Ei norsk dagbok (Ein norwegisches Tagebuch) - Teil 2

SuperMario

z.Zt. nur selten hier
Ein 2-teiliger Reisebericht
Teil 2: Fiske på Omsundet (Angeln am Omsund) [Teil 1 gibts hier]

Samstag, 19. Juli 2008
Um 5.50 Uhr rollen wir ein letztes Mal die steile Abfahrt von unserem Ferienhaus in Kaupanger hinab. Am Abend zuvor hatten wir unsere geplante Route über Stryn, Geiranger und die Trollstigen noch geändert. Wir fahren jetzt ein zweites Mal über den Sognefjellvegen - die mit 1.434 m höchste Passtrasse Nordeuropas (Rv. 55) – bis nach Lom und von dort weiter über die E6 und das Døvrefjell bis nach Dombås, um von dort die letzten Kilometer über den Rv. 70 Richtung Kristiansund in Angriff zu nehmen. Diese Strecke ist zwar einige Kilometer länger, jedoch umgehen wir damit die teure Mautstelle in Fjærland und benötigen auch keine Fähre. Die verpassten Eindrücke vom Geirangerfjord und den Trollstigen werden mit einer mindestens gleichwertigen Landschaft des Sogn-Hochgebirges und des Døvrefjell aufgewogen. Begleitet werden wir dabei von einer immer häufiger hervor scheinenden Sonne und angenehmen Temperaturen bis 20°.


Die Maustelle für den Krifasttunnel dezimiert dann kurz vor unserem Ziel auf der Insel Frei mit 140 NOK noch einmal unsere Reisekasse. Viel früher wie gemeldet treffen wir bei unserem Vermieter Michael Frey in Omsund ein. Seine anschließende Einweisung in das mit neuer gelber Farbe versehene Haus ist dabei besonders gründlich. Wir bekommen dabei fast jeden Winkel sowie alle Einrichtungsgegenstände gezeigt. Auch die Bootseinweisung – insbesondere das Heranholen und Vertäuen am Ufer – fällt sehr genau aus. Er erzählt uns in englisch, dass die letzten Vermieter das im Elchferien-Katalog angegebene Boot mit 15 PS Motor an den Felsen „zerschellt“ ist und wir somit nur ein kleineres mit 9,9 PS zur Verfügung haben. Zur Übergabe der Wohnung muss ich zum ersten Mal in Norwegen eine Kaution von 125 Euro bezahlen.
Nach dem Ausräumen des Transporters und einem Kaffee zum Wachwerden wollen wir natürlich erst einmal die Ruten ins Wasser halten. Dazu bestücke ich schnell 3 Ruten mit ein paar Blinkern und ab geht’s an das nur weniger Meter entfernte Bootshaus. Der Sund zwischen der Insel Frei und Nordlandet ist hier in Ufernähe nur wenige Meter tief. Ich kann 2 Mini-Pollacks überlisten, die aber beide mit einem schönen Gruß an ihre Großeltern wieder schwimmen dürfen. Katrin fängt noch einen Sandaal mit Blinker, den wir als Naturköder für die nächsten Tage aufheben.

