Mit Sbirolino und Fliege zur Meerforelle

Wenn ich eine Montage zum Meerforellenangeln nennen sollte, die fast immer fängt, dann ist es folgende: eine Fliege hinter einem Sbirolino angeboten. Klar, auch ich fische an der Ostsee immer noch gerne mit Küstenwobblern oder Blinkern. Doch wenn ich auf jeden Fall Fisch ans Band bekommen möchte, verwende ich meine Sbirolino-Rute. Sie ist das Ass im Ärmel, wenn es an den Strand geht. Mittlerweile ist die Meerforelle bei mir nicht mehr der Fisch der tausend Würfe. Schneidertage kommen vor, sind aber im Vergleich zu Fangtagen eher die Ausnahme als Regel. Und das alles dank der kleinen Weitwurf-Wunderwaffe mit dem Namen Sbirolino.

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Meerforellen lassen sich mit Sbirolino und Fliege viel einfacher fangen als mit Blinker

Vorteile vom Sbirolino an der Küste
Häufig sind kleinere Köder wie Fliegen beim Angeln auf Meerforelle die deutlich bessere Wahl als plumpe Blinker. Gerade wenn sich die Silberbarren auf Garnelen, Tangläufer und Mini-Fischchen eingeschossen haben, sind Fliegenfischer im Vorteil. Wer aber noch nie eine Fliegenrute in der Hand hatte oder bei dem starken Wind an der Küste seine Schwierigkeiten beim Werfen hat, braucht nicht traurig sein. Schließlich gibt es ja Sbirolinos, mit denen sich Fliegen optimal anbieten lassen. Und noch besser: Im Gegensatz zu Fliegenfischern können wir mit Sbiro eine viel größere Fläche absuchen und erreichen deutlich weitere Wurfweiten.

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Mit einem Sbirolino erreichen wir deutlich weitere Wurfweiten als Fliegenfischer: ein großer Vorteil!

Masse statt Klasse
Wer mit Sbirolino angelt, sollte sich bewusst sein, dass in der Regel eher kleinere Meerforellen zwischen 40 und 55 Zentimetern beißen. Das bedeutet aber nicht, dass eine 70er oder sogar 80er Meerforelle nicht auch mal für den kleinen Snack das Maul öffnet. Ich war mit dabei, als ein Kollege eine 74 Zentimeter lange Meerforelle mit Sbirolino und Fliege fing. Generell werden aber die kapitalen Meerforellen meist mit Blinker gefangen. Der Vorteil beim Angeln mit Sbirolino ist jedoch, dass Ihr damit im Vergleich zum Blinker-Angler viel mehr Fische an den Köder lockt. Wenn der Spinnfischer an einem schwierigen Tag mit Müh und Not gerade einmal einen Fisch ergattert, sind es beim Sbiro-Angler nicht selten vier, fünf oder noch mehr Salmoniden. Alle meine Touren, an denen ich zweistellig ‒ also mehr als zehn Fische ‒ fing, waren mit einer Sbirolino-Montage plus Fliege.

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Beim Angeln mit Spirolino beißen häufig Fische zwischen 40 und 55 Zentimetern. Dafür aber oft mehrere Meerforellen am Tag

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Das Spirolino-Angeln mit Fliege bringt Laune. Sind die Meerforellen am Platz geht es häufig Schlag auf Schlag

