Pressemeldung: Fisch fährt mit Seenotkreuzer nach Cuxhaven

Thomas9904

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Pressemeldung

Fisch fährt mit Seenotkreuzer nach Cuxhaven

Einen ungewöhnlichen Transport übernahm der Seenotkreuzer HERMANN MARWEDE der Station Helgoland der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) am 23. Juli 2013: Während der routinemäßigen Bunkerfahrt zum Auffüllen von Kraftstoff und Wasser nach Cuxhaven hatten die Seenotretter einen Stör an Bord. Störe gehören zu den verschollenen Fischarten in Deutschland.


Der eineinhalb Meter lange Fisch lebt bereits seit nahezu 50 Jahren auf Helgoland an der Biologischen Anstalt des Alfred-Wegener-Institutes Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Im Rahmen des Projektes zur Wiedereinbürgerung des Störs in Deutschland wird das Tier, das mit seinen 60 Jahren für einen Stör im besten Alter ist, jetzt in den Elterntierbestand am Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin (IGB) aufgenommen.



Da der Stör nicht nur besonders empfindlich ist – die Tiere können beispielsweise seekrank werden – sondern auch einen hohen Forschungswert besitzt, hatte das Alfred-Wegener-Institut bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) angefragt, ob das Tier mit der HERMANN MARWEDE nach Cuxhaven gebracht werden könnte. Für die Seenotretter war das kein Problem. Das Tier wurde mit dem bordeigenen Kran in seiner Transportkiste am frühen Morgen des 23. Juli verladen und verbrachte die zweieinhalb Stunden lange Fahrt in der Transportkiste. „Für uns war das eine Routineangelegenheit“, sagte Vormann Thomas Müller. „Und wenn wir einen Einsatz bekommen hätten, dann hätte der Stör uns eben begleitet!“ Dazu kam es jedoch nicht, die Überfahrt verlief routinemäßig, und die HERMANN MARWEDE kam mit ihrem Spezialtransport wohlbehalten in Cuxhaven an. Von dort wurde das Tier per klimatisiertem Kleintransporter nach Berlin gebracht, wo er in den Hälterungsbecken des IGB seine neue Heimat findet.



Die HERMANN MARWEDE ging nach der Übernahme von Kraftstoff und Wasser und dem routinemäßigen Schichtwechsel der Besatzung zurück auf ihre angestammte Station in der Deutschen Bucht.



Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ist zuständig für den Such- und Rettungsdienst im Seenotfall. Sie wird nur durch freiwillige Zuwendungen und Spenden aus allen Teilen des Landes finanziert. Die DGzRS beansprucht zur Durchführung ihrer Aufgaben keine Steuergelder.

Die Gesellschaft verfügt heute über eine Rettungsflotte von 60 modernen, leistungsstarken Seenotkreuzern und Seenotrettungsbooten auf 54 Stationen zwischen der Emsmündung im Westen und der Pommerschen Bucht im Osten. Die 180 fest angestellten und rund 800 freiwilligen Rettungsmänner und -frauen sind bei jedem Wetter, an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr zum Einsatz bereit. Alle SAR-Maßnahmen (SAR = Search and Rescue, Suche und Rettung) werden von der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS zentral koordiniert und überwacht.

Allein 2012 haben die Seenotretter 2.117 Einsatzfahrten durchgeführt und dabei 60 Menschen aus Seenot sowie weitere 1.075 Personen aus kritischer Gefahr befreit. Seit Gründung des Rettungswerks verdanken über 80.000 Menschen ihr Leben dem schnellen und selbstlosen Eingreifen der Seenotretter. Allerdings: 45 Rettungsmänner sind in dieser Zeit im Einsatz auf See geblieben.
 
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