Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

wasser-ralf

Well-Known Member
Ja ich möchte hier mal eine provokante Diskussion lostreten.
Jeder von uns Anglern weiß wohl, wie traurig es mittlerweile um den Bestand des europäischen Aals bestellt ist. In Skandinavien ist das Beangeln mittlerweile sowohl den Berufsfischern als auch den Hobbyanglern untersagt.
Ich selbst angle aus Gewissensgründen nicht mehr speziell auf Aal, gönne ihn mir nur noch als gelegentlichen Beifang. Im letzten Jahr nahm ich gerade mal ein strammes Exemplar mit nach Hause, in diesem Jahr bisher noch gar keinen.
Jetzt kommen sicher gleich die bekannten Argumente – „die paar Aale, welche wir Angler ziehen, fallen in der Gesamtbilanz doch kaum ins Gewicht“.
Ja sicher wäre es so, wenn sich jeder an die anglerischen Tugenden halten würde. Aber ganz so ist es leider nicht und so manches schwarze Schaaf unter uns ist gedanken- und rücksichtslos nach wie vor auf pures „Beutemachen“ aus.

Auslöser meiner Zeilen ist der Bericht eines Angelfreundes vom letzten Wochenende.
Er hatte sich gerade abends zum angeln an einem Fließ eingerichtet, als sich ein weiterer Angler einstellte und ihn erst einmal in ein Gespräch verwickelte. Dabei ging es zunächst um die üblichen Floskeln, wie lange er schon dasitze und was er so gefangen hätte. Mein Bekannter berichtete von einem Aal, welchen er eine Woche zuvor hier gefangen hätte. Daraufhin wurde der Besucher großspurig und schüttelte nur bedauernd den Kopf. „Ein Aal nur? Dafür lohne sich doch die Anfahrt nicht.“
Nach seinem Bericht fange er jeden Abend mindestens drei Aale und er sitze derzeit auch fast jeden Abend an dieser Stelle. Der Tiefkühler sei mittlerweile fast voll.
Kurze Zeit später packte er nicht weit entfernt sein Gerät aus und legte vier!!! (bei erlaubten zwei!!!) Angeln am Ufer aus.
Mein Bekannter beobachtete, dass er auch an diesem Abend seine Fänge machte, wobei er auch die noch fast Schnürsenkelformat zu seiner Beute packte.
Mich machte diese Geschichte ziemlich wütend. Das Maßhalten ist wohl eine hohe Kunst, welche nicht jedem gegeben ist.

Ich weiß, dass dies kein Einzelfall ist und manche Mitmenschen derzeit nur die reine Beutegier ans Wasser treibt.
Bleibt auch uns nur noch ein generelles, behördlich verordnetes Aalangelverbot?
 

M!ke

Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Letztlich muss das jeder mit sich selbst ausmachen.
Wichtig ist hierbei die Aufklärung, damit die Leute sich vor der Entnahme Gedanken machen.

Ich persönlich habe gerne auf Aal geangelt und vielleicht 10 Stück im Jahr entnommen, mache es aber aus einem ganz anderen Grund nicht mehr der vielleicht auch die puren Kochtopfangler abschrecken wird...

http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/presse/2012/2012_07_16_Verzehrsempfehlung_Aale.htm

Der Aal ist stark Dioxinbelastet. Manch einer sagt sogar, die schmecken mitlerweile irgend wie komisch, wobei das auch gut Einbildung sein kann.
 

chester

Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Ja, immer her mit immer mehr gesetzlichen Verboten..

Bei manchen Sachen geht es halt nicht anders, weil es immer genug Flachzangen gibt, die freiwillig bestimmte Dinge nicht unterlassen.

Wobei speziell beim Aalangeln auch eher mein Bauchgefühl sagt, dass ein generelles Entnahme-Verbot sinnvoll wäre. Belegen kann ich das nicht.
 

M!ke

Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Bei uns am Rhein in der Ecke Köln würde aber auch ein Entnahmeverbot kaum einen interessieren.
Die Großteil angeln eh schwarz und dann gleich noch mit deutlich mehr Ruten pro Nase als erlaubt. #q
 

Sten Hagelvoll

Konserviererin
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Da es bekanntlich Zeiten gibt, in denen der Aal nur sehr mäßig läuft, muß man als zeitgemäßer Aalangler die wenigen Wochen im Jahr nutzen, an denen gezielt gute Fänge möglich sind, wenn man 'ne ordentliche Ladung für die Tonne abgreifen möchte!
Macht wohl fast jeder Aalangler so.

