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Alt 28.12.2017, 07:00   #1
Thomas9904
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Standard Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Redaktionell



Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln?
Meinung und Frage um Begriff und Inhalt


Meinung und Frage

Immer wieder kommen in der Diskussion, wie sich Angler verhalten sollen, Begriffe auf wie "gute fachliche Praxis" oder "Waidgerechtigkeit".
Lassen sich solche Begriffe aus anderen Bereichen - Landwirtschaft, Jagd - so einfach aufs Angeln "ummünzen"?
Dazu nachfolgend Meinung wie Frage


Waidgerecht ist im anglerischen Bereich im Gegensatz zur Jagd (leider??) nicht traditionsgemäß festgehalten.

Als es noch nicht um schützen, nachhaltig und so nen Kram ging, war das schon "Einsatzgebiet" von Angel/Fischerei-Verbänden.
Die sich gegenüber Jägern eh schon immer als "arme Verwandschaft" fühlten, und die deswegen immer wieder versuchten, auch so ein moralisch/ethisches Regelwerk fürs Angeln aufzustellen.
Um mit Jägern gleichziehen zu können und auch so "respektiert" zu werden - und auch um andere (nicht vereins/verbandszugehörige) auszugrenzen.

Wobei damals schon der Unterschied vernachlässigt wurde (bzw. nicht so bekant war oder bedacht wurde oder es noch keine Rolle spielte in der öffentlichen Diskussion), dass es sich bei warmblütigem Wild und Wildgeflügel mit entsprechenden Hirnregionen um ganz anders wahrnehmungsfähige Tiere handelt, als bei den niedrig entwickelten Fischen, denen die dazu notwendigen Hirnregionen ja schon fehlen.

Neben dem Gedanken der "Fairneß und Achtung gegenüber der Kreatur" spielte schon früh auch die Jagd (fast nur Adlige) eine Rolle mit als lustvolle Freizeitbeschäftigung, "Ernährung" übernahmen damals auch eher schon Berufsjäger und Knechte.
Wenngleich man natürlich nix verkommen liess, was bei Lustjagden erlegt wurde und das gemeinsame verzehren da schon Teil der adligen "Belustigung" war..

Nicht nur der Begriff hohe und niedere Jagd kommt aus der Zeit, Waidgerechtigkeit ebenso. Und die Waidgerechtigkeit gerade auch um das Jagen nicht zu einfach zu machen, als Lustgewinn bei der Auseinandersetzung mit der Natur.

Mit einer solchen Historie eines schon früh festgelegten Regelwerkes kann Angeln natürlich nicht dienen.

Isaac Walton war wohl der erste, der mit darüber filosofierte, ohne aber vorzuschreiben als Regelwerk, sondern das für sich selber zu überdenken..

Weder "gute fachliche Praxis" noch "Waidgerechtigkeit" werden allgemeine Anerkennung im Bereich der Angler finden können, wenn da wieder z. B. von oben herunter von Funktionären der Naturschutzverbände der organisierten Sport- und Angelfischerei, ohne Ahnung von Praxis und Basis, aus aktuellen Erwägungen heraus Punkte und Regeln postuliert werden, die dann für ALLE Angler gelten sollen.

Die dann aber wiederum eher nichts mit der Eigenwahrnehmung der Angler in der Gesamtheit zu tun haben, noch mit dem praktischen Angeln vor Ort.

Oder Regeln, die dann wieder einzelne oder Gruppierungen ausschliessen (in D würd ich wetten, dass Wettangeln nicht waidgerecht sein soll oder nicht guter fachlicher Praxis entspricht, während das weltweit anerkannt ist - nur als Beispiel. LiveBait/lebender Köfi als anders Beispiel), um sich anderen Gruppen (Schützer und Co) anbiedern zu können..

Ob waidgerecht oder gute fachliche Praxis:
Sind für mich Alibisdiskussionen, um nicht den Kampf annehmen zu müssen:
Nämlich angeln, jagen und andere traditionelle Formen der Naturnutzung auf Grund von Tradition, Kultur, wirtschaftlicher Bedeutung und ökologischem Einfluss sowie den sozialen Vorteilen als zu förderndes und schützendes, menschliches Recht in Gesetzen, Politik, Behörden, Medien und Öffentlichkeit zu etablieren..

Und wie sieht das die geneigte Leserschaft?

