Belasten Großkarpfen ein Gewässer

macke

Member
Hallo,

vor einiger Zeit habe ich in einer Diskussion (ich glaube, es ging mal wieder um C&R) die Behauptung aufgeschnappt, dass große Karpfen (>20 Pfund) ein Gewässer unverhältnissmäßig stark belasten (können).
Wenn ich mir vorstelle, was die an einem Tag so alles verstoffwechseln, könnte ich mir das schon vorstellen...
Hat das schonmal jemand gehört und kann Untersuchungen, Zahlen, Fakten... o.ä. dazu nennen? Mich würde das echt interessieren.
Was mich hingegen nicht interessiert, ist eine weitere C&R-Diskussion... |uhoh:

Danke und Grüße

Fabian
 
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

würde mich auch brennend interssieren, da ich weis dass z.B graskarpfen unter optimalen bedingungen (temperatur, wetter...) am tag bis zu das DOPPELTE ihres eigenen körpergewichts (fr)essen können :p
die settzen dann bestimmt viele "stinker" xD ins wasser
 

Carras

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Naja,

ich würde mal so sagen.

Es hängt ganz entscheidend vom allg. Besatz im Gewässer ab.
Wieviel andere Fische sind noch drin?

Wenn ein Verein, die falschen Besatzmaßnahmen ergreift,...und zu viel kg Fische auf zu wenig m³ Wasser bringt,.....dann kann das einem Gewässer sicherlich schaden. Es kann kippen, weil zu viel Schadstoffe rein kommen. Oder es bilden sich viele Algen oder viel Kraut,...oder oder. Das hängt natürlich auch mit den "Düngemitteln" zusammen die ins Wasser kommen, aber die Besatzmaßnahmen haben hierauf genau so einen Einfluss.

Ob da nun 10 Stk. 3 kg Karpfen oder ein 30 kg Karpfen drin ist,...macht unterm Strich, nicht viel aus.

Ich würde sogar behaupten, daß die 10 kleinen Karpfen, z.B. mehr Schlamm aufwühlen als der eine Große.

Es macht ja auch keinen Sinn, so viele Fische rein zu setzen, daß die sich gegenseitig auf den Kopf sch.....n können.

Der Besatz muss zum Gewässer passen,...dann bekommt man auch keine Probleme mit der Wasserqualität.

Gruß

Carras
 

FoolishFarmer

... mag Fisch!
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Zum Einfluß benthivorer Cypriniden auf die Gewässergüte gibt es reichlich Literatur. Speziell der Karpfen spielt dabei wohl die größte Rolle, da er in Deutschland in vielen Gewässern übermäßig besetzt wird/ wurde und sich aufgrund der heutigen C&R-Praxis (die Angelpresse gibt es vor) die Bestände an Großkarpfen in den Gewässern akkumulieren.
Insbesondere der Effekt der Nährstoffrücklösung aus dem Substrat (durchs Aufwühlen werden im Sediment abeglagerte Nährstoffe wieder in den Kreislauf zurückgebracht) wirkt sich dabei äußerst negativ auf das Ökosystem See aus. Denn zunächst einmal sind plötzlich übermäßige Mengen an Nährstoffen frei. Diese werden recht schnell durch Phytoplankton gebunden und es entsteht zusammen mit den Schwebeteilchen eine starke Gewässertrübung. In Folge dessen reduziert sich der Lichteinfall ins Gewässer und beeinträchtigt damit das Pflanzenwachstum (denn ohne Licht keine Photosynthese). Hinzu kommt, dass viele Pflanzen auch direkt, also mechanisch, durch die Fraßaktivitäten der Karpfen geschädigt werden. Zum einen werden sie beim Wühlen ganz einfach ausgerupft oder abgerissen, zum anderen werden sie teilweise (v.a. Armleuchteralgen) auch direkt mitgefressen, da auf ihnen sehr viel Nahrung siedelt (Jungmuscheln, Schnecken, etc.).
Da insbesondere im Stillgewässer der Hauptsauerstoffanteil im Wasser durch Pflanzen generiert wird, sinkt dieser deutlich ab. Zudem verschwinden mit den Pflanzen wertvolle Laich- und Schutzhabitate (Brut), sowie Nahrung direkt und indirekt. Denn Pflanzen dienen zum Teil auch direkt als Nahrung für einige Fische, vor allem aber indirekt, da sie Lebensraum für viele Fischnährtiere sind (Makrozoobenthos; Muscheln, Schnecken, etc.).
Die Schädigung am Ökosystem ist groß - nicht nur, dass Pflanzenarten verschwinden (auch die haben ein Recht darauf im Gewässer sein zu dürfen), es wird auch der Fischbestand nachhaltig beeinträchtigt. Denn es fehlen Fortpflanzungsmöglichkeiten und Unterstände für Jungfische. Nur die anspruchsloseren Arten wie z.B. der Barsch können sich noch erfolgreich reproduzieren. Es entsteht vielfach ein Überbestand an Barschen, die auch die letzten kleinen Rotaugen noch erlegen.
Letztlich verdrängen die Karpfen viele andere Fischarten aus dem Gewässer - einige als direkte Nahrungskonkurrenten (Brasse, Schleie) andere in Folge der Gewässerveränderung (z.B. Rotauge).
An vielen Baggerseen klagen die Angler heute, dass es kaum noch Fisch gibt: Keine Rotaugen, keine Schleien, keine... nur noch große Karpfen. Logisch, denn ein Gewässer kann nur eine gewisse Menge Biomasse an Fisch vertragen. Und wenn davon 90% in überalterten Karpfenbeständen sind... |rolleyes

