Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Carp Talk

Fiktives Mitglied
Quo Vadis? oder auch: wohin des Weges?

Hallo und herzlich willkommen bei der neuen Ausgabe unseres "CarpTalk" auf dem AB. Das Thema für den Oktober heißt:
"Die Karpfenangelei im Wandel der Zeit"

Das spezialisierte Karpfenangeln erfreut sich bei vielen (nicht allen) Anglern, einer immer größeren Beliebtheit.
Vor allem bei den heranwachsenden Junganglern ist dies zu bemerken. War das spezialisierte Angeln auf Karpfen, in den frühen 80er Jahren noch eher in den Kinderschuhen, zumindest bei uns in Deutschland, so haben wir in 2010 eine ganz andere Situation.

Kein Zweifel, es wurde auch schon früher auf Karpfen gefischt. Jedoch hat das "reine" Karpfenangeln, seit den 80er Jahren, einen mehr oder weniger großen Boom und auch Wandel erlebt. Spezielle Karpfenmagazine wurden ins Leben gerufen. Eigene Tackleschmieden wurden erschaffen. Andere Köder (Boilies) kamen verhäuft zum Einsatz usw.
Es entwickelte sich eine eigene "Karpfenszene" mit den entsprechenden Szenegrößen. Manche Angler erreichten sogar eine Art "Kultstatus". Waren das in England z.B. Namen wie Kevin Maddocks, Rod Hutchinson, Kevin Nash, Andy Little u.a., die für Pionierarbeit in dem Bereich galten und teils heute noch gelten, so sind es heute solche Angler wie Terry Hearn, Dave Lane, Danny Fairbras, Ian Chilcot, Steve Briggs, Ronny de Groote, Eddy Stercks, Frank Warwick u.v.a. von denen man immer wieder mal was zu Lesen bekommt.
Auch bei uns in Deutschland gab und gibt es so genannte Szenegrößen. Namen wie Markus Pelzer, Christoph Schulz, Wulf Plickat, Kai Synwold, Thomas Talaga, Dieter Martens, Klaus Brix und einige andere, sind den meisten Karpfenanglern hierzulande, ein Begriff.
Heute gibt es noch einige Namen mehr, die man jetzt aufzählen könnte, aber darum geht es eigentlich gar nicht.
Der Rummel um die Karpfenangelei ist gewachsen und die "Szene" mit allem Drumherum hat sich entwickelt.
Überhaupt hat sich seit den 80ern doch einiges getan. Sei es bei den Fischen, der Ausrüstung, den Gewässern, den Anglern selbst, den Methoden, den Bestimmungen,… ganz egal, es war ne Menge Bewegung drin. Ob sich nun alles zum Guten oder Schlechten entwickelt hat, da hat nun jeder von uns seine eigene Erfahrung und auch Meinung.

Und um diese Meinungen und Erfahrungen geht es in den folgenden Beiträgen, die nicht nur dazu da sind, um die Entwicklung vom "Ü-Ei-Hanger" zum Hightech Funkbissanzieger zu zeigen, sondern die durchaus auch kritische Ansätze und Anregungen haben können.

Und nun wünsche ich allen viel Spass beim Lesen der aktuellen Ausgabe.
 

Ralle 24

User
AW: Carp Talk: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Nun, da muss ich wohl mal gaaaanz lange zurückdenken. Wie war das so vor 40 Jahren?

Zu der Zeit, da ich mich noch „ Jungangler“ schimpfen durfte, hatte der Karpfen einen ganz besonderen Status. Er galt als ausgesprochen Schlau, sehr schwer zu überlisten und Karpfen im zweistelligen Bereich waren schon was Besonderes. Moosrücken wurden die großen, alten Karpfen genannt. Und so wie heute riesige Hechte zur Legende eines jeden noch so kleinen Tümpels gehören, so hatte früher jeder Dorfteich seinen „Moosrücken“.

Wollte man dem Karpfen auf die Schuppen rücken, galt es sehr früh am Wasser zu sein. Beim ersten Tageslicht sollte der Köder im Wasser sein. Spätaufsteher galten als chancenlos. Waren sie natürlich nicht, aber so galt die Regel. Gezieltes Nachtangeln auf Karpfen ? Geht nicht. Nachts beißen Aale und Zander, aber doch bitte keine Karpfen. Der eine oder andere Zufallsfang an der Aalrute kann da nicht drüber hinweg täuschen.

Wer „ modern „ angelte, hatte eine Teleskoprute aus Fiberglas. So um die drei Meter lang und mit Wurfgewichten von 60 bis 100 g. Eine große Rolle, gefüllt mit mindestens 30er monofiler Schnur, besser 35er oder gar 40er (wegen der Moosrücken), komplettierte die Gerätschaft.

Auch damals wurde schon angefüttert. Sehr sparsam mit Mais oder Kartoffelstückchen. Immer am Angeltag, keiner wäre wohl auf die Idee gekommen an Vortag oder sogar mehrere Tage hintereinander einen Futterplatz anzulegen. Karpfen galten ja als Scheu und zu viel Geplatsche von Anfuttermitteln galt eher als verscheuchend.

Standardköder waren Mais, Kartoffeln und Tauwurm. Gerne wurde auch Teig verwendet, am besten mit Vanillezucker versüßt. Ganz ausgebuffte Angler verwendeten Schwimmbrot an der Grundmontage. Es gab damals von Shakespeare knochenhart getrocknete Brotriegel. Die musste man erst etwas einweichen, um sie überhaupt auf den Haken zu bekommen. Ein kleines Bleischrot vor dem Haken sorgte dafür, dass das Brot dann kurz über dem Grund schwebte.

Wie ich schon erwähnte, galt der Karpfen als extrem schlau und misstrauisch. So war die eiserne Regel, dass der Haken vollständig im Köder verborgen sein musste. Sah oder spürte der Karpfen auch nur einen Millimeter des Hakens, würde er den Köder nicht nehmen.

Man stellte dem Karpfen entweder mit der Posenrute nach, oder mit einer Grundmontage. Posenmontagen kamen zumeist beim Ufernahen angeln an Schilfkanten oder Seerosenfeldern zum Einsatz. Und fast immer war die Stachelschweinpose im Einsatz. Kein anderer Posentyp verband hohe Tragkraft mit Unauffälligkeit und geringem Widerstand so gut, wie diese.
Opa hatte noch mit dicken Korkstopfen auf Karpfen geangelt, das ging bei uns gar nicht mehr und würde nur müde belächelt. Früher mag man ja mit solchen Bojen noch Karpfen gefangen haben, aber nun sind die Karpfen wesentlich gewitzter als früher.

Bei der Grundmontage wurde mit höchster Sorgfalt darauf geachtet, dass der Fisch beim Abziehen keinerlei Widerstand spüren konnte. Die Grundbleie wurden per Seitenarmmontage angebracht. Dazu knüpfte man ein Grundblei an ein kurzes Stück Schur. An dessen Ende kam ein kleiner Kork und schließlich ein Wirbel oder Sprengring mit weiter Öse. Der Kork sollte den Wirbel/Sprengring über Grund halten. Würde dieser im Schlamm versinken, spürt der Fisch zu viel Widerstand und lässt sofort los.

Sehr viel Mühe wurde bei der Wahl des Angelplatzes aufgebracht. Tagelang wurden verdächtige Stellen beobachtet und man sucht nach Blasenspuren, die zusammen mit aufsteigendem Schlamm die Fressaktivitäten der Karpfen anzeigten. Solche Spuren wurden genauestens verfolgt um den Weg der Karpfen zu kennen. Und genau dort wurden dann die Köder präsentiert.

Im Sommer sah man nicht selten so manchen Karpfen an der Oberfläche stehend oder ziehend ein Sonnenbad nehmen. Das war Ansporn für die Hohe Kunst des Karpfenfanges.

Das fischen mit Schwimmbrot an der Oberfläche.

Die große Kunst bestand darin, sich unbemerkt anzuschleichen und den Köder an die gewünschte Stelle zu bringen.

Es war klar, dass der kleinste Schatten auf dem Wasser, der kleinste Fehltritt am Ufer, jede Erfolgsaussicht zunichte gemacht hätten. Das Brot wurde an freier Leine präsentiert, also ohne jegliche Bleie, Wirbel oder Pose. Das schränkte natürlich die Wurfweite erheblich ein und so beschränkte sich das Oberflächenfischen zunächst auf extreme Ufernähe. Der Karpfen musste, wollte er den Köder nehmen, bis auf ein, zwei Meter an den Angler herankommen. Es war so ziemlich die mühsamste, aber auch mit Abstand die spannendste Methode.

Da saß man nun gut verborgen im Schilf. Es war heiß und schwül. Der Schweiß lief in die Augen und Fliegen und Mücken mochten den Angler sehr. Nahm dann ein Karpfen Kurs auf den Köder, schlürfte dabei sogar die einen oder andere zum anlocken ins Wasser geworfene Brotflocke auf, durfte man sich keinen Millimeter bewegen. Alleine ein Schluckauf hätte schon gereicht, den Karpfen zu verschrecken.

Hatte man alles richtig gemacht und der Karpfen Appetit auf Brot, so kam dieser langsam näher, stupste manchmal den Köder nur kurz an, dreht wieder ab, schwamm noch eine Bahn, kam zurück, „ küsste“ das Brot, drehte erneut ab, kam wieder zurück, um es dann schlussendlich einzusaugen.
Und dann begann der Tanz mit vor Steifheit zunächst fast unbeweglichen Gelenken.

