Fragen zu nem Vereinssee

TJ.

Leider zu wenig angler
Hallo Leute
nach gestrigem Gespräch mit unserem Gewässerwart brauch ich eure Hilfe.

Unser Verein besitzt einen Waldsee von ca. 1ha Natürlicher See Naturdenkmal... das Gewässer hat stetig angetrübtes Wasser eine Max tiefe von ca. 1,5m einen Breiten Schilfgürtel im Flachwasserbereich und einige kleinblättrige Seeroßen.

Der See wurde ausgebaggert und 2008 neu besetzt. Und jetzt geht es in Richtung meiner Fragen. Der Besatz bestand ausschließlich aus Karpfen und Schleien was ja nicht gerade von Kompetenz zeugt. Und irgendwann hat auch jemand im ersten Jahr gleich seine Goldfische darin entsorgt und zwar so erfolgreich, dass jetzt Jährlich Tausende Goldfische gefangen werden. Kein Witz allein bei einem gemeinsamen Angeln von Vereinsmitgliedern wurden über 1500 Stück entnommen.
Zur Eindämmung der Goldfischplage wurden dieses Jahr dann Zander besetzt wobei ich bezweifle das die den Goldfischen gewachsen sind.

Gestern hatte ich dann ein Gespräch mit dem Gewässerwart und ich meinte warum werden nicht auch mal Rotaugen oder Rotfedern besetzt da ich der Meinung bin dass so lange die Goldfische abgesehen von den Karpfen und Schleien keine Nahrungskonkurrenten haben sich weiterhin prächtig vermehren werden.
Der Gewässerwart meinte dann zu mir durch Rotfedern würden die Karpfen nicht mehr Laichen.
Kann mir jemand diese aussage erklären? Ich mein momentan fressen die Goldfische genauso Brut und Eier weg.

Dann fragte ich mal so wegen Hechten und er meinte Hecht und Zander setzt man nicht zusammen in einen See. Das kann ich ja noch verstehen wobei ich hier den Zanderbesatz nicht verstehen kann der Hecht würde doch Goldfische sicher besser dezimieren als Zander Oder?
Klar ist der Zander mehr für ein trübes Gewässer geeignet aber
Meine Bemerkungen sind nicht aus meiner Laune heraus entstanden, sondern da vor dem Ausbaggern Moderlieschen schöne Rotfedern und ein sich selbst erhaltender Hechtbestand vorhanden war und man jetzt abgesehen von Goldfischen nur noch eingesetzte Karpfen fängt.
Eigentlich ändert man ein Intaktes System ja nicht, sondern versucht wieder dahin zu kommen und in ein Naturgewässer gehören nun mal mehr Fischarten als Karpfen und Schleien
Was meint ihr?

Gruß Thomas
 
AW: Fragen zu nem Vereinssee

Ich traue mich da nicht so recht ran,hier irgendwelche Tipps zur Verbesserung der ökologischen Verhältnisse in eurem "See" zu geben!
Da schein ja schon ziemlich viel schiefgelaufen zu sein.
Wird dies eigentlich nur von dir,oder auch vom Gewässerwart und den Vereinswasserschweinliebhabern so gesehen.
Es wurde die Chance verpasst ein Gewässer nach dem Ausbaggern zu renaturieren.Also ein fast jungfräulicher Zustand,wo eigentlich jeder Ökologe
einen Sinn machenden Feldversuch,mit Begeisterug,starten würde!
Anscheinend waren aber,wie so oft in solchen Fällen,Laienspieler am
Werk,mit dem Zweck einen Angelzirkus zu besetzen,anstatt ein sich selbst
tragendes System zu erreichen.

Konkrete Tips zum weiteren Vorgehen möchte ich hier nicht geben,dafür
gibt es hier im Board Leute,welche da viel proffesionellere Antworten
haben.

Taxidermist
 
AW: Fragen zu nem Vereinssee

Puh, starker Tobak, den du dir anhören mußtest.
Mein Vorredner hat leider recht und da wird es nicht einfach etwas zu unternehmen.

Ich würde dich bitten eine Anfrage an den zuständigen Biologen eueres Landesverbandes zu stellen.
Die Biomanipulation, die dein Verein bisher unternommen hat, erinnert sehr an Trial and Error, aber nicht an gute fischereiliche Praxis.