Sonntag, 20. Juli 2008
Nach der langen Tour vom Vortag schlafen wir erst einmal aus und genießen beim Frühstück die Sonne auf dem Treppenaufgang zum Haus, den wir als Terrasse umfunktioniert haben.
Ein Blick auf meine Tidetabelle für Kristiansund zeigt mir für heute den Fluthöchststand für 13.30 Uhr an. Das Mittagessen wird in Ruhe vorbereitet und wir starten gegen 11.30 Uhr und voller Besatzung bei purem Sonnenschein unseren ersten Bootstörn auf den Omsund. Katrin und ich haben ein Vorfach über dem Pilker montiert, Uwe probiert es zunächst nur mit Pilker.
Ich habe mir im Vorfeld des Urlaubs eine eigene elektronische Seekarte von dem Gebiet gebastelt und auf mein SporTrak Color geladen (Vielen Dank an die Unterstützung von Sockeye und Jirko). Ich bin überrascht von der Genauigkeit dieser Karten und steuere zunächst einmal einen kleineren Unterwasserberg von 24 m in der Nähe an. Meine neue Multirolle mit Schnurzähler zeigt ca. 30 Meter Tiefe an als ich am Grund ankomme und den ersten Biss bekomme – es ist ein guter Leng von 60 cm. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dies bereits mein größter Fisch für den Urlaub sein sollte… Aber wir sind ja 3 Angler im Boot.
Als nächstes fahren wir zu einer Stelle auf der nördlichen Seite des Sundes, an der sich ebenfalls ein kleiner Berg von 43 m befindet. Hier können wir eine gute Drift an der 50 m-Linie machen und auch Katrin fängt ihre ersten Fische: 3 Makrelen bis zu 38 cm, einen weiteren kleinen Leng sowie je ein Dorsch und ein Pollack von knapp 50 cm.
Nachdem Uwe auch ein Vorfach montiert hat, fängt auch er seinen ersten Fisch: einen kleinen Köhler. Außerdem können Katrin und Uwe jeder noch einen kleinen, aber leckeren Rotbarsch fangen. Zum Abschluss hat Uwe dann noch einen guten Drill mit einem Butt. Nach mehrstündigem Kampf … äh, mehrminütigem Kampf kommt (nur) ein FLÜGELBUTT von 51 cm an die Oberfläche und landet im Boot. (Leider habe ich erst später erfahren, dass dieser Fisch nah an einem norwegischen Rekord gelegen haben müsste und ihn deshalb auch nicht gewogen.)
Gut eine Stunde nach dem Höchststand der Flut beenden wir diese Tour und fahren wieder zurück, da die Fische ja auch noch von mir filetiert werden müssen.


Nachdem ich alle Fische zu Filets verarbeitet hatte und das Mittagessen schon auf mich wartete, fahren wir nach Kristiansund, um eine erste Erkundungstour der Stadt vorzunehmen. Wir kommen gerade rechtzeitig, um die „Finnmarken“ –eines der Hurtigruten-Schiffe - beim Ablegen vom Hafen zu beobachten.


Der weitere Stadtbummel fällt aufgrund der geschlossenen Geschäfte ziemlich kurz aus und wir machen auf dem Rückweg noch einen Abstecher zum Flughafen „Kvernberget“.
Bei mittlerweile wieder auflaufendem Wasser und aufziehenden Wolken fahren wir alle abends um 9 Uhr nochmals raus. Eine längliche Erhebung mit 7 Meter Tiefe südwestlich von Omsbrørne habe ich als Ziel in der Nähe ausgewählt. Die Anzahl der Hänger macht der Zahl der kleinen Köhler an unseren Vorfächern hier ganz schön Konkurrenz. Jedoch können wir auch zwei wunderschöne Tangdorsche und Katrin einen 54er Pollack fangen, welcher für sie neuer norwegischer Rekord bedeutet.


Montag, 21. Juli 2008
Die heranziehenden Wolken vom Vorabend brachten nun leider auch wieder Regen mit. Deshalb fahren wir nach dem Frühstück nach Kristiansund zum Shoppen. Auch nach dem Mittag bessert sich das Wetter nicht. Erst mit der einlaufenden Flut bessert sich das Wetter ein wenig, aber zum raus fahren bin ich trotzdem nicht zu bewegen. Ich probiere es mit der Spinnangel wieder von Land, habe aber keinen Erfolg.
Am späten Nachmittag fahren wir noch mal nach Kristiansund ins Touristenbüro und informieren uns über einige Fährzeiten und Ausflugsziele in der Umgebung.
Zu unserer Überraschung sind die meisten Läden auch um 17.00 Uhr bereits geschlossen., obwohl sie doch auch erst am späteren Vormittag auf gemacht haben.
Zurück auf Frei fahre ich mit Uwe bei ablaufendem Wasser noch mal zu dem Seelachsberg vor Omsbrørne, was uns jedoch neben den üblichen Hängern nur 1 kleinen Dorsch einbringt.