Thomas Finkbeiner
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Alt 28.12.2017, 07:24   #2
Thomas9904
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Drauf gekommen bin ich, um das auch darzustellen, durch das Thema um die "gute fachliche Praxis":
Gute fachliche Praxis der Angelfischerei
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Alt 28.12.2017, 07:50   #3
Thomas9904
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Zitat:
Zitat von Fruehling
Falls man darüber diskutieren mag, können Waidgerechtigkeit und gute fachliche Angelpraxis selbstverständlich eine Alibifunktion beim Etablieren haben. Das setzt aber voraus, daß man argumentativ sonst nichts in die Waagschale werfen will oder kann.

Diskutiert man beim Jagen oder Angeln hingegen über ein auch kulturell gewachsenes und durch Qualifikation erworbenes Grundrecht, das sowieso waidgerecht, bzw. mit guter fachlicher Praxis ausgeübt wird, eben weil es unter dem Aspekt der Waidgerechtigkeit und der fachlichen Angelpraxis erlernt und anschließend das Erlernte auch geprüft wurde, entfällt die Alibifunktion komplett.
Den Begriff Grundrecht habe ich nicht umsonst vermieden, da der hier fehl geht in meine Augen (Grundrecht wie Menschenwürde etc., das ist für Angeln doch etwas hoch gehängt)...

Und schon hier "Qualifikation" einzubringen geht für mich fehl, ich brauch auch keine Qualifikation um Menschenrechte/würde zu erhalten.

Und "waidgerecht" lernt man nicht durch "Qualifikation", sondern ausschliesslich in der tätigen Praxis (wo sich das auch in der Jagd in der Praxis oft deutlich vom öffentlich postulierten abhebt).
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Alt 28.12.2017, 08:00   #4
Thomas9904
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Zitat:
Zitat von Fruehling
Das Rüstzeug für Waidgerechtigkeit und fachlich gute Angelpraxis lernt man nicht in Kursen und legt darüber keine Prüfung ab? Also hier in NRW schon. Das dann in der Praxis zu verfeinern und zu perfektionieren steht ja auf einem anderen Blatt.
Träum weiter...
Praktisch erlebt: Der Unsinn der Sportfischerprüfung....

Was willste lernen, wenn das nicht mal definiert ist bis dato mit Waidgerechtigkeit und fachlicher Praxis beim Angeln?

Du lernst das, was ein Kursleiter im Rahmen Verbands/Prüfungsvorgaben (je nach BL) von einer nicht definierten Sache hält, mehr nicht...
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Alt 28.12.2017, 08:01   #5
Fruehling
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Zitat:
Zitat von Thomas9904 Beitrag anzeigen
Ne, mach Du mit deiner per se defätistischen Herangehensweise ohne mich in diesem Thread weiter.
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Alt 28.12.2017, 08:18   #6
Bobster
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Ach wie schön,
heute morgen gibt's "Waidgerechtigkeit" ...interessant

Ich geh dann doch lieber angeln...
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Bobster

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Alt 28.12.2017, 08:20   #7
Thomas9904
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Zitat:
Ne, mach Du mit deiner per se defätistischen Herangehensweise ohne mich in diesem Thread weiter.
Kein Problem - was bringste auch so (in meinen Augen) Unfug ein wie "Qualifikation" bei "Waidgerechtigkeit"..

Waidgerechtigkeit beim Angeln kann mangels Definition nur ne innere Haltung sein.

Die lehrt und lernt man nicht, die hat man oder nicht...

Und spielt für die Diskussion eh keine Rolle (wie auch weltweit fast nirgends)..

Einen Vorteil der ansonsten für mich sinnfreien Prüfung bleibt aber:
Man kanns den Schützern um die Ohren hauen, dass (fast alle in Deutschland angelnden) Angler geprüft sind, während den Schützern als Kompetenznachweis die Spendenquittung reicht...

Mit der hier diskutierten Waidgerechtigkeit hab aber irgendne Prüfung rein gar nix zu tun (guck mal am Vereinsweiher das tätige Verhalten mancher geprüfter Angler ....)

Zitat:
Ich geh dann doch lieber angeln
Du hasts schön - ich muss arbeiten ;-((((
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Geändert von Thomas9904 (28.12.2017 um 08:21 Uhr) Grund: edit
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Alt 28.12.2017, 08:50   #8
ronram
...
 
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Kolja hat ja im Thread zur guten fachlichen Praxis angemerkt, dass die Waidgerechtigkeit ein guter alter deutscher Begriff sei...

Thomas hat dann angemerkt, dass die Waidgerechtigkeit als Begriff im anglerischen Bereich nicht derart verankert sei, wie bei der Jagd.

Ich würde beiden zustimmen...