Ich empfehle dir auch den Leitfäden

Schau mal insbesondere beim zweiten Leitfaden auf Seite 36 und die dort beschriebenen Nahrungsketten Steuerungen
Internetseite
Leitfaden für die Sanierung oberschwäbischer Seen und Weiher
http://www.seenprogramm.de/fileadmin/pdf/a_leitfaden-juli06.pdf
Sachgerechtes Bewirtschaften, Abfischen, und Besetzen von oberschwäbischen Weihern.
Für Angler und Teichwirte.
http://www.seenprogramm.de/fileadmin/pdf/Fischereibrosch%FCre%20Phillipson08.pdf

Ausserdem würde ich dir als weitergehende Lektüre einmal die Internetseite www.ufiev.de empfehlen

Dort unter Fischerei speziell die Punkte Management und Bioenergetik.
Damit bist du auf dem Laufenden, dein Gewässerwart leider nicht.

Versuche es mit Geduld und Fachwissen etwas zu bewegen. #h

Andreas
 
AW: Fragen zu nem Vereinssee

... einige kleinblättrige Seeroßen.
Meinst Du vielleicht die Seekanne?!

Der Besatz bestand ausschließlich aus Karpfen und Schleien
Sind wohl die erklärten Lieblingsfische des Gewässerwartes ;)

Zur Eindämmung der Goldfischplage wurden dieses Jahr dann Zander besetzt wobei ich bezweifle das die den Goldfischen gewachsen sind.
Eindämmen ist ein Aspekt. Wenn es reicht einen gedeihlichen Zanderbestand zu erhalten, wäre das auch nicht uninteressant.

Gestern hatte ich dann ein Gespräch mit dem Gewässerwart und ich meinte warum werden nicht auch mal Rotaugen oder Rotfedern besetzt ...
Der Gewässerwart meinte dann zu mir durch Rotfedern würden die Karpfen nicht mehr Laichen.
Gewagte These. Gibt es dazu belastbare Beweise?
Was sagt man nicht alles um seine Lieblinge konkurrenzfrei zu halten |rolleyes
Das heißt Ihr habt einen sich eigenständig reproduzierenden Karpfenbestand? Da findet kein jährlicher Neubesatz statt?

Dann fragte ich mal so wegen Hechten und er meinte Hecht und Zander setzt man nicht zusammen in einen See.
Grau ist alle Theorie, in der Praxis sieht es dann wieder ganz anders aus. Man wundert sich manchmal nur was alles bei E-Befischungen zum Vorschein kommt, was in das Gewässer eigentlich gar nicht reinpassen sollte.

Mein Vorschlag:

  • Gewässer mit Netzen von den Goldfischen "entschuppen" und das entsprechend in der lokalen Presse würdigen.

  • Initialbesatz mit Rotaugen/Rotfedern durchführen (Jungfische). Ist das Wasser geeignet, baut sich der Bestand von selbst auf.

  • Initialbesatz mit kleinen Hechten/Zandern und schauen was sich durchsetzt.

  • Geht weg von der Karpfen/Schleien-Monokultur. Versucht über die Historie des Gewässers zu erfahren, was da früher drin war und nehmt das als Orientierung.
Gruß,
Hilde
 
AW: Fragen zu nem Vereinssee

Kann da Hilde nur zustimmen

wobei ein natürlicher karpfenbestand nicht verkehrt ist
sparrt ja an der vereinskasse

doch Rotfedern und Rotaugen würden daran nicht viel ändern
 
AW: Fragen zu nem Vereinssee

Hallo,

schwierige Sache.

Es gib viele Informationen, die sich widersprechen.

Du schilderst den See als trübe. War das auch vor dem Ausbaggern so? Der alte Fischbestand mit Hecht und Rotfeder deutet eher auf ein klares Gewässer mit Pflanzen hin.

Diese Info ist notwendig um das Ganze beurteilen zu können.

Wenn die Trübung auch vorher so war, habe ich mit dem damaligen Bestand ja "erprobte Arten". Dann vermehrt sich der Hecht selbst und ein Zander hat hier nichts verloren. Hat sich der See aber erst später eingetrübt, muss ich das Ganze neu bewerten. Dann ist der Zander eine Alternative.

Der Hecht wäre zur Bekämpfung der Goldfische wirksamer, da er bereits recht früh alle Generationen des Goldfisches angeht.

Als Augenjäger reagieren Hechte nach meinem Eindruck auf die rote Färbung sofort mit Speichelfluss.
In einem Gewässer mit einem Bestand je zur Hälfte mit Goldfisch und der Wildform dem Giebel waren nach einem Hechtbesatz die Goldfische sehr schnell verschwunden, von der Wildform gab es aber noch reichlich Tiere.