Dienstag, 22. Juli 2008
Warten auf die Flut … ! Nach einem frühen Mittagessen tuckern wir los. Der Höchststand ist für 14.45 Uhr angekündigt und das Wetter ist auch okay. Wir machen wieder einen ersten Stop an dem 24 m-Berg. Katrin hat einen guten Biss und kann ihren vorgestern aufgestellten persönlichen Rekord noch mal erhöhen: 1 Leng von 65 cm.


Anschließend können Katrin und Uwe noch 4 Pollacks und 1 Dorsch verhaften. Als der Wind doch merklich aus westlicher Richtung auffrischt, brechen wir die Tour ab und fahren kurz vor Höchststand wieder rein. Mein Part besteht diesmal somit ausschließlich in der Bootsführung sowie der Fischverarbeitung.
Nach dem Kaffee fahren wir dann auf den großen Parkplatz an dem Rv. 70 im Süden der Insel Frei, um dort ein wenig Blaubeeren zu sammeln. Aus der Beerensammlung wird dann eine kleine Wanderung in der einzigartigen Flora Norwegens.


Auf der Rücktour machen wir noch einen Abstecher nach Vikaneset am Bremsnesfjord, wo wir neben dem Hafenhotel, der Angelanlage und einem schönen Badestrand auch eine fast fertige Natürbühne für die Open-Air-Oper „donna bacalao“ vorfinden. Ein Angler ist außerdem gerade dabei, zwei Seeteufel zu filetieren.

Am Abend fahre ich mit Uwe zum ersten Mal in den Tingvollfjord. Diesen Bereich hatte ich nicht auf meinem GPS als Karte eingespeichert, so dass wir hier sozusagen im Dunkeln fischten. Aber Uwe hat anscheinend ein Gespür dafür, denn er kann 4 Pollacks überlisten, wobei ihm der Größte von 60 cm doch recht ordentlich zu schaffen macht. Ich „begnüge“ mich wieder mit meiner Vormittagsbestimmung.


Mittwoch, 23. Juli 2008
Da wir keinen reinen Angelurlaub machen, steht heute mal wieder ein Ausflug in die Umgebung an. Zunächst fahren wir mit der Fähre von Kristiansund nach Bresmnes. Unser Ziel ist der „Atlanterhavsveien“ – die Atlantikküstenstraße, eine der meist besuchten Touristenattraktionen Norwegens. Auf der Fahrt dorthin können wir unseren Tank noch mit dem günstigsten Diesel (12,43 NOK/l), den wir in diesem Jahr in Norwegen finden, befüllen. Die Atlantikstraße ist nicht zu unrecht zu einer nationalen Touristenstraße ernannt wurden und sollte in einem Atemzug mit den Trollstigen oder dem Geirangerfjord genannt werden.


