Reise 2008 nach Floro

Lenneprofi

Salzwasserfan
Hallo liebe Boardies,

wie versprochen, folgt nun unser Reisebericht über den Angeltrip vom 21.-30.08. nach Floro (Insel: Reksta, Ort: Rognadsvag).

Am Donnerstag morgen stehe ich nach einer unruhigen Nacht um 5:30Uhr auf und will duschen gehen. Der Hund meiner Eltern (wohnen eine Etage tiefer) hatte mich aus den Schlaf gerissen. Nach Duschen und Frühstücken gehe ich doch runter. Schließlich ist mein Vater mit von der Partie und er sollte wenigstens heute mal früh aufstehen...
Dort treffe ich nicht nur meinen Vater (Hape) sondern auch schon unseren Kollegen Leo. Ein Blick auf die Uhr: 6:10Uhr - sollte der nicht erst um 7 kommen???
Na gut, wenn alle sowieso unruhig mit den Hufen scharren dann fahren wir eben früher. Verabschiedung von Haus und Hof, Frau, Kind und Hund und los gehts.
Nach 100km um Müster der erste dicke Stau. Navi sei Dank - runter von der Bahn und über Land. Sch... eine Umleitung wegen Baustelle, die in die Irre führt!!!;+
Fahren einfach wieder auf die Bahn und siehe da - der Stau ist weg |kopfkrat.

Der restliche Weg nach Kiel war kein Problem. Noch einmal getankt und rauf auf die Color Line Magic. Das Schiff ist gigantisch, sollte man mal gesehen haben aber nehmt reichlich Geld mit!

Nach 19 Stunden Überfahrt und einer unruhigen Nacht erreichen wir Oslo bei strahlend blauem Himmel. Leo hat geschnarcht, da helfen auch keine Ohrenstöpsel mehr. Seine Frau wird später aus Mitleid Blumen von uns bekommen.#d

Die Strecke von Oslo nach Floro führt durch die Berge an Lachsflüssen vorbei, durch mehrere bis zu 6,8km lange Tunnel und direkt unter einem Gletscher durch. Das gehört echt zum Eindrucksvollsten, was ich bei 3 Norwegenreisen bisher erlebt habe. Allerdings auch zum teuersten Erlebnis: An Maut und Fährgebühren sind wir auf der Strecke Oslo / Floro hin und zurück um ca. 180,-€ erleichert worden.

Die Anreise funktionierte wunderbar, 1 Stunde vor Abfahrt der Fähre erreichten wir Floro. Unser Vermieter hatte die Fähre bereits für uns bestellt. Klingt komisch aber wenn man sieht, dass da nur 3 Autos draufpassen, wird es klarer.

Um 21:30 kommen wir an unserem Ferienhaus an. Direkt zur Begrüßung überfällt uns unser Vermieter mit der Nachricht, dass auf der Insel ein Hauptwasserrohr gebrochen ist und kein fließendes Wasser zur Verfügung steht. Was tun? Abreise nicht möglich, die Fähre ist weg und fährt erst wieder morgen früh. Eine Fähre von Oslo nach Dänemark ist erst für den 29. gebucht. Also - Augen zu und durch. Was das bedeutet, möchte ich hier nicht weiter ausführen.

Nächster Morgen: Samstag, 23.08.
Für 9:00 sind wir zur Einweisung mit unserem Vermieter verabredet. Gestern alle totmüde ins Bett gefallen (zum Glück jeder im eigenen Zimmer, Leo arbeitet mit Teilerfolg gegen 2 geschlossene Türen an). Heute morgen um 5:30 sitzen alle zappelig am Frühstückstisch. Draußen blauer Himmel, keine Wolke und das Meer wie eine Badewanne. Was machen wir bis 9:00 Uhr und warum haben wir nicht 7:00 gesagt ???
Also - Ruten aufgebaut und schon ins Boot gebracht.

Nach kurzere Einweisung und einer kleinen Probefahrt fährt unser Vermieter wieder mit uns in den Hafen. Vor dem Start fragt er noch ob wir Fischkisten dabei haben. "Ja - eine große..." war die Antwort. "Nehmt lieber noch eine 2. mit!" :q
Wir sehen uns verblüfft an, holen aber noch eine 2. Kiste. Dann geht unsere erste Ausfahrt los in Richtung Südküste der Insel. Die Seekarte zeigt eine abfallende Kante von 30 auf 150m.

Später mehr...|wavey:
Lenneprofi
 

Lenneprofi

Salzwasserfan
AW: Reise 2008 nach Floro

So Leute, weiter gehts...

wir fahren mit dem Boot die Südküste entlang. Das Echolot zeigt einige gute Fische in 70m Tiefe. Pilker und Beifänger rauschen runter. Nach 30 min ohne Biss geben wir auf. Warum haben wir keine Köderfische???

