Erfahrungen mit Tube-Fliegen im Bauer-Stil

Moin moin und Petri,

ich würde gerne wissen, wer hier schon welche Erfahrungen mit Tube*-Fliegen für Hecht gemacht hat. Niklaus Bauer von Kanalgratis benutzt diese ja gerne und bewirbt damit auch seine eigene Produktlinie. In der Theorie wirken die für mich perfekt. Der Haken ist getrennt von der Fliege, sprich man kann entweder die Fliege wechseln (wenn die kaputt geht) oder den Haken (wenn der kaputt geht), der Wechsel zwischen Rasseln, mehreren Haken und -größen ist schnell gemacht und das Laufverhalten hat nicht zwangsläufig die "jiggende Aktion"; wenn man die will kann man aber schnell eine Perle oder einen Kegelkopf vorschalten. Das Binden ist zunächst etwas ungewohnt, aber auch nicht besonders schwierig, zumal man seinen Faden nicht versehentlich an der Hakenspitze zerschneiden kann.

Auf dem Papier klingt das für mich perfekt. Nachteile sehe ich zunächst keine. Dennoch sehe ich in Videos und auch in Bindeanleitungen fast ausschließlich Hakenfliegen. Daher muss es auch Nachteile geben. Daher: her mit euren Erfahrungen und Gedanken!

Viele Grüße
Colo




*Sorry, ich finde die Übersetzung als "Tubenfliege" einigermaßen schrecklich und weigere mich, diese zu verwenden.
 

dreampike

Active Member
Hallo Colo,

für mich gibt es verschiedene Gründe, ohne die NB-Rigs auszukommen bzw. meine Fliegen ausschließlich auf Einzelhaken zu binden:
- Ich mache das seit über 25 Jahren und ich bin extrem zufrieden mit meinen Fliegen was Fängigkeit/ Haltbarkeit/ Werfbarkeit anbelangt -->Never change a winning team!
- Das Binden von Tuben gelingt mir mit den einfachen Tubennadeln nicht so gut. Die Tube dreht sich ständig und ich habe das Gefühl, herumzumurksen. Einen eigenen Bindestock möchte ich mir nicht kaufen
- Ich habe es beim Binden gerne einfach. Die NB-Rigs sind mir zu aufwändig und ich habe keine Lust, mir so spezielles Zeug zu kaufen
- Fliegen mit diesen komischen Plastikschwänzen mag ich nicht und sie sind auch nur schwer zu werfen bzw. sind Hölle laut
- Ich wechsele meine Fliegen häufig und möchte das so schnell wie möglich haben, da ist mir das Gefummele mit einer Tube und Extrahaken zu umständlich
- Wenn eine Fliege aufgrund eines kaputten Hakens oder zerstörtem Aufbaus unbrauchbar wird, dann ist das für mich ein willkommener Anlass, mich an den Bindestock zu setzen

Wolfgang aus Ismaning
 
Hey,

danke schon mal für deinen Input. Deine Argumente kann ich gut verstehen, vor allem wenn man schon "alles hat", ist es ein Hindernis noch mal so viel Geld auszugeben, nur um seine ohnehin schon funktionierende Herangehensweise zu verändern.

Ein paar Punkte möchte ich aber mit meinen Erfahrungen aufgreifen.

- Das Binden von Tuben gelingt mir mit den einfachen Tubennadeln nicht so gut. Die Tube dreht sich ständig und ich habe das Gefühl, herumzumurksen. Einen eigenen Bindestock möchte ich mir nicht kaufen
Ich habe auch einen (einfachen) Bindestock und eine Tube-Nadel. Der Trick ist es, die Nadel am dicken Ende kurz zu erhitzen (Feuerzeug) und dann die Tube vorsichtig draufzuschieben. Dann hat man zum einen guten Kanal, um seine Haken einzuführen und zum anderen rutscht da nichts mehr. Einziger Nachteil: es bedarf etwas Kraftaufwand, um die Tube wieder von der Nadel zu bekommen.


Ich habe es beim Binden gerne einfach. Die NB-Rigs sind mir zu aufwändig und ich habe keine Lust, mir so spezielles Zeug zu kaufen
Falls du mit den NB-Rigs die Haken meinst: die sind wirklich schnell gemacht. Man braucht neben den Haken nur etwas Titan und - wenn man denn einen Twisterschwanz will- noch eine Perle und etwas zum verbinden. Da gibts von Niklaus Bauer selbst so Snaps, die sind aber irrsinnig teuer. Ich habe mir eine Packung großer Fliegensnaps aus China bestellt. Super billig. Würde ich NIEMALS verwenden, um die Fliege daran zu clippen, da ich kein Vertrauen in die Bruchfestigkeit habe. Für die Twister, an denen eh nichts zieht, aber ideal. Tubefliegen kann man aber - denke ich - auch wunderbar ohne die Schwänze verwenden.


