In der zentralschwedischen Region Jämtland liegt ein Raubfischrevier der Superlative: der sagenumwobene See Lesjön und seine Zuflüsse. Christian Siegler und eine Handvoll mutiger Angler erlebten ein fischreiches Angelabenteuer.

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Einmalige Gewässer in Schweden - hier der großer Hechtfluss Rörströmsälven

Unberührte Natur, einsame Gewässer und wilde Fische – genau das lässt wohl jedes Anglerherz höherschlagen. Gerne spricht man bei solchen Bedingungen auch vom Kanada-Feeling. Dass wir dafür allerdings nicht die Reise über den großen Teich antreten müssen, beweist ein klasse Angelrevier in Zentralschweden. Im Norden Jämtlands liegt der knapp 600 Hektar große See Lesjön mit seinem Zufluss, dem Rörströmsälven. Alleine diese beiden Gewässer sind schon eine Reise wert, doch die Region bietet noch viel mehr.

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Rentiere konnten wir etliche beobachten. Teilweise ganz nah.


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Hechte stehen im ganzen Fluss verteilt

Gewässer ohne Ende
Immer schmaler werden die Straßen, immer dichter der Wald. Schon während der Anreise merken wir, dass wir die Zivilisation weitestgehend hinter uns lassen und eintauchen in eine unberührte, wilde Natur. Vorbei am riesigen Vänern führt uns unser Weg tief in die schwedische Wildnis. Nach über 20 Stunden Autofahrt kommen wir im Rörströmsälven Fishing & Outdoor Camp an und werden vom netten Besitzer Steiner Mårtensson mit einem deftigen Elchgulasch empfangen. „So kann ein Angeltrip beginnen“, denke ich mir. Durch die Fenster des urigen Speisesaals sehe ich schon das funkelnde Wasser des Lesjöns und entdecke den Bootssteg – perfekte Bedingungen! Nachdem uns Steiner, der übrigens auch gut deutsch und englisch spricht, in die Angelei der Region einweist, merken wir schnell, dass unsere zehn Tage kaum ausreichen, um wirklich alles zu entdecken. Denn neben dem großen Lesjön mit seinem ausgezeichneten Hecht- und Barschbestand und dem Fluss Rörströmsälven mit schnell fließenden Forellen- und Äschenbereichen und langsam strömenden, breiten Räuberrevieren gibt es noch viele weitere Gewässer mit Arktischen Saiblingen und Bachforellen. Wo fängt man da nur an?

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Gut für Äschen und Bachforellen

Top am Fluss
Am ersten Angeltag beschließen wir, den großen Fluss zu erkunden. Die langsam fließenden Abschnitte sind mit Booten befahrbar und wecken unser Interesse. Im Morgengrauen schiebt der kleine Motor unseren Kahn stromauf und vor uns liegt die pure Wildnis. Kein Mensch weit und breit. Wir sind alleine am Wasser – wer träumt denn nicht davon? Am Ufer sehen wir etliche Rentiere und sind schwer beeindruckt. Der cirka sechs Kilometer lange Flussabschnitt wird von rauschenden Stromschnellen begrenzt, die mit dem Boot nicht passierbar sind. Unser Ziel ist die nördliche Begrenzung – von hier aus wollen wir uns langsam flussabwärts treiben lassen. Die Ufer sind von breiten Schilfgürteln gesäumt. Immer wieder zweigen kleine Buchten und Altarme vom Hauptstrom ab. Hier riecht es förmlich nach Raubfisch. Schon nach wenigen Würfen fangen wir die ersten Hechte. Schnell merken wir, dass die Räuber hauptsächlich in den Seerosenfeldern aus der Deckung heraus jagen. Also wechseln wir zu Topwater-Köder oder Spinnerbaits und erleben eine Angelei der Extraklasse. Die Bisse und Verfolgungsjagden auf Sicht treiben den Puls in die Höhe. Hechte bis knapp an die Metermarke, etliche Barsche und sogar große Alande attackieren hier am Fluss unsere Köder. Alleine an diesem Revier hätten wir gut und gerne durchgefischt, doch es wartet noch viel mehr!

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Ein guter Hecht für Christian

Ein See zum Verlieben
Am selben Abend hält uns nichts mehr im Ferienhaus. Wir sind zwar noch fertig von der langen Autofahrt und der ersten Angeltour am Fluss, doch der See direkt vor der Tür ist einfach zu verlockend. Kurzentschlossen raffen wir unsere Siebensachen zusammen und sitzen im Boot. Der 600 Hektar große Lesjön zeigt sich von seiner wunderschönen, wilden Seite. Nicht nur die Uferabschnitte mit großen Seerosenfeldern sind interessante Hotspots, auch Flusseinläufe und viele Plateaus, Kanten oder Rinnen mitten auf dem See versprechen gute Angelbedingungen. Schon an diesem ersten Abend locken wir einige Räuber aus den Seerosenfeldern. Dass der Lesjön aber mehr kann, zeigt er an den kommenden Tagen. Innerhalb weniger Stunden gelingt es uns, unzählige Barsche zu fangen. An den steilen Unterwasserkanten sammeln sich die Stachelritter und nehmen dankend unsere Tailspinner und Zocker. Exemplare über 40 Zentimeter sind hier keine Seltenheit. Immer wieder mischen sich auch gute Hechte unter das wilde Treiben. Ich muss es jetzt einfach so sagen: Wir fingen uns dumm und dusselig! Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass wir auf dem Lesjön nicht einen weiteren Angler sahen! Von Befischungsdruck kann hier wirklich nicht die Rede sein.