Natürlich hatte ich mich im Vorfeld auch auf die dort guten Angelmöglichkeiten vorbereitet und eine Rute im Transporter verstaut. Nach dem Besteigen des kleineren Berges am Parkplatz und der herrlichen Aussicht, gehe ich auf die schon mit einigen Anglern besetzte Brücke. Die hereinströmenden Wassermassen machen aus der gerade herrschenden Flut eine Art „Kleinen Saltstraumen“ und befördern somit natürlich auch jede Menge Nahrung durch die schmale Öffnung unter der Brücke. Ein wahrer Tummelplatz für alle möglichen Meeresräuber. Die Angler in der Mitte der Brücke konnten auch schon einige kleine Seelachse fangen, welche sich auch bei mir nicht lange bitten lassen. Ich gebe ihnen – im Gegensatz zu manch anderen Anglern und Anglerinnen hier - noch eine Chance zum Wachsen. Mein Versuch mit 24-Gramm-Twister auf größere Exemplare bringt mir keinen Erfolg, da die Strömung zu stark ist und mein einziger mitgenommener Jigkopf somit zu leicht. Ich versuche es mit reinem 40-Gramm-Pilker. Ein Hänger lässt jedoch nur die Neugier der vorbeifahrenden Autos steigen, da meine leichte Senso-Pilk einen schönen Halbkreis beschreibt. Auf der „Andrift“-Seite der Brücke fange ich dann eine schöne Makrele, die - als Naturköder für die nächste Angeltour am Omsund gedacht - die restliche Tagestour in einer Plastiktüte verbringen darf. Ein Pärchen aus Russland schafft es irgendwie innerhalb weniger Minuten eine halbe Tüte dieser leckeren Nordseethune zu füllen. Dagegen macht eine Norwegerin einen ganzen Eimer kleiner Seelachse den Garaus.
Wir fahren nach dieser kurzen Abwechslung weiter Richtung Molde über die 663 (keine Maut). Im Gegensatz zu Kristiansund erscheint uns Molde als blühende und quicklebendige Stadt. Unser 2-stündiger Stadtbummel, bei dem wir auch ein paar neue Vorfächer kaufen, wird durch das ablaufende, relativ teure Parkticket beendet. Auf dem Markt kaufen wir noch ein paar riesige frische Himbeeren und lassen uns diese im Auto schmecken.


Auf der „Heimfahrt“ übersieht der Mann an der Mautstelle zum Krifasttunnel dann anscheinend die zweite Sitzbank im Transporter und wir bezahlen lediglich 92 NOK. In unserer Ferienwohnung werden wir von neuen Nachbarn mit neugierigen Blicken begrüßt.


Der Abend ist dann leider verregnet und wir beenden ihn mit einer Runde Kniffel.
 

SuperMario

z.Zt. nur selten hier
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Donnerstag, 24. Juli 2008
Die Sonne strahlt uns ins Gesicht. Ich will mit Uwe heute eine etwas weitere Angeltour Richtung Bremsnesfjord machen, während sich unsere Frauen nach Kristiansund absetzen.
Meine auf dem GPS selbst erstellten Karten liegen fast alle in westlicher Richtung des Omsundes, doch bisher habe ich diese aufgrund des Wetters und des kleineren Motors noch nicht angefahren. Das wollte ich heute ändern. Zu zweit erreichen wir eine Geschwindigkeit von bis zu 24 km/h und sind somit schnell am ersten von mir ausgesuchten Hotspot nordöstlich der Insel Fugløya im Sund. Dort ist ein größerer Unterwasserberg, der von 60 Meter bis auf maximal 10 Meter ansteigt. Die Drift ist eigentlich ideal, jedoch scheint der Tidenstand oder ein anderer Grund die Fische vom Beißen abzuhalten. Lediglich ein Wittling verirrt sich hier an Uwe’s Vorfach.
Wir fahren weiter bis zur Insel Innlandet südlich von Kristiansund. Das gesamte Gebiet hier ist mit mehreren kleinen Untiefen zwischen 10 und 20 Meter Wassertiefe versehen. Hier können wir - oder besser: Hier kann Uwe – unsere Kiste mit einigen Pollacks und Dorschen bis 55 cm sowie einem schönen Knurrhahn füllen. Einige Hänger befördern beim Lösen immer wieder riesige Tangblätter nach oben, so dass wir uns vorstellen können, welche idealen Verstecke hier unter Wasser herrschen müssen.
Um 13.00 Uhr sind wir wieder am Ferienhaus zurück und wollen am Nachmittag noch mal mit unseren Frauen und Fluhöchststand gegen 16.00 Uhr unser Glück versuchen.
Trotz auflaufendem Wasser können wir jedoch „nur“ 2 Dorsche, 1 Pollack und 1 kleinen Leng fangen. Uwe erhält nach seinem vierten Flügelbutt in diesem Urlaub von mir den Titel „Flügelgott“.
Heute ist ein kompletter Angeltag angesagt – also fahre ich mit Uwe abends noch mal in den Tingvollfjord vor Sagneset. Gleich der erste Stop bringt bei Uwe den bisher stärksten Fisch des Urlaubs. Seine Yad Øresund verbeugt sich mehrere Male Richtung Wasseroberfläche und es dauert eine Weile bis ein weißer Schatten zu sehen ist. Ich schnappe mir mein selbst gebautes Norwegengaff und lande den auf ein pinken Beifänger am Vorfach gebissenen Schellfisch. So einen großen Fisch dieser Art hatte ich bisher nur auf einigen DVD’s gesehen. Das Maßband zeigte am Abend 68 cm an und die Waage bleibt bei 3,5 kg stehen.