Der Durchbruch beim Oberflächenangeln kam mit der Idee, eine Wasserkugel als zusätzliches Wurfgewicht zu benutzen. Sie wurde zur Hälfte mit Wasser gefüllt an die Hauptschnur geknotet. Daran ein ca. zwei Meter langes Vorfach samt Haken. Fertig. Nun konnte man auch Karpfen befischen, die weiter weg vom Ufer standen. Man musste sie allerdings zunächst weit überwerfen, weil der Einschlag der Wasserkugel ansonsten zu einem Tumult geführt hätte. Dann wurde die Montage im Zeitlupentempo wieder herangeholt. Die Wasserkugel sollte dabei nicht das Wasser furchen. Ziemlich blöd manchmal, wenn die Karpfen nach einer Viertelstunde Zeitlupenkurbelei plötzlich Ihren Standort änderten und genau da waren, wo vor einiger Zeit die Wasserkugel eingeschlagen war. Auch nett, wenn sich nach der Kurbelei plötzlich das inzwischen aufgeweichte Schwimmbrot vom Haken löste. Nur noch zu toppen, wenn dann ein Karpfen ausgerechnet dieses abgelöste Brotstück einschlürfte.

Hatte man dann endlich einen Karpfen gefangen, wurde der natürlich auch entnommen. C&R war damals weitgehend unbekannt und der Fang gehörte natürlich in die Pfanne. Niemand, wirklich niemand wäre auf die Idee gekommen, einen Karpfen wieder zurückzusetzen. Und einen ganz großen schon dreimal nicht. Schließlich gehörte so ein Fang auch herumgezeigt. Digitalkameras gab es nicht, kaum einer nahm die Spiegelreflexkamera mit ans Wasser. Und selbst wenn, wer weiß ob die Bilder auch was geworden waren. Nein, ein großer Karpfen wurde abgeschlagen, herumgezeigt und verspeist.

Wenn ich das Karpfenangeln in der heutigen Zeit betrachte, so hat sich das wie keine andere Angelmethode verändert. Es ist heute, nicht zuletzt auch wegen wesentlich höherer Karpfenbestände, kaum noch ein Problem einen Karpfen zu fangen. Viele Ansichten und Meinungen der damaligen Zeit haben sich als Sagen und Mythen erwiesen, insbesondere die vermeintliche Schläue und Vorsicht des Karpfens. Wer damals mit Festblei und freiem Haken auf Karpfen hätte angeln wollen, dem wäre jeglicher Sachverstand abgesprochen worden.

Leider ging durch den Wandel, für mein Empfinden, auch ein Großteil der Spannung verloren. War es früher ein Erfolgserlebnis, überhaupt einen Karpfen überlistet zu haben, so wird das heute zu oft nur noch über die Größe definiert.

Im Prinzip kann man sagen, dass früher die Jagd an sich den größten Teil der Spannung beinhaltet hat, wogegen heute der Fang als emotionales Relikt übrig geblieben ist.

Ist das nun wirklich Schade?

Eigentlich nicht. Denn wie früher kann man auch heute noch mit den „ alten „ Methoden seine Karpfen fangen. Wenn man die nötige Geduld aufbringt und Freude an der Jagd an sich hat.

Probiert es einfach mal aus.
 

Carras

Active Member
AW: Carp Talk: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Ein herzliches "Hallo" an alle Leserinnen und Leser,

das Thema des Monats Oktober beschäftigt sich also mit dem Werdegang des Karpfenangelns.
Eines muss ich vorweg nehmen. Die waren Ursprünge dieser Angelart habe ich nicht mit erlebt.
Zwar begann der ganze Boom der (ich nenn es jetzt mal) Boilieangelei erst in den 80er Jahren, die eine oder andere "Erfindung" reicht aber schon einiges weiter zurück, wo selbst die vielen englischen Pioniere, Hemd und Hose, noch aus einem Stück trugen.

Wer nämlich denkt, daß harte Teigkugeln und die Haarmontage eine Erfindung aus den 80er Jahren ist, liegt falsch. Diese wurden schon einige Jahre zuvor eingesetzt. In Frankreich z.B. nutzte ein Angler diese Dinge bereits in den 1930er Jahren. Selbst bei uns in Deutschland wurden Haarvorfach und Selbsthakmontage in den 1940er Jahren eingesetzt.
Rod Hutchinson z.B. "erfand" erst 10 Jahre später das so genannte Boltrig.

Und auch beim Boilie kann man einiges weiter zurück schauen, als in die 80er. Denn auch in den 30er Jahren und 50er Jahren wurden in Deutschland schon gekochte Teigkugeln verwendet.
Izaak Walton beschrieb schon um 1650, wie man Teigkugeln zum Karpfenangeln härter und haltbarer machen konnte. Damals noch mit Bienenwachs und Honig.

Ein gewisser Fred Wilton erfand den Boilie aber erst 1972, wobei er diese sogar schon in den 60ern anwendete. Seine Teigkugeln hatten die größte Ähnlichkeit zu unseren heutigen Wundermurmeln, da er damals schon Zutaten wie Milchproteine, pflanzlichen Eiweißen und Eier verwendete und die Murmeln auch abgekocht hat. Er war auch der Erfinder der HNV (High Nutritive Value) Theorie.

Was aber war es nun, was die Engländer wirklich neu gemacht haben, daß dieser Boom entstand?
Es war die Kombination aus allem. Sie fischten in den 70er Jahre sehr erfolgreich mit Haarvorfach, Bolt Rig und Boilies!

Und seit dieser Zeit, hat sich eigentlich nicht mehr wirklich viel an der eigentlichen Methode geändert. Denn auch Heute noch angeln die meisten Karpfenangler mit Selbsthakmethode, Haarvorfach und Boilies.

Was sich meiner Meinung nach sehr stark verändert hat, sind die Randbedingungen bzw. Erscheinungen dazu.

Mit der Methode der Engländer wurden Jahr für Jahr, größere und auch mehr Karpfen überlistet. Auf gut deutsch gesagt: "Man hatte den Dreh raus"

Dadurch fanden immer mehr Angler gefallen an dieser Methode und es wurde immer mehr und erfolgreicher auf die Großkarpfen geangelt. Spezielles Tackle, gab es zu der Zeit noch nicht so richtig. Und wenn dann nahezu nur in England. In Deutschland etwas davon zu kaufen, war eher unmöglich.
Da die Welt ja einer gewissen Globalisierung unterliegt, war es letzten Endes nur noch ein Frage der Zeit, bis der Boom auch in Deutschland um sich Griff. In manchen Zeitschriften waren Berichte zu finden wie z.B: ein Kevin Maddocks am Lac Cassien einige Riesenkarpfen überlisten konnte. Und das blieb natürlich auch in Deutschland nicht verborgen.

In diesen Zeiten, war aber trotz allem Boom, alles noch etwas "ruhiger" oder auch ursprünglicher. Es gab noch keine großen Printmedien die im ganz großen Stil davon berichteten. Auch der Vertrieb von Karpfentackle begann damals erst so ganz, ganz langsam und ein echte Foxliege aus GB kostete mal gut um die 800.-DM und war natürlich nur bei ganz speziellen Händlern zu bekommen.

Doch das änderte sich alles mit der Zeit. Die Vertriebswege der Hersteller wurden erweitert, da man auch in Deutschland einen Markt dafür entdeckte und auch in Deutschland gab es langsam die ersten Firmen die sich an diesen Boom anschlossen.
Wenn man Heute schaut, verliert man selbst in Deutschland schon fast den Überblick, so groß ist das Angebot. Karpfentackle hier, Karpfentackle da. Boiliehersteller sind aus dem Boden geschossen, als hätte jemand zu viel "Boiliedünger" verteilt. Doch genauso schnell verschwinden viele auch nach zwei, drei Jahren wieder von der Oberfläche. Viele träumen davon, ein Stück vom großen Kuchen ab zu haben, vergessen dabei aber etwas die Realität. Denn ob man es glauben mag oder nicht. Nach Prof. Dr. Robert Arlinghaus gibt es in Deutschland z.B. gerade mal etwas mehr als 8000 spezialisierte Karpfenangler. Gut die Zahlen sind auch schon ein paar Jahre alt. Aber lassen wir es für 2010, meinetwegen zwischen 10.000 und 12.000 oder auch 15.000 "reine" Karpfenangler sein, so viel ist das gar nicht, wenn man bedenkt daß wir hier über 80 Mio. Einwohner haben.
Und dementsprechend hart und umkämpft ist der Markt für die Hersteller und Vertreiber.

Wer etwas an den Mann (oder die Frau) bringen will, muss sich was einfallen lassen. Da ist Marketing oft wichtiger als Qualität.
Und genau das ist mit Sicherheit, einer der Gründe warum sich vieles beim Karpfenangeln auch zum Negativen entwickelt hat.
Vielen älteren und erfahrenen Anglern braucht man als Hersteller nicht mehr viel erzählen. Sie lassen sich meist nicht mehr so schnell blenden, da nahezu jeder schon mal mit dem einen oder anderen Gegenstand "auf die Schnauze gefallen ist".

