Tief und Flach in Flatanger

Pinseler

der Reinbeisser
Der Norgevirus brach bei mir schon Ende April aus. Bis dahin hatte ich noch keine Pläne zum Jahresurlaub geschmiedet. Der Virus erfasste wenig später auch meinen Bruder, mit dem ich im vergangenen Sommer in Nautnes fischte (s. „Nautnes und seine Lengs“). Es war wohl eine glückliche Fügung, dass sich in den ersten beiden Augustwochen eine Vakanz in der Anlage Vik Brygge auftat. Zielfisch: ü20kg Leng, 1m-Pollack und an windigen Tagen Heilbutt.

Wir buchten Kiel - Oslo – Frederikshavn. In Kiel schauten wir bei dem Weltmeistertrio Großmann vorbei und kauften noch – obwohl der Kombi schon picke packe voll war - einige Gummiköder. Es war der heißeste Tag des Jahres und nachdem wir in der Schlange am Fährterminal langsam gar geworden waren, war es eine Wohltat, auf der klimatisierten Fähre auf den Treppenstufen sitzend zu warten, bis die Kabine bezugsfertig war. Zwei Personen gingen vorbei – „Mensch! War das nicht gerade der Rose?“ Jauh, abends traf ich ihn im Donkey Pub und er versicherte mir, dass Vik Brygge in vielerlei Hinsicht ein tolles Revier sei. Er sagte aber auch, dass wir noch einen Gewaltritt vor uns hätten. 10 Stunden und 15 Minuten brauchten wir bei nur wenigen Pausen bis wir um 20:30 Uhr in Vik ankamen. Für uns fast Zweimetertypen im Mittelklassekombi - quasi mit den Knien an den Ohren - war es keine Vergnügungsfahrt.

Am ersten Angeltag fuhren wir erst einmal auf das Riff hinaus, um mit Gummifisch und Hogy Lures auf Pollack zu fischen. Unsere herzlichen Nachbarn das Vik-Erfahrene Ehepaar Hans und Sabine drückten uns ein Funkgerät in die Hand, um sich auf dem Wasser über die aktuelle Fanglage austauschen zu können. Es herrschte kaum Wind und die Pollacks bissen ganz ausgezeichnet auf die beiden Gummiköder im Flachen. Am Tag drauf wiederholten wir das Prozedere; Alexander konnte wie üblich mehr Pollacks in beachtlicheren Größen als ich fangen. Nachdem die Bremse der Penn Slammer besonders laut und lange gekreischt hatte, gaffte ich seinen neuen Personal Best von 94cm.
 

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Nach dem Light-Tackle Angeln brannten wir darauf, das Revier auf gewichtige Lengs zu befischen. Es muss nunmehr 11 Jahre her sein, dass ich den Artikel von Volker Dapoz über die Lengangelei am „Kreuz der Riesen“ gelesen hatte. Beim Anblick der beeindruckenden Dapoz-Fänge erwuchs damals der Wunsch, einmal solch einen Fisch zu fangen. Und ich ahnte schon, dass es nicht leicht werden würde. Die ersten Versuche scheiterten aufgrund mangelnden Wissens und fehlender Erfahrung, seltener Urlaube in Norwegen, mickriger Boote, Wind, mangelnder Motivation der Mitreisenden. Erst letztes Jahr, nachdem wir durch eine harte Schule in Nautnes gegangen waren, hatten wir die Kartenanalyse, den Vorfachbau, die Hardware optimieren können. Hilfreich sind auch die neuen Kartenplotter, die über eine Angelkarte verfügen. Auf diesen kann man Tiefenlinien in 10m-Abständen sehen und somit steile Kanten und Unterwasserberge und –rinnen leichter ausfindig machen, die auf www.gulesider.no bestenfalls zu erahnen sind.
Wir setzten auf der Bergspitze an und drifteten ins Tiefe. Alexander legte vor: 1,05m. Dann fing ich einen 1,20m-Leng. Ich war begeistert. Es schien so einfach zu sein. Bei der nächsten Drift fing ich einen Personal Best von 1,38m.
 