Man kann sich natürlich jetzt ausführlichst darüber streiten, ob zwei Ruten mehr als absoluter Fischfrevel anzusehen sind, oder ob die das Kraut auch nicht fetter machen, man kann es aber auch lassen.#h
 

Andal

Teilzeitketzer
In stillem Gedenken
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Jeder in europäischen Gewässern entnommene Aal wird sich niemals fortpflanzen, noch hat er sich jemals fortgepflanzt. Dabei spielt es rein sachlich keine Rolle, ob er als Glasaal in der Dose, in einem Kormoran, als Schnürsenkel im Eimer des Gierigen, oder als maßiger Fisch im Räucherofen landet. Gleiches gilt für die Aal-Häkeselung per Wasserkraft. Tot ist tot und laicht nicht mehr.

Ich habe für mich die Aalfischerei längst eingestellt und nehme auch keine Beifänge mehr mit.
 

Thomas9904

Well-Known Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Am besten gleich grundsätzlich Grundangeln mit Würmern, Maden und Fetzen gesetzlich verbieten, um Fehlfänge an Aalen vermeiden zu können.

Bundesweit...........
 

Andal

Teilzeitketzer
In stillem Gedenken
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Am besten gleich grundsätzlich Grundangeln mit Würmern, Maden und Fetzen gesetzlich verbieten, um Fehlfänge an Aalen vermeiden zu können.

Bundesweit...........

Beruhige dich wieder. Es ist heiß, die Rosinante schon ein alter Klepper und kann die Hitze nicht mehr so gut ab. Du musst das treue Ross nicht mit aller Gewalt zu Schanden reiten! ;)
 

kati48268

Well-Known Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Ganz neutral betrachtet, bringt das Eingangsposting 2 Fehler mit sich:

Fehlverhalten, wie z.B. das Fischen mit mehr Ruten als erlaubt, hat doch mit der Aalproblematik selbst nichts zu tun, würde/wird bei anderen Zielfischen wohl genauso vorkommen.

Und die Diskussion um Schutz der möglichen Abwanderer müsste sich auf die Gewässer beziehen, aus denen ein Abwandern überhaupt möglich ist.
Damit meine ich nicht nur abgeschl. stehende Gewässer ohne Zu-/Ablauf, es gibt auch Flüsse, aus denen kein Aal ins Meer kommt.
 

Thomas9904

Well-Known Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

. Es ist heiß, die Rosinante schon ein alter Klepper und kann die Hitze nicht mehr so gut ab.

Doch, der Gaul soll rennen ;-)))

Gesetzliche Verbote sind klasse, vor allem wenn weiterhin die Berufsfischerei alles an Aal weghaut, zudem Glassaale sowohl zur Direktvermarktung in Asien wie auch zur Mast und zum Besatz zum Beispiel im Donaueinzugsgebiet (null Chance auf abwandern - schwarzes Meer) verschwendet werden.

Damit die das weitermachen können, muss man Angler gesetzlich strengstens reglementieren.

Auch wenn die Wissenschaft momentan nicht mal ansatzweise die Bestandsschwankungen erklären kann (dieses Jahr waren wohl wieder sehr viel mehr Glasaal als sonst unterwegs) noch es auch nur ansatzweise Ergebnisse gibt, welchen Einfluss Angler und deren Entnahme tatsächlich haben...

Von daher:
Erstmal gesetzlich verbieten, passt scho, wird scho, wird sich schon ein Verband finden, der das unterstützen wird..
 

chester

Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Am besten gleich grundsätzlich Grundangeln mit Würmern, Maden und Fetzen gesetzlich verbieten, um Fehlfänge an Aalen vermeiden zu können.

Bundesweit...........

Wenn "dagegen" zum Selbstzweck wirds meistens peinlich.

Reg dich ab, geh angeln!
 

Franz_16

Mitglied
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

In diesem Jahr gab es an der Atlantikküste die beste Glasaalsaison seit 15 Jahren!

Inwieweit der Golfstrom selbst Einfluss auf die Bestände hat weiß ich nicht, aber es gibt Theorien die besagen, dass der Golfstrom "wackelt" also nicht in gleicher Bahn verläuft. Die irischen Haiangler, kennen dieses Phänomen ganz genau. Es gibt Jahre, da fangen die Haie zu abwinken - und in anderen Jahren brauchen sie Wochen um überhaupt mal einen zu bekommen - das hat aber nichts mit dem Bestand an sich zu tun. Lt. einem irischen Fischer liegt das an diesem "Wackeln" des Golfstroms. Möglicherweise ist es bei Aalen ähnlich?