In Extremfällen kann es sogar zum sogenannten "Umkippen" führen: d.h. die Trübung des Gewässers wird so stark, dass alle Pflanzen absterben. Der riesen Überschuß an Nährstoffen läßt Blaualgen (Cyanobakterien) gedeihen. Durch die Fäulnisprozesse (tote Biomasse der Pflanzen) wird der Sauerstoffgehalt derart reduziert, dass auch für Fische das Ende besiegelt ist.
Genau dieses Horrorszenario beobachten wir in den letzten Jahren immer wieder (v.a. in den extrem heißen Sommern).

Ich könnte seitenlange Abhandlungen dazu schreiben. Das mach ich dann aber eher in der Fachliteratur, denn hier sprengt es sowohl den inhaltlichen als auch den fachlichen Rahmen.
Es gibt auch genügend Literatur dazu - hier nur mal ein kurzer Auszug:

  • J.ROBERTS, A. CHICK, L. OSWALD and P. THOMPSON - Effect of carp, Cyprinus carpio L., an exotic benthivorous fish, on aquatic plants and water quality in experimental ponds (Freshwater Biology/ Volume 32 Issue 1 Page 113-121, August 1994)
  • BREUKELAAR, A.W., LAMMENS, E.H.R.R., KLEIN BRETELER, J.P.G. & TATRAI, I. - Effect of benthivorous bream (Abramis brama) and carp (Cyprinus carpio) on resuspension. (Verhandlungen der Internationalen Vereinigung für Limnologie 25: 2144-2147; 1994)
  • SCHÄPERCLAUS & LUKOWICZ: Lehrbuch der Teichwirtschaft (1998)
  • TATRAI, I., OLAH, J., PAULOVITS, G., MATYAS, K., KAWIECKA, B.J., JAOSZA, V. & PEKAR, F. - Biomass dependent interactions in pond ecosystems - responses of lower trophic levels to fish manipulations. (Hydrobiologia 345: 2-3./ 1997)
  • ZAMBRANO, L. & HINOJOSA, D. - Direct and indirect effects of carp (Cyprinus carpio L.) on macrophyte and benthic communities in experimental shallow ponds in central Mexico (Hydrobiologia 408/409: 131–138, 1999)
  • KALBE, L. - Karpfenintensivbewirtschaftung von Seen und Eutrophierung (Acta hydrochim. et hydrobiol. 12 2, 145-152/ 1984)
  • MILLER, S.A. & PROVENZA, F.D. - Mechanisms of resistance of freshwater macrophytes to herbivory by invasive juvenile common carp (Freshwater Biology 52, 39–49/ 2007)
  • Crivelli, A.J. - The destruction of aquatic vegetation by carp (Hydrobiologia 106, 37-41/ 1983)


