Rolleninstandsetzung

Unz

New Member
Hallo Leute,

habe mal `ne Frage zur Pflege von Rollen. Im Speziellen geht`s um meine kleine Quantum Micro, eigentlich klein und fein, macht sie sich nach dem letzten Einsatz (hab über die Rute und nicht über die Rolle gedrillt) bemerkbar. Lief sie vorher butterweich (abgesehen von der Exzentrizität, die bei Kleinstrollen - jedenfalls alle die ich in Händen gehalten hab - nicht so leicht in den Griff zu bekommen zu sein scheint) und vollkommen geräuschlos macht sie nun ein (leichtes) surrendes Geräusch beim Einholen, auch unter leichtester Belastung (Miniwobbler in der Strömung). Klingt wie Getriebeprobleme, auch wenn die Laufeigenschaften nicht beeinträchtigt scheinen.
Soweit der Sachverhalt, nun zur Frage. Was kann ich selbst tun, damit die Rolle wieder schnurrt und nicht surrt? Hilft da schon exzessives Schmieren oder soll ich mich an`s Innnenleben der Rolle wagen. Könnte die Rollenachse/Getreibeteile verzogen, verrückt, beschädigt sein? Sind diese Eingriffe von durschnittlich handwerklich begabten Menschen auch alleine durchzuführen oder hilft nur der Gang zum Händler?
Vielen Dank für Eure (ausführlichen) Anleitung zur Wiederinstandsetzung meiner Rolle schon im Voraus.

unz
 

Nordlichtangler

Well-Known Member
AW: Rolleninstandsetzung

Wenn anfängt zu ratzen, ist zuwenig richtiges Fett im Getriebe und oder das Schnurlaufröllchen ist trocken und verdreckt. Ob eine große Inspektion oder eine kleine reicht, hängt vom Alter und Einsatz ab, eine dreckvolle Rolle braucht eine gute Restaurierung, sonst ist der Spaß vorbei und der Verschleiß galoppiert los.

Optimal ist die Totalzerlegung bei alten Schätzchen, jedenfalls was der mögliche Pflegeerfolg und die Regeneration verspricht. Auch sparsam eingefettete Neurollen bekommen bei mir nach einiger Einlaufzeit diese Behnadlung verpaßt, damit sie später wirklich 1a super-smooth laufen.

ABER: Der Zeitaufwand ist erheblich und das mit der mechanischen Fertigkeit hast Du ja schon gesagt. Das sind die Pros und Contra.

Ein Mittelweg ist ein einfacher Schmier- (Vollschmier- ;) ) versuch und dann mal sehen, wenns nicht gut genug ist, muß halt alles auseinander. Möglichst total und alles Reinigen, Röllchen, Lager, Zahnräder, Bremscheiben und Federn.
Das Schnurlaufröllchen sollte viel häufiger gereinigt werden, das verschmutzt je nach Wasser schon ganz schön schnell und ist wenn dreckig aussehend am besten möglichst schnell wieder zu reinigen.

Hilfreich ist eine Explosionszeichnung. Dann ein ordentliches Tablett oder Kistchen und ein ruhiger Platz, damit keine Teilchen entschwinden können. Auch Windzug, kleine Kinder oder verspielte Hunde stellen den Erfolg stark in Frage :)
Ideal ist eine große abdeckbare Kiste wie z.B. eine Zigarrenkiste und darin einige Streichholzschachteln, Käsekistchen etc. Eben Einteilungen zum Separieren. Dann noch einen Notizblock und Stift und es kann losgehen. Was unklar aussieht wird für den Zusamenbau notiert. Hier gilt eben ganz besonders das schwedischen "Ingen Hastighet" - Keine Hastigkeit. Bei großen Aufgaben kommt man um so schneller zum Ziel, je langsamer man arbeitet. Also hohe Sorgfalt und alles im Griff behalten, dann ist der Erfolg sicher.