Wie so oft war auch diesmal der erste Fisch gleich der Größte. Dennoch können wir trotz Niedrigwasser noch 4 Pollacks sowie 1 Köhler fangen. Das Fischen vor der nicht untergehend wollenden Sommersonne ist jedes Mal wieder ein totales Erlebnis. Wir können ohne Beleuchtung problemlos bis 22.30 Uhr fischen.

Freitag, 25. Juli 2008
Um unsere Styroporbox möglichst gut zu füllen, ist auch heute wieder totales Angeln angesagt. Doch vorher gilt es noch sich gründlich gegen die herrlich scheinende Sonne zu schützen. Katrin fährt diesen Vormittag auch wieder mit und das Ziel lautet nach dem Fang des Abends natürlich wieder Sagneset. Dort ist der erste Fisch diesmal an meiner Angel. Die Schläge in der Rute zeigen eindeutig das Klopfen eines marmorierten Räubers an: Ein schöner Dorsch von einem halben Meter. Als nur noch ein kleinerer Pollack an Katrins Angel die Ausbeute ist, fahren wir weiter südlich bis vor Gyltneset. Dort ist eine Bucht, die relativ schnell bis auf 100, 150 Meter abfällt. Eine der seltenen, aber dafür sehr großen Makrelen sowie ein Seelachs sind dort unser Ergebnis bevor uns die Drift fast bis auf die Landzunge getrieben hat. Wegen der größeren Tiefe und der stark scheinenden Sonne, habe ich einen schwarzen 200 Gramm-Pilker montiert. Nachdem ich bei 80 Meter einen guten Biss verloren habe, bekomme ich kurze Zeit später einen erneuten Einsteiger. Diesmal hängt der Fisch besser und fühlt sich auch ganz gut an. Es scheint jedoch kein Dorsch zu sein. Katrin filmt den Drill. Bei 6 Meter verbleibender Schnur zeigt sich ein weißer Schatten. Erneut ein Schellfisch! Mit 61 cm kann ich Uwe’s Fisch zwar nicht toppen, aber es ist immerhin neuer persönlicher Lyse-Rekord. Und gebissen hat er auf den schwarzen Pilker!
Am Nachmittag machen wir eine kleine Angelpause und genießen die Sonne Norwegens, welche hier anscheinend eine viel stärkere Kraft wie in Deutschland zu haben scheint. Das Thermometer zeigt „lediglich“ 25°C an – uns kommt es vor wie 35.
Am Abend fahren wir dann zu viert noch mal nach Gyltneset, können allerdings nur 1 Makrele dort fangen. Da ich Bauchprobleme habe, fahren wir zurück und setzen unsere Frauen ab. Nach einer Besserung meiner Beschwerden fahre ich mit Uwe noch mal kurz nach Omsbrørne. Wegen der dort erhöhten Hängergefahr lassen wir die Drillinge am Pilker weg bzw. ich montiere nur ein Heringsblei. Es dauert eine Weile, bis ich beim Hochkurbeln in nur 5 Meter Wassertiefe einen Biss bekomme. Sofort erkenne ich an der schnellen Flucht des Fisches, dass es nur eine Makrele sein kann. Aber was für eine: 42 cm! Erneuter persönlicher Rekord.
Noch während ich den Tiger versuche zum Boot zu dirigieren, sage ich zu Uwe: „Hochholen, Makrelen“. Doch Uwe kommt gar nicht in die oberen Wasserschichten, obwohl es hier nur sehr flach ist. Schon nach wenigen Umdrehungen war Schluss. Erneut macht sich ein starker Fisch an Uwe’s Vorfach zu schaffen, doch auch diesmal bleibt Uwe Sieger. Die letzte Hürde des Gaffens übernehme ich wieder. In unserer viel zu kleinen Fischkiste liegt der größte Fisch unseres Urlaubs. Das Messen und Wiegen machen wir anschließend an Land: die Maße des Pollacks sind 71 cm und 3,8 kg.



