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Alt 07.03.2018, 10:36   #1
Christian.Siegler
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Standard Übersetzung von Angelrollen




Was für eine Auswirkung hat eigentlich die Übersetzung von Angelrollen auf unsere Angelei? Beeinflusst sie die Methoden und Führungsweise der Köder? Antworten auf diese Frage findet Ihr hier:

Die Wahl der richtigen Rute hängt ja von Länge, Wurfgewicht und Aktion ab. Diese Eigenschaften müssen zur Angelmethode passen. Es gibt einige Rutenmodelle, die genau auf eine ganz bestimmte Technik zugeschnitten und nach dieser benannt sind, zum Beispiel Gummifisch- oder Twitch-Ruten. All diese Informationen finden wir häufig schon auf dem Blank – das macht uns die Entscheidung recht einfach.
Aber bei der Rollenwahl stellen sich viele Angler meist die falschen Fragen: Wie viele Kugellager hat die Rolle? Welche Farbe oder Größe passt zu meiner Rute? Sicher muss die Rollengröße zur Angelart passen – wir wollen ja schließlich nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Aber viel wichtiger für eine perfekte Köderpräsentation und dadurch unmittelbar entscheidend für den Fangerfolg sind ganz andere Faktoren.

Übersetzungsfrage

Die Übersetzung der Rolle und ihr Schnureinzug sind dafür verantwortlich, wie schnell und weit sich unsere Köder mit einer Kurbelumdrehung bewegen – ein wichtiger Aspekt, der über Misserfolg oder Sternstunde entscheiden kann, der jedoch häufig vernachlässigt wird! Dass die Übersetzung das Verhältnis der Spulenumdrehung bei Multis (Rotorumdrehung bei Stationären) zur Kurbelumdrehung angibt, dürfte den meisten klar sein. Bei einer Übersetzung von 5:1 dreht sich die Spule der Multirolle genau fünf Mal bei einer Kurbelumdrehung. Aber wusstet Ihr, dass auch der Spulendurchmesser Auswirkung darauf hat, wie viel Schnur mit einer Kurbelumdrehung eingezogen wird? Rollen mit großem Spulendurchmesser nehmen bei gleicher Übersetzung mehr Schnur auf als solche mit kleinem Spulendurchmesser. Aus diesem Grund geben viele Rollenhersteller mittlerweile den Schnureinzug pro Kurbelumdrehung mit an. Eine hohe Übersetzung ist also kein Garant für einen hohen Schnureinzug! Wie sich die Übersetzung und der Spulendurchmesser auf den Schnureinzug auswirken, könnt Ihr dem Tabellen (unter dem Text) entnehmen. Das Wissen darüber ist fangentscheidend, denn stellt Euch mal vor, Ihr angelt mit hoch übersetzten Rollen und riesigem Schnureinzug auf faule, träge Winterzander. Keine gute Kombination, oder? Und es gibt nichts Nervigeres, als sich bei jeder Kurbelumdrehung konzentrieren zu müssen, um den Köder nicht zu schnell zu führen. Andersherum ist es unglaublich ermüdend, seine Topwaterbaits mit Vollgas über die Wasseroberfläche zu führen, um einen Rapfen zu reizen, mit einer Rolle, die nur wenig Schnur einzieht und langsam arbeitet. Ihr merkt schon – bei der Rollenwahl kommt es ganz auf die Angelart an.



Die Richtige finden

Um Euch einen Anhaltspunkt und ein wenig Sicherheit beim Kauf einer neuen Rolle zu geben, habe ich einen Leitfaden mit unterschiedlichen Übersetzungen und den dazu passenden Ködern beziehungsweise Methoden zusammengestellt:

Niedrige Übersetzung (3,8:1 bis 4,8:1) und/oder geringer Schnureinzug
  • große, schwere Spinnerbaits
  • tieflaufende Crankbaits
  • große Swim- und Jerkbaits
  • langsame Köderführung im Winter
Niedrige Übersetzung und geringer Schnureinzug sind ideal für große Köder, die ordentlich Druck unter Wasser ausüben. Die Kraftübertragung ist durch ein höheres Drehmoment (Drehkraft) besser, wodurch sich die Rolle viel leichter kurbeln lässt. Ihr könnt Eure Bigbaits deutlich länger ermüdungsfrei fischen. Konstruktionsbedingt stecken die langsamen Rollen schwere Köder besser weg als hoch übersetzte Modelle, die bei hoher Belastung schnell in die Knie gehen. Außerdem haben Rollen mit geringer Übersetzung die stärksten Bremsen auf dem Markt und sind somit absolut großfischtauglich. Sie eignen sich auch wunderbar, um im kalten Winterwasser Kunstköder (besonders sinkende Swimbaits) langsam zu präsentieren und sie besser in der gewünschten Gewässertiefe zu halten.

