Warum gerade der Aal?

Andal

Teilzeitketzer
In stillem Gedenken
Um das aktuelle Aal-Thema nicht zu zerquatschen, hier meine Frage:

Woher hat eigentlich der Aal seinen Stellenwert?

Selbst wenn man mit absoluten Nichtanglern übers Angeln in der Nacht spricht, fällt denen sofort der Aal ein. Den Hamburger Marktschreier, der bündelweise mit Räucheraal herumwedelt kennt jeder, ebenso die legendären Szenen aus Günter Grass' „Blechtrommel“. Geräucherter Aal wird allgemeinhin gepriesen, als sei es die Delikatesse aller Delikatessen.

Woher kommt dieser Wirbel um diesen Fisch?

Liegt es an seinem geheimnisvollen Leben, besonders seinem unerforschten Laichgebiet und dem Drumherum? Izaak Walton, der Ahn aller Angler, vermutete gar noch, Aale würden aus dem Schlamm der Gewässer geboren. Ist seine Beliebtheit auf deutschen Tellern einfach nur Resultat einer genialen Vermarktung? Schließlich wird rund um uns herum um den Aal kein solches kulinarisches Gewese gemacht. Auf den britischen Inseln gilt er beispielsweise heute noch als Armeleuteessen, ja als Notnahrung.

Gemessen an seiner Körperlänge gibt der Aal wenig her. Der reine Fleischanteil ist im Verhältnis zur Körpermasse gering.

Auch wenn John Sidley es als sein Lebenswerk sah, ist der Aal doch keine besondere anglerische Herausforderung. Die üblichen Angelmethoden sind meist mehr als derb und grundsätzlich unkompliziert. Besonderes Angelgerät ist unnötig. Hauptsache kräftig und für die Hauruck-Fischerei geeignet. Aalangeln ist für wirklich jeden und ohne größere Fähigkeiten praktizierbar.

Ich möchte hier ausdrücklich weder den Aal, noch seine Fangemeinde gut-, oder schlechtreden. Es interessiert mich einfach, wieso ausgerechnet um diesen Fisch so ein Wirbel gemacht wurde und wird!
 
F

Franky

Guest
AW: Warum gerade der Aal?

Weil geräucherter Aal einfach eine Delikatesse ist?
 

wasser-ralf

Well-Known Member
AW: Warum gerade der Aal?

Weil geräucherter Aal einfach eine Delikatesse ist?

Reine Geschmacksfrage - meine Familie und ich schätzen ihn nicht all zu sehr. Im Höchstfall gedünstet.
 

sonstwer

kein Schönwetterangler
AW: Warum gerade der Aal?

Hi!

Da hast du eine wirklich gute Frage gestellt!
Ich denke mir, da gibt es keine explizite Antwort drauf, weil es zu viele Faktoren sind, die zu diesem "Ruf" geführt haben.

Lass es mich mal so versuchen:
Der Aal wird hauptsächlich nachts oder über Nacht gefangen, was ihm sicherlich den Stempel des "geheimnisvollen" aufdrückt.
Dazu ist sein Fleisch noch von anderer Konsistenz als das anderer Fische, auch das macht ihn besonders.
Durch seinen hohen Fettanteil ist er sehr nahrhaft und damit (auch als "Armeleuteessen") wohl eine begehrte Protein- und Kraftquelle für den Menschen.
Daß der Aal im Vergleich zu seiner Körpergröße wenig Fleisch zu bieten hat, macht ihn ja auch begehrenswert, denn der Mensch hat schon immer das begehrt, was selten oder unergiebig ist. Das erhöht einfach den Wert.

Hinzu kommt noch, daß es ein grätenarmer Fisch ist, der noch dazu nicht als "Edelfisch" für die Oberklassen galt.

All dies dürfte dazu geführt haben, daß auch der gesellschaftliche Wert von Aalfleisch gestiegen ist. War eben nicht viel dran an einem Fang und er hat sich so quasi selbst gut vermarktet.

Wie oft haben wir es schon erlebt, daß Waren, die dem Volk so billig waren, daß sie es liebten, gerade dadurch den Oberklassen in den Fokus gelangt sind?
Wie viele Armeleuteessen wurden durch solche Aufwertungen schon zu Delikatessen?