- Ich wechsele meine Fliegen häufig und möchte das so schnell wie möglich haben, da ist mir das Gefummele mit einer Tube und Extrahaken zu umständlich
Ein wirklich valider Punkt, über den ich mir auch noch Gedanken machen muss. Komplettes Vorfach ausschlaufen, Fliege abziehen, neue Fliege aufziehen, wieder alles einschlaufen dauert bedeutend länger als der Wechsel über einen Snap. Da ich aber selbst zu den Leuten gehöre, die verhältnismäßig selten den Köder wechseln, ist das hoffentlich dann kein Riesennachteil.
 

PirschHirsch

Well-Known Member
Evtl. könnten die Rosco Drop Shot Clips (alias Rosco Spiral Snaps) was für Dich sein in puncto Streamer-Snaps - in 11 mm / 9kg (small) oder 18 mm / 31,5 kg (medium).

Ich bin kein Fliegenfischer, mag die Dinger in der schwarzen Ausführung aber gerne für bestimmte Spinn-Anwendungen. Sind sehr zuverlässig und stressfrei.
 
Danke für den Beitrag. Das war auch einer der Vorteile, die ich sehe. Man kann auch beim Hakenlösen gut die Fliege einfach "wegschieben". Insgesamt gab es hier aber leider recht wenig Erfahrung, daher habe ich mich dazu entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und habe mittlerweile um die zwanzig Tube-Fliegen gebunden. Das ist insgesamt recht ungewohnt, aber gerade Body-Tubing - oder wer Geld sparen will: Kabelschutz - ist hier sehr einfach einzusetzen.
So habe ich einige wirklich leichte Fliegen gebunden, die eine breite Silouette haben.

Aufgrund der aktuellen Umstände habe ich die Fliegen aber noch nicht gefischt. Den wichtigsten Part kann ich also noch nicht beurteilen. Als alter Spinnfischer gefällt mir aber jetzt schon der Umstand, dass ich ein einziges Dekor sehr variabel fischen kann.
1 Haken oder 2 Haken.
Mit Schwanz oder ohne Schwanz
Mit Rassel oder ohne Rassel.
Alles frei kombinierbar.
Dazu kommt noch die Möglichkeit, ein Gewicht aufs Vorfach zu ziehen, um die Köder eine Etage tiefer als die Sinkrate der Schnur zu befördern. Das ist echt viel Variabilität in einer einzigen Fliege. Wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht, werde ich bald auch praktische Erfahrungen beisteuern können.
 

Hecht100+

Moderator
Teammitglied
Wenn ich Fliegen binden könnte wäre es einfacher. So muss ich sie mir kaufen und dann als Hechtfliege umbauen. Da ich aber auch keine Flugangelausruestung habe, kommt sie dann an die Spinnruten. Mit Glas oder Blei auf dem Stahlvorfach kommt man ausreichend tief bzw. auch ausreichend weit. So kann ich als Spinnfischer auch in den Genuss kommen, einen Köder leise zu präsentieren denn das Auftreffen auf die Wasseroberfläche ist doch erheblich leiser als mit Schwimmbait, Blinker und Co. IMG_20201003_233633.jpg
So sieht sie fertig aus. Beim Spinnstopp plustert sie sich jedes Mal gut auf.
 
Dann ist die Marschrichtung doch klar:
Fliegenbinden lernen! Für Spinnfischer würde es sich vermutlich lohnen, eher auf natürliche Materialien, die sich vollsaugen können, zu setzen, etwa Kaninchenfell („Zonker“) und etwas dicker aufzutragen. Fliegen sind ja generell möglichst leicht gebaut und sollen auch möglichst schnell wieder das Wasser loswerden, damit sie gut zu werfen sind. Als Spinnfischer ist das Mehr an Gewicht ja durchaus willkommen.
 

Ralf-TM

New Member
Servus, ich fische auch gerne Hechttuben. Aber genauso Fliegen auf Haken. Grundsätzlich sollte man nicht vergessen, das Niklaus Bauer in fast hechtverseuchten Gewässern fischt wie sie bei uns kaum gibt. Die grossen NB Tuben auf Tiefe und grosse Distanzen zu bringen ist mühsam. Hier in Bayern ist es eine andere Fischerei. Muster mit 12 bis 18cm reichen in der Regel vollkommen aus. Ich hab die Bauer Tuben getestet und bin zu neinen bewährten Mustern zurück. Grüsse. Ralf
 
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