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der Reinbeisser
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1,20m und 1,38m
 

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Da das Revier so vielseitig war, versuchten wir bei nun stärkerem Wind auf Heilbutt zu fischen. Wir hatten sandige Stellen gefunden und beackerten diese mit Gummifisch, Bergmann und dem neuen „Kveite-Killer“ von gonorge, der eine tolle Laufeigenschaft zeigte. Mit einer Tauchschaufel versehen, bricht er nach links und rechts aus. Aber bis auf einige Lumbbisse in 60m wollte sich kein Erfolg einstellen.
Bei der nächsten Gelegenheit fuhren wir eine weitere Lengstelle an, die wir im Vorfeld der Reise mit einem Fragezeichen versehen hatten. Aber nach dem Studium der genaueren Angelkarte des Plotters tauschten wir das Fragezeichen gegen ein Ausrufezeichen aus. Stefan, der Guide der Anlage, bestätigte das Potential dieser Stelle. Erste Drift: Ich hatte einen kleinen Lumb am Haken und ließ in unten, in der Hoffnung auf einen Überbeißer. Dann machte der Lumb nachdem er sich länger nicht großartig gerührt hatte ordentlich Rabatz. Nahte ein großer Lumbfresser? Alexander bekam einen Biss der alle unsere Tiefseebisse in den Schatten stellte. Er konnte den Fisch erst nicht vom Boden lösen; dann unternahm das Gegenüber Fluchten bis schließlich dieser 1,63m lange und 26kg schwere Leng die Wasseroberfläche durchbrach. Grandios!
 

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der Reinbeisser
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Wir fischten weiter, ich fing noch einen metrigen Leng. In einer weiteren Drift machte ich einen überraschenden Beifang in 240m auf ein Lumbfilet: Heilbutt, 1m, 11kg. Toller Fisch! War die Stelle hinsichtlich des Großlengs nun abgeerntet? Abends feierten wir den Leng mit Hans und Sabine bei Tequila und Fischbouletten, die Sabine ganz hervorragend bereitet.
 

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der Reinbeisser
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Ich wollte nicht unverrichteter Dinge abreisen und nachdem wir Bergfest hatten, drängte ich darauf, die 26kg Stelle und falls nötig noch weitere augenscheinlich potente Lengstellen anzufahren. An erstgenannter Stelle verzeichneten wir keine Bisse mehr und fuhren deswegen weiter nordwärts. An der Nase waren auch jenseits der 200er Marke Meterlengs unterwegs. Ein weiterer Berg erwies sich als sehr morastig und hängerträchtig. Die Bremse meiner getunten Daiwa Sealine 600H war bärenstark und gab auf Maximalkraft keine Schnur frei. Ich hatte nämlich die herkömmlichen Bremsscheiben durch sogenannte Smoothy Bremsscheiben ersetzt. Ferner hatte ich die Kurbel durch die meiner 900H ausgetauscht, um bei Drills und Leerfahrten mehr Kraft ausüben zu können. Wir fuhren schließlich zur 26kg Stelle zurück. Dort bissen am Grund auf ganze Makrelen 1m-Seis, die uns schöne Drills bescherten.
 

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der Reinbeisser
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Am Folgetag hatte Alexander sein Debut in puncto Rotbarschangeln mit dem 10-Haken-Vorfach an einer steil abfallenden Kante. Schnell stellte sich Erfolg ein.
 

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Ossipeter

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Danke für den tollen Bericht und die schönen Fotos
 

Pinseler

der Reinbeisser
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Ich hatte meine Mission noch nicht erfüllt und deshalb keine Muße für diese Art der Angelei. Ich angelte deswegen weiterhin auf Leng mit einer ganzen Makrele am Doppelhaken, geschmückt mit Leuchtschlauch und Leuchtoktopus in XXL. Sekt oder Selters! Während Alexander die Kiste mit Rotbarschen füllte, blieb ich Schneider. Wir drifteten entlang am Fuße der Kante. Plötzlich baute sich Druck auf meiner Rute auf, der immer stärker wurde. „Nicht schon wieder ein Hänger!“ Ich stand auf und spürte durch kräftige Schläger am anderen Ende der Schnur, dass ich gerade einen Biss bekommen hatte. Ich setzte trotz dem bereits bestehenden Druck noch einen Anschlag, um den Fisch nicht auf halbem Wege zu verlieren. Ich löste den Fisch vom Boden, kurbelte langsam, zumeist ohne Pumpbewegungen ein. Immer wieder setzte sich mein Gegenüber zur Wehr wollte zurück nach unten. Zwischendurch machte ich ab und zu eine Pumpbewegung, um anhand der Biegung der 50lbs SPRO Norway Expedition stand-up auf die Größe des Fisches schließen zu können. Es musste ein neuer Personal Best sein und wahrscheinlich würde gleich die 20kg Marke fallen. Da war sich Alexander ganz sicher. Unter der sonnendurchfluteten Wasseroberfläche war nun ein langer weißer Bauch erkennbar, der nun durch die geplatzte Schwimmblase quasi von ganz allein die letzten Meter aufstieg und schließlich die Oberfläche durchbrach. Ich war überglücklich über dieses 25kg schwere und 1,65m lange Prachtexemplar.
 

