Ostseedorsch: Fischer zahlen für verfehlte Landwirtschaftspolitik

Newsmeldung:

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Der WWF hat auf seiner Homepage eine Newsmeldung veröffentlicht, in der er die Landwirtschaft für das Sterben der Ostseedorsche herausarbeitet. So heißt es in der Meldung , dass aktuell dreimal mehr Dorsche durch den schlechten Zustand der Ostsee sterben (ausgelöst durch Überdüngung und den damit einhergehenden Sauerstoffmangel) als durch die Fischerei genutzt werden.
Weiter heißt es, dass nun die Fischerei für die verfehlte Landwirtschaftspolitik die Zeche zahle. Hintergrund ist der Anfang August 2019 von der EU-Kommission auf den Weg gebrachte Fangstopp für den östlichen Dorsch (wir berichteten). Laut Aussage des WWF ist demzufolge die Hälfte der gesamten Fischerei auf den östlichen Dorsch davon betroffen.
Am Ende steht die Frage im Raum, wie wirksam solche Maßnahmen bezüglich des schlechten Zustandes des Ökosystems Ostsee wirklich sind!

Die komplette Meldung und weitere Infos findet Ihr hier:
https://blog.wwf.de/wie-guelle-die-ostsee-toetet/?fbclid=IwAR2G-qRGN48HhtWrgbeNKIVKTx0wouuvKzGzztHffdu3dpBEC9NNCyJhMY4

Quelle:
https://blog.wwf.de/wie-guelle-die-ostsee-toetet/?fbclid=IwAR2G-qRGN48HhtWrgbeNKIVKTx0wouuvKzGzztHffdu3dpBEC9NNCyJhMY4
 
Gibt es irgendwas, was vollständig erforscht ist? Zumal solch komplexe Systeme auch Veränderungen unterliegen.

Der Eintrag von Nährstoffen der Landwirtschaft ist durchaus ein kritischer Aspekt, der Eintrag von Nährstoffen über die Luft in Form von CO2, da ist es wieder, oder Stickstoff, das zwar den Großteil unserer Atmosphäre bildet und somit zunächst harmlos erscheint, aber in den Formen, in denen es als Abgas von uns emittiert wird, als Dünger zur Verfügung steht und somit zur Eutrophierung beiträgt.

Da auch bei diesem Thema gern auf die kollektive Verantwortung aller Anreinerstaaten hingewiesen wird, ist interessant festzustellen, das unsere Nachbarn im Norden und auch Deutschland einen deutlich erhöhten Eintrag zu verantworten haben, wenn man die in dem Dokument beinhaltete Grafik ansieht. Denn trotz sporadischen Austausch mit Nordseewasser weißen die Küsten Dänemarks und auch Schleswig-Holstein stark erhöhte Werte auf.

Werte, wie man sie sonst nur noch in den Tiefenlagen des bornholmer Beckens findet, oder in den nördlichsten Ausläufern.

Die Quintessenz scheint deutlich, intensive Landwirtschaft und hohe Bevölkerungzahlen verstärken die Eutrophierung und beeinträchtigen Artenvielfalt und auch unsere Dorsche.
 
Ökologie, hier speziell Gewässerökologie ist ein sehr kompliziertes Thema und längst nicht vollständig erforscht.
Das heutige Wissen über den von Dir beschriebenen Regelkreis basiert fast ausschließlich auf Erkenntnissen, die im Süßwasser gewonnen wurden,
Diese 1 zu 1 auf die Ostsee zu übertragen , funktioniert nicht so einfach.
Exakt, hast du sehr gut beschrieben.

Ich habe den Begriff "spendensammelnde Schützerindustrie" ganz bewusst verwendet, weil er gerade in Bezug auf den WWF sehr gut passt. Es gibt zu dieser Thematik einen Spiegel-Artikel, durchaus lesenswert zur Meinungsbildung [1]. Wer von dieser NGO (bzw. ähnlichen wie BUND, Nabu) objektive Berichterstattung erwartet, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Wie ich schon schrieb, nutzt der WWF das Thema Dorsch für seine Agrarpolitik, andere Faktoren werden einfach ausgeblendet.