Die Sbirolino-Montage zum Watangeln
Meine Sbirolino-Montage beim Watangeln auf Meerforelle sieht sehr einfach aus. Ich verwende durchsichtige, langsam sinkende Sbirolinos mit Gewichten von 15 bis 30 Gramm (abhängig vom Wind und den erforderlichen Wurfweiten). Das spezielle Wurfgewicht ziehe ich auf meine 0,14er geflochtene Hauptschnur. Anschließend kommt eine stabile Gummiperle aus dem Karpfenbereich auf die Leine und ich knote einen Wirbel an. Die Gummiperle dient als Knotenschutz. Danach folgt das Vorfach aus Fluorocarbon. Hier wähle ich 0,35 Millimeter starkes Material. Mit einer Schlaufe hänge ich das Vorfach in den Wirbel. Ganz wichtig: Wählt das Fluorocarbon-Vorfach nicht zu kurz. Es sollte mindestens Rutenlänge lang sein: also zwischen 3 und 3,20 Metern. Häufig sehe ich Meerforellenangler mit viel zu kurzen Vorfächern von nur einem Meter. Natürlich fangen auch die mal eine Meerforelle, aber die Scheuchwirkung vom Spirolino ist viel zu hoch ‒ besonders bei ruhigen Bedingungen. Viel besser sind die eben beschriebenen langen Vorfächer zum Sbirolinoangeln. Das Werfen ist ein wenig Übungssache, gelingt aber nach einiger Zeit meist problemlos. Auch in der Nacht fische ich mit solchen langen Vorfächern. Bisher habe ich mich dabei nie selbst gefangen. An das Vorfach knote ich mit einem Rapala-Knoten die entsprechende Meerforellenfliege an. Der Knoten mit der kleinen Schlaufe sorgt für ein deutlich verführerischeres Köderspiel der Fliege. Fertig ist die Montage zum Meerforellenangeln mit Sbirolino.

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Sbirolino, Gummiperle, Wirbel, Vorfach und Fliege: Mehr braucht Ihr nicht zum Meerforellenangeln

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Ein 0,35er Vorfach aus Fluorocarbon ist optimal zum Sbirofischen. Es verwickelt sich selten und ist auch stark genug für 70+ Meerforellen

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Für ein optimales Köderspiel wird die Fliege mit einem Rapala-Knoten angeknotet. Die Meerforelle liebt es

Fliegenmuster für Meerforellen
Zum Meerforellenangeln gibt es Fliegenmuster wie Sand am Meer. Was besonders gut läuft, muss jeder für sich selber herausfinden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade kleine, unscheinbare Muster häufig die Nase vorne haben. Alles was Garnelen imitiert, ist immer eine gute Wahl. Braune oder graue Fliegen genießen mein vollstes Vertrauen. Ein wenig Pink kann ebenfalls nicht schaden. An manchen Tagen sind auch auffällige Fliegenmodelle einen Versuch wert. So zum Beispiel ein Juletrae oder eine Polar Magnus mit viel Pink. Die meisten meiner Fliegen besitzen Kettenaugen. Dadurch sinken sie schneller und haben bei der Köderführung ein besonders reizendes Spiel.

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Kleine, unscheinbare Fliegen sind perfekt zum Angeln auf Meerforelle. Gerne dürfen diese Kettenaugen besitzen

Köderführung beim Angeln mit Sbirolino
Wer mit Sbirolino angelt, sollte sich auch mit der Köderführung beschäftigen. Stupides und monotones Einkurbeln kann Fisch bringen, muss es aber nicht. Bei mir hat sich zügiges Einholen mit kurzen und knackigen Stopps bewährt. Aber nicht immer funktioniert das. Gerade später im Jahr ab Mitte April oder Mai, wenn die Meerforellen zickig werden, heißt es: ausprobieren was das Zeug hält. An einem Tag lief folgende Technik besonders gut bei mir: eine halbe Kurbelumdrehung, Pause, eine halbe Kurbelumdrehung, Pause, … Und das Ganze in einem zackigen Tempo. Wichtig: Wenn Ihr über einen längeren Zeitraum nichts fangt, aber Eure Nachbarn Fische keschern, dann solltet Ihr unbedingt die Köderführung ändern. Erlaubt ist alles, was gefällt und Bisse bringt.