Mittlere Übersetzung (5,0:1 bis 5,8:1) und/oder durchschnittlicher Schnureinzug
  • flachlaufende, kleinere Crankbaits
  • leichte, flachlaufende Spinnerbaits
  • Twitchbaits
  • Finesse-Techniken (Texas-, Carolina-Rig)
Rollen mit einer mittleren Übersetzung sind Allrounder und Ihr könnt sie für fast alle Angelarten einsetzen. Ob kleine Crankbaits oder Texas-Rig – mit einer mittleren Übersetzung liegt Ihr fast immer richtig. Ihr könnt die Köder schnell genug führen, um Reaktionsbisse von aggressiven Räuber zu kassieren, aber auch langsam genug, um nicht zu schnell aus dem Gesichtsfeld der Fische zu verschwinden. Ich verwende diese Rollen sehr gerne zum Twitchen. Die Wobbler können schnell genug präsentiert werden und der beim Twitchen wichtige, kleine Schnurbogen ist nicht zu schnell wieder aufgespult.

Hohe Übersetzung (ab 6,0:1) und/oder großer Schnureinzug
  • Jiggen und Faulenzen
  • Topwater
  • Lippless Cranks (Wobbler ohne Tauchschaufel)
Hoch übersetzte Rollen haben ein sehr niedriges Drehmoment und lassen sich schwerer kurbeln als Rollen mit niedriger Übersetzung, weshalb sie für kleinere Köder, die wenig Druck machen (zum Beispiel kleine Gummifische oder Würmer), geeignet sind. Eine hohe Übersetzung ist oft dann sinnvoll, wenn wir unsere Köder mit der Rute animieren und Schnurbögen vermeiden müssen. Besonders beim schnellen Jiggen ist das der Fall. Der dabei entstehende Schnurbogen muss rasch wieder eingeholt werden, um einen möglichen Biss auch zu bemerken und den Haken sicher zu setzen. Beim Faulenzen bewirkt eine schnelle Übersetzung, dass der Gummifisch mit einem steileren Sprung vom Grund abhebt, was zu deutlich weniger Hängern führt. Auch beim Highspeed-Topwater-Angeln auf Rapfen oder beim Forellenangeln in schnell fließenden Bächen ist eine hohe Übersetzung Gold wert. Außerdem ist sie an hängerträchtigen Spots hilfreich, um einen gehakten Fisch schnell von Hindernissen weg zu führen. Auch beim Schleppen spielen diese Rollen ihre Vorzüge aus. Wenn das Boot im Drill auf den Fisch zu driftet und wir den Kontakt halten müssen, gelingt uns das mit einer hohen Übersetzung deutlich besser.

WICHTIG!!!

Es ist mit den Übersetzungen oft wie mit Köderfarben – die Eine, immer richtige, gibt es nicht! Ihr könnt mit einer Rolle, die eine Übersetzung von 5,0:1 hat, sämtliche Köder und Methoden fischen. Aber ist eine Rolle mit einer Übersetzung von 6,0:1 besser fürs Topwatern? Meiner Meinung nach ja.
Rollen sind Werkzeuge – man braucht mehrere, um wirklich flexibel zu sein. Letztlich entscheiden auch die persönlichen Vorlieben – diese gilt es herauszufinden! In diesem Sinne, viel Spaß beim Übersetzen und viel Erfolg beim nächsten Rollenkauf.