Potential bietet sich bei Umsteigern, Neulingen und "Unbelehrbaren".
Kombiniert mit den neuen Medien (v.a. Internet und Co.), bietet das eine hervorragende Plattform. Zugegeben, auch ich nutze das Internet auch gerne um mich über das Eine oder Andere zu Informieren. Es geht einfach auch unkomplizierter und ohne riesen Aufwand.
Wer sich z.B. ein Gewässer sucht, kann sich im Netz schnell und einfach mit Informationen versorgen. Pioniersarbeit ist dabei fast nicht mehr notwendig. Man spart Zeit und Geld.
Daß man dabei ggf. den Blick fürs wesentliche am Wasser etwas verlieren kann, bleibt meist auf der Strecke. Wenn einem alles vorgegaukelt wird, von der Stelle, über das Futter, bis hin zum Rig,…braucht man sich ja auch nicht mehr mit den Dingen auseinanderzusetzen. Ob das für die eigene Erfahrungssammlung wirklich dienlich ist, kann man durchaus diskutieren.

Doch das I-Net behält kein Geheimnis lange für sich. Sobald bekannt wird, an welchem Gewässer mal wieder ein Riesenkarpfen über 35 kg gefangen wurde, geht es von vorne los. Wo war das? Mit welchem Köder? Wer hat den gefangen? Wo ist das Foto dazu? usw. Ich denke das Prozedere kennt jeder zu genüge. Auffällig ist dabei meist, daß genau diese publizierten Fänge von Test oder Teamanglern sind. Sind wir also wieder bei der Werbung.

Was bei diesen Fängen im Hintergrund genau passiert ist, weiß nahezu niemand. Daß der Fänger dafür ggf. 250 Nächte an diesem Gewässer verbracht hat, u.U. die eine oder andere Regel etwas anders ausgelegt hat, mit 500 kg Futter am Start war oder was auch immer. Das ist auf der Werbeanzeige später nicht erkennbar. Dort ist nur zu erkennen: "Angeln Sie mit dem Köder der Marke X und der Rute der Marke Y und Sie werden auch so tolle Fische fangen! …ist ganz einfach!"
Und leider verfallen einfach auch viele Angler diesem Glauben. Sie träumen dann vom schnellen, großen Ausnahmekarpfen.

Das Gewässer bekommt dafür dann eine "Belagerung" ab, wo selbst die alten Römer dumm geschaut hätten. Was dabei mit den "ursprünglichen", einheimischen Vereinsanglern passiert,…steht auf einem anderen Blatt. Streitereien sind vorprogrammiert. Die Mitglieder beschweren sich, der Vorstand muss reagieren und es werden neue Regeln und evtl. Verbote aufgestellt.

Die karpfenangelnden Rekordnomaden ziehen weiter, weil sie Ihr Ziel erreicht haben (oder auch nicht). Was den hinterbliebenen Vereinsanglern oder auch Gastanglern bleibt, sind Regeln und Verbote für die sie selbst, gar nichts können. Sie dürfen nun nur alles ausbaden.

Der Hype ums Karpfenangeln hat sich in den letzten 20 oder 30 Jahren sicherlich stark verändert. Hatten die Angler, damals noch Gewässer an denen sie nahezu alleine auf die Moosrücken aus waren, so gibt es heute einfach viel mehr Angler die dieser Passion frönen. Dementsprechend sind viele Gewässer eben auch einem viel stärkeren Angeldruck ausgesetzt. An manchen Plätzen geben sich die Angler quasi die Klinke in die Hand. Solche Spots sind dadurch fast das ganze Jahr über beangelt. Dass es dabei dann durchaus mal zu "Reibereien" kommen kann ist zwangsläufig. Jemand baut sich mühevoll einen Futterplatz auf, ein anderer kommt und angelt einfach drauf. Solche Szenarien sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Gemäß "Ehrencodex" gehört es sich aber nicht, auf fremden Futterplätzen zu fischen.
Doch hat der Neuling im Verein kein Recht darauf auch mal an diesem Platz zu angeln? Doch das Recht hat er!
Hat der, der schon länger im Verein ist, ein Vorrecht auf diese Plätze? Nein hat er nicht!

Solche Dinge sind aber auch schon vor vielen Jahren passiert. Ich kann mich da an eine Geschichte erinnern die sich am Neckar zugetragen hat. Spaßig war das wohl nicht mehr, denn wo kommen wir hin, wenn der eine Angler dem anderen Angler schon Gewalt androht?
Was macht die Erfolgssucht nach Rekordfischen aus manchen Anglern? Egoisten? Straftäter?

Doch bei weitem nicht alles in der Entwicklung hat negative Begleiterscheinungen hervorgerufen.

Wenn man schaut wie viele Jungs noch vor 20 oder 30 Jahren unterwegs waren, mit 0815 Sonnenschirm, mit 0815 Campingliege, dem 0815 Campingschlafsack, einfache Campingklappstühle usw. Das ist heute nicht mehr vorstellbar. Heute haben wir Bivys, Brollys, Bedchairs, Carpchairs, Sleepingbags und alles andere, in großer Auswahl.
Funkbissanzeiger gab es damals z.B. auch noch nicht. Viele waren froh, überhaupt einen Optonic zu besitzen.

An Boilies zu kommen war auch nicht sooo einfach. Der Markt boht bei weitem nicht die Auswahl die wir heute haben.
Heute gibt es einfach alles, und noch sogar noch mehr.
Wer heute etwas benötigt, hat eher das Problem, daß er sich bei der riesigen Auswahl nicht entscheiden kann, was er nun nehmen soll.
Die ganzen Onlineshops bieten uns einfach alles an was man braucht (oder eben auch nicht). Eine große Menge Geld auszugeben ist überhaupt kein Problem.

So habe ich aber auch schon einige Jungangler erlebt, die waren "besser" (teurer) ausgestattet als manche Legenden in ihren Anfangszeiten. Jedoch war es den Junganglern ein Mysterium, wie man ein einfaches NoKnot Rig bindet und wie man das Inlineblei samt Tube auf die Hauptschnur bekommt.
Wenn man des Feld kurz mal von hinten aufrollen möchte, ohne die Basics zu kennen, halte ich das durchaus für bedenklich.

Daß man mit dem Karpfenangeln Geld machen kann, blieb auch dem gewieftesten Geschäftsmann nicht verborgen. So z.B. gibt es heute ganze spezielle Gewässer, die gezielt mit schönen und schweren Karpfen besetzt wurden. Dort kann man sich dann genau deklarierte Plätze anmieten. Sanitäre Anlagen, einen kleinen Angelshop und eine kleine Gastronomie, findet man zudem auch noch an vielen solcher Gewässer.
Die Paylakes. Ich will jetzt nicht über Sinn und Unsinn dieser Gewässer diskutieren, ich möchte damit nur aufzeigen, was im Laufe der Zeit, so alles für den Karpfenangler "erfunden" wurde.

Doch auch bei erhöhtem Angeldruck und Karpfenboom. Es gibt in Deutschland noch viele, viele unbeschriebene Gewässer in denen Fische, noch ohne Namen schwimmen. Sie wurden bislang nur noch nicht richtig entdeckt. Und wenn sie entdeckt wurden, werden sie von vielen Anglern auch als gutes Geheimnis behütet. Denn auch diese Angler wissen was passiert, wenn publik wird, daß an "ihrem" Geheimnis ein echter Großkarpfen seine Bahnen zieht. Es werden andere Angler kommen um auch diesen tollen Fisch zu fangen. So entwickelt sich solch ein Geheimtipp schnell mal zu einem Szenegewässer. Und dann sind wir wieder bei der Eingangs erwähnten Situation, die zu "verbannter Erde" führen kann.

Da wäre dann aber auch die Frage: Haben sich denn die Karpfen im Laufe der Zeit auch entwickelt?
Bestimmt. Heute werden eindeutig mehr, große Karpfen gefangen, als noch vor 20 oder 30 Jahren. Es gibt Meinungen, die sagen, daß es an den modernen Boilies liegt, daß die Karpfenangler sich die Fische mästen.
Ich denke aber, daß es auch daran liegt, das in vielen Ländern das C&R betrieben wird.
Wurde damals noch jeder Fisch abgeschlagen den man am Haken hatte, und ja, das war auch in meiner Anfangszeit so, so ist das heute etwas anders. Nicht jeder Fisch kommt in die Pfanne oder in den Räucherofen. Auch in Deutschland hat die "selektive Entnahme" Einzug gehalten.

Wenn man bedenkt, Karpfen können bis zu 50 Jahre alt werden und wenn man dann berücksichtigt, seit wann diese Fische in unseren Gewässern leben?
Karpfen gibt es in Europa seit den Römern, die haben sie eingeführt. Und viele Klöster in früherer Zeit, haben die Karpfenzucht betrieben. Dementsprechend müsste es in der Theorie viele, viele Karpfen gegeben haben die 50 Jahre alt wurden und Gewichte von über 30 kg erreicht haben. Die Praxis wird anders ausgesehen haben. Solch ein Alter und damit auch Gewicht, haben die Fische gar nie erreicht. Sie wurden vorher entnommen und abgeschlagen. Das war auch in den 60er, 70er, 80er und teils 90er Jahren noch so. Der Allroundangler, der nun mal gerne weit über 90 % der Anglerschaft aus macht, hat solche Fisch entnommen, ohne dabei gegen irgend etwas zu verstoßen, Das möchte ich hier ausdrücklich anmerken. Die Fische hatten also niemals die Möglichkeit voll auszuwachsen.