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Die Köderführung ist beim Angeln auf Meerforelle mit Sbirolino extrem wichtig

Nicht nur Meerforelle
Beim Angeln mit Spirolino beißen nicht nur Meerforellen. Nein, auch Dorsche lieben Fliegen. Tagsüber geht nur ab und an ein Dorsch an den Haken. Aber in der Dämmerung und Nacht sind die Dorschfänge recht häufig. Regenbogenforellen oder auch Steelhead genannt sind ebenso immer wieder willkommene Beifänge. Ab Mai gesellen sich Hornhechte dazu und mit ein wenig Glück beißt sogar ein Plattfisch wie Flunder & Co. Ihr seht, das Angeln mit Sbirolino ist eine abwechslungsreiche Fischerei, bei der man nicht immer weiß, was beißt. Warum nur so wenige Angler zur Sbirolino-Rute greifen, kann ich nicht verstehen. Es ist eine sehr muntere Angelei, bei der die Meerforelle nicht der Fisch der 1.000 Würfe ist. Probiert es doch mal aus. Die Temperaturen sinken und so langsam werden die Fänge von Meerforellen wieder mehr.

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Auch Dorsche stehen auf Fliegen, die hinter einem Sbiro angeboten werden. Dorschfänge sind beim Meerforellenangeln gar nicht so selten ‒ vor allem in der Dämmerung

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Beim Meerforellenangeln gehen auch immer wieder Regenbogenforellen an den Haken oder besser gesagt an die Fliege

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Eine schön gefärbte Meerforelle, die auf das Fliegenmuster hinter dem Sbirolino biss. Das tolle Männchen durfte sofort wieder schwimmen


Fischt Ihr lieber mit Blinker auf Meerforelle oder nehmt Ihr auch gerne einen Sbirolino plus Fliege? Schreibt mal in die Kommentare, welche Erfahrungen Ihr beim Meerforellenangeln gesammelt habt.


Euer
Jesco
 
Wieder ein sehr schönes Tutorial, aber das Gefuddel mit dem langen Vorfach ist nix für den Vater seinen Buben. ;)
 
Noch weniger Getüddel gibt es, wenn man zwischen Spiro und Wirbel/Einhänger noch ein weiteres, ca. 10 cm langes, Stück Kunststoffröhrchen einfügt.
Und gaaaanz wichtig, immer den Wurf kurz vor dem Auftreffen auf's Wasser abstoppen, damit sich das Vorfach auch strecken kann!
 
Kann den sehr gelungenen Artikel zu 100%ig unterschreiben!
Wer auf große Fische aus ist, sollte vermutlich eher auf Blinker/ Wobbler setzen. Auch bei bewegtem und eingetrübtem Wasser ziehe ich persönlich Spinnköder vor, aber dennoch hat mir die Fliege am Spiro schon viele Fische ans Band gebracht, allerdings in der Regel wirklich die beschriebenen Fische in Grönländer-Größe. In Dänemark, wo ich meine meisten Küstentage verbringe, ist das Spiro-Angeln übrigens weitaus verbreiteter als hier.
 
Ich glaube kaum, dass ich je auf MeFo fischen werde, aber ich denke, dass ich diese Methode sehr erfolgreich an Talsperren auf BaFo/ReFo einsetzen könnte ;)
 
Das waren noch Zeiten, als ich mit Fliegen am Sbirolino rumgebastelt habe. Es ist ein bisschen Getüdel, das stimmt. Und man muß sich einwerfen, also das Zusammenspiel aus Vorfachlänge, Schnurart, Sbirolinogewicht und Fliegenmuster ausprobieren. Nicht jede Fliege mag am Sbirolino gezogen werden. Da wo man vom Strand aus hinwirft ist meistens das Wasser nicht tiefer als 3m und es dauert ein wenig, bis man den Zug spürt. Deshalb habe ich auch immer schwimmende Sbirolinos verwendet, keine Sinker wie hier gezeigt wird. Schwimmer sind milchig. Ein Sinker oder Halbsinker bietet die Fliege zu weit unten an oder muß zu schnell gezogen werden. (Meine Erfahrung)