Samstag, 26. Juli 2008
Unser letzter Tag des wunderschönen Urlaubs ist angebrochen und die Sonne gibt sich die größte Mühe, uns den nahenden Abschied so schwer wie möglich zu machen.
Unser letzter Angeltörn am Vormittag verhält sich analog zur herrschenden Gezeitenphase: Absolute Ebbe und Windflaute. Der gefangene Minileng und der kleine Rotbarsch dienen dann nur noch für eine kleine, aber äußerst leckere Mittagsmahlzeit.
Am Nachmittag sind dann die zwei lästigen P’s angesagt: Putzen & Packen. Die Bootsreinigung übernimmt Uwe, während ich meine Angelsachen einer kurzen Grobreinigung unterziehe. Unser Vermieter Michael Frey wurde während der gesamten Woche viel lockerer und so gab es auch keine Probleme bei der Bootsabnahme. Sogar das Öl für den wieder aufzufüllenden Tank bekommen wir von ihm, da wir an den Tankstellen keine Mindermengen bekommen hatten. Unsere Vermutung mit den schlechten Erfahrungen von Vormietern hat sich auch als richtig erwiesen. So erzählt er uns, dass er keine „8 großen, schweren Männer in 2 kleinen Booten“ mehr haben möchte (auf unsere Nachfrage sind diese nicht durch Lärm oder Trinkgelage aufgefallen), sondern vielmehr sein Haus an nette Familien vergibt. Er gibt uns noch seine Privatadresse für ein eventuell späteres und günstigeres Wiedersehen. Im Katalog erscheint sein Objekt ab nächster Saison nur noch mit einer Belegung von 6 Erwachsenen und 2 Kindern. Außerdem will er einen Geschirrspüler kaufen und eine Terrasse anbauen.
Als wir gegen Mitternacht aufbrechen wollen, zeigt Michael mir noch den grandiosen Ausblick auf den Omsund und die Insel Tustna im Hintergrund durch das riesige Fenster seiner Wohnung. Die anschließende Ferienhausabnahme ist dann zwar sehr kleinlich (auch hinter dem Elektroherd schaut er nach), jedoch hat er nichts zu beanstanden. Somit bekomme ich meine hinterlegte Kaution auch wieder zurück und wir können Richtung Oslo aufbrechen, wo uns die Color Magic wieder erwartete.