Wenn man nun betrachtet, daß erst ab Anfang der 80er oder der 90er, das Thema "Selektive Entnahme" in einigen Köpfen begann, so ist es nur logisch das jetzt, 20, 25 oder 30 Jahre später, die Karpfen ein solch entsprechendes Gewicht erreicht haben, sofern sie eben nicht vorher entnommen wurden.
Aber auch Nahrungsvorkommen und Gene sind für solche Gewichte entscheidend.
An Gewässern die in warmen Gebieten liegen (wie z.B: in der Rheinebene), ist es zwangsläufig so, daß die Wassertemperatur, übers Jahr gesehen, länger auf einem Niveau liegt, in der der Karpfen auch noch Nahrung aufnimmt. Wenn es sich dann noch um ein Gewässer handelt daß sehr viel natürliche Nahrung bietet, so ist das ein weiterer positiver Einfluss auf das Wachstum der Fische.
Wenn solch ein Gewässer dann auch noch so besetzt ist, daß die Nahrung für die Fische im Überfluss vorhanden ist, dann werden die Fische immer genug zum fressen haben und weiter wachsen, auch ohne Boilies.

Und das alles entscheidende sind die Gene der Fische. Es gibt Karpfen mit Genen, die wachsen langsamer und diese hören auch bei einer gewissen Größe auf zu wachsen. Da ist bei max. 18 oder 20 kg einfach Schluss. Und es gibt Fische die weitaus bessere Gene haben, wenn es um Wachstum geht. Solche werden natürlich auch bevorzugt in der heutigen Karpfenzucht verwendet. Fische die schnell wachsen und schnell an Gewicht zunehmen können, sind schneller schlachtreif zu verkaufen.
Wenn man nun alle Faktoren zusammen nimmt, dann kann man recht einfach erklären warum die Fische die heute gefangen werden größer und schwerer sind, als die, die vor 20 oder 30 Jahren in der Blinkerhitparade standen. Zumal ich auch bezweifle, daß einer der damaligen Karpfencracks seinen neuen Rekordfang in den Blinker setzen wollte.


Alles in Allem betrachtet, gibt es Entwicklungen die ich nicht als Nachteilig empfinde, gerade was das Tackle angeht, so hat man es heut doch einfacher an gute und nützliche Dinge heran zu kommen, die man auch noch bezahlen kann.
Auch wenn es darum geht, an Infos heran zu kommen, so ist das in der heutigen Zeit wesentlich einfacher.

Wobei ich mir bei der Entwicklung des "Rekordwahns" und des "Werbekriegs" schon ab und an Gedanken machen, ob das alles so richtig ist, was da abläuft. Neid und Missgunst gab es schon immer. Jedoch ist es gerade in unserem Bereich des Karpfenangelns, was ja eh schon mit Adlersaugen beobachtet wird, sicherlich nicht fördernd, wenn wir uns in eine falsche Richtung entwickeln. Oder anders gefragt? Haben wir die falsche Richtung schon eingeschlagen?
Lesenswert dazu ist auch ein zweiteiliger Bericht von Christoph Schulz im CIF 1 und 2 der da heißt: " Wir töten, was wir lieben"


Und damit wünsche ich allen, noch viele schöne und unbeschwerte Stunden am Wasser.


Grüßle

Carras
 
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AW: Boilie Marke Eigenbau (Rezepte,Erfolge,Probleme,Verbesserungen)

Die Gründe, die mich als Kind dazu bewegten, mit Rute und Schnur Karpfen angeln zu gehen, sind die selben, die mich auch heute noch dazu bringen, so manch’ andere interessante Betätigung in den Wind zu schreiben.
Ich möchte die süße Luft unten am See atmen und solange dort verweilen, bis der Wind stirbt und man die Tiere in der Dämmerung schärfer oder -überhaupt erst - wahrnimmt. Besonders jene Kreaturen, die unter der Wasseroberfläche hausen! Die Möglichkeit des Fanges eines starken Fisches, der im Drill einen solch’ kräftigen Kontrast zur friedlichen Umgebung zu setzen vermag, lockt mich auch nach 25 Jahren noch an den See, um dort Stund’ um Stund’ verrinnen zu lassen; um zu hoffen und zu warten.

Manch einer könnte meinen, es gebe Wichtigeres und Gescheiteres zu tun, als das halbe Leben damit zu verbringen, einen Stock mit Leine ins Wasser zu halten und die Zeit zu vergeuden - und so ganz zu unrecht ist die Kritik nicht geübt, denn unten am See stehen Raum und Zeit still und die Stunden, die Jahre verrinnen im Augenblick.

In diesen schnelllebigen Tagen ist der Kontrast, den die Langsamkeit des Karpfenangelns zum Alltag zu setzen vermag, spürbarer denn je zuvor; und je mehr Tribut man den Alltagspflichten zollen muss, desto kostbarer werden die Stunden am Wasser. Allzu schade nur, wenn die Freuden durch den alten Teufel ´Griesgram’ geschmälert werden und wenn Dinge, die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun haben, einem den Spaß verderben können.

Besagter Teufel hat nicht nur mich beizeiten geritten, sondern auch den einen oder anderen Angelfreund. Viele haben sich nach einigen Jahren anderen Betätigungen zugewandt und sind dem Karpfenangeln verloren gegangen. Auch ich habe zwischenzeitlich nach dem Sinn des Karpfenangelns suchen müssen. Zu viele äußere Einflüsse, die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun haben, ließen mich zweifeln, ob meine Verbundenheit zum Sport von Dauer sein sollte. Grübeleien und Diskussionen über ´waidgerechtes Fischen’ und die Rechtfertigung gegenüber anderen, ein steigender Materialismus und eine Dauerverblödung der ´Szene’ kann einem schon mal den Angeltag versäuern.
Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass die Karpfenanglerszene sozusagen einen Schnappschuss der ganzen Gesellschaft darstellt und ich zu unrecht dem Sport als solchen die Schuld dafür gab, dass ich Schwierigkeiten bekam, mich mit dem Karpfenangeln zu assoziieren und mich selbst mit der Gruppe der Karpfenangler zu identifizieren.

Identifikation mit einer Gruppe ist besonders für Jugendliche wichtig. Leider werden nicht immer die Kernaussagen einer solchen Gruppe hinterfragt, und so kam es in der Vergangenheit vermehrt zur Verbreitung von Meinungsbildern wie z.B. Catch & Release als einzig erstrebenswertes Konzept, zu einer gewisse Uniformierung und, verstärkt, zu einem Materialismus, welcher sich im Gerätekauf bzw. der Anschaffung von Statussymbolen manifestiert.
In Großbritannien beispielsweise bekommt man den Eindruck, dass die sozialen Aspekte des Karpfenangelns eine noch größere Rolle spielen als hierzulande. Eine gewisse Meinungskonformität über recht banale Dinge wie ‚Fish Care’ oder gar brisantere Themen wie die Beurteilung des Verhaltens osteuropäischer Zuwanderer im Zusammenhang mit unserem Hobby, scheint dort recht bestechend.

Der Materialismus zeigt sich jedoch nicht nur in der Anschaffung überteuerter Ausrüstung, sondern insbesondere auch in der gesteigerten Erwartungshaltung, große Fische fangen zu wollen oder zu müssen. Auch hier ist Großbritannien das Maß aller Dinge. Das Geschäft mit Paylakes und Dayticket Venues blüht nach wie vor und das Bedürfnis, immer größere Fische mit immer weniger Eigeninitiative fangen zu wollen, wird kontinuierlich erfüllt. Einzig der Diebstahl von Fischen aus öffentlichen französischen Gewässern hat augenscheinlich nachgelassen, sei es aufgrund der neuen Gesetzeslage oder aufgrund einer gewissen Marktsättigung. Dennoch, Gewässer in denen sich offensichtlich, gestohlene Fische befinden, wurden und werden weiterhin befischt, man will sich den Spaß schließlich nicht verderben lassen!
Auch einige Freunde des illegalen Imports von Großkarpfen nach Großbritanniens haben in der letzten Zeit einige Dämpfer bekommen – Geldgier und Skrupellosigkeit zahlen sich nicht immer aus!

Eigeninitiative ist eine weiteres Stichwort: Es verwundert mich, dass trotz der Fülle an frei zugänglichen Informationen, vor allem im Internet, es tendenziell am Willen mangelt, sich diese zu nutze zu machen. Ein Bruchteil des Aufwandes früherer Zeiten wäre heutzutage nur noch nötig, um sich viele Kenntnisse das Karpfenangeln betreffend zu beschaffen. Besonders Fragen zur Köderherstellung bleiben oft unbeantwortet, da es an Grundwissen mangelt. Ein absolutes Paradoxon, bedenkt man die Fülle an bereits im Netz vorhandenen Informationen.
Stattdessen wird häufig mit einem ´Schuss ins Blaue’ versucht, gerade pressierende Probleme zu lösen, wie etwa: ´Ich habe kein Geld, will aber genauso viele Boilies ins Wasser werfen wie mein Kumpel, kann ich die auch aus Paniermehl, Wasser und Vanillearoma herstellen?’ oder aber ‚Wer hat ein Rezept für billige Erdbeerboilies?’ Satzzeichen, Groß- und Kleinschreibung, bitte und danke und dergleichen sind da schon zu viel verlangt, wie kann man dann noch darauf hoffen, dass sich substanziell mit der Materie auseinandergesetzt wird? Dieses Phänomen der ´Abgreifermentalität’ betrifft durchweg alle Bereiche des Karpfenangelns.