Positiv ist: je älter die Rollen, um so besser die Verschraubung und die Einfachheit. Neuere Rollen wie z.B. die 2004/05er Modelle der RA-Shimanos sind schon für sehr sehr fortgeschrittene Rollenschrauber. ;)
Alle Rollen, die mit 3 Kreuzschlitzschrauben am Deckel und einer Mutter von 10-15mm an der Achse unter der Spule zu zerlegen sind, taugen wartungstechnisch mehr und sind zum Üben zu bevorzugen. Bei einigen älteren Rollen gab es bei der Achsmutter auch Linksgewinde, ist aber aus der Mode gekommen und vielfach durch eine kleine Sperrschraube an der Achsmutter ersetzt worden, die vorher abgeschraubt wird.

Zum Abnehmen kleiner Federn braucht man dringend eine ordentliche Pinzette, neben den Schraubenlösern noch Reinigungsmaterial.
Der Arbeitsgang ist am sichersten: erst zerlegen - dann reinigen - und erst dann fetten&zusammenbauen.

Für die Reinigung älterer Rollen ist es einfacher und Fingerspitzenschonender, wenn man z.B. alle Zahnräder in Waschbenzin auswaschen kann und dafür ein altes Marmeladenglas samt Sprit parat hat. Gleiches bei Kugellagern. Je älter und offener, um so größer der Wascherfolg. Bei beidseitig mit einem Blechring geschlossenen Kugellagern vorsichtig, das lohnt sich meist nicht bzw. verschlimmbessert die Sache (Reibung), die erstmal aussen vor lassen und beim Zusammenbau testen. Diese sind dank ihrer Wartungsfreiheit bei eingedrungenen Sand :( "hinne" und werden neu benötigt.

Also ordentlich Zeit für den ersten Versuch einplanen, einige Stunden Luft sollte man beim Erstversuch haben, die Sache trotzdem abgesichert und unterbrechbar ausführen, dann klappt das schon #6
 

Unz

New Member
AW: Rolleninstandsetzung

Boh ey,

das nenn ich doch mal `ne Antwort wie sich`s gehört. Da bleiben keine Wünsche und Fragen offen. Vielen Dank AngelDet! Tack så mycket för din hjälp! (um beim Schwedischen zu bleiben ;) )
 
F

Franky

Guest
AW: Rolleninstandsetzung

Nabend...
Kurz einmal eine Anregung zur Reinigung... Ich nehme normales Petroleum zum Entfernen von altem Fett und Dreck. Es löst altes Fett sehr gut auf und gibt gleich eine leicht rückfettende Schicht und "trocknet" das Material nicht aus. Weiterer Vorteil: es greift Kunststoffe nicht an. Waschbenzin (oder schlimmer Nitroverdünnung) haben mir schon mal Lehrgeld bedeutet...
Alternative: WD40 oder Ballistol
 

Nordlichtangler

Well-Known Member
AW: Rolleninstandsetzung

Franky schrieb:
Waschbenzin (oder schlimmer Nitroverdünnung) haben mir schon mal Lehrgeld bedeutet...
ohja ;) also nur richtige Metallteile ins Waschbenzin hinein, eben die Getrieberäder oder Kugellager als Hardcore-Restauration. Kunststoffteile mit Petroleum zu entfetten ist eine gute Idee! So wird die Materialliste natürlich noch länger :m

WD40 oder Ballistol für die Außenpflege hatten wir gerade in einem anderen Thread.
Über das richtige Getriebe- und Gleitteileschmiermittel gibt es ja auch viele Anregungen und Meinungen, ich verwende Nigrin Mehrzweckfett schön sämig mit synthetischem Hochleistungsmotoröl aufgeschlagen (etwa 1:5) was ein haltbares Leichtlauffett ergibt.

Das Schnurlaufröllchen - egal ob Kugellägerchen oder Gleitlager -, bekommt immer Nähmaschinenöl und wird häufiger gereinigt, was mit einer Schraube lösen und innen mit einem Q-Tip durchputzen ja auch keine große Arbeit ist.
 
Zuletzt bearbeitet:

Unz

New Member
AW: Rolleninstandsetzung

Dankeschön #6 Jungs für die ganzen Tips! Jetzt kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Da gibt`s nur eins: frisch auf - wohl an!
 
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