Karpfen angeln ist eine Wissenschaft. Die Fische werden so richtig aktiv, wenn die Wassertemperaturen steigen. JRC-Teamangler Heiko Brüning wird der diesjährige Saisonstart noch lange in Erinerung bleiben.

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Heiko Brüning ist begeisterter Karpfenangler. Im Frühjahr legt er großen Wert darauf, den exakt richtigen Platz zu finden

Die erste Session in diesem Frühjahr wird wohl auch für mich nach über 40 Jahren Karpfenangeln unvergesslich bleiben. Das Wetter Ende März ist tagsüber herrlich warm. Mit mehr als sechs Sonnenstunden erwärmt sich das Wasser allmählich und die Unterwasserwelt kommt aus ihrem Winterschlaf zurück. Für die geplante viertägige Session wählte ich mir einen Baggersee mit einer Durchschnittstiefe von etwa drei Metern und einem guten Karpfenbestand aus. Am Wasser angekommen, baute ich zuerst mein Camp auf. In gewohnter Weise richte ich zuerst meine Angelliege am Boden aus. Das Defender Session Food Bag und meine beiden Carryalls schiebe ich platzsparend unter mein JRC Extreme TX2 Sleep System. Den Stealth Classic Brolly spanne ich erst zum Schluss über meine Liege und Taschen, das erleichtert mir den Aufbau.

Markern und Location
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Da an diesem See das Futter- und Schlauchboot verboten sind, kommt hier meine Markerrute zum Einsatz. Mein Set Up zum Markern besteht aus der Greys GT Marker Rod und einer Penn Affinity 8000 Rolle mit der X9 Fluro Braid in 0,14mm Durchmesser. Nach unzähligen Würfen mit der Marker Rute merkte ich schnell, dass hier leider nix außergewöhnliches an Bodenstruktur am Gewässergrund zu finden ist. Von meinem Angelplatz aus konnte ich einen Großteil der Wasseroberfläche einsehen und hielt Ausschau nach Wasserbewegungen, die mir vielleicht den einen oder anderen Fisch an der Oberfläche verraten würden. An einer von hier aus unerreichbaren Stelle im See habe ich schon während des Markerns immer auf derselben Stelle die eine oder andere Wasserbewegung an der Oberfläche ausgemacht.
Neugierig entschloss ich mich, nur mit der Markerrute bepackt, halb um den See zu laufen, um einen besseren Winkel und Entfernung zu der vielversprechenden Stelle zu bekommen. An der Stelle angekommen, war wieder Bewegung auf der Wasseroberfläche. Sofort warf ich den Marker auf die vermeintlich gute Stelle. Der erste Wurf war viel zu kurz und der Marker flog in den Clip von der ersten Angelstelle. Ich clippte die geflochtene Schnur aus und warf erneut mit mehr Druck in Richtung der Stelle. Der Marker flog und schlug auf ca. 100 Meter Entfernung an der gewünschten Stelle ein. Direkt nach dem Aufschlagen auf der Wasseroberflache stellte sich der Marker kurz auf und legte sich sofort auf die Seite. Mein erster Gedanke war, dass ich den Marker abgerissen hatte! Ich klappte den Bügel um und machte ein paar Kurbelumdrehungen, um Spannung aufzunehmen. Das Glück war auf meiner Seite und der Marker war nicht abgerissen. Dasselbe Spiel also nochmal. Wieder stellte sich der Marker sofort auf und legte sich gleich wieder auf die Seite. Tatsächlich habe ich eine extrem flache Stelle von ca. eineinhalb Meter Wassertiefe in knapp 100 Meter Entfernung gefunden. Nachdem ich den Platz noch mehrere Male angeworfen hatte, hatte ich ein gutes Gefühl und ging ich auf meinen gerade erst aufgebauten Angelplatz zurück. Ich wollte unbedingt wissen, wie weit die neue Stelle vom Ufer aus liegt. Hierzu lege ich meine Marker Rute immer auf den Boden und stecke die Marker Sticks am Ende des Griffteils und am Spitzenring der 12ft Rute in den Boden. So kann ich genau die Entfernung durch die Anzahl der Wicklungen zwischen den Sticks errechnen. Es waren exakt 27 Wicklungen je 3,60 Meter, also lag die neu gefundene Stelle auf 97 Meter Entfernung.



Platzwechsel und Futtertaktik
Für mich stand sofort fest, dass es sinnvoller war, die Angelstelle zu wechseln. Ich überlegte nicht lange, baute ab und verlud das Tackle und auf meinen Cocoon 2G Barrow Wide Wheel und zog um. Am neuen Platz angekommen, legte ich gleich mit dem Füttern los, um nicht weitere Zeit zu verlieren. Da der Spot in knapp 100 Meter Entfernung lag, konnte ich mit dem Boilierohr diese Stelle nicht gezielt erreichen. Ich fütterte einen Stick Mix mit ein paar ganzen und gecrushten Boilies mit der Spod Rod an. Hierfür verwende ich am liebsten die Greys GT Distance Spod Rute.
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Diese Rute hat genug Power und ist für extreme Würfe mit schweren Spombs einfach ideal. Als Rolle kommt auch hier die Penn Affinity 8000 und die Berkley X9 Braid zum Einsatz. Allerdings wähle ich die Schnur etwas dicker in 0,17mm, um die schweren Spombs, die zum Teil hart in den Clip fliegen, sicher zu stoppen. Ein paar 20mm Gorilla Banana Boilies schoss ich mit dem Boilierohr großflächig hinterher. Dieser gelbe, süßliche und leicht milchige Bananen Boilie ist meine erste Wahl im Frühjahr.
Die erste Montage beköderte ich mit zwei 15mm Boilies. Meine Montage platzierte ich links vom Marker auf dem Plateau in eineinhalb Meter Tiefe direkt auf dem Futterplatz. Mein Setup war hier die Greys GT2-50 in 12ft und 3,25lb. Als Rolle kam die neue Penn Affinity II LC 7000 Carbon mit einer Berkley Connect CM 90 in 0,30mm zum Einsatz.