Sauerstoffarme Zonen in der Ostsee gab es auch in den 80er Jahren (goldene Zeiten des Dorschfangs), nach aktuellen Erkenntnissen begann die Eutrophierung bereits Anfang des 20. Jahrhunderts, siehe [2]. Übrigens erkennt die Wissenschaft durchaus die Bemühungen in den letzten Jahrzehnten an:

"[..] „Die gute Nachricht ist, dass einige Ostsee-Anrainerstaaten bereits signifikante Schritte hin zu einer Reduktion des Nährstoffeintrags unternommen haben“, so der Forscher. [..]"

Die Quintessenz scheint deutlich, intensive Landwirtschaft und hohe Bevölkerungzahlen verstärken die Eutrophierung
.. ist schlicht falsch, Nährstoffeintrag ist deutlich rückläufig.

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[1] WWF: Kumpel der Konzerne, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-85913035.html
[2] https://www.scinexx.de/news/geowissen/ostsee-beispielloser-sauerstoffschwund/
 
Sich zu freuen, dass der Eintrag stark rückläufig sei ist bei einem System, in dem nichts abhanden kommt und vor allem seit Jahrzehnten deutlich zu viel vorhanden ist, ist schon recht oberflächlich und leicht zu Befriedigung.

Die von mir genannte Quelle war von dem durch Schützer unterwandertem Umweltbundesamt.

Wer glaubt, es würde reichen, bei dramatischer Überschuldung nur weniger neue Schulden zu machen, wäre ein Fall für Peter Zwegat.
 
.. ist schlicht falsch, Nährstoffeintrag ist deutlich rückläufig.
Manchmal ist rückläufig eben nicht genug. Dem geringeren Eintrag wirkt das Ostsee-interne Recycling der Nährstoffe entgegen und das ist um so stärker, je sauerstoffärmer (Temperatur, Salzwassereinströme) die Ostsee ist. Für die Bindung von Phosphat im Sediment braucht es Sauerstoff. Wenn das nicht mehr so gut funktioniert, bekomme ich von weniger externen Nährstoffen mehr Eutrophierung, da sie länger für Algenwachstum verfügbar sind.
 
Manchmal ist rückläufig eben nicht genug. Dem geringeren Eintrag wirkt das Ostsee-interne Recycling der Nährstoffe entgegen und das ist um so stärker, je sauerstoffärmer (Temperatur, Salzwassereinströme) die Ostsee ist. Für die Bindung von Phosphat im Sediment braucht es Sauerstoff. Wenn das nicht mehr so gut funktioniert, bekomme ich von weniger externen Nährstoffen mehr Eutrophierung, da sie länger für Algenwachstum verfügbar sind.
und das wiederum bedeutet noch weniger Sauerstoff. Ein Teufelskreis entsteht. Es bilden sich Faulgase (die sogenannten Todeszonen)
 
Auch wenn der Nährstoffeintrag heute leicht rückläufig ist.
Das was jetzt da ist, ist quasi die Ernte aus Einträgen, die Jahrzehnte zurückliegen.
Stark, nicht leicht, siehe wie schon zitiert das Umweltbundesamt,
"[..] Zwischen den Jahren 1985 bis 2005 sanken die Nährstoffeinträge in die Oberflächengewässer im deutschen Einzugsgebiet der Ostsee: Die Phosphoreinträge gingen um 76 und die Stickstofffeinträge um 50 Prozent (%) zurück. [..]".

Natürlich wird der Rückbau der Fehler der Vergangenheit Jahrzehnte brauchen, ist aber auf die aktuelle Agrarsituation nicht zwangsläufig anwendbar, daher entsprechende Kritik.
 
Nun Thorsten, ich stimme Dir ja teilweise zu, es ist nur falsch und zweckundienlich, die Landwirtschaft alleine dafür verantwortlich zu machen.
denn die Ursachen für die heutigen Probleme liegen teils Jahrzehnte zurück und damals waren längst nicht nur die Bauern am Eintrag beteiligt, sondern ganz besonders auch Industrie und kommunale Kläranlagen, bzw ungeklärte urbane Abwässer.
Die heutigen Probleme sind die Ernte aus dieser Saat.
 
