Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

Jirko

kveite jeger
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Montag, der 26.05.08

Die Sonnenstrahlen umarmten die schneebedeckten Wipfel der Bergmassive, ließen Tränen fließen, welche sich ihre Bahn durch das Moosgestrüp schnitten und sich im rauschenden Getose mit dem salzigen Nass des Nordatlantiks vermischten.
Schneehasen gaben sich ein Stelldichein und hopelten völlig unbekümmert über die Weiden, mal hier, mal da verharrend – stetig wachsam mit aufstehenden Löffeln, um auch nur den Hauch einer herannahenden Gefahr zu erhaschen.
Auf der Südspitze Burøyas grasten ein paar Rentiere.
Nur zaghaft vermochte die leichte Brise die Grashalme in Schwingungen zu versetzen und das Wasser zum kräuseln zu bringen.
Ein schöner Tag... ein ruhiger Tag... ein perfekter Tag.

Bernd nutzte die Gunst der Stunde und unternahm den schon seit langen geplanten Turn gen Tromsø – allzu verlockend war das Panoramafoto vom Fjellheisen und ein kleiner Stadtbummel ganz für sich alleine.

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Willy und meine Wenigkeit nahmen sich den Ford Mondeo - welcher den Gästen von Burøyheim für eine moderate Wochenmiete zur Verfügung gestellt wird – und fuhren gen Torsvåg um im Duett in See zu stechen.
Ganz entspannt sollte es heute wieder auf Heilbutt gehen und unser Arvor brachte uns wie an jedem anderen Tag auch sicher und wohlbehalten an´s Ziel, welches heute das Areal vor Lyngøya sein sollte, ein großflächiges Flachwasserareal mit reichlichst Strömungskanten. Wir schnackten über dies und das, über Gott und die Welt, ließen unsere Gummis hängen und hatten nach runden 2h als Beifang 3 Dorsche in der Kiste. Wir wollten eigentlich das Boot versetzen und eine andere Strömungsrinne aufsuchen, uns aber noch schnell 2 Dorsche aus dem Wasser pflücken, da diese gerade wie wild an unseren Gummis rummachten.
Die Küchendorsche mit Stückgewichten von um die 8-10 Pfund sind halt mit Pilkern selektiver und schneller zu fangen, als mit 23er – 28er Shads an großen Gummihelmen.
Ergo wechselten wir schnell unsere Köder, baumelten nen S-Jigger ran und ließen diesen wieder gen Grund poltern.

Willy kommt unten an und... Dorsch.
Ich bin auch unten und... Dorsch. Gute Küchendorsche sind da am werkeln. Willy pumpt behutsam... Ich auch…