Waidgerechtigkeit als Begriff sehe ich weniger als Bedrohung für meine Art und Weise der Ausübung der Angelei an als die "gute fachliche Praxis".
Festnageln lassen möchte ich mich aber auch hier nicht.

Ich würde da gerne ein Beispiel bringen:
Das Angeln mit Drillingshaken ist (in NRW) erlaubt. Grundsätzlich erlaubt.
Welche Fische ich mit dem Drilling erwischen will steht mir grundsätzlich frei. Der Angelhaken ist ein durch das LFischG explizit erlaubtes Mittel.
Aber...und jetzt kommt das große "Aber". Und ich möchte das an der Stelle auch gar nicht moralisch diskutieren.
Nicht wenige Fischereiberechtigte geben Erlaubnisscheine aus, die ganz eindeutig das Beangeln von Friedfischen mit Drillingshaken untersagen. Weil das der herkömmlichen Meinung nach nicht waidgerecht sei.
Wie gesagt: Von mir kommt keinerlei moralische Wertung.
Ganz nüchtern betrachtet wird hier die Waidgerechtigkeit, die ersteinmal "soft law" darstellt in knallhartes, rechtlich bindendes Fischereirecht umgesetzt.

So weit so gut. Jeder Fischereiberechtigte kann ja an seinem Wasser auch seine Regeln aufstellen.
Und jetzt kommt meine persönliche Meinung:
Der Begriff der Waidgerechtigkeit liegt deutlich näher an "Fairness" und "normaler Umgang" als es die gute fachliche Praxis jemals kann.
Waidgerechtigkeit ist keine Schwarz-Weiß-Angelegenheit.

Schonhaken am Salmonidengewässer sind waidgerecht, wenn ich der Fischereiberechtigte bin und das so sehe.
Schonhaken am Salmonidengewässer sind gute fachliche Praxis, wenn ich der Fischereiberechtigte bin und meine Ansichten anderen überbügeln will.
Im ersten Fall halte ich Schonhaken für fair. Im zweiten Fall halte ich alles andere als Schonhaken für schlecht.

Sind Drillinge für Friedfische vom Fischereiberechtigten erlaubt und ich verwende sie dann entsprechend, dann ist das entweder
a) nicht unbedingt fair, aber ich darf es...also können sich alle das Maul zerreißen, aber mich mal kreuzweise
oder
b) ein Wandern auf den schlechten, dunklen Pfaden und wird in naher Zukunft verboten, denn man will ja schließlich die gute fachliche Praxis.


Unsere Nachbarn im Nordwesten haben das meiner Meinung nach gut gelöst.
Da bekommt man ein kleines Büchlein, wo drin steht, was man darf, was man nicht darf...und dann der Hinweis, dass man Fische, die entnommen werden, möglichst schnell tötet und Fische, die man nicht entnehmen möchte möglichst schonend zurücksetzt.
Neben den Vorschriften findet man da also den Hinweis auf den gesunden Menschenverstand.
Reicht eigentlich aus....



Und was ich persönlich für mich selbst als waidgerecht empfinde ist die Behandlung des Fisches, die ich aufgrund meiner Erziehung und gesellschaftlichen Prägung als richtig erachte.
Und da steckt ganz viel freie (weil meine eigene) Meinung drin.
__________________


Geändert von ronram (28.12.2017 um 08:55 Uhr)
ronram ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 28.12.2017, 08:52   #9
Thomas9904
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

schön differenziert.

Und den letzten Absatz find ich richtig geil!
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Alt 28.12.2017, 08:56   #10
Andal
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Standard AW: Gibts Waidgerechtigkeit beim Angeln? Meinung und Frage um Begriff und Inhalt

Ich frage mich, warum man sich ob einer doch recht eindeutigen Definition des Begriffes in winterlochfüllender Manier an den Kragen gehen muss?


"Waidgerechtigkeit oder Weidgerechtigkeit nennt man Verhaltensnormen, die einen Ehrenkodex für Jäger oder Angler darstellen sollen, aber auch rechtliche Bedeutung haben.

Die Waidgerechtigkeit umfasst die Hege des Wildes und der Fischbestände und den Verzicht auf bestimmte, als grausam geltende Jagd- und Angelmethoden. Diese Regeln sind nicht starr fixiert, sondern befinden sich in stetiger Weiterentwicklung. Heute wird in der Weidgerechtigkeit ein Vorläufer des modernen Tierschutzgedankens gesehen. ..."

https://de.wikipedia.org/wiki/Waidgerechtigkeit
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