Beispiele für unterschiedliche Übersetzungen mit entsprechenden Schnureinzügen (Durchschnittswerte) bei gleicher Spulengröße
Spulengröße Übersetzung Schnureinzug
2500 4.6:1 65 cm
2500 5.0:1 72 cm
2500 6.0:1 88 cm

Beispiele für gleiche Übersetzungen mit entsprechenden Schnureinzügen (Durchschnittswerte) bei unterschiedlicher Spulengröße
Spulengröße Übersetzung Schnureinzug
1000 4.6:1 56 cm
2500 4.6:1 65 cm
4000 4.6:1 72 cm
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Christian.Siegler ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 07.03.2018, 10:57   #2
Leech
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Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Sehr schöner Beitrag, Christian.

Mir persönlich ist die Übersetzung der Rollen größtenteils egal.
Ich habe mich so eingearbeitet, dass ich im Handknochen ungefähr weiß wie schnell ich welche Rolle einkurbeln muss, um einen bestimmten Effekt zu erhalten.
Mag sein, dass da auch mein Darts-Feingefühl mit rein spielt.

Denn das Werkzeug ist ohne den Handhabenden nichts wert.
Leech ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.03.2018, 11:03   #3
Christian.Siegler
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Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Danke Leech.
Ich achte da schon immer ein bisschen drauf.
Viele Jahre fischte ich an kleinen Bächen eine Rolle mit 5:1
Nachdem diese Rolle fertig war kam ne neue - mit 6:1 und ich kam erstmal gar nicht mehr klar. Das schwere Ankurbeln durch die hohe Übersetzung und der größere Schnureinzug sorgten für Orientierungslosigkeit am Bach
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Alt 07.03.2018, 12:14   #4
Rotbart
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Beiträge: 251
Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Zitat:
Zitat von Christian.Siegler Beitrag anzeigen
Aber wusstet Ihr, dass auch der Spulendurchmesser Auswirkung darauf hat, wie viel Schnur mit einer Kurbelumdrehung eingezogen wird? Rollen mit großem Spulendurchmesser nehmen bei gleicher Übersetzung mehr Schnur auf als solche mit kleinem Spulendurchmesser.
Streng genommen verändert sich der Schnureinzug durch eben genannten Spulendurchmesser bei jedem Einholen - ist die Spule noch "halb leer" wird weniger Schnur eingezogen (da geringerer Spulendurchmesser), als auf den letzten Metern, wenn die Spule schon "fast voll" ist (da höherer Spulendurchmesser).

Aber ob derartige Feinheiten in der Praxis noch eine Rolle spielen? Zumindest auf dem Niveau, auf dem ich angle, sicherlich nicht. Wenn es auf alle Nouancen ankommt, vielleicht.
__________________
Angeln - das ist Scheitern auf höchstem Niveau.
Rotbart ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.03.2018, 12:45   #5
Leech
Mitglied
 