Die zweite Rute fischte ich mit einem Schneemann aus einem 15mm Bodenköder und einem gelben Pop Up. Diese Montage legte ich etwas abseits und kürzer in 2,60 Meter Wassertiefe vom Futterplatz ab. Meine Erfahrung in den letzten Jahren zeigt mir, dass es sinnvoll ist, immer eine Montage etwas kürzer und eine genau auf den Punkt zu füttern. Ich clippe dazu nicht immer neu ein, sondern gehe einfach unabhängig, ob ich spodde oder meine Montagen werfe, entweder 2 Schritte näher Richtung Wasser oder 2 Schritte am Ufer rückwärts.

Der Bissanzeiger im Dauerton
Nachdem die Montagen für mein Gefühl gut lagen, holte ich den Marker ein. Noch während ich das Camp an der neuen Stelle erneut aufbaute, meldete sich mein Radar CX mit einem herrlichen Dauerton auf der tiefer gelegenen Rute. Nach kurzem Drill an der Greys GT2 schob ich den Kescher unter den Fisch. Ein herrlich gefärbter Spiegler lag vor mir im Netz. Ich staunte nicht schlecht, als der Zeiger der Waage bei mehr als 20 Kilogramm stehen blieb. An diesem Tag und in der folgenden Nacht passierte nichts mehr. Am nächsten Morgen fütterte ich nur ein paar 20 Millimeter Boilies mit dem Extreme TX Throwing Stick nach. Ich verzichtete bewusst auf das laute Aufschlagen der Spomb, um dem Platz etwas Ruhe zu gönnen. Ich wartete bei Kaffee, Rührei und einem beeindruckenden Sonnenaufgang auf den nächsten Biss.


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Der erste Karpfen am neuen Platz knackte gleich die 40Pfund-Marke

Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten. Diesmal war es die kurze Rute, die auf dem Plateau lag und mir einen wilden Schuppi bescherte. Leider war wie immer die Session wieder viel zu schnell zu Ende. Zwei schöne Fische im Frühjahr hatte ich auf der Haben-Seite. Ich war merklich zufrieden und machte mich schon langsam ans Zusammenpacken. Am frühen Mittag wollte ich zu Hause sein, das war zumindest mein Plan.

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Wenn es so gut läuft, ist es verständlich, dass Heiko seinen Angeltrip verlängert

Wieder meldete sich die kurze Rute mit ein paar vereinzelten Tönen aus dem Bissanzeiger. Ich stellte mich neben die Rute und sah wie der Swinger sich etwas rauf und runter bewegt. Gerade, als ich die Rute in die Hand nehmen wollte, spannte sich die Schnur und der Radar sang im Dauerton. Ein halbstarker, gut genährter Spiegler mit tollen Farben lag vor mir im Netz. Sichtlich happy hielt ich ihn in die Kamera.
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Heiko verwendet je nach Einsatz geflochten von 0,14 oder 0,17 mm Stärke. Eine stabile Rolle ist Pflicht

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Der krönende Abschluss einer tollen Session. Heiko konnte am Schluss noch einen richtig dicken Spiegler fangen

Nach diesem Fisch entschloss ich, doch noch bis zum Nachmittag zu bleiben. Ich beköderte neu und warf die Montage wieder zurück auf die Stelle. Nach einer weiteren Stunde gönnte ich mir noch einen Kaffee und packte weiter alles gemächlich zusammen. Und wieder meldete sich der Bissanzeiger mit einem Dauerton. Gleich nachdem ich die Rute aufgenommen hatte, kam der Fisch an die Oberfläche und Schwamm quer. Der Fisch zog zielstrebig auf der gesamten Länge und an der Oberfläche quer in Richtung Ufer. Ich hatte Mühe, die Wathose mit einer Hand anzuziehen und den Druck auf den Fisch nicht zu verlieren. Ich stand bis zur Brust im Wasser und gewann Meter um Meter Schnur und dirigierte den Fisch in meine Richtung weg von den Büschen und dem Totholz. Als ich das X-Lite Landing Net unter den Fisch schieben konnte, war ich sehr happy. Der krönende Abschluss! Der herrlich gefärbte Spiegler brachte 23,6 Kilogramm auf die Waage und mich zum Dauergrinsen. Die Arbeit, das Füttern und der Platzwechsel wurden mehr als belohnt. Vier herrliche Karpfen im zeitigen Frühjahr ließen mich glücklich nach Hause fahren.

Ich wünsche Euch viel Erfolg am Wasser und bleibt alle gesund

Viele Grüße, Euer Heiko Brüning