Angeln auf Rotbarsch in Norwegen

Dieses Thema im Forum "Angeln und Angeltechniken in Norwegen" wurde erstellt von Jesco Peschutter, 12. April 2019.

By Jesco Peschutter on 12. April 2019 um 15:08 Uhr
  1. Jesco Peschutter

    Jesco Peschutter Moderator Mitarbeiter

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    Bei meinen Norwegentouren stehen häufig Heilbutt, Dorsch oder Köhler auf der Zielfischliste. Doch eine Fischart, die sich in großen Tiefen aufhält, befische ich genauso gerne: den Rotbarsch! Ich liebe es, wenn die Roten an meinen Fischfetzen knabbern. Außerdem sind Rotbarsche ein kulinarischer Genuss in der Küche. Hier möchte ich Euch zeigen, wie ich beim Rotbarschangeln vorgehe.

    Das richtige Rotbarschrevier
    Rotbarsche gibt es an vielen Orten in Norwegen. Meine besten Erfahrungen habe ich allerdings im nördlichen Teil des nordischen Landes gemacht ‒ gerade, wenn es auf große Rotbarsche gehen soll. Ein kleiner Geheimtipp ist der Øksfjord. Hier gibt es viele Rotbarsche in Längen von über 60 Zentimetern zum Beispiel vor der Insel Stjernøya. Aber auch in anderen Revieren in Nordnorwegen können sich die Fänge sehen lassen.

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    Im hohen Norden gibt es in Norwegen meist die besseren Rotbarsche. Hier hatte ich zusammen mit Felix von Nolting am Øksfjord Erfolg. Die Rotbarsche waren um die 65 Zentimeter lang

    Perfektes Gerät für Rote
    Beim Rotbarschangeln kommen schon mal Bleigewichte von 500 bis 1.000 Gramm an die Leine ‒ je nach Drift und Tiefe. Deshalb eignen sich normale Pilkruten mit Wurfgewichten von 100 bis 200 Gramm nicht. Es muss schon schweres Angelgerät her. Die Rute sollte zwischen 2,00 und 2,40 Meter lang sein und eine Testkurve von 30 bis 50 Pfund besitzen. Da die Rotbarschbisse oft sehr zaghaft sind, ist eine sensible Spitze, die aber dennoch über viel Power verfügt, von Vorteil. Als Rollen haben sich Multirollen bewährt, die über ausreichend Platz auf der Spule verfügen. Schließlich angeln wir auf Rotbarsch in Tiefen von 140 bis 250 Metern. Minimum sollten also 400 Meter einer 0,23er bis 0,28er Schnur auf die Angelrolle passen. Es versteht sich von selbst, dass in so großen Tiefen keine Mono, sondern geflochtene Schnur auf die Spule kommen. Mit Geflecht ist die Bissanzeige aufgrund der geringeren Dehnung deutlich besser. Früher fischte ich mit normalen Multis. Irgendwann war mir das Hochkurbeln, wenn ich zur neuen Drift ansetzen oder die Köder kontrollieren wollte, zu mühsam. Heute angle ich nur noch mit einer Elektrorolle. Mit der E-Multi kann ich den ganzen Tag ohne Ermüdungserscheinungen durchfischen. Es sollte klar sein, dass ich aber im Drill die Fische mit Muskelkraft einhole.

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    Eine Testkurve von 30 bis 50 Pfund ist bei den Ruten optimal. Fürs Rotbarschangeln sollte die Spitze sensible Bisse gut anzeigen

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    Eine E-Multi ist beim Angeln auf Rotbarsch eine tolle Sache