Bei mir sind´s noch bummelig 20-25m und plötzlich gibt es DIESEN Schlag im Handteller, der den Puls plötzlich auf exorbitante 150 ansteigen lässt +++ HolyMoly +++ geistesgegenwärtig setze ich den Schieber meiner Avet von Strike auf Freilauf und lass den Daumen die Spannung halten +++ „Willy, ich hab nen Überbiss auf meinen Dorsch“ +++ ruckartig wird die Multifile von der Spule gerissen, ruckartig +++ er bleibt stehen +++ tobt wieder los +++ „ich vermute nen großer Dickschädel, Willy“ +++ kleiner S-Jigger mit nem 5/0er VMC, gefühlter 6-8pfünder Dorsch mit was hinten dran = lass ihn gehen +++ er läuft +++ und läuft +++ bleibt stehen +++ er wechselt die Richtung +++ Spannung geht flöten +++ Schaixxe +++ sofort den Schieber auf Strike und Kontakt aufnehmen +++ Kontakt hergestellt +++ Schieber wieder auf Freilauf +++ Däumchen auf die Spule +++ er geht wieder +++ puuuuh +++ 1 Minute +++ kurzer Druck mit meiner Suverän +++ soll ich +++ soll ich nicht +++ nein, noch nicht +++ er zieht weiter +++ leichter Druck mit dem Daumen +++ die TufLine rennt +++ 2 Minuten +++ „Willy, jetzt oder nie“ +++ er bleibt stehen +++ Schieber auf Strike +++ langsam Kontakt aufnehmen +++ Kontakt ist da +++ ich bewege meine ABU zum Fisch +++ nehme Schnur auf und erhöhe dadurch die Spannung +++ jetzt schneidet sich meine Multifile durch´s kalte Nass +++ ich „reisse“ meine Suverän vehement in den Himmel +++ nochmal 4-5 Spulenhübe +++ und „ziehe“ nochmal nach +++ meine 30-50er ist plötzlich zum bersten krumm +++ der VMC sitzt +++ und der Tanz beginnt +++ der erste Run ist fulminant +++ ich bin immer noch unschlüssig ob Dorsch, oder... +++ nach runden 20m verharrt er +++ ich erhöhe den Druck und gewinne 10m +++ er nimmt sie mir gleich wieder ab +++ in einem Ritt +++ „er“ legt sich auch nicht rein +++ „Willy, ich glaube....“ +++ Druck +++ ich stehe mittlerweile auf der Backbord-Seite +++ wieder 10m auf die Spule +++ er zieht steuerbords +++ Willy entfernt die Reserveruten am Heck +++ ich ziehe mit +++ ich erhöhe den Druck +++ meine Suverän jaucht in´s Wasser, als er wieder nach unten dampft +++ locker bleiben Jirko +++ Willy steht neben mir und ist sich auch sicher, dass das kein Dickschädel ist, die Harpune in seiner Rechten haltend +++ er steht und ist nicht zu bewegen +++ Druck halten +++ Druck erhöhen +++ er kippt +++ pumpen +++ 2-3 Spulenhübe +++ pumpen +++ er geht wieder in die Bremse +++ aber nur kurz +++ pumpen +++ 2-3 Spulenhübe +++ die Sonne schickt ihre Greifer in die dunklen Tiefen des Nordatlantiks +++ ich stiere wie gebannt über die Reling +++ kein Wind kräuselt das Wasser +++ mir ist warm +++ pumpen +++ 2-3 Spulenhübe +++ Sichttiefe? +++ keine Ahnung +++ 15m? +++ Schatten +++ weißer Bauch +++ Butt +++ das Licht bricht sich im klaren Nass +++ extrem schwer und dennoch nicht in der Lage auch nur annähernd die Größe zu erfassen +++ noch 10m +++ er dreht sich und zeigt braun +++ mein grüner / silberner S-Jigger ist schimmernd zu erkennen +++ noch 5m +++ ich pumpe +++ er wird größer +++ Willy ist bereit +++ er folgt geradewegs meinem Zug +++ keinerlei Anzeichen von... +++ fast auf Schlagdistanz +++ Bremse lösen +++ plötzlich eine Drehung +++ er kippt +++ und explodiert +++ mit 3 kräftigen Flossenschlägen verschwindet „mein“ Butt in´s Tiefe und reisst mir wieder 20m von der Spule +++ er wird müde +++ ich erhöhe den Druck +++ als er beim 2 x flach die Wasseroberfläche druchbricht setzt Willy beherzt die Harpune +++ und er poltert wie wild los – nicht in´s Tiefe, sondern vom Boot weg +++ die Langleinenboje hindert ihn am abtauchen +++ er ist fast matt +++ ich hole aus und klopfe Willy vor die Brust, mit nem breiten Grinsen +++ Danke mein Freund, denn ein harpunierter Butt kann definitiv nicht mehr flöten gehen +++ ich ziehe den an der Oberfläche tobenden Hippo behutsam an´s Boot +++ Willy greift sich mit nem Gaff die Harpunenleine und... er poltert in´s Boot +++ 1.42m +++ 41kg +++ liegen vor mir +++ ich bin einfach nur glücklich +++ Danke Willy!

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Nach der Heimkehr Torsvåg und weiteren Fotosessions kommt unser Berndl

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auch zurück, mit massig Impressionen und bleibenden Eindrücken, welche er uns am Abend nach dem schmackhaften Essen vorführt – Klasse Bernd!

Ich nehme mein heutiges Erlebnis mit in´s Nest und drille weiter, bis ich endlich auch einmal in einem tiefen und festen Schlaf falle.

Der Dienstag, der 27.05...

...ist aus wettertechnischer Sicht nicht unbedingt das, was man als schön bezeichnet und sollte auch unser erster Ausfalltag werden – der Wind bläst mehr als heftig und der Regen kommt waagerecht von den tief hängenden Wolken. Was für ein Gegensatz zum Vortag – that´s Norway und wir lassen den heutigen Tag völlig entspannt angehen und sind mitnichten traurig darüber, dass wir nicht angeln können.