Quo Vadis Karpfenangeln? Wenn die Frage darauf abzielt, wohin sich die Szene und der Sport in seinem Erscheinungsbild entwickeln wird, so wage ich keine Prognose. Schwarzseher haben schon vor zehn Jahren den Untergang des Karpfenangelns prophezeit! Aus einer positiven und optimistischen Sicht heraus könnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass sich die negativen Entwicklungen langsamer entfalten als erwartet. Örtlich wird es immer wieder Probleme geben, häufig verursacht durch ´schwarze Schafe’; im Großen und Ganzen bin ich jedoch zuversichtlich, dass es auch in 20 Jahren noch genug Karpfen für alle zu fangen geben wird. Trotz der verbesserten Technik und der Fülle an Information werden die nachfolgenden Generationen uns nicht die Fische weg fangen, denn Fleiß und ein guter Riecher sind Tugenden, die einen guten Angler ausmachen, und diese Tugenden wollen, damals wie heute, erstmal erworben werden.
Glücklicherweise wachsen Karpfen auch recht schnell nach, so dass so manch ein dem Gewässer entflogener oder dem Verzehr zugeführtem Fisch einen nicht über die maßen grämen sollte.

Was die Zunahme von Verboten anbelangt, verbleibt auch in Zukunft örtlich ein gewisses Risiko. Durch schlechtes Benehmen kann man viel Schaden für sich und andere anrichten.
Damit sollte meiner Meinung nach auch örtlich umgegangen werden. Eine Übertragung der Konflikte auf eine örtlich übergeordnete Ebene, etwa durch Internetkampagnen oder Gründungen bzw. Unterhalt von Interessengemeinschaften halte ich nicht für Erfolg versprechend.

Für mich persönlich ist die Frage nach dem ´Wohin’ wirklich einfach zu beantworten, nämlich führt es mich an den Ort zurück, den ich eingangs versucht habe zu beschreiben: Zurück an meinen See und an den Angelplatz im Schilf, den ich mir gern mit einem guten Freund teile!
Ich werde auch weiterhin versuchen, die Essenz des Karpfenangelns nicht aus den Augen zu verlieren und mich auf das zu besinnen, was wichtig ist und was das Karpfenangeln unaustauschbar und unvergleichlich macht.
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marcus7

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AW: Carp Talk: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Karpfenangeln im Wandel der Zeit
Ein herzliches „Hallo“ an alle Leser(innen) unseres Carp-Talks.
Der Mensch stellt dem Karpfen nun schon seit weit über 100 Jahren mit Schnur und Haken nach.
Viele Dinge haben sich im Laufe dieser Zeit stark verändert, in den letzten 20 Jahren sogar sehr stark...
Nicht nur der Sinn den Karpfen zu fangen hat sich um 180 Grad gedreht, nein auch die Technik und die Methoden mit denen wir diesem Fisch nachstellen.
Waren für andere Fischarten, wie etwa den Hecht, die fängigsten Methoden wie Köderfisch oder Kunstköder schon vor langer Zeit gang und gäbe, so rankten sich zu der damaligen Zeit um den Fang von großen Karpfen die tollkünsten Mythen...
Viele Angler hatten ihre ganz eigenen „geheimen“ Tricks, wie etwa ihren selbstgemachten Teig , die gefrorene Kartoffel für die weiten Würfe, ihr Vorgehen beim Biss etc.
Doch in einer Sache waren sich die damaligen Spezialisten alle einig:
Der große Karpfen, damals auch gerne als „Moosrücken“ tituliert, war äußerst vorsichtig im Verhalten, geschickt beim fressen und listig im Drill. Alles in allem galt es damals für fast unmöglich den größten Karpfen im See mit der Angel zu fangen.
Lob und große Anerkennung von den Kollegen gebührte dem, der diese Kunststück doch vollbrachte.


Lange ist diese Zeit her und da ich eher zu den jüngeren Jahrgängen gehöre kann ich auch leider nicht mehr von „damals“ berichten.
Wenn ich jedoch an meine eigenen Anfänge zurückblicke, wie ich früh morgens mit dem Fahrrad zum See geradelt bin, bewaffnet mit einer Dose Gemüsemais, um den Karpfen nachzustellen, muss ich sagen dass ich diese Zeit im Vergleich zu heute nicht missen möchte.

Wie mir damals das Herz pochte, wenn der Satzkarpfen eine kräftige Flucht hingelegt hat, das vermag heute auch kein 40pfünder in mir hervorrufen.

Ich kann mich noch gut an einen Tag erinnern, an dem ich wie schon die Tage zuvor unter der kleinen Brücke am See saß, meinen Mais ausstreute und auf den Karpfen wartete...
Nach Stunden kam ER, sichtlich unbeeindruckt davon, das ich ihm ständig meinen haken mit den zwei Maiskörnern vors Maul dirigierte, zog er seine Bahnen und schien ab und zu etwas von dem Futtermais einzusaugen. Nach etlichen Versuch hatte ich mich schon darauf eingestellt leer auszugehen, da passierte es...
Als ich ihn schon länger aus den Augen verloren hatte, fing meine Wasserkugel an zu zittern und ich setzte den Anhieb, er saß. Dann begann ein wilder Drill mit meiner antiken 10-30gr. DAM Rute. Nach aufregendem Drill landete ich einen 58cm Spiegler mit ca. 4 Kg und war der glücklichste Junge der Welt. Den Karpfen habe ich damals selbstverständlich abgeschlagen, mitgenommen und stolz wie Oskar in der Familie herumgezeigt.
Und doch kann ich heute mit einem Lächeln im Gesicht auf diesen Tag zurückblicken, anstatt mich dafür zu „schämen“, wie es der ein oder andere moderne Karpfenangler mit strikter C&R Einstellung machen würde.

Es war das Geheimnisvolle, Unbekannte an der Jagd nach diesem Fisch.
Wie viel Energie investierte ich die darauf folgenden Jahre in die Jagd nach zunächst immer mehr Karpfen und schließlich nach immer größeren.


Irrsinnige Fragen zermürbten damals meinen Kopf, wenn es einmal wieder nicht mit dem Karpfen geklappt hat. Was hatte ich hier falsch gemacht, was war wohl da der Fehler von mir?
Fragen über die ich heute mit der Erfahrung der Jahre nur müde lächeln kann.

Es gab Rückschläge und auch Sternstunden, auch der allseits bekannte Aha-Effekt trat das ein oder andere mal auf.

Aber all das ergibt den Lerneffekt für den man oft auch Lehrgeld zahlen musste. Genau diesen Punkt versuchen heute immer mehr Jungangler geschickt über das I-Net zu umgehen, dabei frage ich mich oft ob auf diesem Wege nicht das Glücksgefühl für das „selbst geleistete“ auf der Strecke bleibt?


Man sieht heute teilweise 14-jährige am Wasser, deren Ausrüstung dreimal so teuer war, wie die der meisten. Trotzdem haben sie keinerlei Sachverstand um ihren Zielfisch zu fangen.
Schon eine merkwürdige Entwicklung die das Karpfenangeln da zum Teil eingeschlagen hat.
Jedoch bin ich mir in diesem Punkt auch sicher, das dies keine Entwicklung ist die dem Karpfenangeln an sich zugeschrieben werden kann.
Es ist vielmehr ein gesellschaftliches Phänomen, welches man in vielen Formen vorfindet.
In etwa den 18-jährigen der von Papa einen Sportwagen für den bestandenen Führerschein bekommt und damit auf dicke Hose macht, ohne überhaupt Fahrerfahrung zu haben.

Wie dem auch sei, ich finde es schöner über die schönen Entwicklungen, die das Karpfenangeln gemacht hat nachzudenken.
Ausrüstungstechnisch lebt man beim Karpfenangeln heutzutage wie ein König.
Musste der Karpfenangler vor 30 Jahren noch gebückt im matschigen Schilf auf den ersehnten Biss warten (er durfte diesen auch ja nicht verschlafen!) und war auch sonst sehr eingeschränkt in seinen Möglichkeiten, so ist es heute am Wasser schon fast so gemütlich wie im eigenen Wohnzimmer. Zelt, Liege, Kocher, Radio, Fernseher und vieles mehr gestalten einem die Zeit am Wasser so angenehm wie man es damals nicht zu träumen gewagt hatte.

Ja ich weiß, einige die dem Karpfenangeln nichts abgewinnen können und dies trotzdem lesen, werden jetzt die Augen verdrehen, aber leben und leben lassen lautet da die Devise.

Mit der heutigen Ausrüstung kann man die Montage dort hinbringen wo man sie haben will und dort bleibt sie dann auch, bis sie einen Abnehmer findet (oder auch nicht, auch das soll es entgegen der allgemeinen Meinung heutzutage noch geben |supergri).


Man kann verschiedene Strategien fahren, wenn man mehrere Tage an einem großen See mit Boot fischt. Ganz zu schweigen mit welchem Hokus Pokus Angler wie Danny Fairbrass heute ihre Fische überlisten.
Die Möglichkeiten sind heute schier unendlich, verglichen mit dem antiken Schilf Angler, dessen Pose 10m vorm Ufer dümpelte.