    Köder und Vorfächer zum Rotbarschangeln
    Als Köder zum Rotbarschangeln nehme ich Fischfetzen. In der Regel sind diese bis zu zehn Zentimeter lang. Sehr gut eignen sich die Fetzen von Makrelen, da sie unter Wasser ein verführerisches Aroma verströmen. Doch nicht immer ist eine Makrele als Köder zur Hand. Dann nehme ich Köhler (Seelachs) als Köderfische und schneide aus diesen Schwarmfischen Fischfetzen in der passenden Größe. Fetzen von Heringen sind ebenfalls top, halten aber nicht ganz so gut am Haken. Hier müssen die Fischfetzen am besten noch mit Hilfsmitteln fixiert werden. Die Vorfächer sollten recht lang sein und mindestens fünf Haken besitzen. Der Abstand zwischen den einzelnen Angelhaken darf ruhig zwischen einem und fünf Meter liegen. Dadurch können wir eine größere Wassersäule nach Rotbarschen absuchen. Etwas Rohrisolierung an der Reling hilft dabei, Ordnung im Boot zu halten und die langen Vorfächer sauber zu verstauen.

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    Die Rotbarschvorfächer besitzen mehrere Haken und werden mit Fischfetzen beködert. Mit Rohrisolierung an der Reling lassen sich die langen Vorfächer gut vorbereiten

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    Die Vorfächer zum Angeln auf Rotbarsch haben fünf oder mehr Angelhaken. Da kommt es auch mal vor, dass neben Rotbarschen auch Dorsche, Lumb oder Leng an der Oberfläche erscheinen

    Circle Hooks für mehr Rotbarsche im Boot
    Wer auf Rotbarsch angelt, der kann ganz normale Meereshaken verwenden und beim Biss einen leichten Anhieb setzen. Das Problem mit Standardhaken ist jedoch, dass sich beim Hochholen meist einige Fische wieder verabschieden. Hingen in 200 Metern Wassertiefe noch fünf Rotbarsche an den Haken, kommen an der Oberfläche nur ein oder zwei Fische an. Im schlimmsten Fall kurbeln wir ein leeres Vorfach hoch. Abhilfe schaffen Circle Hooks. Diese sogenannten Kreishaken besitzen eine nach innen gebogene Hakenspitze. Sie kommen ursprünglich aus der Langleinenfischerei der Berufsfischer und sollen den Fisch von alleine haken und nicht wieder loslassen. Beim Angeln mit Circle Hook müsst Ihr jedoch beachten, dass kein Anschlag gesetzt wird. Das ist ganz wichtig und erfordert beim ersten Angeln mit Circle Hooks ein wenig Disziplin. Beißt ein Rotbarsch, baut Ihr einfach Spannung durchs Anheben der Rute oder langsames Einholen auf. Hängt der Fisch, wird er den Haken nicht mehr los. Ihr könnt die Rotbarschmontage in der Tiefe lassen und hoffen, dass noch mehr dieser Meeresfische Eure angebotenen Köder nehmen. Ist deutlich Druck auf Eurer Montage und Angelschnur, dürft Ihr das voll besetzte Vorfach mit den Rotbarschen einkurbeln.

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    Circle Hooks an der Rotbarschmontage helfen dabei, weniger Fische beim Einkurbeln zu verlieren. Aber bitte nicht anschlagen, wenn Ihr mit diesen Kreishaken in Norwegen fischt

    Hotspots beim Angeln auf Rotbarsch: Tiefe und Struktur
    Wer Rotbarsche fangen will, der sollte es in Tiefen von weit über 100 Metern probieren. Am besten sucht Ihr Euch Tiefen von 140 bis rund 250 Metern, um dort Eure Montage zum Rotbarschangeln hinabzulassen. Struktur kann beim Angeln auf die leckeren Fische nicht schaden. Steile, rasch abfallende und tiefe Kanten sind immer gut für Rotbarsche. Solche finden wir an Unterwasserbergen oder auch ab und an in direkter Ufernähe. Gerade wenn am Ufer steile Wände in die Höhe ragen, geht es unter Wasser meist auch zügig hinab. Ich fing aber auch schon tolle Rotbarsche in tiefen Löchern, die eher schlammigen Boden aufwiesen. Am besten erkundigt man sich vor Ort, wo die besten Stellen sind. Anlagenbetreiber und andere Angler helfen einem gerne weiter. Der Rotbarsch steht allerdings nicht immer direkt am Grund. Nicht selten treffen wir zehn oder zwanzig Meter über dem Boden auf die Meeresfische. Manchmal sogar deutlich weiter oben. Die langen Rotbarschvorfächer helfen dabei, die Roten zu finden. Die besten Bedingungen zum Angeln auf Rotbarsch sind bei wenig Wind und Drift. Nur dann lassen sich die Hotspots effektiv beangeln.