Sonntag, 27. Juli 2008
Die Rücktour führt uns wieder über den Rv. 70 und die E6 bis nach Oslo. Um halb 5 Uhr morgens bekommen wir dann auch endlich unseren ersten norwegischen Elch, der nicht ausgestopft oder hinter einem Zaun eingesperrt ist, am Straßenrand zu sehen und bannen diesen auch gleich auf der Videokamera fest.
Gegen 9 Uhr erreichen wir Oslo und haben jetzt nur noch das Problem mit der neuen Autopass-Stadtmaut. Ich war der Meinung, im Anglerboard gelesen zu haben, das sich die Servicestelle zum Bezahlen nur wenige Meter hinter der eigentlichen Mautstelle befindet. Doch tatsächlich ist sie direkt daneben auf einer eigenen Spur. Bis zum Fährhafen kommen wir an keiner Tanke mehr vorbei, also fahren wir noch mal Richtung Drammen, wo sich auf der Hintour gleich eine Texaco befand. Erstens ist sie jedoch bereits wieder hinter dem Mautring und zweitens können wir dort unsere Mautschulden auch nicht los werden, weil diese nur an Shell-Tankstellen bezahlt werden können. Eine freundliche Norwegerin erzählt uns jedoch, dass Ausländer die Maut überhaupt nicht bezahlen bräuchten. Also fahren wir ein zweites Mal durch den Autopass und warten heute auf die Dinge, die da kommen werden. Wir haben unseren Autovermieter jedenfalls schon mal auf eine etwaige Rechnung eingestellt.
Zurück am Fährhafen haben wir uns einen Platz im Schatten bei 26°C gesucht (wir wollten keine 3 Stunden mit dem Fisch in der Sonne stehen), und können das Anlegen der von Kiel einlaufenden Magic miterleben. Im Gegensatz zu unserer Einreise ist jetzt auch der norwegische Zoll zu sehen und macht stichprobenartige Kontrollen der einreisenden Autos.
Nachdem wir mit unserem höheren Auto wieder als eines der letzen auf die Fähre dürfen, gehen Jutta und Katrin vor, um nach einer freien Gefrierbox auf Deck 5 Ausschau zu halten. Katrin kommt zufrieden zurück und ich schleppe somit unsere ca. 25 kg schwere Styroporbox bis auf Deck 6, die ganze Promenade entlang nach vorn und wieder ein Deck nach unten. Zu unserem Erstaunen waren lediglich 3 der 24 Boxen belegt. Also verstauen wir unseren immer noch knüppelharten Fisch in eine der freien Boxen – leider ist die geöffnete Styrobox nur 1 cm zu hoch um komplett rein zu passen – und erleben die die Ausfahrt auf dem Olsofjord vom prall gefüllten Sonnendeck der Color Magic. Wir werden dabei begleitet von unzähligen Booten und die Ufer sind gesäumt von zig badenden Norwegern.


Unser diesjähriger Norwegenurlaub klingt mit einer Vorführung der besten Hits vom Eurovision-Song-Contest in der Night-Lounge-Show sowie einem wunderbaren Blick Richtung Norden auf die dortige Mitternachtssonne am Horizont aus.


Hiermit schließe ich mein norwegisches Tagebuch an einer sehr schönen Stelle und verzichte auf die weiteren Details der Rücktour und sage:
„Tusen takk for all og ... VI KOMMER VIDERE !!!“

 

leopard_afrika

Active Member
AW: Ei norsk dagbok (Ein norwegisches Tagebuch) - Teil 2

Uuh, da ist aber einer fiebrig. :) Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Bilder.
 

bacalo

a bisserl was geht immer
AW: Ei norsk dagbok (Ein norwegisches Tagebuch) - Teil 2

Vielen Dank für diesen sehr schön zu lesenden Bericht.

Man merkte gar nicht, dass Du dich "gequält" hast;).


Glückwunsch zu dem Erlebten#6.


Gruß
Peter
 

Jirko

kveite jeger
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huhu mario #h

ein wirklich grandioser bericht von deinem turn gen N - echt klasse, ääährlisch #6... alleine schon die stichhaltigen schilderungen zu deinen naturerkundungen mit allerlei nützlichen infos sind allerfeinst!... und die aussage eines norwegers, dass ausländische gäste die maut am osloring garnicht bezahlen müssen, gehört recherchiert ;)...

nochmal nen ganz digges danke an dich mario, für diesen schniggen 2teiler #6 #h
 

The Ghost

Member
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Erstklassiger Bericht untermalt mit wunderbaren Fotos! #6#6#6 Deinen Schilderungen kann entnehmen, dass es ein "perfekter" Urlaub war!


mfg The Ghost#h
 

SuperMario

z.Zt. nur selten hier
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Freut mich, das euch der Bericht so gut gefällt. Morgen gibt's auch noch mal 'nen Nachschlag von ein paar Pics :m.