Das Fehlen von Cypriniden außer Karpfen ist ein schwerer Besatzfehler. Diese Arten gehören zuerst ins Gewässer und man lässt ihnen eine Laichsaison ohne Raubfisch. Dann habe ich für wenig Geld einen Rieseneffekt.
Das zeigt das Beispiel der Goldfische.

Hier habt ihr noch die Chance mit einem Stellnetz zu arbeiten.
Stellnetze sind eine unappetitliche Sache. Jeder Fisch, der sich darin fängt, ist am nächsten Morgen nicht mehr lebensfähig.
Da ihr in der entsprechenden Größe aber wohl nur Goldfische habt, ist das zu vertreten.

Der Besatz mit Weißfisch wird die Goldfische nicht wirklich eindämmen, da das Futter vermutlich nicht der begrenzende Faktor ist.
Bei den Weißfischen würde ich es im nächsten Frühjahr mit Rotfeder und Moderlieschen versuchen. Ich empfehle aufgrund der Tatsache, dass noch sehr wenig Raubfisch vorhanden ist den Besatz mit Laichern. Damit erreiche ich am schnellsten einen Bestand.
Mit Rotaugen würde ich noch warten. Wenn ich einen guten Rotfedernbestand bekomme würde ich es mit den Rotaugen ganz lassen.

Das Karpfen in Anwesenheit von Rotfedern nicht laichen ist mir neu.
Die Rotfeder ist aber kein Kind von Traurigkeit was Laich und Jungfische anbelangt. Das ist aber hier kein Argument.

Wer glaubt in dem von dir beschriebenen Waldsee eine Vermehrung des Karpfens hinzubekommen, glaubt auch, das Zitronenfalter Zitronen falten. Wenn die Ablaichtemperatur von 21 Grad endlich erreicht ist, verbleibt den Jungkarpfen zu wenig Zeit sich Reserven anzufressen und sie verenden in der Winterruhe..
Selbst mit Wildkarpfen mit einer Ablaichtemperatur von 18 Grad würde das vermutlich nicht reichen.

Was also tun:

- Goldfischbestand mit Stellnetz bekämpfen, bevor Rotfedern u.ä. besetzt werden. Masche 30-40 mm.

-Im Frühjahr Besatz mit Laichtieren Rotfeder/Moderlieschen.

-Im Herbst Besatz mit vorgestreckter Hechtbrut oder Zander 18 cm. Entscheidend ist die Trübung vor dem Ausbaggern. Wenn möglich den Hecht nehmen.

- Falls die Verhältnisse vor dem Ausbaggern ähnlich waren, den Fischbestand mit den damaligen Arten wieder aufbauen.
Diese Arten haben sich ja bewährt.

-Karpfenbesatz einstellen, Schleie weiterhin fördern

-ernsthaft über einen neuen Gewässerwart nachdenken.


SneeP
 
AW: Fragen zu nem Vereinssee

So kann mich jetzt auch mal wieder melden komme gerade nur bedingt ins net.

Also der See war schon vor dem ausbaggern dauerhaft getrübt dennoch fühlten sich die Rotfedern und Hechte anscheinend so wohl, dass beide arten sich erfolgreich reproduzierten.

Eine Sache die man hier villeicht auch noch klarstellen sollte wäre die, dass es sich zwar um einen Waldsee handelt der sich aber aufgrund seiner geogrphischen lage und beschaffenheit doch recht schnell erwährmt und schon im ersten jahr (wie auch vor dem ausbaggern) sowohl Schleien als auch Karpfen erfolgreich abgelaicht haben.
Also es gibt schon kleine Karpfen und Schleien aber die goldfische sind halt schneller an der angel. Deswegen fallen stellnetzte weg. Momentan liegt ner reuße im wasser der wöchentlich immerhin so gut 50 goldfische entnommen werden

Bin leider erst seit diesem Jahr im Verein aber durch einen sehr guten bekannten dem ich in der sache 100%vertraue hab ich die vorjährigen infos.

Fischbestand war vor dem Ausbaggern scheibar hauptsächlich Moderlieschen, Stichling, Rotfedern, karpfen, Schleien, Hecht.

Dabei sollen alle Fischarten sich selbs reproduziert haben nur Karpfen und schleien wurden noch zusätzlich besetzt aber fänge von einsömmrigen (nicht besetzt) waren scheinbar schon recht regelmäßig.

Das da einiges schieß lief die letzten jahre hab ich sofort erkannt der Gewässerwart nicht wirklich denn er hat den Zustand ja herbeigeführt. Mal sehn wie man wen Umstimmen kann um doch noch alles ins rechte lot zu bringen

Gruß Thomas
 
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