Wir fahren zu Johnny, bewundern die Schafsherde auf´m Hamrefjord und sind froh darüber, an Land zu sein (hehe), fahren dann gen Torsvåg, trinken nen Käffchen mit Stefan und Sonja, schnaggeln´n büschn und düsen wieder heimwärts.
Und da wir noch reichlichst Klopse aus Königsberg haben die nur darauf warten, verspachtelt zu werden, haben wir Stefan kurzerhand zum heutigen Abendschmaus eingeladen.

Stefan zeigte uns dann nach dem leggeren Essen ein paar ungesehene Aufnahmen seines gigantischen Fanges und der Abend rann dahin – es war nen feiner Abend und wir hatten ne Menge Spaß miteinander.
So gegen Mitternacht trennten sich dann unsere Wege und wir nahmen seelisch und moralisch den letzten Angeltag in Angriff...

Mittwoch, den 27.05.2008...

der vom Wetterforecast her ein laues Lüftchen versprach...
und „er“ sollte Recht behalten.
Schnell stärkten wir uns an unserem leggeren Frühstück und nahmen die letzte Tour auf „unserem“ Arvor in Angriff.
Feucht ist die Luft am heutigen Tag, gesättigt und nass.
Es regnet aber nicht.
Kein blau am Himmel, alles Wolkenverhangen, tief und bedrohlich, aber kein Wind.
Halbe Stunde Fahrt und die Gummis, silber / schwarz, tauchten ab.

Wir 3 wissen, dass es hier und heute vorerst unser letzter Tag bis zum kommenden Mai 09 sein wird – an diesem wundervollen Plätzchen Erde.
Wir saugen das Erlebte in uns auf, geben uns unseren Gedanken dahin, leben diese Stille, Worte werden gewechselt um das Schweigen zu brechen, gefolgt vom Schweigen, welches die Worte erstickt.
Ein genialer Urlaub neigt sich dem Ende.
Wir 3 wissen, dass wir uns blindlings vertrauen können, wir 3 gönnen jeden von uns den Fisch seines Lebens, wir 3 lieben dieses Land, lieben das salzige Nass, den Geruch des Meeres, das Kreischen der Möwen, das Schwappen der Wellen an den Bootsplanken, dass Singen des Windes in den gespannten, geflochtenen Schnüren, dass gegenseitige Vertrauen.
Wir sind einfach nur glücklich... glücklich darüber, dass hier erleben zu dürfen.
Zuviel Leid gibt es auf unserer Erde, zuviel Qualen und Schmerz, zuviel Unreines - solche Gedanken kommen einem und unweigerlich verfällt man der Frage, warum wir uns selbst das Leben manchmal so schwer machen, Probleme entstehen lassen, welche im Grunde genommen gar keine sind.
Es gibt keine Definition von Glück, es gibt nur die Empfindung dafür und ein jeder muss für sich selbst herausfinden, was für ihn Glück bedeutet.

Wir sind ganz tief in unseren Gedanken und der Sprühregen wäscht das hartnäckige Salz von unseren Sachen als... als Bernd plötzlich wie besessen von seinem Heckplatz springt und seine St. Croix in den Himmel reisst, welche sofort mit brachialer Gewalt in´s Wasser getaucht wird – Dunnerschlach, was für ein Kontakt!
Das Zeichen war klar und eindeutig und ohne Kommentar sind Willy und ich am Spulen – wie die Bekloppten leiern wir unseren Gummis nach oben und schreien dabei unsere Freude heraus.
Jetzt bist du dran, Berndl!