@bacalo: "Gequält"???? Wobei? So einen Bericht zu schreiben ist immer noch mal eine wunderbare Aufarbeitung des Erlebten!

@Jirko: Du hast ja auch einen kleinen Teil dazu beigetragen, näch... Ich stehe noch in deiner Schuld #g.
Bzgl. der Maut: So haben wir es zumindestens verstanden #c.

@Ghost: Letztlich war es schon ein "perfekter" Urlaub, auch wenn das Wetter nicht immer perfekt war und man im Vorfeld von dem ein oder anderen größeren Fisch träumt... Aber wie gesagt: Vi kommer videre:l!!!
 

leopard_afrika

Active Member
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@mario
wie siehtst denn aus, lernen wir uns beim norgetreffen denn mal persönlich kennen?
 

ralle

Leichtangler
Teammitglied
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Absolut feiner Bericht mit Spitzenbildern gepaart #6#6#6
 

SuperMario

z.Zt. nur selten hier
AW: Ei norsk dagbok (Ein norwegisches Tagebuch) - Teil 2

@mario
wie siehtst denn aus, lernen wir uns beim norgetreffen denn mal persönlich kennen?
Ich hoffe doch sehr!
Nachdem ich mich letztes Jahr schon angemeldet hatte und leider wieder absagen musste, kommt mir bzw. uns diesmal hoffentlich nichts in die Quere :r.
Ich will ja auch endlich mal mit ein paar von euch Verrückten persönlich schnakken |bla:#g:m
 

Amerika1110

Active Member
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Hallo Supermario,

sehr schöner Bericht mit tollen Bildern.

Gruß

Ralf
 

SuperMario

z.Zt. nur selten hier
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Hier noch der versprochene Nachschlag an Pic's:


Im Juli auf dem Sognefjell-Hochgebirgsweg


Warum nicht zu Fuß über die Atlantikstraße?


Hier sieht man die mächtige Strömung der eintreffenden Flut.


Das komplizierte Anlegen am Steg (Im Hintergrund: das geräumige Bootshaus, in dem man seine Angelsachen verstauen kann)


Uwe mit seinem 68er Schellfisch


Unterwegs in der norwegischen Natur auf der Insel Frei


Das prall gefüllte Sonnendeck der Color Magic auf der Rücktour


Neben den Booten auf dem Oslofjord ein weiterer Begleiter beim Auslaufen


Ein letztes Genießen des Ausblicks auf den Oslofjord


Es ist vorbei ...
 

leopard_afrika

Active Member
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wenn ich die bilder von der atlantistraße sehe, werde ich kribbelig, in genau 4 wochen geht`s los dorthin.
 

leopard_afrika

Active Member
AW: Ei norsk dagbok (Ein norwegisches Tagebuch) - Teil 2

haben unser haus auf eine insel am anfang der atlantiksraße, auf der atlantikseite vor vevang. die brücken interessieren mich als straßenbauingenieur eher beruflich/ technisch als anglerisch, da doch eher die felsen zwischen den brücken. :)
 
AW: Ei norsk dagbok (Ein norwegisches Tagebuch) - Teil 2

Danke auch für den 2. Teil deiner Erlebnisse, wunderbar geschrieben, mit jeder Menge Eindrücken, die man gleich nochmal mit euch miterleben kann!#6
 

Norge Fan

Active Member
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Sehr feiner Bericht,der auch die ganze Schönheit dieses Landes wiederspiegelt #6.Echt Klasse.Gruß #hRenè
 
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