Dabei seit: 08.2017
Beiträge: 478
Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Zitat:
Zitat von Christian.Siegler Beitrag anzeigen
Danke Leech.
Ich achte da schon immer ein bisschen drauf.
Viele Jahre fischte ich an kleinen Bächen eine Rolle mit 5:1
Nachdem diese Rolle fertig war kam ne neue - mit 6:1 und ich kam erstmal gar nicht mehr klar. Das schwere Ankurbeln durch die hohe Übersetzung und der größere Schnureinzug sorgten für Orientierungslosigkeit am Bach
Naja, wie der Rotbart schon sagt - der Schnurdurchmesser verändert sich theoretisch permanent mit der Menge der Schnur die aufliegt.
Auge-Hand-Koordination ist da eine Sache. Tatsächlich werfe ich dann teilweise bei einer neuen Rolle gewohnte Ködermasse aus (ohne Haken), um die Laufeigenschaft der neuen Rolle zu verinnerlichen.
Die Leute gucken mich teilweise dumm an, wenn ich vorm Kauf einer Rolle erstmal ein Beispielexemplar in die Hand nehme und 5 Minuten daran herumkurbele. Aber mein Verkäufer vor Ort hat sich dran gewöhnt.
Leech ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.03.2018, 13:31   #6
Christian.Siegler
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Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Ja, das spielt mit Sicherheit auch eine Rolle.
Aber diesen Effekt hat man ja mit jeder Rolle - egal welche Übersetzung/Spulendurchmesser.
Unterschiede gibt es aber auch da. Bei extrem langen Spulen (in der Höhe gemessen) ist dieser Effekt deutlich geringer, als bei gedrungenen Spulen. Da hier die Schnur ja auf einer viel kleineren Fläche verlegt wird und somit der Durchmesser beim Wurf stärker abnimmt...
Ja, das ist ne Wissenschaft für sich. Aber ich glaube mit den Kennwerten "Übersetzung" und "Schnureinzug" ist man in der Regel schon gut bedient...
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Christian.Siegler ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 07.03.2018, 13:33   #7
Leech
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Dabei seit: 08.2017
Beiträge: 478
Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Zitat:
Zitat von Christian.Siegler Beitrag anzeigen
Ja, das spielt mit Sicherheit auch eine Rolle.
Aber diesen Effekt hat man ja mit jeder Rolle - egal welche Übersetzung/Spulendurchmesser.
Unterschiede gibt es aber auch da. Bei extrem langen Spulen (in der Höhe gemessen) ist dieser Effekt deutlich geringer, als bei gedrungenen Spulen. Da hier die Schnur ja auf einer viel kleineren Fläche verlegt wird und somit der Durchmesser beim Wurf stärker abnimmt...
Ja, das ist ne Wissenschaft für sich. Aber ich glaube mit den Kennwerten "Übersetzung" und "Schnureinzug" ist man in der Regel schon gut bedient...
Sind übergreifend auch vermutlich die simpelsten Anfänge. Alles andere ist dann eine Spezifizierung im Einzelfall.
Leech ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.03.2018, 18:05   #8
SigmundFreud
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Alter: 30
Beiträge: 151
Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Zitat:
Zitat von Christian.Siegler Beitrag anzeigen
[...] Rollen mit großem Spulendurchmesser nehmen bei gleicher Übersetzung mehr Schnur auf als solche mit kleinem Spulendurchmesser. Aus diesem Grund geben viele Rollenhersteller mittlerweile den Schnureinzug pro Kurbelumdrehung mit an. [...]
Versteh mich nicht falsch. Aber wenn du sagst, dass die Übersetzung kein Maß für den Schnureinzug ist, aber eben der Schnureinzug ein Maß für die Methode ist, dann kann ich doch von der Übersetzung her keine ideale Methode oder Köder empfehlen. Wäre dann nicht eine Staffelung nach Schnureinzug zielführender für diese Überlegung?
SigmundFreud ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.03.2018, 18:47   #9
Bilch
Mitglied
 
Dabei seit: 07.2017
Alter: 39
Beiträge: 115
Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Zitat:
Zitat von SigmundFreud Beitrag anzeigen
Versteh mich nicht falsch. Aber wenn du sagst, dass die Übersetzung kein Maß für den Schnureinzug ist, aber eben der Schnureinzug ein Maß für die Methode ist, dann kann ich doch von der Übersetzung her keine ideale Methode oder Köder empfehlen. Wäre dann nicht eine Staffelung nach Schnureinzug zielführender für diese Überlegung?
Genau! Denn eine kleine Rolle mit 6:1 Übersetzung kann weniger Einzug haben als eine größere mit z.B. 5:1.
Bilch ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.03.2018, 20:41   #10
Christian.Siegler
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Benutzerbild von Christian.Siegler
 
Dabei seit: 02.2018
Beiträge: 461
Themenstarter Themenstarter
Standard AW: Übersetzung von Angelrollen

Stimmt. Dafür hab ich auch noch zwei Übersichten:
Darin kann man nochnmal schön den Zusammenhang zwischen Spulengröße und Übersetzung sehen(hatte ich oben im Text vergessen und jetzt da auch noch angefügt)

Beispiele für unterschiedliche Übersetzungen mit entsprechenden Schnureinzügen (Durchschnittswerte) bei gleicher Spulengröße
Spulengröße Übersetzung Schnureinzug
2500 4.6:1 65 cm
2500 5.0:1 72 cm
2500 6.0:1 88 cm

Beispiele für gleiche Übersetzungen mit entsprechenden Schnureinzügen (Durchschnittswerte) bei unterschiedlicher Spulengröße
Spulengröße Übersetzung Schnureinzug
1000 4.6:1 56 cm
2500 4.6:1 65 cm
4000 4.6:1 72 cm
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Christian.Siegler ist offline   Mit Zitat antworten
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