Strom der Räuber

Der Peenestrom im Nordosten Deutschlands ist für Raubfisch-Fans eine echte Perle. Große Zander, kapitale Hechte und massig Barsche: Hier geht alles! Christian Siegler und Markolf Bram besuchten dieses Gewässer der Superlative.

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Markolf mit fettem Peene-Barsch

Der Strom fasziniert uns. Seit mein Kumpel Markolf und ich das erste Mal vor fünf Jahren dort waren, sind wir süchtig. Süchtig nach richtig gutem Barschangeln, nach Seeadlern, die über unseren Köpfen kreisen, nach frischer Luft, schweren Bleiköpfen an kleinen Gummifischen, süchtig nach vielen Drills, dem Ein- und Ausstrom, nach traumhaften Sonnenuntergängen und allem, was eben hier am Strom dazu gehört! Auch letzten Spätherbst stand wieder eine Tour im Kalender und wir freuten uns riesig, zur Topzeit fürs Barschangeln vor Ort zu sein. Als Unterkunft für die kommenden Tage dienten uns komfortable, schwimmende Häuser – sogenannte Floating Houses. Diese liegen direkt im Hafen von Kröslin und sind ein perfekter Ausgangspunkt für Angeltouren auf den Strom.

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Traumhafte Stimmung


Strömung hin, Strömung her


Als Meeresarm der Ostsee trennt der Peenestrom die Insel Usedom vom Festland und bietet Anglern und Naturfreunden alles, was das Frischluftherz begehrt. Das Besondere an diesem Gewässer ist sein Fischreichtum und die sich ständig ändernde Strömung. Beeinflusst durch die vorherrschenden Winde haben wir entweder Einstrom – das heißt, die Wassermassen werden von der Ostsee ins Landesinnere gedrückt, oder Austrom – das Wasser fließt Richtung Meer. Der Strömungsdruck kann dabei so stark werden, dass man auch mit Bleikopfgewichten von über 30 Gramm Schwierigkeiten bekommt, den Gummifisch am Grund zu kontrollieren. Wichtig ist jedoch, dass sich das Wasser überhaupt bewegt, denn dann beißen auch Fische. Wenn es still wie Blei liegt, wird’s schwer etwas an den Haken zu bringen. Und genau diese Frage quält uns vor der ersten Ausfahrt: Herrscht überhaupt Strömung? Noch vor Sonnenaufgang beladen wir unser Boot und sind mit Beginn der Morgendämmerung einsatzbereit. Die Spannung steigt, je näher wir der Fahrrinne kommen. Als wir an der ersten Boje vorbeifahren, müssen wir grinsen. Hinter der schwimmenden Markierung bildet sich ein Strudel. „Ausstrom!“, platzt es gleichzeitig aus uns heraus. Gut so, spätestens jetzt können wir die ersten Würfe kaum abwarten.

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Die Bojen dienen der Orientierung und markieren die Fahrrinne

An der Rinne knallt’s

Unser Zielfisch bei dieser Tour ist der Barsch. Ab Mitte Oktober ziehen die Stachelritter vermehrt in den Peenestrom und wir können zu dieser Zeit wahre Sternstunden erleben. Die durchschnittliche Größe der hübschen Räuber liegt hier bei über 30 Zentimetern. Auch Zander beißen jetzt noch, allerdings eher die kleineren Kollegen bis 50 Zentimeter. Wer es auf die richtig guten Glasaugen abgesehen hat, der muss im Hochsommer angreifen. In den flacheren Abschnitten des Stroms lauern auch Hechte. Die Metermarke ist keine Ausnahme, doch so ein Fisch will hart erarbeitet werden. Die beste Zeit für die kapitalen Grünschnäbel ist der Winter. Im Januar und Februar lohnt sich die gezielte Großhechtangelei mit Jerkbaits und XXL-Gummifischen besonders. Wir sind aber nach den Räubern mit den schönen orangenen Flossensäumen her! Der Hotspot schlechthin am Peenestrom ist die lange Fahrrinne. Sie wird von roten und grünen Bojen markiert und ist auch ohne Echolot gut auffindbar.

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Eine Echolot ist am Strom sinnvoll, aber nicht zwingend nötig

In dieser Rinne ziehen die Barsche durch den Strom – genau dort passen wir sie ab. Bei der Ortschaft Karlshagen verengt sich der Meeresarm – dort greifen wir an. Vorsichtig steuert mein Kumpel Markolf das Boot an der Rand der Fahrrinne und wir ankern. Bereits nach den ersten Würfen ist klar, dass wir wieder schweres Geschütz auffahren müssen. Wir kramen hektisch die dicken Bleiköpfe von 28 bis 35 Gramm aus den Boxen, denn die Strömung ist wirklich stark. Schnell sind die schlanken, acht bis zwölf Zentimeter langen Gummifische montiert und fliegen Richtung Rinne. Bereits nach den ersten Würfen fangen wir kleinere Barsche und sind sicher: „Da geht noch mehr!“

