Wie verhält sich der Hecht, nach dem er die Beute schnappt?

Boendall

Borschtl
Hallo Leute,

Wir hatten dieses Wochenende ein Gemeinschaftfsfischen an unserem Teich (Fr.-So.). Nachdem Die Kumpels von weiter weg nicht so oft die Chance haben unsere Teiche zu beangeln, lassen wir die Plätze an denen meist gefangen wird den "Auswertigen". Ich kann ja eigentlich immer dort angeln, weil der Teich 5 Minuten von mir entfernt ist.

Also eher auf`s Kochen und Quasseln mit den Kumpels (die man ja ausser im gemeinsamen Urlaub und an dem Wochenende 2-4 mal sieht) quasseln.

Da man ja trotzdem nicht ganz auf`s Angeln verzichten will, den alten zugewachsenen Platz direkt neben dem Einfahrtstor wieder brauchbar gemacht (der Busch wucherte einfach seit 2 Jahren, weil niemand mehr dort geangelt hat).

Die Frage "Wohin sollte den der Köfi?" war schnell beantwortet, da in Wurfweite das Schilf von einem Busch unterbrochen war. Also Köfi montiert und platziert. Nun gings ans "warten" (was ja nicht wirklich schwer war, wie gesagt Kochen und Quasseln). Nachdem mir der erste Fisch gestohlen wurde (Schwimmer ging im Kreis und plötzlich wars wieder Ruhig) dachte ich mir "Siehste hast ja doch mittlerweile ein bisschen was von den Älteren gelernt und findest den Hecht selbst". Beim zweiten Biss war ich dann etwas aufmerksamer und konnte einen Halbstarken mit 50cm übereden mal an Land vorbei zu schauen.

Da der Schwimmer etwas vom Busch weggetrieben war, war ich eigentlich nicht mehr genau sondern nurmehr in der Nähe des Platzes wo ich den Hecht vermutet habe. Was mich zur Frage bringt:
Wenn ein Hecht aus seiner "Wohnung" kommt um zu rauben, wie verhält er sich?
Schnappt er den Fisch und zieht sich zurück in den Unterschlupf oder zieht er eher weg von seinem Standort?

Ich weiß, dass man Verhalten nicht pauschalieren kann, was meint ihr?
 
AW: Wie verhält sich der Hecht, nach dem er die Beute schnappt?

Hallo, Sportfreund Boendall!
Ich will versuchen, Dir auf Deine Frage so gut zu antworten wie ich es eben kann. Sehr richtig hast Du schon angemerkt, dass man das Verhalten eines Hechtes nach einem geglückten Raubzug nicht verallgemeinern kann, aber ich will Dir von meinen Erfahrungen und Beobachtungen erzählen:
Ich weiter zurückliegenden Jahren habe ich viel in relativ flachen Entwässerungsgräben im sogenannten Alten Land bei Hamburg gefischt. In den Jahren, von denen ich Dir erzählen will, war sogar das Angeln mit dem lebenden Köderfisch offiziell noch erlaubt, und es war damals auch meine bewährte Hechtfangmethode. Geangelt habe ich damals mit etwa handlangen Rotaugen, die per Nasenköderung an einer klassischen Schnappangel in etwa dreiviertel der Wassertiefe angeboten wurden. Da die Gewässer, die ich befischte, eben recht flach waren, konnte ich in der Regel nach dem Anbiss eines Hechtes den roten Korkschwimmer unter der Wasseroberfläche weiter verfolgen. Eine ziemlich spannende Angelegenheit... Wenn ein Hecht biss, wurde die Pose meistens vehement schräg unter Wasser gezogen, dann zog der Hecht in der Regel etliche Meter weiter und blieb stehen. Bald darauf konnte man meist an der Pose leichte Auf- und Abbewegungen erkennen, das war dann der Moment, in dem der Hecht den Köder drehte, so dass er ihn Kopf voran schlucken konnte. Nach einer Weile setzte sich der Hecht dann oftmals wieder in Bewegung, weil er mit dem Schlucken begonnen hatte. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich versuchte, den Anhieb zu setzen, weil jetzt meistens der Haken innerhalb des Rachens war und somit Halt finden konnte. Ich habe nicht ein einziges Mal erlebt, dass ein Hecht nach dem Anbiss auf genau den Gewässermeter zurückgekehrt ist, von wo aus er zum Angriff gestartet ist. Ich denke, wir Angler dürfen uns das mit dem Standplatz eines Hechtes nicht zu statisch vorstellen! Natürlich steht ein Hecht gerne fast unbeweglich an einer günstigen Stelle und wartet auf vorbeiziehende Beute, aber nur ein paar Gewässermeter weiter stehen schon weitere Unterwasserpflanzen, die neue Deckung bieten. Für den Hecht sind es nur ein paar langsame Flossenschläge, und schon hat er eine neue "Wohnung" bezogen, vielleicht für Stunden, vielleicht für ein paar Tage... Interessant finde ich es auch, was passiert, wenn ein Hecht einen Kunstköder attackiert und verfehlt. Wenn ich so etwas erlebe, warte ich in der Regel so etwa fünf Minuten und fische dann die Angelstelle und ihre Umgebung noch einmal konzentriert ab. Oftmals erwische ich den Burschen dann, aber ich kriege den Folgebiss dann eigentlich nie genau an der Stelle, an der ich den Erstkontakt hatte. Bei aller Standorttreue ist ein Hecht eben auch flexibel.
So viel von mir zu Deiner Fragestellung. Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen...!?
 

Boendall

Borschtl
AW: Wie verhält sich der Hecht, nach dem er die Beute schnappt?