Ich persönlich liebe Aalangeln und fange zusammen mit einem Kumpel immer soviele Aale, dass es für ein kleines Räucherfest mit Freunden reicht.
Im Normalfall sind das ca. 10 Aale pro Jahr, in diesem Jahr wurden es etwas mehr weil die letzte Aalnacht deutlich besser verlief als geplant.
 

Slick

Well-Known Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Was bringen den Verbote?????????
Es macht wieso jeder was er will am Wasser.
Ich fange z.B 4-5 MiniKarpfen am Abend und werden wieder released.
Der Neber knüppelt sie ab und dann heißt es wenn man fragt was du gefangen hast? Nix.


Grüße
 

Professor Tinca

Posenangler
Teammitglied
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Wenn doch nur diejenigen, die mit den Aalen Geld verdienen soviel Enthusiasmus an den Tag würden um den bestand zu erhalten........|kopfkrat


Um den Aalbestand zu sichern, reicht es aus den Fang von Aufsteigern zu verbieten und Wasserkraftwerke ab- oder umzurüsten.
Die Millionen Glasaal-Winzlinge in Büchsen könnten später jeder einzeln ebenso sattmachen wie eine Büchse voll mit zig(oder hunderten) und es blieben noch Millionen übrig , die für Nachwuchs sorgen.

Die paar von Anglern gefangenen Aale machen den Kohl nicht fett(er) und auf dem "Heimweg" frisst er eh nicht.
 
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

So sieht es aus,auf jeden Fall hier am Rhein haben gerade abends oder nachts 90% eh keinen Schein und mitgenommen wird alles was aus dem Wasser kommt.
 
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Bin da auch bei kati, die frage ist ja eher wieso 4 Ruten wenn nur 2 erlaubt sind.
Und sollte man da nicht eher hinterhergehen?
 
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

@ Professor Tinca:
Bin da voll und ganz deiner Meinung.
Es wird Zeit, dass wir Angler uns darüber klar werden, dass nicht wir den Aalbestand gefährlich dezimieren, sondern der Kormoran, die Wasserkraft und nicht zuletzt die Glasaal-Büchsen-Esser!
Die paar Prozent an Aal, die jährlich von uns Anglern entnommen und verwertet werden, würden dem Aalbestand nicht im geringsten schaden.
Außerdem, wenn keiner mehr auf Aal angeln dürfte, würden auch viel weniger Aale in unseren Gewässern leben und dass nicht nur in den geschlossenen Gewässern.
Auch im Fluss werden regelmäßig durch Angler und Fischer Aale besetzt, die eine sehr gute Chance hätten, abzuwachsen und zu ihren Laichgründen abzuwandern.
Das Problem sind nicht wir Angler!
Ich jedenfalls werde weiterhin auf Aal angeln und auch meine Aale, wenn sie das Mindestmaß(bei mir im See 50cm)erreicht haben, entnehmen und sie mir guten Gewissens schmecken lassen.

Gruß
Brachsenfan
 

kati48268

Well-Known Member
AW: Ist gezieltes Aalangeln noch zeitgemäß?

Bin da auch bei kati, die frage ist ja eher wieso 4 Ruten wenn nur 2 erlaubt sind.
Ich meinte es eher andersherum: wenn man die Aalproblematik sachlich diskutieren will, sollte man sich nicht auf die Missstände stürzen, das vernagelt jeder sachliche Diskussion.
Z.B.
Was bringen den Verbote?????????
Es macht wieso jeder was er will am Wasser.

So sieht es aus,auf jeden Fall hier am Rhein haben gerade abends oder nachts 90% eh keinen Schein und mitgenommen wird alles was aus dem Wasser kommt.
...da kommt keine nüchterne Betrachtung zustande mit.

Ich bin da ganz bei Thomas, Verbote zu fordern, ohne Ursachen zu kennen und die augenscheinlich wirklich relevanten Probleme anzugehen (Abfischung der Glasaale, Wasserkraftwerke, Berufsfischerei, Gewässerverbauung, Kormoran, Gewässerverschmutzung,...) ist total bescheuert.

Da sollte man es anders handhaben und für sich selbst (und nur für sich!) entscheiden, "ich nehme keine Aale mit".
Davor habe ich Achtung.
Für Verbots-Geschreie jedoch nur Verachtung.
 
Oben