Und genau in dem Maße wie die Möglichkeiten gestiegen sind, so sind auch die „Geheimnisse“ die ein jedes Gewässer bergt geschrumpft.
Wie Carras es schon erwähnt hatte, so kann ich zu dieser Thematik auch nur auf den Bericht „Wir töten was wir lieben“ von Christoph Schulz verweisen, sehr lesenswert und er wird den ein oder anderen eingefleischten Karpfenangler zum ernsthaften Nachdenken bewegen.

Sei es wie es ist, das Karpfenangeln war, ist und wird einem ständigen Wandel unterliegen
Und abschließend sei zu sagen, dass ein jeder versuchen sollte das Beste daraus zu machen und sich insbesondere gegenüber anderen Angler toleranter zu zeigen um die Entwicklung unseres schönsten Hobbys der Welt in positive Bahnen zu lenken.

Ich hoffe dem einen oder anderen hat unser nostalgisches Geschwafel über früher und heute gefallen und/oder zumindest das eine oder andere Grinsen aufs Gesicht gezaubert beim reflektieren seiner eigenen Entwicklung.

Damit bis zur nächsten Ausgabe des „Carp-Talk“ im November #h.

TL Marcus
 
Zuletzt bearbeitet:

j4ni

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AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Moin,

wieder mal sehr gelungene Texte - vielen Dank für eure Mühen! Liest sich echt gut!
 

teilzeitgott

karpfenverschrecker
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

moin moin

zuerst einmal, sehr schönes thema und wie eigentlich immer sehr schöne berichte.

karpfenangeln im wandel der zeit....

es stimmt schon das sich sehr, sehr viel geändert hat beim karpfenangeln in den letzten 20-30 jahren.
früher als ich anfing zu angeln vor über 30 jahren als 3 käsehoch, gab es vielleicht eine handvoll angeln die das karpfenangeln betrieben.
mir gelang es eigentlich so gut wie nie einen dieser fische zu fangen.
was natürlich auch daran lag das ich in den anfangszeiten meiner anglerischen laufbahn immer gerne etwas fangen wollte und mehr mit wurn an der posenrute unterwegs war.

wenn ich trotzdem mal einen versuch wagte einen moosrücken zu fangen, ging ich meist als schneider nach hause.
das angeln auf karpfen war mit dem angeln heute auch nicht zu vergleichen.
wie sollte man aber bitte auch selektiv auf diese fische angeln?
welchen köder gab es denn bitteschön schon der einem garantieren konnte das auf ihn ein karpfen und nicht ein " blöder" brassen biss?
mais wurde und wird auch noch heute ja auch oft von anderen fischen vernascht :)
also blieb nur die gute alte und heute leider oft vernachlässigte kartoffel als köder.
leider war auch das nicht immer so einfach, mal war sie zu weich und flog schon beim werfen von haken, mal war sie leider zu hart so das bei einem biss, der anschlag nicht durchgekommen ist.

so war das angeln auf diese fische eben sehr schwer und oft konnte man karpfen nur durch zufall fangen.
und doch hatten diese fische für mich etwas magisches an sich.
das lag sicher auch an einem zufallsfang von mir beim aalangeln, da konnte ich nach harten " gefühlten stundenlangen drill" einen 16 pfund!!!!!!! schweren riesenmega karpfen fangen.
so einen großen riesenfisch hatte ich noch nie gesehen und war stolzer als wenn ich ein mittel gegen krebs erfunden hätte :)
ab jetzt wollte ich nur noch auf karpfen angeln.
das hatte zur folge das ich sehr oft ohne biss und ohne fisch meinen heimweg antreten mußte....

meine leben änderte sich damals radikal als meine schwester einen neuen lebengefähten gefunden hatte.
20 jahre älter als ich, engländern und karpfenangler !!!!!!
ich war zu dem zeitpunkt 16 jahre alt und fing regelmäßig meine karpfen ( locker 10-12 stück im jahr) :) und dachte ich wäre ein profie, typisches denke eines halbstarken junganglers.
als wir beide zum erstenmal zusammen zum angeln gingen betrat ich eine neue welt.
was war denn das was er da am haken, bzw nicht am haken hatte, was war das für ne komische teigkugel?
und was war das für ein komische teil auf dem seine rute lag?
das teil piepte wenn ein fisch biss:k:k
er erklärte mir das wären " boilies" und seine bissanzeiger nannte er optonics..
??????????
was ???
das hatte ich noch nie gehört.
er erklärte mir was das alles war und gab mir wertvolle tipps wie sich im nachhinein herausstellte.
an diesem tag des angelns fing ich mit der grundangel, das ich seit 2 jahren nur noch betrieb, 3 karpfen an einem tag, mehr als jemals zuvor und mein schwager ging leer aus.
so lernte ich an diesem tage auch das richtige C&R kenne, da ich ja eh nur 2 karpfen an einem tag fangen durfte hätte ich den dritten fisch ja eh nicht mitnehmen dürfen.
auch vorher hatte ich schon oft mit dem gedanken gespielt, einen gefangenen fisch wieder zurückzusetzen, weil ich nicht wußte was ich mit dem fisch machen sollte und wehm ich dem fisch hätte zum essen schenken sollen ( ich essen kaum fisch und karpfen schon mal gar nicht)
mein schwager erklärte mir das man das in england fast immer so macht, das man fische zurücksetzt.
ich hatte damit eigentlich kein problem, da ich ja eh kaum fisch essen.
im nachhinein betrachtet stelle ich fest das ich früher nur karpfen abgeschlagen habe weil ich ja einen " beweis" für meinen fang haben mußte#d#d#d#d
die nächstenmale wenn wir zusammen zum angeln waren, zeigte mir mein schwager wo der frosch die locken hat, seine boilies waren meinem dosenmais um längen überlegen und fingen fast nur karpfen und schleien.
und so fing auch ich an mich dieser methode mit boilie und dem haar zu bedienen.
wenn ich am teich mal alleine war und einen kollegen traf, lachten diese mich oft aus und meinten: " was willst du denn so fangen, der köder hängt ja nichtmal am haken, das kann doch nix werden"
oft gelang mir dann trotzdem der fang eines karpfens :)
ausserdem war ich ein toller hecht... denn ich hatte ja inzwischen optonics die mein schwager mir zum geburtstag geschenkt hatte.
das nachtangeln war jetzt etwas ganz anderes, ich konnte mal die augen zumachen und nicht wie früher die nacht durchmachen und auf meine kletteraffen staren.
bald hatte ich auch eine klappriege liege vom aldi und einen schirm unter dem ich liegen konnte.
das angeln war damals trotzdem etwas ganz anderes als heute.
boilies kannte man kaum und sogenanntes tackel konnte man in deutschland kaum und wenn nur zu extremen preisen bekommen.

heute liege im im großzügigen zelt auf einer schönen liege, sitze im karpfenstuhl vor meinem zelt und neben mir liegt meine funke.
meine bissanzeiger zeigen mir zuverlässig jeden kleinen zupfer an und meine selbstgerollten boilies liegen am hot spot den ich mir erlotet habe.
wenn mich der hunger überkommt, koch ich mir was nettes auf dem kocher und trinke dazu einen schönen kaffee.
alles luxus der vor 20 jahre nahezu unvorstellbar war.

heute gibt es alles im überfluss, 1000 ruten und rollen, bissanzeiger, haken usw..
das medium internet schlägt einem mit angeboten der verschiedenen hersteller fast tod.
es ist heute als jungangler oder einsteiger sicher nicht einfach das richtige zu finden.
allerdings muß ich auch sagen das mir diese ganzen fragen, auch hier im forum hin und wieder auf die nerven gehen.
welche rute, rolle, zelt, bissanzeiger, kescher, boilies soll ich kaufen??????
mal selber was ausprobieren scheint heute nicht mehr so die sache von vielen anglern zu sein.
und auch ist heute diesr gerätekult fast nicht zu ertragen.
fox, delkim und die ganzen anderen superdupermarken ohne die man keine fische mehr fangen kann, spielen eine zu große rolle finde ich.
was viel wichtiger wäre ist doch sich mal ein wenig mehr gedanken zu machen, wie fange ich besser.
sich heute noch an einen see zu setzen und mal nen ganzen nachmittag das gewässer zu beobachten ist heute vielen einfach zu viel.
dann kommt das futterboot raus mit echo und der teich wird cm für cm unter die lupe genomen.
vieles an neuerrungen finde ich gut und nützlich, vieles aber eben auch übertrieben.
was war, ist und bleiben wird, ist, das ich das abenteuer angeln auf karpfen, das erleben der natur , die schönheit dieser fische, und das herzklopfen bei einem biss immer lieben werde.
die größe eines gefangenen fisches ist mir gott sei dank völlig egal, so das ich mich auch freuen kann wenn ich nach 3 tagen und nächten am gewässer 1-2 kleinere fische gefangen habe.
in 20 jahren wird das karpfenfischen wohl leider noch technischer sein, was aber keine problem für mich ist, ich kann dann ja bei dem " altmodischen, verstaubten karpfenangeln" von heute bleiben , es zwingt mich ja gott sei dank keiner, jeden trend mitzumachen.

allen viel spaß und erfolg beim angel wünscht jürgen
 

Boendall

Borschtl
AW: Carp Talk: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Also ich als "modernes Karpfenfischen"-Verweigerer lese mir gerne die Beiträge im Karpfenforum durch. Ich lege zwar ab und an gezielt auf Karpfen aus, habe aber nicht die Ausdauer tagelang auf einen "Run" zu warten.