Und was bei der Ostsee für mich noch erschwerend hinzu kommt ist die grösse des Gewässers und der nur ab und an ausreichende Wasseraustausch.Das erschwert die natürliche Regeneration.
 
Ich beziehe mich auf den WWF-Artikel und hier wird eben nicht zwischen aktueller Politik und Fehler der Vergangenheit differenziert sowie andere Faktoren werden unter den Tisch fallen gelassen, deswegen ist der in meinen Augen tendenziös, bzw. wie Deep Down schreibt:

Kaffeesatzleserei um nun die Landwirtschaft als nächsten Gegener auszulöschen!
 
die kritik des WWF dessen meinung ich jetzt nicht wirklich hochhalte, zielt im bezug auf die landwirtschaft auf die immer effektiver gestalteten intensiv mast . Dänemark , NRW und Niedersachsen sorgen an der stelle für ein erhöhten gülleeintrag.

das ganze wird einerseits beim stickstoff und phosphat eintrag von der EU reglementiert, andersherum durch prämien gestützt .

angesichts der ausrichtung auf gewinnmaximierung , ist die umkehr von extensiv tierhaltung auf intensive massentierhaltung ohne komplettes umdenken zur zeit nicht machbar . die ökologischen folgen sind an der stelle in modellen hochrechenbar .

agrarlobbyisten in verbindung mit den argrarchemie konzernen ist eine ungute allianz !

mit ein wenig polemik und hetze wird versucht kritikern das wasser abzugraben .
positiv besetzte wörter wie schutz werden durch gezielte polemik ins negative verkehrt !
man muß einen unbescholtenen pastor nur offt genug kinderschänder nennen , um ihn gesellschaftlich auf 0 zu stellen .!
so kann man ganz praktisch die verschiedenen interessensgruppen gegeneinander ausspielen !



https://www.topagrar.com/panorama/news/ard-die-story-gekaufte-agrarpolitik-wie-industrie-und-agrarlobby-durchregieren-11528063.html
 
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Hatten wir schon einmal. Fakten dazu sind u.a. auch im Nitratbericht 2016 nachzulesen [1]. Die Mehrzahl der Messstellen zeigt einen klar positiven Trend, also rückläufige Konzentrationen von Nitrat/Phosphor. Punktuell kann es sicher Problematiken geben, entspricht nicht dem Allgemeintrend. Ich denke viele Angler nehmen auch wahr, das Gewässer immer klarer werden. Die Auswirkungen der verschärften Düngerichtlinie sind dort noch nicht enthalten.

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[1] https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Binnengewaesser/nitratbericht_2016_bf.pdf
 
Die Nährstoffreduktion in unseren süddeutschen Seen zeigt sehr deutlich, dass man die Zeit nicht einfach zurück drehen kann. Die Konzentrationen sind zwar wieder fast wie vor hundert Jahren, aber die Gewässer sind durch steigende Temperaturen, neu eingewanderte Arten, Verbauung, andere Befischung ect. radikal anders als zuvor. Insgesamt ist der Erfolg eher durchwachsen und zwischen den Gewässern sehr unterschiedlich, je nachdem wen man fragt.
Hier kannst du von den Anglern und anderen die vom Wasser leben fragen wenn du willst, der Bodensee wird zu tode gefiltert und zu viel Phosphat entnommen. Wir haben teilweise Phosphatwerte unter 1,5mg. Seit wenigen Jahren tut sich ein neues Problem auf, die Wasserschichten vermischen sich nicht mehr richtig und der See blüht nicht mehr, sprich die Algenblüte bleibt aus...