Vor den Sbirolino kann man eine knallige Perle setzen, dann sieht man wo der schwimmt. Hinter den Sbirolino würde ich unbedingt noch ein Kunststoffröhrchen auffädeln, damit sich die Schnur nicht im Sbirolino verfängt. Hat der Pupser ja schon geschrieben.
Den Sbirolino kann man auch gut für die Montage Einzelhaken mit Naturköder einsetzen. Habe damit öfter Makrelen gefangen und natürlich hauptsächlich Hornhechte. Geht sogar vom Boot aus, dann mit Halbsinkern im tiefen Wasser.
Da probiere ich immer mal mit rum, es müßten auch Steinis beißen oder Plattfische. Ist mir jedoch noch nicht gelungen. Bestimmt nächstes Jahr.smile01
 
Dazu muss ich gleich mal einen mir bekannten Link posten, der die Montage wohl recht gut abbildet:
Ich habe das in sehr abgespeckter Form mal probiert und beim 3ten Wurf die Montage aus den Augen verloren und nicht rechtzeitig abgestoppt, was natürlich nur noch zu abschneidbarem Megatüddel führte :eek::XD

Aber ne Frage habe ich auch noch: wie definiert sich eine Spiro-Rute?
Ich hatte das nur mit ner simplen 3m Forellenrute von Jenzi probiert, die ich ungebraucht bei EBay für €15 geschossen hatte.
 
wenn das überlange vorfach nicht wäre , wäre eine baitcaster genau die richtige rolle .

schade , das man hier bei der ganzen webung drumherum keinen tip bekommt, welche rute auf der länge gesehen nicht zur kopflastigkeit neigt .
eine richtig gute ausgewogene rute fischt sich wesentlich angenehmer .
auch die spitzenaktion ist wichtig zu erwähnen denn gerade bei den neuen werkstoffen wie z.b. toray , bekommt man gerne sehr schnelle und belastbare ruten, die dann bei aller qualität und leichtigkeit , letztendlich nicht so für lange vorfächer geeignet sind .
mit ihnen kann man sehr gut die schnur von der wasseroberfläche heben und einen anschlag setzen, aber das hat auch im drill seine nachteile !

letztendlich können sie auch gerne mal schnell die grätsche machen,wenn man sie falsch behandelt

nicht jeder hat einen shop mit breiter auswahl in der nähe !
erfahrungswerte sind da kaufentscheident !
 
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Aber ne Frage habe ich auch noch: wie definiert sich eine Spiro-Rute?
Ich hatte das nur mit ner simplen 3m Forellenrute von Jenzi probiert, die ich ungebraucht bei EBay für €15 geschossen hatte.
Die Spirorute, ups, da gibt es sogar Teleskopruten im Angebot. Wäre ich vorsichtig mit. Meine Meforute reicht mit ihrer 3m Länge. Die fängt auch Dorsche, Hornis und so Meeresfische am Sbirolino. Es ist ihr egal. Die Spiroruten haben mehr Rutenringe/Länge. Damit wirft man angeblich präziser. Wenn man es sehr genau nimmt und die Mentalität besitzt, gern mehrere Ruten mit sich rum zu tragen.

Hier ist ein intressanter Link zum Thema. https://www.blinker.de/angelmethoden/forellenangeln/angeltipps/sbirolino-alles-was-ihr-wissen-muesst/
 
Wie gesagt, will ich diese Methode unbedingt auf ReFos und BaFos in Talsperren ausprobieren.

Jedoch habe ich nicht vor mir dafür eine neue Rute zu kaufen, zumindest nicht schon im Voraus.

Ich habe zuhause zwei Ruten, die zum Sbirolinofischen in Frage kämen: eine 45 g 270 cm und eine 30 g 240 cm. Die erste ist straffer, mehr spitzenbetont und für Köder bis max 35 g, die zweite ist weicher, mit semiparabolischer Aktion und geeignet für Köder bis 20 g.

Welche von beiden ist Eurer Meinung nach mehr geeignet? Und welches Sbiro Gewicht würdet Ihr für die eine bzw. andere Rute empfehlen?
 
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