Als "Unkundiger" hat man erstmal das Gefühl das "karpfisch" gesprochen wird.

Wie sieht das "Rig" x/y aus, wo sind die Vorteile, wo die Nachteile? Nach wieviel cm soll man den "Inliner" stoppen, wenn man mit Selbsthakmontage angelt usw. usw.

Das sind alles Fragen über die Karpfenprofis und solche die es werden wollen Gedanken machen.
Dann kommt noch die Chemiker Komponente hinzu: Wieviel Eiweißgehalt, welchen Geschmack sollen die Boilies haben, welche Grösse, wie oft und viel soll man füttern bevor man überhaupt angelt?

Mein "aussergewöhnlicher" Köder für Karpfen ist Frolic. Boilies verwende ich sogut wie nie. Das Einzige, das ich mir abgeguckt habe ist, wie man ein "No-Not-Rig" bindet. Ansonsten Wurm/Maden/Teig/Mais.

Ich habe als junger Bursch gerne Karpfen geangelt und war auch stolz wie Otto als ich meinen 8kg Spiegler erkämpft hatte, der bis jetzt noch mein grösster Karpfen war.

Geangelt habe ich damals mit Mais,Wurm, Teig (der fast jedesmal anders war, weil es darauf ankam was man in Mutti`s Gewürzkästchen zuerst angefunden hat bzw. ob es spontan für gut befunden wurde, also wurde von A wie Anis bis Z wie Zimt alles verarbeitet auch P wie Pfeffer ).
Wenn die Karpfen hoch standen wurde Semmel oder Brot mit der Ködernadel aufgenäht und das Blei war laufend Montiert, so konnte man das Brot unter die Wasseroberfläche ziehen und war weitgehend von den Enten in Sicherheit.

Freilaufrollen waren damals kaum bekannt bzw. hatte ich als 8 Jähriger sowieso keine Möglichkeit an sowas zu kommen, also behalf man sich entweder mit einem Schnurclip (nicht den an der Rolle sondern den geteilten Ring mit Nase, der auf den Rutengriff gesteckt wurde und unter der Nase hat man die Schnur eingeklemmt, damit man auch mit offenem Bügel den Biss sah) oder indem man die Rücklaufsperre rausnahm, allerdings musste man beim Anschlag die Kurbel halten, sonst hatte man die schönsten Perücken. Natürlich gewöhnte man sich mit der Zeit den Griff zur Kurbel an, da man nach unzähligen Perücken ja doch mal dazugelernt hat.

Heutzutage ist Karpfen/Friedfischangeln für mich eine Nebenbeschäftigung beim Ansitzen auf Hecht. Ich bin zufrieden mit meinem Aufwand und meinen "Fangerfolgen", die Karpfenspezis würden wahrscheinlich den Kopf ungläubig schütteln oder mich auslachen, wenn ich mit meinem Aufwand behaupte "Ich angel auf Karpfen". Dennoch bin ich mit meiner amateurhaften Karpfenangelei zufrieden.
 
Zuletzt bearbeitet:

teilzeitgott

karpfenverschrecker
AW: Carp Talk: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Heutzutage ist Karpfen/Friedfischangeln für mich eine Nebenbeschäftigung beim Ansitzen auf Hecht. Ich bin zufrieden mit meinem Aufwand und meinen "Fangerfolgen", die Karpfenspezis würden wahrscheinlich den Kopf ungläubig schütteln oder mich auslachen, wenn ich mit meinem Aufwand behaupte "Ich angel auf Karpfen". Dennoch bin ich mit meiner amateurhaften Karpfenangelei zufrieden.[/QUOTE]


das du zufrieden bist ist doch das wichtigste, und was andere denken oder sagen ist auch nicht sonderlich wichtig.
wenn ich als karpfenhoschi mal zum hecht/zanderangeln gehe beömmelt sich mein kumpel der raubfischfreak auch immer über mein amateurhaftes angeln :)
 

meckpomm

Member
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Moin,

ich möchte das ganze mal ein wenig von einer anderen Seite beleuchten, ich habe zwar keine dreißig Jahre Erfahrung auf Karpfenangeln, fische aber schon seit gut und 15 Jahre auf Karpfen und habe recht viel Kontakt zu Anglern, die eingangs als Urgesteine benannt worden sind. Was mir in den vergangenen Jahren auffällt ist, dass nahezu jeder Angler von 40 Jahren Alter schon mindestens dreißig Jahre auf Karpfen fischt. Von dem Artikel im Blinker im Jahr 1989 angeregt worden zu sein, ist verpönt. Wer was auf sich hält, der angelte dort selbstverständlich schon mit Boilies und Selbsthakmontage auf Karpfen. Es muss eine wirklich komische Zeit gewesen sein, dass alle damals 10-14jährigen mit seinerzeit irrsinnig teuren englischen Markenruten am Wasser rumgelaufen sind. Wenn es denn überhaupt so war… Es scheint ja ein regelrechter Boom gewesen zu sein. Aber machen wir uns mal nix vor. Viele wollen heute einfach nur dazu gehören und waren seinerzeit nur bessere Aalangler. Hört sich halt heute nur nicht so spannend, innovativ und fortschrittlich an. Wo sind denn die Bilder? Wo sind die Indizien? Wenn man mal Leute wie Brix, Martens oder Willms nach derartigen Fotos fragt, dann bekommt man sie zu sehen. Die Bilder sind wirklich genial! Von vielen anderen irgendwie nicht. Aber im Internet versteckt es sich schön.

Es wird auch immer gesagt, dass die Jugend von heute so Tacklefixiert ist. Sorry, aber früher galt man auch nur was mit Optonics, Abu Rollen oder Maddocks Ruten. War es wirklich anders? Irgendwie nicht, denn in Wahrheit haben sich nur die Firmennamen geändert und es ist günstiger und einfacher geworden. Aber geht es heute im das Tackle?

Geht es heute um die großen Fische? Im Grunde genommen auch nicht. Denn die Leute, die hier und in anderen Foren nach dem aktuellen Tackle und dem besten Zubehör fragen, verkaufen es meist zwei Jahre später wieder, weil die erste Freundin ins Haus steht. Eigentlich geht es um das Feeling. Es geht um Ruhe, es geht um Natur es geht um den Adrenalinstoß, den jeder beißende Fisch auslöst, egal wie groß. Leute, die eher auf das Gewicht aus sind, die steigen um auf Waller. Soll es gemütlicher sein, dann wird eben Spinngefischt, da ist man dann wenigstens beschäftigt. Da hat sich eigentlich auch nicht viel geändert, auch wenn manche ältere Semester dies so sehen. Die Zeiten ändern sich halt insgesamt. Vor dreißig Jahren gab es keine Handys, da gab es kein Anglerboard, da gab es eigentlich auch noch keine vernünftigen Printmedien. Informationen hat man trotzdem bekommen. Selbst in der ehemaligen DDR gab es Angler, die gezielt spezielle und auch große Fische fangen wollten und gefangen haben. Karpfen waren auch ohne Boilies schon mit Gewichten von 10, 15 und 20 Kilo fangbar, auch wenn es sich die Leute, die es bis darto nicht geschafft hatten, gerne abstreiten. Ist halt einfach, die eigene "Unfähigkeit" so zu kaschieren.

Wird es also technischer? Ganz klar ja, keine Frage. Das bringt der technische Fortschritt so mit sich. Selbst Mitte der Neunziger Jahre, das hab ich selbst dann schon mitgemacht, galten als Qualitätskriterien für Rollen zum Karpfenfischen 200m 0,30er Schnur und eine fein einstellbare Bremse als Muss; heute ist es normal. Jeder kann selbst entscheiden, wie er fischt. Es ist niemand gezwungen mit dem Futterboot die Ruten auszulegen. Die Karpfen sind keineswegs in immer uferfernere Regionen zurückgezogen. Wer das glaubt, der hat sie vor zwanzig, dreißig Jahren auch nicht gefangen. Methoden wie 1989 fangen heute immer noch Fisch. Eigentlich müssten sie doch sogar noch mehr fangen, denn angeblich seien die Bestände ja besser denn je. Ob sie das immer und überall sind, möchte ich bezweifeln. Aber größere Fische gibt es sicher. Das ist durch die anhaltende Fütterung bedingt, die seit Mitte der Achtziger Jahre einsetzte. Das Zurücksetzen von Fischen gibt ein Übriges. Aber wie oben bereits geschrieben, Gewichte sind nicht alles!

Haben sich die Leute geändert? Gekommen sind viele, gegangen eigentlich auch. Haberle, Brix und Synwoldt sind Urgesteine. Aber auch heute gibt es eine Menge wirklich herausragender Leute, sei es ein Mark Dörner, ein Christian Graßhoff oder ein – ob man ihn mag oder nicht – Maik Pyka; alles geniale Angler. Die sind nicht unbedingt erpicht darauf einem Dick Walker nachzueifern und regelrecht nachzumachen. Letztendlich sind die britischen Gewässer mit ein paar Acres nur unwesentlich größer als deutsche Weiher. Da muss man anders vorgehen. Deutsche Angler fischen oft an See mit mehreren hundert Hektar, Kanälen und großen Flüssen. Es ist halt doch nicht vergleichbar und nicht blind zu übernehmen. Das haben auch die Printmedien mittlerweile erkannt.

