Das Elastic-Rig

Hallo Boardies!

Heute möchte ich euch mal ein Rig vorstellen, dass ich vor ein paar Jahren am Twente-Kanal in den Niederlanden kennengelernt habe.

Es nennt sich Elastic-Rig.

Das besondere bei diesem Rig ist, dass zwischen dem Blei und dem Vorfach ein Gummizug mit Federwegbegrenzer eingebaut wird! Ansonsten ist es aber ein ganz normales Rig, wie es die meisten verwenden.

Man benötigt zusätzlich eigentlich nur folgende Materialien:
  • Steifer Schlauch bzw. ein Röhrchen indem der Gummizug mit Federwegbegrenzer eingebaut bzw. versteckt wird.
  • Gummiband (ich verwende immer einen Gummizug, der häufig auch von Stippanglern bei der Kopfrute verwendet wird) – Dieses Gummiband sollte nach Möglichkeit sehr "leichtgängig" sein!
Grundgedanke dieses Rigs ist es, dass der Gummizug beim Einsaugen des Boilies eine Rückwärtsbewegung verursacht und der Haken natürlich dabei im Maul des Karpfen hängen bleibt! Der Rest (Festblei etc) dürfte dann ja bekannt sein...

Meine erste Meinung:

Ich habe dieses Rig am Anfang für völligen Schwachsinn gehalten und habe kein bisschen an die Funktionsweise geglaubt.

Die Geschichte:

Aber mein niederländischer Angelfreund Erwin wollte es mir beweisen und so kam es, dass wir uns am Twente Kanal zu einem Testangeln getroffen haben. Wir haben natürlich einen extra schwierigen Abschnitt mit hohem Angeldruck gewählt. Wir fischten mit vier Ruten auf einer stelle, wobei nur eine Rute mit dem Elastic-Rig bestückt war.

Naja, ich mache es einfach kurz mit dem Ergebnis:

Rute mit Elastic-Rig = 3 Karpfen

3 Ruten ohne Elastic-Rig = 0 Karpfen

Laut der Ansicht von Erwin ist dieses Rig einfach perfekt für schwierige Gewässer bzw. vorsichtige Karpfen. Meine Meinung hatte sich zwar schon ein bisschen geändert, aber überzeugt war ich noch nicht, da man sich ja sehr wohl die Gedanken macht, ob es nicht einfach mal Zufall war!? #c Obwohl ich Erwin zugestehen musste, dass 3 Karpfen an dem Gewässerabschnitt schon ein echtes Traumergebnis war! #6

Doch was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste war, dass Erwin es noch schaffen würde mich zu überzeugen...

Und das geschah wie folgt:

Erwin sagte mir, er würde mich zu einem kleinen See mitnehmen wo wir die Montagen direkt am Rand auf Sicht plazieren würden. Ich war natürlich sofort einverstanden, da ich ein großer Fan bzw. Fanatiker vom "Randangeln" bin. So kam dann auch der Tag als wir unser Tackle an einem kleinen See bei Hengelo auspackten. Wir platzierten unsere Montagen direkt am Ufer (maximal 1 Meter vom Rand entfernt), wo wir unsere Rigs noch gut im Wasser sehen konnten.

Was ich dann sah werde ich wohl nie vergessen können! Als wir schon eine ganze Weile gewartet hatten schwamm auf einmal der erste Karpfen gaaanz langsam und gemächlich auf Erwins Futterplatz zu! Aber was für einer, ein richtig breites Kreuz hatte der! #:

Der Fisch schwomm langsam über den Futterteppich und blieb exakt vor Erwin´s Pop Up stehen. Es vergingen mit Sicherheit 10 bis 15 Sekunden, wo sich der Fisch den Pop Up nur ansah und sonst nichts machte...

Ich sag euch, das ist eine Spannung, die nur Angler verstehen können und kein normaler Mensch...

Dann passierte es: Es kam mir alles vor wie in Zeitlupe, obwohl es alles anscheinend sehr schnell ging und zur gleichen Zeit passierte! Der Karpfen saugte den Pop Up ganz vorsichtig ein, rührte sich aber kein Stück vom Fleck! Ich sah, wie ein kleines Stück vom Rosa-Gummizug aus dem darüberliegenden Schlauch herausschaute. Das Gummi musste also auf Spannung sein, da man es sonst nicht hätte sehen können! In diesem Moment öffnete der Fisch aber auch schon sein Maul und Erwin und ich sahen sofort, dass der Haken samt Boilie bereits an der Unterlippe fest hing, da der Boilie nicht aus dem Maul herausfiel.

Erwin und ich waren fast wie versteinert vor Faszination, so dass Erwin noch nicht einmal die Rute in die Hand nahm sondern wir noch schauten. Das war ich überhaupt nicht gewohnt von ihm. In der Regel ist er immer so schnell an den Ruten wie kein anderer...

In diesem Moment schwamm der kapitale Schuppi langsam los und der Fox Micron von Erwin gab nun auch die ersten Töne von sich. Zur gleichen Zeit durfte ich Zeuge werden wie sich das Rig bzw. das Blei bei dieser Montage im Run verhält. Es schleifte nämlich nicht einfach über den Boden sondern es schlug regelrecht hinterher, da sich das Gummi immer wieder dehnte und zusammen zog. Anschließend zeigte sich (auch bei späteren Fängen mit dem Rig), dass der Haken immer bombenfest saß!

Ach ja, Erwin konnte den Fisch nach einem harten Drill sicher landen und auf der Abhakmatte presentierte sich uns ein wundervoller Schuppenkarpfen von über 34 Pfund, was hier Gewässerrekord war.

Fazit bzw. meine anschließende Meinung:

Dieses Rig bietet Vorteile aber auch Nachteile. Ich würde mit Sicherheit nie behaupten, dass es das ultimative Rig ist, weil beim Karpfenangeln so viele Umstände auf einander treffen, so dass es meiner Meinung nach kaum etwas Perfektes geben kann im Bereich der Montagen.
  • Als Nachteile bei diesem Rig sehe ich auf jeden Fall, dass wenn man in einem Rig mehrere Dinge verbaut, zwangsläufig Schwachpunkte erzeugt werden.
  • Als Vorteil gefällt mir persönlich ganz gut das verhalten des Bleis bei einem Run. Ich konnte immer feststellen bei Fängen mit diesem Rig, dass die Haken ausnahmslos extrem fest saßen.
  • Ehrlich gesagt würde ich den Effekt als neutral ansehen, wann bzw. ob sich der Fisch alleine durch den Gummizug hakt oder ob das durch das Blei passiert, da der Umstand, dass sich der Fisch alleine durch den Gummizug hakt von vielen Faktoren abhängt und bestimmt nur in seltenen fällen wie oben beschrieben vorkommt. Aber es kann natürlich den kleinen und feinen Unterschied machen...;)
Erstens würde mich einfach mal eure Meinung zu dem Thema interessieren und zweitens sowie hauptsächlich wollte ich euch nur ein wenig unterhalten, da ich es selbst liebe solche Geschichten zu lesen...

Anbei noch zwei Zeichnungen von dem Rig...

Bild 1: Elastic-Rig im Ruhezustand

Bild 2: Elastic-Rig in Aktion

Bis dann...

 

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