Danke Hechtfreund, das hilft einiges. Ich sehe es ja auch nicht so statisch. Ichhabe das Glück, dass eben besagter Teich nur eine Handvoll Angler befischen dürfen und mein Älterer Herr mit 2 Kumpels die Pächter sind. Da es sich um Sickerflächen für die Wasserversorgung einer Fabrik handelt, wurden Pachtverträge nicht an Vereine, sondern immer nur an Privatpersonen.

So entstand über die Zeit ein relativ guter und naturnaher Bestand, da kaum Besatzmassnahmen gemacht wurden.

Drum haben wir eben auch einen großen Hechtbestand, was das Angeln drauf leicht macht. Allerdings mit dem Vorteil, dass man Beobachtungen recht einfach macht und auch seine Schlüsse ziehen probiert.

Ich beangel meist Löcher im Krautteppich oder die Krautkante, da man dort oft den Hecht findet. Natürlich kann man dort nicht so genau sagen woher kommt der Hecht und wo steht er eigentlich.

Meine Annahme war eben, dass "mein" Hecht vorbeikam, aber nicht unter dem Busch wohnt und wegen eines größeren, der dort steht ins Freiwasser gezogen ist und nicht zum Unterstand.
Aber egal, heute in der Mittagspause beim Putzen, hab ich festgestellt, dass ich den Busch dort etwas intensiver beangeln werde, sollte dort wirklich die Oma wohnen wird sie sicher irgendwann hungrig sein.
Da zur Zeit ein Staubecken flussaufwärts (die Teiche werden vom Fluss gespeist) ausgebaggert wird, ist das Wasser meist recht trübe. Am Sonntag wird es klarer und hält bis Montag bis der Dreck der erneuten Arbeiten wieder reinkommt.
Somit hat man relativ Gute Chancen Sonntag und Montag.
 

Lil Torres

Immer-mehr-Allrounder
AW: Wie verhält sich der Hecht, nach dem er die Beute schnappt?

@Hechtfreund65

ein sehr interessanter beitrag von dir, super!! #6
 
Zuletzt bearbeitet:

FangeNichts5

Raubfischteam-Oste
AW: Wie verhält sich der Hecht, nach dem er die Beute schnappt?

@Hechtfreund
Sehr interessant!:m
Das mit dem Abziehen und den anderen Abläufen habe ich bisher beim Naturköderangeln auf Hecht immer fast genau so erlebt wie du es beschrieben hast.:)

MFG
FangeNichts5
 

Sneep

Eine NASE für den Fisch
In stillem Gedenken
AW: Wie verhält sich der Hecht, nach dem er die Beute schnappt?

Hallo,

ein Hecht ist von seinem ganzen Körperbau auf einen kurzen, schnellen Angriff ausgelegt. Die hinteren Flossen bilden praktisch eine große Flosse und sind ideal für einen Blitzstart.

Der Nachteil ist, dieser "Fangschlag" kostet sehr viel Energie. Daher versucht der Hecht sich auf die Beute auszurichten und möglichst nahe an den Beutefisch heranzukommen, um die Zahl der Fehlschläge zu minimieren.

Hat er einen Schwarm vor sich, fällt jetzt die Entscheidung, welcher Einzelfisch angegriffen wird.
Dann erfolgt der Fangschlag, der in der Mehrheit trotzdem ohne Erfolg ist. Verfehlt er die Beute, wird diese in der Regel nicht verfolgt, sondern der Hecht kehrt auf seine Ausgangsposition zurück.
Hat er Erfolg, kehrt er in sein Versteck zurück. Gerade große Hechte fühlen sich oft sicher genug, gleich vor Ort mit dem Fressen zu beginnen.

In aller Regel beginnt der Hecht dann damit seine Beute so zu drehen, dass er sie mit dem Kopf voran schlucken kann.
Dann legen sich Flossen und ggf. Stacheln an und stellen sich beim Schlucken nicht auf. Bei kleinen Fischen kann das Drehen unterbleiben und er schluckt die Beute sofort.

Falls noch nicht geschehen, kehrt der Hecht dann in sein Versteck zurück.

Diesen ganzen Vorgang kann man auch an der Pose verfolgen. Nach meiner Beobachtung gibt es 2 günstige Momente zum anschlagen. Die eine Variante ist der Anschlag möglichst sofort nach dem Biss, auf jeden Fall, bevor der Hecht mit dem Drehen beginnt. Das gilt für Rückenköderung. Nach dem Biss ist der Köder weit im Maul und ich gehe kein Risiko, dass der Hecht geschluckt hat.

Beim Drehen sollte man nicht anschlagen, da man nie weiß, wo sich der Köder gerade befindet. Beginnt der Hecht nach dem Drehen zu schlucken, ist eine weitere Möglichkeit zum anschlagen.
Es ist aber unter Umständen schwierig den Zeitpunkt zu bestimmen, wo die das Drehen abgeschlossen ist und der Hecht mit dem Schlucken beginnt. Entweder hat der Hecht dann geschluckt oder er hängt nicht.

Man muss sich etwas überwinden so früh anzuschlagen, man will ja nichts riskieren bei einem Hecht, aber die Phase direkt nach dem Biss ist die einzige, wo ich ziemlich sicher bin, wo der Köder ist.(außer ganz zum Schluss im Magen)

Man kann daher auch auf alte Wahrheiten zurückgreifen und nach dem Anbiss noch eine Zigarette rauchen. Dann hängt der Hecht zwar auch, aber im Magensack.


SNEEp
 

FehmarnAngler

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