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Schicker Barsch


Texas gegen Kraut

Ein Selbstläufer scheint es diesmal jedoch nicht zu werden. Die Barsche beißen ziemlich spitz und aufgrund der schweren Bleiköpfe haben sie Schwierigkeiten, die kleinen Gummifische richtig einzusaugen. Erst, als wir kleine Angstdrillinge montieren, fangen wir beständig gute Fische bis 35 Zentimeter und beenden in der Abenddämmerung zufrieden den ersten Tag. Am zweiten Morgen dreht die Strömung und drückt nun ins Landesinnere: Einstrom! Nach kurzer Zeit ist klar, dass es heute kein Zuckerschlecken wird. Aus der Ostsee wird jede Menge Seegras in den Strom gespült. Kaum ist der Gummifisch am Grund, hängt er voller Kraut. „Mist, wie soll man denn bei dem ganzen Gemüse Barsche fangen?“, denke ich mir. Auch Kumpel Markolf ist nicht begeistert. Nach einigen erfolglosen Würfen entscheide ich mich, ein Texas Rig zu montieren. Als Köder dient mir ein brauner Gummikrebs. Mit einem 28 Gramm schweren Patronenblei schicke ich den Köder in die Fahrrinne. Und dann geht’s Schlag auf Schlag: Innerhalb weniger Minuten überliste ich sechs stramme Barsche. Genau deshalb fahre ich so gerne an den Peenestrom. Es macht einfach unglaublich Spaß! Wir genießen die Zeit und fischen konzentriert weiter. Auch bei meinem Kumpel Markolf läuft es noch mal richtig gut und er zaubert einen knappen 40er aus dem Strom. Genial! Am letzten Tag sind wir uns einig: „Es hat sich wieder gelohnt.“ Mehr als 50 Barsche fingen wir an den drei Tagen, viele davon über 30 Zentimeter. Die letzten Minuten auf dem Strom verbringen wir jedoch nicht mit angeln. Die Ruten stellen wir beiseite. Das ist über die Jahre zu einem Ritual geworden: Wir sitzen einfach nur da, schauen den Sonnenuntergang an, lassen alles wirken, genießen unser kleines Stück Freiheit auf dem Strom und sind uns sicher: „Wir kommen wieder!“

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Erfolgreich am Strom: das Texas Rig


Tackle für den Strom

Ruten und Rollen:
Für den Peenestrom lohnt es sich, mehrere Combos einzupacken. Eine straffe, 2,50 Meter lange Spinnrute mit einem Wurfgewicht von 20 bis 50 Gramm, bestückt mit einer 2500er Stationärrolle und 0,12er Geflochtener solltet Ihr auf jeden Fall an Bord haben. Falls die Strömung nicht so stark ist, kommt eine leichtere Rute mit einem Wurfgewicht von 10 bis 30 Gramm zum Einsatz. Habt Ihr es auf dicke Hechte abgesehen, ist schweres Gerät angesagt: Ruten mit einem Wurfgewicht um 100 Gramm gepaart mit 4000er Stationärollen und 0,18er Geflochtener sind genau richtig.

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Die schweren Bleiköpfe nicht vergessen!

Köder und Bleiköpfe:
Topköder für Barsch und Zander sind Gummifische von 8 bis 15 Zentimetern Länge. Bei der Farbwahl dürft Ihr experimentieren: Oft punkten gedeckte Muster, aber auch neongelbe oder orangene Köder fangen gute Fische. Das Wichtigste ist, eine große Auswahl an Bleiköpfen für die unterschiedlichen Strömungsverhältnisse dabei zu haben: Mit 14 bis 40 Gramm schweren Jigs seid Ihr bestens für den Strom gerüstet. Für die Hechtangelei dürfen Gummifische ab 20 Zentimeter, große Wobbler und Jerkbaits nicht fehlen.

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Dicker Bleikopf für die starke Strömung


Infos

Kartenausgabestellen

Angelkarten für die Küstengewässer Mecklenburg Vorpommerns gibt’s online unter https://erlaubnis.angeln-mv.de
Vor Ort könnt Ihr Erlaubnisscheine unter folgenden Adressen erwerben:
Meier’s Anglerladen, 17438 Wolgast, Lange Straße 5, Tel. (03836) 20 34 35
Hafen Zecherin, Baltic Fishing, 17449 Zecherin, Wolgaster Weg 3a, Tel. (03836) 20 23 16

Preise der Angelkarten
Tageskarte 6 Euro, Wochenkarte 12 Euro, Jahreskarte 30 Euro

Mindestmaße/Schonzeiten:
Hecht 50 cm/1.3. - 30.4., Zander 40 cm/23.4. - 22.5., Barsch 20 cm/keine Schonzeit
Weitere Infos zu fischereirechtlichen Fragen findet Ihr unter www.lallf.de
 
Toller Bericht, wirklich eine traumhaft schöne Ecke zum Fischen, auch wenn ich es bisher leider noch nicht geschafft habe. Aber wenn ich beruflich da mal vorbei fahre komme ich auch immer ins Träumen...
 
Hallo,

Anfang des Jahrtausends war ich dort ein paar mal mit meiner Frau zum Angeln. Hat uns gut gefallen, da nicht so windanfällig wie auf den Bodden. Auch mit den Fängen waren wir zufrieden.

Damals gab es nur ne Handvoll Boote zu mieten. Scheint heutzutage deutlich mehr zu geben.
 
Hallo,

Anfang des Jahrtausends war ich dort ein paar mal mit meiner Frau zum Angeln. Hat uns gut gefallen, da nicht so windanfällig wie auf den Bodden. Auch mit den Fängen waren wir zufrieden.

Damals gab es nur ne Handvoll Boote zu mieten. Scheint heutzutage deutlich mehr zu geben.
Also mehr als ne handvoll auf jeden Fall. Aber wir hatten auch schon mal Probleme, Boote zu bekommen. Vorbuchen ist definitiv angesagt!!!
Und wir konnten auch schon mal nicht raus wegen Wind. Das letzte Mal, als wir oben waren, sind drei Angler ertrunken. Also auch hier muss man immer sehr aufpassen.
 
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