Unter anderem deshalb hat die mediale Präsenz deutscher Angler zugenommen, aber alle vereint ein Hobby. Galt es zwischenzeitig mal als Chic, möglichst viele Nächte im Jahr zu fischen, ist es heute absolut okay, wenn man sogar noch ein intaktes soziales Umfeld hat.

Es hat sich einiges geändert, aber im wesentlichen ist es gleich geblieben. Nur weil man 30 Jahre auf Karpfen angelt, ist niemand ein guter Angler. Auch Engländer sind nicht geborene Karpfenangler und auch in England haben nicht alle Angler automatisch Stil; ganz im Gegenteil es gibt auch dort Vollidioten. Aber das war sicher auch schon so, als die Leute, die heute schon 30 Jahre auf Karpfen fischen wollen, noch blaue Einteiler getragen haben und am liebsten an Mutti gekuschelt haben...

Gruß,
Rene
 
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Hi Meckpomm,
guter Beitrag!
Auch ich habe erst mitte der 90er mit dem modernen Karpfenangeln begonnen. Auch ich war, als ich 1984 meinen ersten Karpfen fing, erst 12 Jahre alt und ich wußte von Boilieangeln rein gar nichts.
Die wichtigsten Erfahrungen - in punkto Karpfen und Angeln im Allgemeinen - sammelt man meiner Meinung nach in jungen Jahren und mit viel Zeit im Gepäck. Die Methode ist eigentlich sekundär.
Als ich auf das Boilieangeln umschwenkte und bei mir mit der neuen Methode der Knoten platzte, kam mir der Wissensvorsprung damals riesig vor. Im Rückblick denke ich, dass der Fortschritt für mich selbst gar nicht so groß gewesen ist.
 

j4ni

Active Member
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Moin Rene,


schön mal wieder was von dir hier zu lesen! Guter Beitrag, me like.
 

teilzeitgott

karpfenverschrecker
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

moin meckpomm

sehr guter bericht.
genau so sieht es aus.
heute erzählt jeder 2 angler das er karpfenangler der ersten stunde war und mit der boilieangelei groß geworden ist.
das was du sagst mit den beweisen zb, fotos ist richtig.. die meisten haben keine fotos von damals.
das liegt an zweit seiten.
erstens: hatte man damals nicht wirklich oft eine kamera mit beim angeln und darun konnte man keine fotos machen.
zweitens: sehr viele haben damals gar nicht auf karpfen geangelt und haben darum keine fotos :)
ich habe sogar noch sehr schlechte fotos in schwarz-weiss vom angeln :)
da habe ich noch fast eierschale um die ohren.
und meine ersten selbstgerollten boilies ende der 80ziger anfang 90ziger, waren oft so hart das man mit ihnen durch panzerglas hätte schießen können :)
es ist doch eigentlich egal wie lange man schon auf karpfen angelt... wichtig ist doch der spaß dabei.
den hatte ich vor 25 jahren und habe ihn auch heute noch.
 

wolkenkrieger

Dumm und Sand in den Augen :/
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Ich möchte mal den Beitrag von Ralle aufgreifen ...

Mein erster gezielt beangelter Karpfen hing so vor ca. 22 Jahren an der Sehne ... am Aradosee beinahe im Herzen Potsdams - also noch zu DDR-Zeiten.

Wir Steppkes angelten bis dato eher ungezielt und mit - aus heutiger Sicht - haarstreubenden Montagen.

Riesen Haken, dicke (ab 35er aufwärts) Sehne (den Begriff Monofile kenne ich in der Tat erst aus dem Internet!), schwere Posen mit möglichst großer Tragkraft (meine erste Montage trug gut und gerne 20gr), knüpelige Ruten und entsprechend "große" Rollen.

Anfüttern hieß bei uns, eine handvoll Haferflocken mit Sand gemischt ins Wasser zu werfen. Die als Köder verwendeten Würmer wurden direkt am Wasser gesucht oder - wenn es Maden sein sollten - ganz frisch beim Potsdamer Schlachthof aus der Abfalltonnen geholt (den Gestank habe ich heute noch in der Nase ... wiederlich :)).

Und dann kam der Tag am Aradosee ...

An "meiner" bevorzugten Stelle saß ein alter Hase ... bereits Rentner, würde ich heute mal vermuten und angelte ohne Pose und sonstige erkennbaren Bisanzeiger.

Und fing Karpfen!

Seine Montage war eine ganz simple - aber dennoch entscheidend anders, als sie Ralle in seinem Beitrag erwähnt. Entscheidend nämlich in dem Punkt, als das ich aus heutiger Sicht sagen kann, dass ich an diesem Tag meine erste "quasi" Festbleimontage gesehen habe.

Er hatte auf einer 35er Sehne ein 30gr Sargblei laufen, dass durch eine gequetschte Bleikugel jeweils beidseitig fixiert wurde. Der Haken war noch direkt an die Hauptschur geknotet. Kein Wirbel, keine Stopperkugel, nichts.

Und als Köder kam eine kleine halbrohe Kartoffel zum Einsatz.

Wo es bei uns Piefkes noch galt, rechtzeitig und kräftig anzuschlagen, so hatte der alte Mann (respektvoll meinend) im Falle eines Bisses die Ruhe weg. Er setzte einen kurzen Anhieb und drillte in Ruhe seinen Karpfen aus.

Genau so, wie wir es heute auch tun, wenn der Bißanzeiger kreischt. Lass ihn kurz laufen ... das Blei macht die Arbeit.

Was mich an der Montage seinerzeit am meisten schockte, war aber nicht das völlige Fehlen jeglicher Bißanzeiger, sondern die Art und Weise, wie die Kartoffel dar geboten wurde: mit etwas Nähzwirn wurde die Kartoffel eingeschnürt (zwei Lagen über Kreuz und ein sanft zugezogener Knoten - das war's schon) und dann einfach in den Haaken eingehangen.

Man könnte meinen, es handelte sich um eine rudimentäre Haarmontage - nur ohne erkennbares Haar.

Aber (und hier nochmal der Brückenschlag zu Ralle's Beitrag): der Haken lag vollkommen frei! Das war für mich damals ein absolutes Unding.

So eine Montage konnte - ja durfte - gar nicht fangen. Aber sie fing - und das gar nicht mal schlecht.

Jetzt, mehr als 20 Jahre später, ist es für mich vollkommen Usus, dass der Haken frei neben dem Boilie hängt. Und ebenso ist es selbstverständlich, dass das Blei die Arbeit des Anschlages übernimmt.

Was mir aber klar geworden ist, ist folgendes: so sehr man heute auch die moderne Karpfenangelei betont ... grundlegendes hat sich eigentlich nicht geändert.

Klar, wir sitzen heute auf gepolsterten Stühlen, lümmeln im Zelt auf gepolsterten Liegen und kriechen in einen gepolsterten Schlafsack des Nachtens. Aber das, was den Fisch fängt - die eigentliche Montage nämlich - ist heute noch beinahe so, wie vor 20 Jahren.

Das Gerät hat sich geändert - das ist dem Wandel der Zeit geschuldet ... aber das eigentliche Angeln? Ich meine nein.

Es gelten heute noch die selben grundlgenden Dinge beim Karpfenangeln, wie damals, als ich als Steppke mit großen Augen neben einem alten Mann saß und sah, dass eine Montage Fisch brachte, die eigentlich nicht - niemals im Leben nicht - Fisch bringen hätte dürfen.

Und wenn mich so richtig der Hafer piekt, sitze ich heute am Wasser, habe eine Kartoffel mit Zwirn umwickelt, den Haken eingehangen und fange Karpfen ... ganz einfach :)
 

jochen1000

Member
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Fantatische Geschichten und tolle Beiträge!

Das dieser CT so lebendig ist, ist eine wirklich positive Entwicklung!! Genau so soll es sein!
 

teilzeitgott

karpfenverschrecker
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

ich finde es auch klasse das diesesmal ein paar mehr leute sich zu wort melden, als die handvoll die es sonst so tun.
scheint ein gutes thema zu sein :)
 

Boendall

Borschtl
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

hmmmm gerade ist mir noch eingefallen, dass ich meine Karpfen damals in kg gewogen habe und nicht in Pfund.

Allerdings gilt diese "Pfundrechnerei" ja nicht nur für Karpfen.

Woran es liegt? Keine Ahnung, kanns mir nur so erklären, dass eine größere Zahl mehr "Eindruck" macht... allerdings rechne ich mein Monatsgehalt ja auch nicht in Cent, nur um eine höhere Zahl zu bekommen ;)
 

marcus7

Active Member
AW: Carp Talk Oktober: Karpfenangeln im Wandel der Zeit

Moin,

Die Tommys haben mit der Pfund Ausdrucksweise angefangen und wir sind nachgezogen.

Stimmt schon was du sagst, aber Vorteile hat es auch.
So kann man ein krummes Gewicht wie z.B. 9,5Kg mit 19pfd. rund ausdrücken.

Die Engländer mit ihren Lbs. machen dann schon aus dem 9kg-Fisch einen 20-pfünder ;).
Es sei ihnen vergönnt, bei uns hier sind die Fische eh größer|supergri.
 
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