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Ich denke dabei kurz an Willy, der immer noch keinen Butt landen konnte, außer den durch mich Versemmelten – ich schäme mich dafür und kurze Zeit benetzt Traurigkeit meine Gedanken.
Aber Berndls Tanz am Heck stösst die Tür zur Gegenwart auf: +++ in kurzen Rucken läuft die Schnur von Berndls 12LT +++ das, was Berndl an Schnur gewinnt wird ihm sofort wieder entrissen +++ Willy ist bereit und harrt der Dinge die da kommen mögen +++ ich bin mittlerweile bewaffnet, mit meiner Kamera und auf Schlagdistanz für das, was da vielleicht gleich das Tageslicht erblickt +++ die Zeit verrinnt +++ Berndl pumpt +++ behutsam und mit Bedacht +++ er kann nicht allzuviel Druck ausüben +++ die Bremsen seiner LT fangen ab Strike an zu stottern +++ pures Gift +++ er drillt vorsichtig +++ Willy kniet mittlerweile an der Reling, allzeit bereit +++ ich nicht weniger +++ ruckruck +++ der Fisch geht wieder in die Bremse +++ 5m gewonnen +++ 5m verloren +++ immer wieder geht der Fisch an den Grund +++ Berndl erhöht den Druck, mit dem Daumen auf der Spule +++ der Fisch steht +++ keine Chance +++ Druck halten +++ und wieder geht er runter +++ bis auf den Grund +++ die Fenwick zieht ihn hoch +++ langsam +++ mit stetig wachsendem Druck +++ Berndl denkt an die Bremse seiner LT +++ halte durch +++ er nimmt seinen Daumen um den Bremsdruck zu erhöhen +++ Berndl pumpt +++ 15 x geht er wieder zurück bis in den Keller +++ wir haben eine aktzeptable Drift +++ Gott sein Dank +++ alles spielt für Berndl +++ der Fisch wird müde +++ Berndl füllt seine Spule +++ er geht nur noch kurz in die Bremse +++ der Druck steigt +++ die Spannung nicht weniger +++ Willy steht mittlerweile +++ das Wasser kräuselt in kurzen Wellentälern – der Wind hat aufgefrischt +++ klares Wasser, aber kurze Sicht, da permanent unterbrochen vom Wellenspiel +++ Berndl, Willy und ich starren in die Tiefe +++ da kommt er +++ klassisch +++ weißer Bauch +++ braune Maserung +++ 40min sind in´s Land gezogen +++ der Fisch durchbricht die Oberfläche +++ was für ein Butt +++ Willy setzt die Harpune

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+++ Berndl ist bereit, für den letzten Tanz +++ aber da kommt keiner +++ der Fisch ist völlig platt +++ zeigt weiß +++ und ergiebt sich wehrlos der Landung +++ 1.42m fallen Berndl vor die Füsse, die exakt gleichen Maße wie meiner vom MO +++ wir schreien unsere Freude hinaus +++ DEIN Fisch Berndl +++ 40kg, die ne gnadenlos gute Figur machen... Skitt fiske mein lieber Berndl!

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Das war´s für Bernd – sein Finale, was ihn keiner mehr nehmen kann.

> Teil 5 *winkewinke*
 

Tooommy

Tooommy
AW: Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

Man Man, das geht ja ab!!!!!!!!!!!!!!!

Da kommt Neid auf Jirko!!!!!

Super bericht von Dir/ Euch!!!!!!!!!! Top!!!!!!!!!!!!!! Wie immer von Dir
 
D

Dirk170478

Guest
AW: Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

Mann Jirko!

Das ist soooo gut geschrieben und mit genialsten Fotos gespickt, dass einem die Augen anfangen zu tränen!!!#6#6#6

Petri zu allen euren Fischen;)
 

Debilofant

Well-Known Member
AW: Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

...uff, bratz, gleich zwei solche Brummer...

Jirko und Bendl, da wird dann auch zweimal ganz kräftig zu diesen Prachthippos gratuliert!! #6#6

...hui, hab ganz vergessen mir eine Kugel einzuwerfen, muss ich vor dem 5. Teil noch schnell nachholen, Nr. 4 und 5, schluck, Finaaale, hoho...... :vik:

Tschau Debilofant #h
 

Nordangler

Active Member
AW: Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

Tolle Fotos und ein toll geschriebener Bericht. Gratulation zu den Fischen.


Sven
 

Jens24

Member
AW: Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

Es geht super weiter!

Lob für den schön geschriebenen Bericht und
Glückwunsch zu den tollen Fängen!
 

Dorschknaller

Dorschknaller
AW: Bernd, Willy und Jirko - 3 "Engel" am Burøysund 2008 - Teil 4

Mein lieber scholli
Da bleibt einen die Spucke weg.
Hut ab!
Super schöner Bericht
 
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