Nach Entleerung: Algenproblem am Stausee Kelbra

Newsmeldung

Der KAV Sangerhausen informierte die AB-Redaktion über ein massives Algenproblem an der Talsperre Kelbra, die Anfang des Jahres komplett abgelassen wurde. Die Talsperre soll außerdem komplett abgefischt werden - und zwar entgegen dem vorläufigen Betriebsplan und der Natura 2000 Verordnung. Ziel des grünen Umweltministeriums ist es, die Talsperre als erstes Gewässer in Sachsen-Anhalt fischfrei zu machen. (wir berichteten).


algen Stausee Kelbra.jpg

Algenplage am Stausee Kelbra



Hier die Mitteilung des KAV Sangerhausen:


Am Stausee Kelbra haben wir wieder ein riesengroßes Algenproblem. Das ist die Folge einer restlosen Entleerung, wie wir sie schon 40 Jahre lang hatten (von Anfang der 70 er Jahre bis 2010 bzw. 2011). Damals gab es immer Algen, mal mehr, mal weniger. 2014 nach drei Jahren kleinem Winterstau gab es fast keine Algen und 2019 ( auch nach drei Jahren Winterstau) gab es in der Talsperre überhaupt keine Algen mehr. Wie wichtig Muscheln, Insektenlarven, Wasserschnecken und andere Kleinlebewesen auch im Hinblick gegen ein unkontrolliertes Algenwachstum sind, lernt jeder angehende Angler in den Vorbereitungslehrgängen zur Fischerprüfung.

Vernichtung der algenfressenden Kleinlebewesen
Ob solche Zusammenhänge einer grünen Umweltministerin und den Verantwortlichen im LAU bekannt sind? Die restlose Entleerung der Talsperre am 22.02.2020 und die Vernichtung dieser wichtigen algenfressenden Kleinlebewesen dürfte eine der Ursachen für das jetzige Algenwachstum sein. Auch das die Talsperre im Frühjahr 2020 nicht voll wurde (es gab ja im Harz keine Schneeschmelze, da kein Schnee vorhanden war) ist aus unserer Sicht eine weitere Ursache. Auch die aufgeführten "Vogelschutzgründe", weshalb die Talsperre ja abgelassen wurde, sind nicht haltbar. Es gab in diesem Frühjahr augenscheinlich bedeutend weniger Wasservögel an der Talsperre. Was sollen diese Wasservögel auch fressen - außer Algen? Fische, Muscheln, Wasserschnecken und Insektenlarven als Vogelfutter wurden ja erst einmal durch die restlose Entleerung "beseitigt".

Große Schäden
Im Spätsommer und Herbst werden sich die Algen zersetzen und zusätzlichen Sauerstoff verbrauchen. Auch dass lernt jeder Angler in den Vorbereitungslehrgängen. Man kann die Talsperre dann nicht rechtzeitig entleeren, ohne das Ökosystem Helme z.B. durch Sauerstoffmangel zu schädigen. Dann werden sich wieder die Kranichschützer und der NABU Sachsen-Anhalt beschweren. Dabei ist das Problem seit Jahren bekannt. Außerdem sind durch das Ablassen am 22.Februar 2020 offenbar alle Kiesbänke mit den Bachforelleneiern so geschädigt worden, dass wir z.Z. keine jungen Bachforellen in der Helme haben. 2018 und 2019 gab es eine nachweisbare natürliche Reproduktion von Äschen, Barben und Bachforellen in der Helme. Bachforellen sind übrigens auch Wirtsfische für verschiedene Muschelarten.
In wie weit die Äschen- und Barbenbestände durch die Sedimente geschädigt wurden, werden die weiteren Untersuchungen zur EU-Wasserrahmenrichtlinie zeigen. Welche Folgen Sedimente für die kieslaichenden Flussfischarten generell hat, kann jeder ernsthaft Interessierte bei Wikipedia nachlesen.

Algen Bauwerk 2.jpg

Algenplage an der Kelbra

Außerdem gab es durch die restlose Entleerung eine Flut von für die Äschenregion untypischen "Teichfischen". Wenn man in der Helme jetzt Zander, Barsche, Schleien, Giebel und auch vermehrt wieder Karpfen und Hechte fängt, sagt das alles. Den "normalen" Angler freut es. Einen verantwortungsvollen Naturschützer aber nicht. Diese Fischarten sind ja vor allem Nahrungskonkurrenten und teilweise untypische Prädatoren für die schon stark geschädigten typischen Flussfischarten der Helme.
Vor all diesen Folgen (Algen, Verschlammung der Kiesbänke, untypische Prädatoren) hatten wir die Verantwortlichen gewarnt. Aber wir sind ja nur Angler und Naturschützer vor Ort und keine "studierten Leute" aus Halle, Steckby oder Magdeburg.

