Selbst klonale Fische entwickeln unterschiedliche Schwarmverhalten – soziale Erfahrungen und die Interaktionen innerhalb der Gruppe spielen dabei offenbar eine entscheidende Rolle.
Schwarm ist nicht gleich Schwarm, das gilt auch nicht für klonale Fische (Foto: David Bierbach)
Schwarmverhalten scheint auf den ersten Blick perfekt abgestimmt und angeboren zu sein. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass es deutlich komplexer ist: Selbst genetisch identische Amazonenkärpflinge entwickeln im Laufe ihrer Entwicklung unterschiedliche Schwarm-Dynamiken. Für die Untersuchung beobachteten Forschende zehn Gruppen mit jeweils vier Geschwistern über 55 Tage. Die Fische wurden von Geburt an gemeinsam und unter identischen Bedingungen gehalten.
Quelle: www.igb-berlin.de
Schwarm ist nicht gleich Schwarm, das gilt auch nicht für klonale Fische (Foto: David Bierbach)
Schwarmverhalten scheint auf den ersten Blick perfekt abgestimmt und angeboren zu sein. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass es deutlich komplexer ist: Selbst genetisch identische Amazonenkärpflinge entwickeln im Laufe ihrer Entwicklung unterschiedliche Schwarm-Dynamiken. Für die Untersuchung beobachteten Forschende zehn Gruppen mit jeweils vier Geschwistern über 55 Tage. Die Fische wurden von Geburt an gemeinsam und unter identischen Bedingungen gehalten.
Erst nach einem Monat wird aus der Gruppe ein Schwarm
Direkt nach der Geburt schwammen die Fische noch weitgehend unabhängig voneinander. In den ersten zwei Lebenswochen war kaum ausgeprägtes Schwarmverhalten zu erkennen. Das änderte sich ab der dritten Lebenswoche. Die Tiere begannen zunehmend, sich zusammenzuschließen und ihre Bewegungen aufeinander abzustimmen. Erst ab etwa dem 30. Lebenstag bildeten sich stabile Schwärme mit deutlich synchroneren Bewegungen.Gleiche Gene, unterschiedliche Schwärme
Besonders überraschend: Obwohl die Fische innerhalb der Gruppen genetisch identisch waren und unter denselben Umweltbedingungen aufwuchsen, entwickelten sich die zehn Gruppen nicht gleich. Schon früh zeigten sich Unterschiede etwa bei der Schwimmgeschwindigkeit oder beim Abstand zum Mittelpunkt des Beckens. Einige dieser Unterschiede blieben über längere Zeit bestehen.Soziale Erfahrungen verändern das Verhalten
Mit zunehmendem Alter wurden die sozialen Beziehungen offenbar wichtiger. Ein Fisch verändert seine Bewegung, ein anderer reagiert darauf – und beeinflusst damit wiederum die übrigen Tiere. Solche sozialen Rückkopplungen können dazu führen, dass sich ganze Gruppen unterschiedlich entwickeln. Das Verhalten eines Schwarms lässt sich damit nicht einfach aus dem Verhalten seiner einzelnen Fische ableiten. Vielmehr entsteht durch die Interaktion der Tiere ein eigenes Gruppenverhalten.Der Schwarm ist mehr als die Summe seiner Fische
Die Ergebnisse zeigen damit eine wichtige Besonderheit kollektiven Verhaltens: Ein Schwarm ist keine starre Einheit. Seine Bewegungsmuster können sich während der Entwicklung verändern und durch soziale Erfahrungen geprägt werden – und das sogar bei genetisch identischen Fischen.Quelle: www.igb-berlin.de