Das alles ist nichts Neues und wird seit vielen Jahren in vielen Ländern so beobachtet und beschrieben. Natürlich will die Fischerei das nicht wahrhaben, ist der Karpfen doch ein ausgezeichneter Sportfisch (wächst schnell ab, ist sehr robust, gut zu angeln, früher auch geschätzter Speisefisch). Zudem lebt heute eine ganze Industrie von der Angelei auf Karpfen und ein ganzes Gewerbe von Zucht und Vermarktung, da es mit der Reproduktion in unseren Breiten einfach immer noch nicht so recht klappen will.
Die alle jetzt mit der Aussage zu konfrontieren "der Karpfen passt einfach nicht in viele Gewässer" ist schon fast wie eine Kriegserklärung. |uhoh: Defakto ist es aber so, dass der Karpfen zumindest in den Gewässern, die die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie als Lebensraumtyp 3140 (nährstoffarme Klarwasserseen) beschreibt, eindeutig mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Das wusste auch Bauch 1964 schon - denn er beschrieb damals als erster den (den meisten bekannten) "Hecht-Schlei-See"... vom Karpfen war da keine Rede.
 

daci7

Grobrhetoriker
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

|good:
danke für die aufklärungsarbeit auch noch an dieser stelle!

grüße,
david
 

Bibbelmann

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

sehr einleuchtend, kann ich gut nachvollziehen- anscheinend ist das eins unserer Probleme im Verein
 

marcus7

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Interessant.
Man muss sich aber auch vor Augen führen das der Mensch in erster Linie die "Schuld" daran trägt und nicht der Karpfen.
Es kann ja wohl nicht die Lösung sein hier zum Schlachten der ´Großkarpfenbestände aufzurufen, weil es den Gewässern dann besser gehen würde?!

Sinnvoller wäre es wohl das Einbringen von Satzern stark zu verringern, aber da wettert ja der Großteil der Angler selber dagegen, da sie dann ja nicht mehr so einfach viele kleine Karpfen fangen können... Ein Teufelskreis

Mal so nebenbei: In unserem 75-Hektar Hauptvereinsgewässer sind meiner Meinung nach auch echt viele/zu viele (kleine) Karpfen vertreten und siehe da, die Unterwasserpflanzen gedeihen dennoch prächtig (sogar zu prächtig!) und das Wasser ist fast das ganze Jahr über recht klar.
Wie ist das denn zu erklären?
mfg
 

ToxicToolz

... ... ... ... ... ...
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Mal ne kleine Frage am "Rande": Hab nen DAV Teich um de Ecke, der besetzt nur Karpfen seit JAHREN ... Hecht, Zander, Barsch kannste da vergessen ... Hab da "wat´n Wunder" noch nich EINMAL nen Raubfisch gefangen.... Nich mal nen Kaulbarsch....

Nun mal zur Frage: Ist ein DAV Verein eigendlich verpflichtet auch die Raubfischfänger glücklich zu machen??? Oder kann der besetzen wie er will ????
 

ToxicToolz

... ... ... ... ... ...
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

martin, da fragste mich wat...ick bin nich in dem verein...ick geh da ab und an mal ans wasser...aber irgendwie denke ick langsam "den weg kannste dir sparen"... und im vereinshaus siehste nie einen....
 

Dart

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Sinnvoller wäre es wohl das Einbringen von Satzern stark zu verringern..
Völlig richtig, ich würde mir auch selber nur ein Gewässer zur Jagd auf wirkliche Großkarpfen suchen, das seit seeehr langer Zeit nicht mehr besetzt wurde.;)
als kleine Anmerkung...in Asien, wo der (Schuppen)karpfen ja eigentlich herkommt, ist er gar nicht so beliebt...da er an sehr vielen Gewässern massiv an der Erosion der Ufer verantwortlich ist.
 

Taxidermist

Well-Known Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Leider werden wohl die meisten "Carp Hunter",weiterhin diese Erkenntnisse ignorieren
und ihre Lieblinge nach Fototermin wieder releasen!
In anderen Ländern(Amiland/Australien) nimmt man diese Fische wenigstens als Dünger,wenn man sie schon nicht essen mag.