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    Diese Rotbarsche bissen in einem rund 150 Meter tiefen und schlammigen Loch. Besser sind jedoch steile, felsige und tief abfallende Kanten

    Lichtquellen für mehr Rotbarschbisse
    In 100, 200 oder 300 Metern Wassertiefe ist es sehr dunkel. Deshalb macht es Sinn, seine Montagen für Rotbarsch mit Lichtquellen zu pimpen. Ein wenig Leuchtschlauch auf dem Vorfach oder Haken kann Wunder bewirken. Nachleuchtende Perlen oder andere strahlende Hilfsmittel vorm Angelhaken sind ebenfalls immer einen Versuch wert. Es gibt zum Beispiel auch spezielle, selbstleuchtende Meereshaken mit denen Ihr Licht ins Dunkel bringen könnt.

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    Etwas Leuchtschlauch auf dem Haken brachte diesen tollen Rotbarsch ins Boot. Leuchtende Hilfsmittel sind beim Angeln in der Tiefe nie verkehrt

    Übertreibt es nicht mit Massenfängen!
    In der Berufsfischerei werden die drei Rotbarscharten Sebastes norvegicus (früher Sebastes marinus) auch als Goldbarsch bekannt, Sebastes mentella und Sebastes viviparus kommerziell befischt. Die Trennung der verschiedenen Bestände ist nicht ganz einfach. Das Wachstum von Rotbarschen ist sehr langsam und wir sollten uns bewusst sein, dass 60 oder 70 Zentimeter lange Fische schon sehr alt sind. So können Rotbarsche zum Beispiel weit über 60 Jahre alt werden ‒ ein unglaubliches Fischalter! Außerdem reproduzieren sich Rotbarsche erst recht spät. Weil es den Beständen nicht sehr gut geht, sollte jeder Angler mit Vernunft auf Rotbarsch fischen. Ich fange mir meist nur ein paar Fische, die ich direkt im norwegischen Ferienhaus zubereite und noch ein paar für daheim. Man muss nicht Kisten voller Rotbarsche mitnehmen, finde ich. Schließlich gibt es in Norwegen noch andere Fische wie Dorsch und Seelachs, die ebenfalls in der Küche lecker zubereitet werden können. Achtet außerdem auf die Schonzeiten, die vom norwegischen Fiskeridirektoratet (Fischereiministerium) beschlossen wurden. Nördlich des 62. Breitengrades (Höhe Måløy/Nordfjord) dürft Ihr nur in der Zeit vom 1. Juni bis 31. August auf Rotbarsch (Uer) angeln. Von September bis Ende Mai ist das gezielte Rotbarschangeln verboten. Sollte dann doch ein Rotbarsch als Beifang an den Haken gehen, darf dieser entnommen werden. Jedoch muss die Angelstelle gewechselt werden, um weitere Rotbarschfänge zu vermeiden.

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    Ein schöner Rotbarsch aus dem Øksfjord. Damit die Fänge auch noch in den nächsten Jahrzehnten gut bleiben, sollte jeder Meeresangler es beim Rotbarschangeln in Norwegen nicht übertreiben


    Mich würde mal interessieren, wie Ihr auf Rotbarsch fischt. Habt Ihr vielleicht noch weitere tolle Tipps, um die Roten zum Biss zu überreden?


    Euer
    Jesco
     
    esox02 gefällt das.

Kommentare

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