Es ist noch nicht lange her, da stand in den Verträgen von Bediensteten, daß es nicht häufiger als 2 mal die Woche Lachs zu essen geben dürfe?
Wie lange ist es her, daß auch der Hummer hauptsächlich auf den Tellern der unteren Schichten landete?

Zwei Beispiele, die einem vielleicht eine Antwort erahnen lassen.

Eindeutige Argumente oder gar Beweise werden sich wohl nicht finden lassen, es sei denn, man zieht empirische Daten aus anderen Lebensmittelbereichen heran, wo Waren den gleichen Weg gegangen sind.

LG,
frank
 

Andal

Teilzeitketzer
In stillem Gedenken
AW: Warum gerade der Aal?

Es ist noch nicht lange her, da stand in den Verträgen von Bediensteten, daß es nicht häufiger als 2 mal die Woche Lachs zu essen geben dürfe?

Komischerweise gibt es dafür keinerlei schriftlich Beweise.

Selbst wenn sich das Thema nicht mit historischer Präzision beantworten lässt. So sind die persönlichen Statements nicht weniger aufschlussreich.
 

Andal

Teilzeitketzer
In stillem Gedenken
AW: Warum gerade der Aal?

Weil geräucherter Aal einfach eine Delikatesse ist?

Da könnte man prima ein eigenes Thema draus machen. Was ist eine Delikatesse und wer legt es fest? ;)
 

Thomas9904

Well-Known Member
AW: Warum gerade der Aal?

Aal lässt sich vielfältig zubereiten, Aal gibt's in vielen Gewässern, er ist recht einfach zu fangen, Aalangeln kann man mit preiswertem Gerät, nachts draussen macht Spass etc. pp...........


Was ist eine Delikatesse und wer legt es fest?
1.:
Der Markt..
Nachvollziehbar an den Preisen, die erzielt werden für ein Produkt..

2.:
Der persönliche Geschmack, unerheblich von Marktpreisen (ich find Rotkohl (richtig gemacht) eine Delikatesse)...
 
Zuletzt bearbeitet:

Jose

Active Member
AW: Warum gerade der Aal?

Woher hat eigentlich der Aal seinen Stellenwert?
Selbst wenn man mit absoluten Nichtanglern übers Angeln in der Nacht spricht, fällt denen sofort der Aal ein. Den Hamburger Marktschreier, der bündelweise mit Räucheraal herumwedelt kennt jeder, ebenso die legendären Szenen aus Günter Grass' „Blechtrommel“. Geräucherter Aal wird allgemeinhin gepriesen, als sei es die Delikatesse aller Delikatessen.


welchen besonderen stellenwert hat denn der aal?
sehe ich nicht.
 

AAlfänger

Member
AW: Warum gerade der Aal?

Moin,moin
Dem, was mein Vorredner sagte kann ich noch folgendes zufügen: Als ich noch ein Kind war, so 7-8 Jahre alt kam bei uns ein Weserfischer, der auch den Fischladen bei uns im Ort betrieb ein mal die Woche, meist Freitags und wollte seine Brataale verkaufen. Die Reusen waren immer voll. Nachdem aber die Fänge immer weniger wurden verteuerten sie sich natürlich. Mitlerweile kosten in Gaststätten ,, AAl satt gebraten'' teilweise schon 30€. Das kann man schon garnicht mehr rausessen. Und wie es so ist, was knapp ist, wird auch gleich teuer!#c

Gruß AAlfänger
 

antonio

Active Member
AW: Warum gerade der Aal?

es ist eine frage des "marketings", wie bei vielen anderen sachen auch.
und das hat eben funktioniert und sich in den köpfen eingebrannt und "weitervererbt".
und eben nicht nur beim aal.
und wenn man sich bei "ottonormal" mal umhört in bezug auf fisch dann können einem schon mal die haare zu berge stehen bei dem was da so von sich gegeben wird.
seelachs, pangasius, edelfische und und und.
man kann eben vieles steuern durch "kluges" marketing.
auch in die andere richtung, daß eben bestimmte sachen mit negativem behaftet werden, als beispiel hier die weißfische mal genannt.

antonio
 

Windelwilli

Schönwetterangler
AW: Warum gerade der Aal?