Taxidermist
 

FoolishFarmer

... mag Fisch!
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Es kann ja wohl nicht die Lösung sein hier zum Schlachten der ´Großkarpfenbestände aufzurufen, weil es den Gewässern dann besser gehen würde?!

Sinnvoller wäre es wohl das Einbringen von Satzern stark zu verringern, aber da wettert ja der Großteil der Angler selber dagegen, da sie dann ja nicht mehr so einfach viele kleine Karpfen fangen können... Ein Teufelskreis
Zunächst mal hab ich hier wohl nirgends zum "Schlachten der Großkarpfenbestände" aufgerufen! Diese Aussage habe ich nie getroffen... Denoch - nur durch Besatzreduzierung, kann man die Karpfenmasse nunmal nicht verringern. Das geht erst durch Entnahme. Das diese Entnahme natürlich sinnvoll verwertet werden muss, steht außer Frage.



Ich wollte aber natürlich mit meinem Post auch zum Nachdenken anregen. Denn Fakt ist nunmal, dass bestimmte Lebensraumtypen durch den Karpfen gefährdet werden können. Und ob es genau in diesen Lebensraumtypen dann unbedingt überall große Mengen von Karpfen geben muss?!? Vielleicht sollte man auch als Angler mal drüber nachdenken, auch anderen Spezies eine Chance zu lassen... aber es wird nichts soviel produziert und besetzt wie Karpfen. Ein Fisch, der in die meisten Gewässer alleine schon deshalb nicht passt, da er sich selbst nicht vermehrt und so ständig teuer erkauft werden muss.
Die Schleie beispielsweise hat keine Chance in Gewässern mit hohem Karpfenbestand. Dabei ist die Schleie an unsere Breiten viel besser angepasst und vermehrt sich in fast allen Seen ganz von alleine. Nur kriegt der Angler das nicht mit, weil die jungen Schleien halt nicht aus dem Kraut rauskommen. Und abwachsen ist nicht mehr, da die Konkurrenz des Karpfens übermächtig ist: ein 2-jähriger Karpfen ist bereits größer und frißt mehr als eine laichreife Schleie. Ein 15kg Karpfen frisst soviel wie... oh mann, was wären doch 15kg Schleien! ;)

Mal so nebenbei: In unserem 75-Hektar Hauptvereinsgewässer sind meiner Meinung nach auch echt viele/zu viele (kleine) Karpfen vertreten und siehe da, die Unterwasserpflanzen gedeihen dennoch prächtig (sogar zu prächtig!) und das Wasser ist fast das ganze Jahr über recht klar.
Wie ist das denn zu erklären?
mfg
Nunja. Da stellt sich die Frage WAS für Wasserpflanzen dort gedeihen? Es gibt da qualitativ sehr große Unterschiede.
Hinzu kommt, dass "viel" eben opftmals relativ ist. Und was 3 Tonnen Karpfen für ein 5 ha Gewässer bedeuten, muss noch lange nicht bei 75ha die gleichen Auswirkungen haben. Wären es ZUviele Karpfen, wären die Auswirkungen früher oder später dann auch zu sehen. So ein Prozeß dauert zwar ein paar Jahre, lässt sich anhand der Pflanzen aber schnell nachvollziehen, da die besonders anspruchsvollen Arten schnell verschwinden. Was übrig bleibt sind dann meist Arten, die mit höheren Nährstoffgehalten zurecht kommen (Laichkräuter, Tausendblatt, Wasserpest, etc.). Diese neigen dann auch zu wildwuchernden Beständen - die Angelei wird deutlich erschwert.


Interessant.
Man muss sich aber auch vor Augen führen das der Mensch in erster Linie die "Schuld" daran trägt und nicht der Karpfen
DAS ist absolut richtig! Das traurige daran ist nur, dass dieser Mensch allzu meist die Angler sind, die "ihr" Gewässer ja eigentlich hegen und pflegen sollen und wollen. :(
 

Carras

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Interessant.


Sinnvoller wäre es wohl das Einbringen von Satzern stark zu verringern, aber da wettert ja der Großteil der Angler selber dagegen, da sie dann ja nicht mehr so einfach viele kleine Karpfen fangen können... Ein Teufelskreis


mfg

Tja,...

ich denke,...Gewässer, die fischereilich (Angler) genutzt werden,...haben eben einen, ich nenn es mal, "Sonderstatus".

