Hallo Wedaufischer,
bis vor kurzem sah ich die Sache noch ähnlich wie du.
Mit zwei Ruten gemütlich schleppen, ab und zu mal den Wobbler wechseln, flach laufende Modelle, Modelle für's Mittelwasser, tief laufende benutzen bzw. mit Vorschaltbleien oder Tauchhilfen auch mal 20 m tief schleppen war für mich lange das Größte. Auch das Schleppen mit Gummifischen und völlig unterschiedlichen Jigköpfen macht einfach Spaß und man lernt auf diese Weise die Tiefenstruktur eines Gewässers mit Hilfe des Echolotes recht gut kennen.
Die Erfolge ließen nicht auf sich warten und ich konnte in den letzten Jahren einige schöne Hechte und Zander "abschleppen".
Mittlerweile sehe ich die Sache etwas differenzierter. Das Problem beim Raubfischangeln besteht doch u. a. darin, die bevorzugten Standplätze in Abhängigkeit von Jahreszeit, Wasserstand, Wetter, Tageszeit und was sonst noch eine Rolle spielen kann, zu finden. Hier kann man sicherlich auf sein Glück vertrauen und nach dem Motto, wer lange schleppt kommt irgendwann am Fisch vorbei, vorgehen. Irgendwo habe ich mal gelesen, daß sich 80% der Fische in 10% des Wassers aufhalten, was ich angesichts der großen Wassermenge in der Möhnetalsperre ein wenig frustrierend fand. Mittlerweile habe ich jedoch beim Schleppen festgestellt, daß es bessere und schlechtere Gewässerbereich gibt, was ja noch niemanden überrascht.
Damit ergibt sich aber folgendes kleines Problem: Du kommst beim Schleppen an einer Stelle vorbei, an der viele Hechte stehen und wenn ich viele sage, kann ich mir Zahlen von fünf Hechten bis zu mehreren Dutzend mittlerweile sehr gut vorstellen! Vieleicht hast du jetzt Glück und beim Schleppen schnappt einer deinen Wobbler! Genausogut kannst du aber in kürzester Zeit an dem Hotspot vorbei gerudert sein und die nächsten Stunden ziehst du deine Wobbler wieder durch fischfreies Wasser.
Aus diesem Grund versuche ich mittlerweile, intensiver an Stellen zu fischen, an denen ich Raubfische vermute. "Klug*******r", denktst du jetzt vielleicht "Woher weiß ich denn, wo die Hechte stehen?" Jetzt kommen wir auf den Punkt. Meine "Raubfischkarriere" startete ich mit dem Verschlingen von Literatur zum Thema. Und immer wieder las ich: Erst feststellen, wo die Hechte oder Zander stehen und dann an den "richtigen Stellen" fischen. "Klug*******r" habe ich dann gedacht und "Wär ja nett, wenn die Jungs mal ab und zu ein Schild hochhielten nach dem Motto"Hier sind wir".
Aber jetzt kommt wieder das schöne Schleppfischen ins Spiel. Da, wo ich Fische fing, habe ich nach und nach intensiver, z.B. mit Gummifischen vom langsam treibenden (Driftsack heißt das Stichwort) oder sogar vom ankernden Boot mit verschiedenen Kunstködern gefischt. Und ich glaube mittlerweile, daß das intensive Befischen einiger Hotspots wesentlich fängiger ist, als das reine Schleppfischen kreuz und quer über das ganze Gewässer. Natürlich nutze ich den Stellungswechsel zwischen zwei Hotspots gerne wieder zum Schleppen und Kennenlernen der Gewässerstruktur. Nach und nach verdichten sich die vielen Infos zu einem recht guten Bild.
Wenn man anfangs fast vor der großen Wasserfläche z.B. einer Talsperre kapituliert, gibt das Gewässer durch regelmäßiges Befischen nach und nach seine Geheimnisse preis. Der Austausch mit anderen Anglern macht einen auch nicht dümmer, wenngleich viel Unsinn (nicht nur unter Anglern) verbreitet und viele "Geheimnisse" gut behütet bleiben. Es gibt mit Sicherheit viele gute Gewässer, aber man muß bereit sein, Zeit und Geduld zu investieren und sich ein Gewässer zu erarbeiten.
Wer glaubt, mal kurz an eine Talsperre zu fahren und schnell den Fisch des Lebens zu fangen, wird meistens enttäuscht sein. Wer jedoch bereit ist, sich ein Gewässer in vielen kleinen Schritten zu erschließen, wird langfristig zum Erfolg kommen. Daher mein Tip: Schleppen ist ideal, um die Gewässerstruktur kennenzulernen. Aber irgendwann sollte die angeeignete Erfahrung genutzt werden, um konzentriert erfolgversprechende Stellen zu befischen. Wichtig ist, dass man bereit ist, sich in einem, zwei oder drei Gewässern durchzubeissen. Angelversuche in ständig wechselnden Gewässern werden in der Regel nur Glückstreffer bringen.
Meint VERTIKAL