Weiter mit dem Boot raus, westlich der Insel Kinn läuft eine Rinne vor 2 Leuchttürmen her. Dort wieder gestoppt, die Drift geht mit dem auflaufenden Wasser in Richtung Floro.
Hape hat den Grund noch nicht erreicht, das kommt der Ruf "Fisch!". Leo kommt bis zum Grund, 2 Pilkbewegungen und die Rutenspitze haut auf die Wasseroberfläche. Bei Hape wird eifrig hochgepumt aber es gibt keine merkliche Gegenwehr. Leo stöhnt und keucht beim Hochpumpen. Endlich erreicht der Köder bei Hape die Oberfläche. Riesengelächter - ein Knurrhahn von höchstens 20 cm hängt am Beifänger. "Mist, das Biest besteht nur aus Stacheln" ist der einzige Kommentar. Zwischenzeitlich hängt bei mir ebenfalls was Dickes.

Leo pumpt 2 Pollacks an die Oberfläche, 70 und 82cm lang. Er ist stolz wie Oskar - als Norwegenneuling die ersten guten Fische gefangen...
Bei mir kommt ein Pollack 75cm und ein kleiner Schellfisch raus, ein netter Anfang.

Die erste Drift ergibt 2 Schellfische, einen Knurrhahn, 8 Pollack und 3 Köhler. Bis auf den Knurrhahn alles gute Portionsgröße.
Die 2. Drift ergibt wieder eine Überraschung - ein kleiner Rotbarsch aus nur 30m... Leo arbeitet plötzlich an der weit durchgebogenen Rute. Die leichten Ruten mit 150g WG machen einen Riesenspaß. Nach heftigem Keuchen kommt der erste Leng hoch - 30cm lang und quer gehakt...

Schade es kommt Besuch, morgen gehts weiter...
Lenneprofi
 

Lenneprofi

Salzwasserfan
AW: Reise 2008 nach Floro

Nach 2 Stunden hat die Flut Ihren Hochstand erreicht. Die Drift ist gleich null und wir fahren erst mal zurück um die Fische zu versorgen und zu Mittag zu essen.
Die Waage ergibt einen Fang von 51kg Fisch bei 3 Anglern. Für die erste Ausfahrt nicht übel...
Der richtig große Fisch fehlt noch aber wir fahren ja heute nachmittag wieder raus.
Nach 3 Stunden filetieren gehen wir t mal selbst zum essen.

Die nächste Ausfahrt startet um 17:00 Uhr an die selbe Stelle. Aber bei ablaufendem Wasser ist dort nicht viel zu reißen. Wir bestücken den Tiefsee-rig mit Makrelenfetzen und lassen uns an der Kante zu einer 200m tiefen Rinne treiben.

Endlich ein erster Zupfer an meiner 30lb Rute. Leo meldet einen massiven Hänger und ich soll das Boot zurück fahren. Im gleichen Moment taucht meine Rutenspitze tief ins Wasser ein. Hape tauscht den Platz mit mir und startet den Motor um das Boot an der Stelle zu halten. Der Fisch ist kaum vom Grund zu lösen - Großleng???
Nach 10min Kampf (ich dachte wirklich, es wäre 3x so viel..) konnte ich einen Leng von 14Pfund landen. Am Beifänger hing noch ein 72cm Dorsch. Mist - ausgerechnet jetzt keine Kamera dabei!!!!
Leo hat zwischenzeitlich seinen "Hänger" gelöst - Leng von 8 Pfund.

Schade, die Dämmerung setzt bald ein und wir machen uns auf den Rückweg. Auf halbem Weg wird es langsam dunkel und Hape weist mir den Weg Richtung Hafen.

Irgendwie kommt mir die Richtung komisch vor. Kompass raus und kontrolliert...
Verdammter Mist, der hätte uns fast in die Irre geschickt. Der Hafen liegt 35° weiter nördlich. Wir hätten uns in der Dunkelheit total verirrt und das bei den vielen Untiefen die teilweise weit draußen liegen.

An alle, die das lesen:
Im unbekannten Gewässer niemals im Dunkeln rausfahren. Wenn schon kein GPS dann nehmt wenigstens einen Kompass mit. Euer Leben sollte die 15,-€ wert sein.

Wir hatten Glück mit dem Wetter und kamen mit dem letzten Tageslicht in den Hafen. Andere hatten dieses Glück nicht....

Schade, das Einstellen von Fotos hat nicht geklappt. Kann mir da einer eine Anleitung für Anfänger geben?