Ich kenn das zu genüge, aus den Vereinen in den ich schon aktiv war/bin.
In jeder Jahreshauptversammlung wird eben folgendes gefordert:
" ich zahl hier ja auch XXX € Jahresbeitrag,....also will ich auch Fische für meine Kühltruhe fangen können. Daher muss unbedingt das und jenes besetzt werden, sonst...." (Zitat Ende)


Naja,
ich sag es ungern, aber das ist meine Meinung:

Wenn ein Angler heut zu tage nur zum Angeln geht, weil er Fisch in die Pfanne möchte,....der "lügt".
Das geht im Supermarkt einfacher, schneller und günstiger.
Der so genannte "Jagdinstinkt in uns", ist eben noch nicht erloschen.

Ich persönlich finde es völlig unproblematsich wenn in einem Gewässer große Karpfen > 15 kg schwimmen, so lange der restl. Besatz dazu passt.

Gruß

Carras
 

FoolishFarmer

... mag Fisch!
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Servus,
da ich mich ungern als "Lügner" abstempeln lasse:
Wenn ein Angler heut zu tage nur zum Angeln geht, weil er Fisch in die Pfanne möchte,....der "lügt".
Das geht im Supermarkt einfacher, schneller und günstiger...
und eben auch deutlich gehaltvoller an Antibiotika, Hormonen, Pestiziden und Bakterien.
Da geb ich lieber ein paar Euro mehr aus und fange mir einen Fisch, von dem ich weiß wo er herkommt und wie er nach dem Fang behandelt wurde (geschweige denn, wie er gefangen wurde).
Sicher spielt da auch der "Jagdinstinkt" eine Rolle - kann und will ich nicht leugnen - aber ich kenne nunmal die andere Seite der "Nahrungsmittelproduktion" (auch aus der Landwirtschaft) sehr gut und achte darauf, was ich esse. Und dazu gehört sicherlich kein Pangasius, Victoriabarsch oder Kingprawn.
 

Wallerschreck

Herr der Fehlbisse
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

@FoolishFarmer
Danke für die erneute Ausführung dieses äußert informativen Sachverhaltes #6
Wir hatten darüber ja schon in vergangenen Posts oftmals mit gleichem Ergebnis diskutiert.
Der Fehler des massenhaften Karpfenbesatzes wird aber nach wie vor so oft begangen das man einfach immer wieder darauf hinweisen MUSS.
Das geht sogar so weit das Vereine (ich spreche hier aus Erfahrung) im Winter zufüttern müssen weil die riesigen Karpfenbestände sonst unter dem Eis schlichtweg verhungern würden.

Und wie man auch hier sehr oft sieht stoßen vernünftige Argumente zur Entnahme von Großkarpfen bzw. drastischen Reduzierung des Karpfenbestandes auf taube Ohren #d

Man kann nur hoffen das durch solche informativen und fachlich hochwertigen Beiträge wie von FoolishFarmer einige zum Umdenken animiert werden.
 

Carras

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Servus,
da ich mich ungern als "Lügner" abstempeln lasse:

und eben auch deutlich gehaltvoller an Antibiotika, Hormonen, Pestiziden und Bakterien.
Da geb ich lieber ein paar Euro mehr aus und fange mir einen Fisch, von dem ich weiß wo er herkommt und wie er nach dem Fang behandelt wurde (geschweige denn, wie er gefangen wurde).
Sicher spielt da auch der "Jagdinstinkt" eine Rolle - kann und will ich nicht leugnen - aber ich kenne nunmal die andere Seite der "Nahrungsmittelproduktion" (auch aus der Landwirtschaft) sehr gut und achte darauf, was ich esse. Und dazu gehört sicherlich kein Pangasius, Victoriabarsch oder Kingprawn.

Wusste, daß das kommt.

Daher war das "Lügner" auch in Gänsefüßchen geschrieben.
Nennen wir es: "nicht ganz ehrlich"

Nun, Du musst ja nicht im Supermakrt kaufen, kannst ja auch direkt zur Fischzucht.

