikationssystem). Damit habt Ihr die Möglichkeit, zum Beispiel auf www.marinetraffic.com schon im Voraus auf Eurem Smartphone zu erkennen, wann sich ein Kahn aus Richtung Lübeck oder Lauenburg nähert. Wem der Schiffsverkehr zu viel wird, der kann auch einfach in der Nacht auf Karpfen angeln. Dann sind nämlich die Schleusen am Elbe-Lübeck-Kanal zu und lassen keine Boote mehr hindurch. Weiter unten findet Ihr übrigens die Schleusenöffnungszeiten.

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Auf dem Elbe-Lübeck-Kanal fahren viele Sportboote und auch Güterschiffe. Das macht das Karpfenangeln manchmal anstrengend

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Mit Absenkbleien sorgen wir dafür, dass kleinere Sportboote unsere Schnüre nicht einsammeln. Bei großen Kähnen müssen die Montagen aber eingeholt werden

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Ein uriger Spiegelkarpfen aus dem Elbe-Lübeck-Kanal. Dafür lohnt sich der ganze Einsatz

Karpfen am Morgen
Müsste ich eine beste Beißzeit für die Kanalkarpfen nennen, dann wäre es der Morgen bis etwa elf Uhr. In dieser Zeit fing ich bisher meine meisten Karpfen. Das heißt aber keinesfalls, dass nicht auch zu anderen Zeiten Karpfenfänge möglich wären. Eine weitere top Beißzeit ist der Abend. Auch in der Nacht beißen immer wieder Spiegelkarpfen und Schuppenkarpfen am Kanal und lassen die elektronischen Bissanzeiger aufheulen. Dennoch liebe ich die Morgenstunden, wenn der Schleusenbetrieb einsetzt und somit eine leichte Strömung herrscht. Das ist mit die beste Zeit beim Karpfenangeln im Frühjahr, Sommer und Herbst. Das Karpfenangeln am Kanal im Winter habe ich auch schon ausprobiert. Leider bisher erfolglos. Vielleicht liegt es daran, dass die Karpfen dann in die vielen Seen ziehen, die eine Verbindung zum Kanal haben. Aber ich bleibe dran, um mir den Wunsch von einem Schneekarpfen aus dem ELK zu erfüllen.

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Der Morgen bis etwa elf Uhr bringt die meisten Karpfen in den Kescher und sorgt für krumme Ruten

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Ein super Spiegelkarpfen aus dem Elbe-Lübeck-Kanal, der den Köder fast direkt vor den Füßen nahm

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Der Elbe-Lübeck-Kanal in Schleswig-Holstein bietet viel Wasser, um auf Karpfen zu angeln

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Manchmal beißen die Karpfen auch mitten am Tag. Dieser Schuppenkarpfen kam ganz unerwartet bei großer Hitze um 13 Uhr

Bestimmungen und Angelkarten für den Elbe-Lübeck-Kanal (Stand: 27.08.2019)
Im Elbe-Lübeck-Kanal dürft Ihr mit bis zu drei Handangeln fischen. Das Angeln von Booten ist verboten. Außerdem ist es nicht gestattet, in Schleusenbereichen, auf Betriebsflächen und ehemaligen Wendestellen zu fischen. Der ELK ist durch Seitenwege gut erschlossen. Allerdings dürfen diese nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden. Erlaubnisscheine und weitere Infos erhaltet Ihr online unter https://erlaubnisschein.lsfv-sh.de/gewaesser/12544-elbe-luebeck-kanal Es gelten die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmaße und Schonzeiten. Jegliche Schifffahrt darf weder behindert noch gefährdet werden. Weitere Infos entnehmt Ihr dem Erlaubnisschein.


Betrieb der Schleusen am Elbe-Lübeck-Kanal

1. April bis 31. Oktober

Mo. 7.00 bis 18.45 Uhr
Di. bis Sa. 6.00 bis 21.00 Uhr
So. 8.00 bis 17.45 Uhr

1. November bis 31. März
Mo. 7.00 bis 18.45 Uhr
Di. bis Sa. 6.00 bis 20.00 Uhr
So. 8.00 bis 14.45 Uhr


Euer Jesco
 
Sehr schöner Bericht über ein sehr interessantes Gewässer! Mal nicht wieder irgend so ein Baggersee, der wöchentlich von 30 Teigmurmelangeln bevölkert wird ;). Kanal und Fliessgewässer sind doch viel interessanter, auch wenn es da jetzt nicht zwangsläufig den 40 Pfünder zu fangen gibt. Ich hätte richtig Lust da angeln zu gehen!!!

Vielen Grüße aus Süden, wo es leider ein dummes Nachtangelverbot gibt!

der fanatische Universalangler
 
Hallo Universalangler,

vielen Dank. Ja, der Elbe-Lübeck-Kanal ist ein tolles Gewässer an dem man noch viel Platz zum Fischen hat. Auch ein Nachtangelverbot gibt es hier oben nur an wenigen Seen, sodass das Karpfenangeln auch noch richtig ausgeübt werden kann. Ein Urlaub hier im Norden lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn einem die 40-Pfünder nicht massenhaft in den Kescher schwimmen.

Beste Grüße
Jesco
 
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