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Pinseler

der Reinbeisser
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Nach nunmehr 11 Jahren hatten wir es geschafft. Ich fühlte Freude und Erleichterung.
Zum Abschluss der Tiefseeangelei beschlossen wir einen 367er Berg auf einer Unterwassernase zu befischen. Ich spürte einen Nibbler und zog diesen entstellten Köder nach einer schier endlosen Leerfahrt hoch.
 

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Pinseler

der Reinbeisser
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In den verbleibenden Tagen frischte der Wind oft auf, so dass wir im Schutze der Schären angeln mussten. Flügelbutt auf Salzheringsfilet vom Nachbarn Raik und seiner Liebsten ging auf Sandboden. Abends gab es unseren Lieblingsfisch Makrele, der leider aus der Tiefkühltruhe nicht mehr so doll schmeckt. Als Beilage gab es immer Kartoffelspalten aus dem Ofen und meistens Krautsalat.
 

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Pinseler

der Reinbeisser
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Die Heilbuttangelei brachte noch ein paar Küchendorsche und Alexander erlitt Schnurbruch als er seinen wohl bislang größten Pollack auf dem Riff an den Gummifisch bekommen hatte. Das hätte der angestrebte 1m-Pollack sein können. Nun hat er noch eine Rechnung mit seinem Zielfisch offen und ich wünsche ihm, dass er nicht 11 Jahre braucht. Aber wir denken, dass Flatanger ein tolles Revier ist, wo der Befischungsdruck noch nicht so hoch ist wie anderswo, so dass bei der nächsten Reise die Marke fallen könnte.

Vielen Dank dem Servicemann und Guide Stefan für die tolle Betreuung!
 

hansam

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Hallo Stephan,

spitzenmaßiger Bericht.
Die beiden Lengs 1,65 und 1,63 sind echt klasse. So einen Drill hätten wir auch mal gehabt. Wird noch kommen.
Mit euch in Vik zu angeln, war super. Jederzeit wieder.

norgische Grüsse

Hans und Sabine
 

Pinseler

der Reinbeisser
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Hallo Hans und Sabine,
das fanden wir auch. Es war eine schöne Gemeinschaft in Vik. In puncto Leng für Euren nächsten Trip stehen wir gern zur Verfügung.
Tight Lines
 

Tomasz

Well-Known Member
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Klingt nach einer erlebnisreichen und aufregenden Angelreise.
Die Fotos der großen Fische sind der Hammer.

Vielen Dank

Tomasz
 

snofla

langejäger@
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freu mich immer wieder an solchen Berichten, wo Leute Erfolg haben weil Sie die Ausdauer haben und nicht sofort abbrechen wenn nur "Lütte" gibt............Tolle Lengs habt ihr gefangen Petri Heil
 

Norge Fan

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Super Fische habt ihr da gefangen, das riecht förmlich nach tollem Urlaub #6

Danke für deinen Bericht.
 

Debilofant

Well-Known Member
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Moin Pinseler,

tolle Fische, vor allem die Lengstrecke ist ´ne Wucht! #6 Freut mich für Euch, dass es vor Flatanger so gut geklappt hat.

Also, besten Dank für den bebilderten Bericht!

Tschau Debilofant #h
 

Enni

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.. super Fänge .. Petri zu den personal best`s .. was will man mehr - zumal selbst erarbeitet .. Respekt !!!
 
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