Aber da mal ne Gegenfrage:

Läuft es denn bei unseren Fischzüchtern besser ab? Arbeiten die nicht auch mit solchem Mittelchen ?
Und stammen unsere Fische im See nicht auch aus solchen Fischzuchtanstallten, vor allem wenn jedes Frühjahr die Satzis rein kommen.?

Ein Fischzüchter erzählte mir z.B. mal wie man Fischeier behandeln muss, damit die Fische später nicht mehr Fortpflanzungsfähig sind. Uhps,...ich war geschockt.

Tja,....dann ist auch klar, daß sich viele Fische in unseren Gewässern nicht von selbst vermehren und die Vereine jedes Jahr neuen Besatz nachkaufen müssen. Klar, der Fischzüchter muss ja auch von was leben.

Wer gibt den Vereinen denn die Besatzmaßnahmen vor (Vorschläge), ich meine das ist die Fischereibehörde oder der Fischereiverband.
Und der Fischzüchter wiederum, hängt ja auch im selben Verband wie die Angelvereine drin.
Wenn also den Gewässerwarten der Vereine erzählt wird wie sie besetzen müssen,...dann vom Verband. Und da hier die Fischzüchter auch mit integriert sind,...... evtl. wäscht da eine Hand die andere....

Ich fing vor zwei Jahre bei uns an einem reinen Forellengewässer (kl. Fluß) 5 Forellen.
Entsetzt stellte ich fest, daß es alles Besatzfische waren. Die Schwanzflossen und andere Flosse waren vollkommen verkümmert. Ansonsen, hatten die Fische, für das Gewässer untypisch, dicke Körper.
Ich denke, das ist die andere Seite der Fischzucht. Wenn durch Überzüchtung sowas raus kommt. Ich meine Prof. Dr. Arlinghaus hat da auch mal an einer Studie in Canada teilgenommen, wo so ähnliche Phänomene festgestellt wurden.

Wenn wir unsere Gewässer nur noch mit solch muttierten Fischen besetzen,...dann wird es doch aber auch nicht besser oder?
Da ist es doch gut, wenn es noch den einen oder anderen Fisch mit "guten,alten" Genen gibt.



Gruß

Carras
 
Zuletzt bearbeitet:

Wallerschreck

Herr der Fehlbisse
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Nun, Du musst ja nicht im Supermakrt kaufen, kannst ja auch direkt zur Fischzucht.

Eben nicht weil da werden die Fische ja auch bis zum Bersten mit chemie vollgestopft


Läuft es denn bei unsere Fischzüchtern besser ab? Arbeiten die nicht auch mit solchem Mittelchen ?

Ganz genau!


Und stammen unsere Fische im See nicht auch aus solchen Fischzuchtanstallten, vor allem wenn jedes Frühjahr die Satzis rein kommen.?

Eben darum sollte man auch nicht die Satzis mitnehmen sondern lieber die Großfische die sich seit Jahren natürlich ernähren

Ein Fischzüchter erzählte mir z.B. mal wie man Fischeier behandeln muss, damit die Fische später nicht mehr Fortpflanzungsfähig sind. Uhps,...ich war geschockt.

Tja sowas hatte ich auch schon geargwöhnt...allerdings weiß ich nicht ob das wirklich legal ist.


Und zu den mutierten Fischen: Klar ist Besatz nicht das optimum...was wir alle doch wirklich wollen ist ein sich selbst reproduzierender Fischbestand an gesunden Fischen.
Und um das zu erreichen sollten wir aber auch endlich mal Abstand von Karpfen&Co nehmen und stattdessen Fische besetzen die das auch können wie z.B. die gute alte Schleie.
 

daci7

Grobrhetoriker
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

nur leider ist die schleie oder andere heimische fischarten (nase, hasel aland usw) für sog. sportfischer wesentlich uninteressanter als die chance auf nen 40pfd karpfen, am liebsten ohne lang zu warten, bzw mit reichlich satzkarpfen als zeitvertreib.

und weil es wesentlich einfacher und billiger und dazu noch schneller ist mit karpfen zu besetzen, als zb stör und lachs wieder einzuführen (die ja mal heimisch waren und auch besser schmecken/besser kämpfen) wird sich bei der heutigen gesellschaft, die einerseits auf egoismus und andererseits auf habgier aufbaut nichts ändern. jedenfalls nicht in der nächsten zeit. (meine meinung)

und diese gesellschaft in form der meisten angler zahlt nunmal die beiträge für die pacht und für den besatz der meisten gewässen...

c'est la vie!
 