Die Natur lässt sich nicht vergewaltigen
Ohne eine verantwortungsvolle Lösung des "Fremdkörpers Talsperre Kelbra" wird es auch keine befriedigende Lösung für das FFH-Gebiet Helme geben. Nur wenn man alles im Zusammenhang sieht, kann man auch entsprechende Lösungen für alle Seiten (Vogelschutz, Fischartenschutz und Tourismus) an der Talsperre und der Helme finden. Das setzt aber bei einigen Verantwortlichen auch ein Umdenken voraus. Man kann sicherlich auch teure Ingenieurbüros beauftragen. An den positiven Erfolgen in der Praxis (Winterstau von 2017 bis 2019) werden sie aber auch nicht vorbei kommen.
Was man in der Vergangenheit aber positiv bewerten muss, ist die konsequente Nutzung des Umfluters, wodurch wenigstens im Sommer keine Algen in die Helme gelangten und ein ausreichender Sauerstoffgehalt in der Helme garantiert wurde. Es ist nur bedauerlich, dass man 360 Tage an der Talsperre Kelbra in den letzten Jahren alles richtig gemacht hat und dann innerhalb von 5 Tagen (im Februar 2020) so viel Schaden für die "Flusslandschaft Helme" angerichtet hat. Aber einzelne, wenige Leute wollen "Gott" spielen und meinen, so aus der Talsperre einen Vogelpark machen zu können. Aber Natur lässt sich nicht vergewaltigen. Das ist unsere feste Überzeugung.

Kormorane am Bauwerk 1 a.jpg

Kormorane am Stausee

Noch ein Wort zum Hochwasserschutz und dem Winterstau. Die Helme wurde in den letzten Jahren auf 50 m²/sec. für ein hundertjähriges Hochwasser ausgebaut. Wir sprechen von einem Winterstau von 1,5 bis 2 Mio. m³. Diese Wassermenge kann bei 50 m³/sec. innerhalb von 10 bis 11 Std. theoretisch abgelassen werden (50m³ x 60 sec x 60 min x 11 Std = 1,98 Mio. m³).

Darüber sollten alle Verantwortlichen ernsthaft nachdenken und ob diese zehn Stunden es wert sind, das Ökosysteme Helme und das Vogelschutzgebiet Stausee Kelbra zumindest zeitweise, so zu schädigen, wie im Februar 2020.






 

Kommentare

Da geht der Traum der grünen Umweltministerin, ein Vogelparadies zu schaffen, im wahrsten Sinn des Wortes den Bach (Helm) runter.
Mehr ökologischen Schaden kann man ja fast nicht mehr anrichten!
Es entspricht schon einer ganz speziellen Logik, erst mal alles Unterwasserleben zu vernichten, um dann Vögel dort anzusiedeln, die existentiell davon abhängig sind?
So wie sich das darstellt, hat die Frau wohl genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie sich wünschte.
Selbst für durchziehende Vögel kann dies zur bösen Falle werden, nämlich wenn sie dort einfallen und dann, für sie unerwartet, keine Nahrung zu finden ist!
Mich würde mal interessieren, wer die Frau dabei beraten hat, vielleicht die "Experten" der Ortsgruppe des NABUs, oder andere Traumtänzer?

Jürgen
 
Servus, würde mir jemand am Stammtisch erzählen, eine grüne Umweltministerin hätte noch nicht einmal Grundkenntnisse von ökologischen Zusammenhängen, könnte ich das natürlich nicht glauben. Hier sieht man, daß grundsätzlich wohl alles möglich ist wenn man ideologisch nur verblendet genug ist.
 
Hallo,

eine grüne Umweltministerin hätte noch nicht einmal Grundkenntnisse von ökologischen Zusammenhängen, könnte ich das natürlich nicht glauben.
Woher soll das denn kommen, wenn man über "Hilfen erwachsener Töchter für ihre Mütter" promoviert hat?

Dass man für ein politisches Amt keine Sachkunde oder einschlägige Erfahrung braucht, sieht man ja am einfachsten beim Bundesminsterium für Verteidigung.

Dass die Parteizugehörigkeit was über die Sachkompetenz aussagen soll, halte ich auch für ein Gerücht.

Könnte aber natürlich sein, dass manche Frauen, die politisch Karriere machen wollen, sich ganz bewusst für eine Partei enstcheiden, wo Frauen wegen ihres Geschlechts satzungsgemäß bevorzugt werden.
 
AW: Nach Entleerung: Algenproblem im Stausee Kelbra

...hupps, sorry, ich glaube, das war ich ich. War neulich dort wandern, und plötzlich hats in den EIngeweiden gezwickt und gegrummelt, also bin ich ins Schilf gestiefelt und hab der Natur ihren Lauf gelassen. Puh, das war schlimm, ich hatte vermutlich was Falsches gegessen, aber das das gleich ne Algenblüte auslösen würde...
Tut mir leid, Jungs,
hg
Minimax
 
Oben