Und wie es so ist, was knapp ist, wird auch gleich teuer!#c

Gruß AAlfänger


Genau das!

Früher war Lachs, Hummer, Aal noch reichlich und im Überfluss vertreten und vorhanden, also billig und wenig geschätzt.
Je knapper das ganze wird, desto teurer. Marktwirtschaft eben.

Ist ja mit Gold, Dianmanten ect. nicht anders.
Würde es davon für alle reichlich geben und käme man da ohne Probleme dran, wäre das auch nix wert.
Die Knappheit macht es erst wertvoll.

Mir schmeckt der Aal einfach gut, egal ob gebraten oder geräuchert. Und das er keine Gräten (bis auf das Mittelding) hat, kommt mir als Grätenhasser natürlich sehr entgegen.
 

wasser-ralf

Well-Known Member
AW: Warum gerade der Aal?

Der Aal wurde wohl auch auf Grund seiner doch recht geheimnisvollen Lebensweise mit vielen Mythen und legenden bedacht und damit noch geheimnisumwitterter und interessanter.

Was wird ihm nicht alles nachgesagt? Beispielsweise dass er auf seinen Wanderungen unaufhaltsam ist, sich notfalls auch nachts über Land auf feuchten Wiesen schlängelt. Dann dürfte für den Aal ja die Gewässerverbauung überhaupt kein Problem sein.
 

kati48268

Well-Known Member
AW: Warum gerade der Aal?

Sicherlich spielt die Schlangenform auch mit bei, dass er eine besondere Stellung hat.
Alles was nach Schlange aussieht, ob Aal oder Blindschleiche hat für viele Menschen (& Tiere!) einen besonderen Effekt, der in den Instinkten eingebaut ist.
(Nicht wahr, Andal? ;))

Beispielsweise dass er auf seinen Wanderungen unaufhaltsam ist, sich notfalls auch nachts über Land auf feuchten Wiesen schlängelt. Dann dürfte für den Aal ja die Gewässerverbauung überhaupt kein Problem sein.
Ja & nein.
Gerade seine Suche nach der Lücke an Hindernissen lässt ihn in die Turbinen der Wasserkrafthäcksler schwimmen.
 

Sea-Trout

Member
AW: Warum gerade der Aal?

Da könnte man prima ein eigenes Thema draus machen. Was ist eine Delikatesse und wer legt es fest? ;)
Die Masse.Kenne viele Leute die nicht so gerne Fisch essen aber alle mögen sie geräucherten Aal.Er ist einfach ein sehr beliebter Speisefisch der von vielen sehr gerne gegessen wird nicht mehr und nun weniger.Ist doch kein Geheimnis oder?Wie und wo er laicht und wie er lebt interessiert doch die wenigsten Nichtangler.Sie schätzen ihn halt wegen dem Geschmack.
 
Zuletzt bearbeitet:

Dennis Knoll

Angeln-mit-Stil
AW: Warum gerade der Aal?

Woher hat eigentlich der Aal seinen Stellenwert?
Am Ende muss das natürlich jeder für sich selber beantworten.

Wenn ich aber zurück an meine ersten Erfahrungen mit dem Aal denke, dann denke ich daran wie mein Vater und ich gerne (oft auf Festen) geräucherten Aal gegessen haben. Die Forelle gab es auch immer geräuchert dazu. Ein Fest!

Damals war der Aal auch noch bezahlbar und in Relation (gefühlt) zu den Forellen nicht weniger oft zu bekommen. Und dennoch hatte der Aal aufgrund seiner Konsistenz und des Geschmacks (Fett-gehalt) eine ganz besondere Bedeutung. Denn er hat einfach besonders geschmeckt und es war weniger an dem Fisch, als an einer Forelle.
Das sind eben Kindheitserinnerungen und diese sind besonders.