Bis bald
Lenneprofi
 

Anderson

Member
AW: Reise 2008 nach Floro

Kommt noch was,oder Lust verloren???|kopfkrat
 

Fischbox

Salzwasserjunkie
AW: Reise 2008 nach Floro

Ja los, hau in die Tasten. Deine erste Berichterstattung lässt sich super lesen#6, da kannst du uns jetzt hier nicht so hängen lassen!!!!!
 

ade

Member
AW: Reise 2008 nach Floro

Fahre in 2 Wochen auch nach Florö (Hoydalsfjord zum 3. mal), würde auch gerne wissen, ob Du uns noch Fisch da gelassen hast.;)
 

Lenneprofi

Salzwasserfan
AW: Reise 2008 nach Floro

Hallo liebe Bourdies,

sorry, hat diesmal etwas länger gedauert aber eine längere Dienstreise hat mich ins Ausland geschickt.

Also, nun weiter:
Am 2. Tag war es schon etwas laut beim Aufstehen. Rausgesehen - Sturm mit Windstärke um 10. An Rausfahren nicht zu denken.
Also erst mal die Insel erforscht. Prompt haben wir uns (mal wieder) vom Wetter in Norwegen in die Irre führen lassen. Sah gut aus, war nur windig. Nach 15min Fußmarsch setzte "leichter Regen" ein. Nach 2 min waren alle durch bis auf die Haut. Selbst schuld, nimm gleich die wasserdichte Jacke....
Also zurück, umgezogen und noch einmal los. 5 min Fußmarsch vom Haus sah uns plötzlich ein Fischotter an. Der erste, den ich in freier Wildbahn gesehen habe. Leider war er noch schneller wieder in den Büschen verschwunden.
Wir suchten weiter nach einem Platz, wo wir vom Ufer aus fischen konnten aber überall, wo das möglich war, flog man fast weg.
Haben uns nach 2 Stunden suchen hinter den Leutturm im Hafeneingang gesetzt. Die Makrelenfetzen auf Grund waren ständig weg aber bei dem Wind waren kaum Bisse zu sehen. Plötzlich hatte Hape doch noch Erfolg, Eine riiiiesige Scholle kam aus dem Wasser (fast 20cm lang). Nachdem alle genügend gelästert hatten, gingen die Ruten noch einmal rein. Im Absinken wurde mein Blei plötzlich gestoppt und schoss aus der Hafeneinfahrt raus. Die Bremse meiner Rolle hatte ich schon länger nicht mehr so gehört...
Nach 100m Flucht war das Pulver verschossen. Kurz: Ein Pollack von 7,5kg. Mein bester Fisch auf dieser Tour.
Aber auch der einzige brauchbare Fisch heute. Hoffentlich wirds morgen ruhiger...

Montag morgen:
Das Meer hat sich beruhigt, Windstärke etwa 3-4. Also rein ins Boot und im Windschatten der Insel geangelt. Hier befindet sich eine langsam abfallende Kante von 35 auf 110m über die das Boot langsam drüber trieb.
Das Echolot behauptet, dass da Fische sind - warum beißt keiner?
Also Pilker und Beifänger wieder dran und mit Makrelenfetzen garniert. Knapp über Grund gehalten und dann geht die Post ab:
Ein Lumb und Leng nach dem anderen. Bei 30 hören wir auf zu zählen. Leider alles nur Küchengröße bis 70cm aber immer lecker.
Ach so: Makrelen...
Habe ich absichtlich nicht erwähnt. Riesige Schwärme waren rund um die Inseln zu finden. Beim Rausfahren aus dem Hafen hieß es nur kurz "Stop, jetzt ablassen" und die Köderfische für den Tag waren in 3min gefangen.
Allerdings waren vereinzelt auch wirklich gute Makrelen von über 40cm dabei, die jetzt nach und nach in den Rauch wandern.

Die letzten 3 Tagen fielen ebenso aus wie der Montag. Wind so stark, dass Angeln im windgeschützten Teil möglich war, aber das Rausfahren an die Steilkante im Süden der Insel auf Großleng war nicht machbar.
Schade, vielleicht nächstes Jahr an einer anderen Stelle....

Das hört sich zwar an, als ob der Fang insgesamt nur mäßig war aber unsere 15kg Fisch pro Person hatten wir schon am Montag voll. Da die 120-liter Kühlbox schon nicht mehr zu ging, war der Rest reines Fischen zum Direktverbrauch und machte trotzdem Riesenspaß.

Ich höre heute noch Leo beim Pumpen stöhnen und Hape fluchen weil seine Multi mit einer strammen Doublette durchgebrochen ist (Fisch gewonnen, Rolle verloren!).

Ich habe meine Videokamera jeden Tag dabeigehabt und den Film im Verein gezeigt.
Ergebnis: Nächstes Jahr sind wir 7 Angler und testen ein anderes Revier.

Norwegen ist einfach zu groß und zu schön um an einer Stelle zu bleiben.

Ich hoffe, ich konnte Euch mit meinem Bericht etwas unterhalten und würde mich über ein Feedback freuen damit das Schreiben auch nächstes Jahr Spaß macht.

Bis bald
Lenneprofi
 
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