Die Fangzahlen stagnieren von Jahr zu Jahr. 1997 waren es noch 1219 Tonnen Fisch, 2016 nur noch 289 Tonnen, jedem Bodensee Berufsfischer fehlen ca 50% Fisch um zu überleben, noch können sie das mit Zweitjobs ausgleichen, die Frage ist wie lange. die letzten 2-3 Jahre hat man bemerkt das die Felchen kleiner bleiben als sonst üblich. Noch ein Tick kleiner und man kann sie nicht mehr verkaufen.

Kormoran und Kollegen fressen im Jahr 200-260 Tonnen Fisch, das einzige Rädchen wo man aktuell drehen könnte.

Außerdem tut sich ein fremder Fisch auf, der Stichling. Er steht in Nahrungskonkurenz zum Felchen, er frisst andere Brut und laut aktuellen Daten sind 95% der Fische im Freiwasser Stichlinge, 20% der Fisch Biomasse im See sind Stichlinge...

Das Umweltministerium und die Grünen lehnen eine Phosphaterhöhung strikt ab. Ein Sprecher meinte vor 2 Jahren: Der natürliche Zustand des Bodensees ist der eines Alpensees. Eine Fischfauna, die diesem natürlichen Zustand entspricht, findet auch Nahrung. Ziel sei es, das Gewässer mit typischen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Der Bodensee sei kein Acker, der zur Erzeugung möglichst vieler Fische da sei, lol...

So ist es wenn Leute das Sagen haben die von tuten und blasen keine Ahnung haben. In den 70er Jahren ist der Bodensee vor Dreck fast umgekippt und jetzt haben wir das andere Extrem.

Ich bin gespannt wie die Barschfänge nächsten Monat sind, ich glaube ab September darf man den Hafen bei mir ums Eck beangeln.


Edit: Zum Gülleeintrag um die Ostsee herum, wieso haben wir das Problem in Ba-Wü nicht? Das wurde doch streng geregelt oder hat man das nur um den Bodensee herum reglementiert das Bauern Ihre Gülle nicht mehr in Wassernähe ausfahren dürfen? Die müssen glaub XY Meter von Bächen und Flüssen weg bleiben und dürfen auch nicht mehr willenlos alles abkippen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Das Problem scheint seit Jahren der Stichling zu sein.

Haben die Grünen oder das Umweltministerium mit dessen Vermehrung zu tun.
 
Hier kannst du von den Anglern und anderen die vom Wasser leben fragen wenn du willst, der Bodensee wird zu tode gefiltert und zu viel Phosphat entnommen. Wir haben teilweise Phosphatwerte unter 1,5mg. Seit wenigen Jahren tut sich ein neues Problem auf, die Wasserschichten vermischen sich nicht mehr richtig und der See blüht nicht mehr, sprich die Algenblüte bleibt aus...
Der Bodensee liegt seit ca. 15 Jahren mehr oder weniger stabil bei ungefähr 200% des natürlichen Phosphateintrags, was in dem Zeitraum 6-8 mg pro Kubikmeter entspricht. Übrigens genau entgegen dem Fischertrag seit 2009 leicht angestiegen.
 
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Das Umweltministerium und die Grünen lehnen eine Phosphaterhöhung strikt ab. Ein Sprecher meinte vor 2 Jahren: Der natürliche Zustand des Bodensees ist der eines Alpensees. Eine Fischfauna, die diesem natürlichen Zustand entspricht, findet auch Nahrung. Ziel sei es, das Gewässer mit typischen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Der Bodensee sei kein Acker, der zur Erzeugung möglichst vieler Fische da sei, lol...

So ist es wenn Leute das Sagen haben die von tuten und blasen keine Ahnung haben. In den 70er Jahren ist der Bodensee vor Dreck fast umgekippt und jetzt haben wir das andere Extrem.
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Und welcher natürliche Ist-Zustand soll das sein?
Da wär ich ja mal gespannt, wie der bestimmt werden soll?

Der See steht gesichert seit mindestens 4000 v.Chr unter dem Einfluss des Menschen und der Wasserstand war deutlich niedriger und sicher herrschten andere klimatische Verhätnisse. Das gilt auch für andere Alpenseen. Also, was soll der natürliche Zustand sein?
 
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