Aber heute?
Da hat der Aal kaum einen Stellenwert für mich. Ich habe zwei mal welchen gefangen und ihn in der Pfanne zubereitet. Das hat nicht geklappt und war nicht schmackhaft. Hinzu kommt, das es extrem stressig ist dieses Tier zu töten und zuzubereiten. Und Räuchern ist mir leider nicht möglich. Also möchte ich diesen Fisch erst gar nicht fangen und dem entsprechend ist auch der Stellenwert kaum vorhanden.


Abseits dieser Gedanken gibt es natürlich die Mark/Angebot & Nachfrage Themen, die öfters hier angesprochen worden sind. Ob dies überhaupt eine Rolle spielt, ich weiß es nicht. Ich kenne niemanden der den Fisch wegen der Seltenheit besonders findet.
 

daci7

Käpt'n Iglo
AW: Warum gerade der Aal?

Historische Zufälle in Kombination mit ehemalig leichter Beschaffung.
Genauso wie in manch östlichen Ländern die Karausche einen solchen Stellenwert hat, auf einer gewissen Insel der Dorsch in südlichen Gefilden Anchovis und Sardinen oder woanders wieder der Karpfen so hat in D halt unter anderem der Aal diesen inne.
Wenn es eine so dolle logische Erklärung geben würde, müssten angrenzende Länder doch ähnliche Vorlieben haben, oder nicht? ;)
 

cafabu

Active Member
AW: Warum gerade der Aal?

Moinsen,
ob der Aal eine Delikatesse ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Das Marketing um ihn herum sagt es jedenfalls.
Ob die Allgemeinheit, außerhalb der Angelscene, viel vom Leben und Verhalten vom Aal weiß, bezweifele ich. Ist jedenfalls meine Erfahrung.
Inzwischen ist er eine teure Seltenheit, außer im Fischladen. Früher hatten die Discounter auch ihre eingeschweißten Aale im Angebot.

Ich entsinne mir an meine Ferien an der Ostsee. Jeder Ort hatte noch seine Fischer. Die hatten am Strand ihre Buden und verkauften ihre Fische. Jeden Abend standen die Urlauber schlange und kauften zum Abendbrot Fisch. Wobei der Räucheraal der meistverkaufte war.
Für mich ist er ein Stück aus meiner Kindheit und hat sich gebraten oder geräuchert als TopTen der Speisefische gehalten.
Beim Familientreffen heißt es immer: Räuchst Du auch Aale? Nur die junge Generation bis zuden Enkelkindern sind nicht so begeistert.
Vielleicht ist der Aal ein Stück unserer sozialen Lebensgeschichte und hat daher seinen Stellenwert.
Carsten
 

Dennis Knoll

Angeln-mit-Stil
AW: Warum gerade der Aal?

Nachdem das Thema gerade so aktuell war und ich schon fast 10 Jahre wohl keinen Aal mehr gegessen habe, habe ich mir vorhin mal einen im Fisch-Geschäft für satte 15€ gegönnt.

Jetzt weiß ich wieder warum der Aal so besonders ist. *jamjam*
Vergleichbar gegenüber anderen heimischen Süßwasser-Fischen steht der echt weit oben für mich. Aber nur vom verzehr, nicht vom selber fangen.
 

kati48268

Well-Known Member
AW: Warum gerade der Aal?

Ein Teil der Frage Andals war ja auch, was macht den Fang eines Aals interessant (und nicht nur das Fressen).

Ich angel auch nicht mehr so gern auf Aal.

Köder-, Lockstoff-, Methodenexperimente habe ich sehr lange betrieben; bringt Garnele mehr, größere oder überhaupt welche und so.
Meine Erkenntnis: die einfachsten Dinge laufen am Besten, von Feinheiten an besonderen Stellen wie Steinschüttungen mal abgesehen.

Außer nächtl. Relaxangeln bietet Aalangeln mir wenig Reiz.
Von Drill mag man ja gar nicht reden, es geht nur um schnell raus kriegen.

Somit gibt es auch dem Tacklefreak wenig Anreiz. Der Prügel tut's genauso gut wie edeles Equipment.

Habe Große gefangen und viel zu viele Schnürsenkel.
Der einzige Kick wäre noch ein Ü1m-Fisch, auf den es nächstes Jahr evtl. gezielt geht.
 
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