FoolishFarmer

... mag Fisch!
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Wusste, daß das kommt.

Daher war das "Lügner" auch in Gänsefüßchen geschrieben
Und genau daher, hab ich die "" ja auch wiederholt. ;)

Die Frage nach der Fischzucht hast Du Dir ja nun schon selbst beantwortet. Dann verstehst Du auch sicher, warum ich meinen Fisch lieber selbst fange.
Denn der Karpfen, der nach 1-3 Jahren beim Fischzüchter dann schon etliche Jahre im See gelebt und sich dort ernährt hat, oder der Hecht der natürlich im Baggersee aufgewachsen ist - ist viel weiter von irgendwelchen Gefahrenstoffen entfernt, als der Victoriabarsch aus den afrikanischen Zuchtanlagen, die Kingprawns aus den vietnamesischen Reisfeldern oder auch die Regenbogenforelle vom lokalen "Fischzüchter" (der eigentlich nur ein Händler ist).

Wer gibt den Vereinen denn die Besatzmaßnahmen vor (Vorschläge), ich meine das ist die Fischereibehörde oder der Fischereiverband.
Und der Fischzüchter wiederum, hängt ja auch im selben Verband wie die Angelvereine drin.
Wenn also den Gewässerwarten der Vereine erzählt wird wie sie besetzen müssen,...dann vom Verband. Und da hier die Fischzüchter auch mit integriert sind,...... evtl. wäscht da eine Hand die andere....
So sehr ich auch will :) - ich werde zu dieser speziellen Problematik nichts schreiben. |rolleyes
Vielleicht aber denken hier alle nochmal drüber nach, dass Fische nicht alles in einem Gewässer sind. Ein Gewässer ist ein sehr komplexes Ökosystem mit vielen Organismengruppen, Faktoren und noch mehr wechselseitigen Abhängigkeiten.
Es gibt eben auch Leute/ Berufe/ Institutionen/ Behörden und Gesetze, die sich mit mehr als "nur" den Fischen beschäftigen. In diesem Zusammenhang unterscheide ich auch gerne zwischen Fischereibiologe, Fischbiologe und Gewässerökologe. ;)
Das Problem in Deutschland fängt damit an, dass die Fische ihr eigenes Recht, ihre eigene Behörde und ihre eigene Lobby haben. Dagegen ist der Naturschutz (der für alle die anderen Organismengruppen zuständig ist) nichts...

Und selbstverständlich ist der einzelne Angler nicht unbedingt auch der, der entscheidet dass immer weiter und mehr Karpfen besetzt werden. Aber es will eben auch keiner hören, dass es irgendwann ungesund wird. #c
Extremismus ist eben doch immer schädlich. Aber sag das jetzt mal nem Szene-Karpfenangler... :(
 

Carras

Active Member
AW: Belasten Großkarpfen ein Gewässer

Und zu den mutierten Fischen: Klar ist Besatz nicht das optimum...was wir alle doch wirklich wollen ist ein sich selbst reproduzierender Fischbestand an gesunden Fischen.
Und um das zu erreichen sollten wir aber auch endlich mal Abstand von Karpfen&Co nehmen und stattdessen Fische besetzen die das auch können wie z.B. die gute alte Schleie.

Ist es eigentlich wirklich sicher, daß sich Karpfen bei uns nicht vermehren können?

In meiner weitläufigen Verwandtschaft gibt es einen Teich, dort hat der Opa vor vielen Jahren ein paar Karpfen rein getan.
Seit ca. 3 Jahren gehen wird da ab und an auch mal Angeln.
Dort hohlen wir uns Köderfische.
Köderfische deshalb, weil dort seit vielen Jahren sehr, sehr viele kleine Karpfen drin sind, die nicht besetzt wurden. Somit haben sich diese wohl von selbst vermehrt.

Gruß

Carras
 
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