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Fetter Barsch aus dem Lesjön

Abwechslung mit Fettflosse
Neben den Räubern stand ein anderer Zielfisch ganz oben auf unserer Liste: der Arktische Saibling. Die farbenfrohen Salmoniden tummeln sich in einigen kleinen Seen, nicht weit entfernt des Camps. Einen halben Tag hielten wir uns dafür frei. Mitten im schwedischen Nirgendwo liegt der See Lomtjärn. Recht unscheinbar kommt das Gewässer daher und auch hier begegnen wir keiner Menschenseele! Doch auch die Arktischen Saiblinge machen sich im schwedischen Sommer rar und beißen eigentlich eher in der kalten Jahreszeit beim Eisangeln. Große Hoffnung haben wir nicht. Nachdem einige Bachforellen lustlos meinen Wobbler verfolgten, montiere ich einen kleinen Zocker, mit dem ich den Grund weit draußen abklopfe. „Vielleicht hängt sich ja einer ein“, hoffe ich. Schon nach wenigen Würfen bemerke ich beim Anlupfen des kleinen Bleifischchens einen dumpfen Schlag in der Spinnrute. „Was da jetzt im Tiefen kämpft, kann doch nur mein Zielfisch sein“, schießt es mir durch den Kopf. Nervös versuche ich den Kämpfer vom Grund zu lösen, da vor mir viele Äste im flachen Wasser liegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit taucht wirklich ein bunt gefärbter Saibling vor mir auf und mir rutscht das Herz in die Hose. „Das muss jetzt aber auf Anhieb klappen“, denke ich, während ich mit zittrigen Händen nach dem Kescher im hohen Gras stochere. Sekunden später halte ich einen knapp 50 Zentimeter großen „Arktischen“ in den Händen und freue mir ein Loch in den Bauch! Nach ein paar weiteren Würfen höre ich auf zu angeln und genieße nur noch den Moment. Was soll denn jetzt noch kommen?

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Zielfisch! Christian freut sich über einen Saibling


Ach ja, eine große Äsche vielleicht. Wie gesagt: Möglichkeiten ohne Ende! Um es kurz zu machen – auch diesen Fisch verbuchen wir in unserer Fangstatistik. Die Fliegenfischerei an den schnell strömenden Abschnitten des Rörströmsälven ist allerdings ziemlich anspruchsvoll. Große Steinblöcke und Felsen, die rauschende Strömung und schlaue Äschen verlangen uns alles ab. Wer also echte Abenteuer an wilden Flüssen und einsamen Seen liebt, ist im Rörströmsälven Fishing & Outdoor Camp am Lesjön genau richtig!

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Tolle Äsche aus dem Fluss

Tacklebox für Schweden

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Klassische Hecht- und Barschköder nicht vergessen!

Für Hecht:
  • klassische Spinnausrüstung mit Ruten von 2,10 bis 2,70 Metern und Wurfgewichten von 20 bis 100 Gramm
  • Schleppausrüstung und Echolot machen am großen Lesjön auf jeden Fall Sinn
  • Topköder: kleinere Gummifische von 10 bis 15 Zentimetern, flach laufende Wobbler, Spinnerbaits und Oberflächenköder wie Popper und Frösche
Für Barsch, Forelle und Saibling:
  • leichte Spinn-Combos mit Wurfgewichten von 5 bis 25 Gramm
  • Topköder: Tailspinner, Zocker, kleine Wobbler und Gummifische bis sieben Zentimeter
Für Fliegenfischer:
  • Fliegencombos der Klasse #5 für Forellen und Äsche
  • Topmuster: schwere Nymphen mit orangenem Farbton
  • für Hecht eignen sich Rutenmodelle der Klasse #9 bis #10
  • Topköder: große Streamer in schwarz oder orange


Infos zum Uraub
Euren Urlaub im Rörströmsälven Fishing & Outdoor Camp könnt Ihr bei Sportreisen Teltow buchen:
Tel. (04131)409 01 80, E-Mail: info@sportreisen-teltow.de Internet: www.angelreisen-teltow.de

Unterkünfte und Boote
Ihr werdet in urigen und gemütlichen Holzhäusern direkt am Lesjön untergebracht. Je nach Personenzahl stehen unterschiedlich große und komplett mit Küche, Bad und WC ausgestattete Häuser mit TV und Wifi zur Verfügung. Neue Aluminiumboote mit modernen und führerscheinfreien Motoren liegen am Steg direkt an der Anlage bereit.
Preis (ohne Anreise)
Ein Ferienhaus für vier Personen inklusive Strom-, Wasser- und Heizkosten, Endreinigung, Bettwäsche und Handtücher gibt’s für eine Woche ab 742 Euro. Ein Boot (inklusive zwölf Liter Benzin) kostet 269 Euro pro Woche.

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Boote sind ausreichend vorhanden und gut ausgestattet

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Das große Haupthaus der Anlage


Anreise
Die einfachste Anreise ist ein Flug nach Östersund. Für die restlichen 186 Kilometer zum Camp wird ein Transfer (40 Euro pro Person) oder ein Leihwagen organisiert. Bei einer Anreise mit dem Pkw beträgt die Entfernung ab Malmö zirka 1.200 Kilometer. Flüge, Leihwagen oder Fährverbindungen werden auf Anfrage durch Sportreisen Teltow organisiert.
Angelkarten und Bedingungen
Eine Lizenz für die Gewässer der Region erhaltet Ihr direkt im Camp (Preis: 32 Euro pro Woche oder 5 Euro pro Tag). Ein Guide kann für 27 Euro pro Stunde gebucht werden.
Die Angelei am Lesjön ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Deshalb dürfen pro Tag nur ein Hecht mit 50 bis 75 Zentimetern und maximal drei Barsche bis 40 Zentimeter entnommen werden. In einer Woche gilt eine maximale Entnahme von zwei Hechten und zehn Barschen pro Angler. Die Angelei mit lebenden Köderfischen ist verboten.
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