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Alt 02.03.2018, 09:56   #1
Christian.Siegler
Administrator
 
Benutzerbild von Christian.Siegler
 
Dabei seit: 02.2018
Beiträge: 643
Standard Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wollen






Olaf Lindner ist seit April 2017 Pressesprecher des DAFV. Wir sprachen mit ihm über die schweren Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber.


Olaf Lindner,
Pressesprecher des DAFV



Georg Baumann (GB): Der Fischereiverband Saar hat seinen Austritt erklärt. Der Präsident Andreas Schneiderlöchner wirft dem DAFV schwere Versäumnisse vor. Auch in anderen Mitgliedsverbänden gärt es. Wieso kriegen Sie keine Ruhe in die eigenen Reihen?

Olaf Lindner (OL): Hr. Schneiderlöchner hat im Rahmen der letzten Jahreshauptversammlung seine Vorstellungen und sein Programm für die Verbandsarbeit beim DAFV vorgelegt und sich damit gegen die amtierende Präsidentin zur Wahl gestellt. Die Delegierten der Mitgliedsverbände haben Frau Dr. Happach-Kasan mit großer Mehrheit erneut zur Präsidentin gewählt. Ende des Jahres hat der Fischereiverband Saar dann die Kündigung beim DAFV eingereicht. Die Delegierten der Mitgliedsverbände waren augenscheinlich nicht von seinem Konzept überzeugt.

GB: Das ist aber keine Antwort auf die Frage. Wollen Sie tatsächlich behaupten, die Stimmung in den Mitgliedsverbänden sei gut?

OL: Es gibt immer welche, die Unzufriedenheit äußern. Andere sehen die positive Entwicklung. Wir haben derzeit viele Projekt in der Pipeline, die etwas Zeit brauchen. Ich bin optimistisch, dass wir damit nach und nach durch inhaltliche Arbeit überzeugen.

GB: Andreas Schneiderlöchner bemängelt eine verfehlte Personalpolitik des DAFV. Sowohl der Geschäftsführer Alexander Seggelke und Olaf Lindner seien keine Profis auf ihrem Gebiet und bräuchten viel zu lange, um sich einzuarbeiten. War der Verband zu geizig, um echte Experten zu engagieren?

OL: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiterentwickeln wollen. Ich war lange Jahre Vorstand in einem großen Angelverein, habe für 13.000 Angler am Bodensee in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft gearbeitet, danach im Landesfischereiverband Baden-Württemberg und bin jetzt beim Bundesverband. Wir krempeln der DAFV derzeit in vielen Bereichen um. Neue IT-Systeme, neue Webseite, neue Verbandszeitschrift. Zeitnahe Pressemitteilungen zu allen relevanten Themen. Wir arbeiten an einem umfassenden Versicherungspaket, führen gerade einen einheitlichen und maschinenlesbaren Verbandsausweis ein. Die direkte Dienstleistung soll viel mehr in den Vordergrund gerückt werden. Dazu arbeiten wir mit führenden Wissenschaftlern an zeitgemäßen Positionen, um der Politik die Bedeutung und den Stellenwert der Angelfischerei nahezubringen. Wir vertreten die Interessen der Angler in verschiedensten Gremien, auf Veranstaltungen und Messen und gegenüber der Politik in Berlin/Bonn und Brüssel. Auch Ihre Medien haben einige unserer Arbeiten veröffentlicht.
Wir sind selber begeisterte Angler. 2011 habe ich mich selbst im Rahmen meiner Freizeit im Anglerboard angemeldet und war wohl einer der wenigen Verbandsvertreter, der sich öffentlich in diese „Höhle des Löwen“ gewagt hat. Das kann jeder gerne selber nachlesen. Wir nehmen die Kritik ernst. Es ist bestimmt nicht alles falsch, was da vorgetragen wird, auch wenn der Umgangston schon sehr rau ist. Aber ich habe damit kein Problem.

GB: Aber es muss Sie doch nachdenklich stimmen, dass an der Küste eine Initiative von Ehrenamtlern – Stichwort „Anglerdemo“ - mehr bewegt als die etablierten Verbände mit bezahlten Vollzeitkräften. Wenn diese Initiative sich dann vom DAFV im Stich gelassen fühlt, ist das doch ein Zeichen, dass etwas grundlegend schief läuft. Woran liegt es, dass es eine flächendeckende Unzufriedenheit mit der Arbeit des DAFV gibt?

OL: Wir freuen uns über alle Initiativen, die den Interessen der Angler nützen und wir haben uns wie viele andere auch an der Anglerdemo beteiligt. Wir haben uns da nie negativ geäußert und stehen in Kontakt mit den Kollegen. Der starke Auftritt von unserer Präsidentin Fr. Dr. Happach-Kasan bei der Podiumsdiskussion im Vorfeld der Anglerdemo wurde von vielen Anglern ausdrücklich gewürdigt. Ein aktueller Beitrag im Anglerboard lautet: „Die Vielfalt der Angler und des Angelns - Miteinander statt gegeneinander“. Wenn wir Angler uns weniger gegenseitig demontieren und unsere Kräfte vereinen, könnten wir vermutlich viel mehr erreichen. Wir haben gegenüber der EU ein Positionspapier zu Angelverboten in Schutzgebieten verfasst und in mehreren Initiativen gegen die ideologisch begründete Verbotspolitik klar und deutlich Stellung bezogen, nicht zuletzt mit dem offenen Brief an Frau Merkel. Dass Frau Hendricks die unbegründete Verordnung still und heimlich zwei Tage vor der Bundestagswahl unterzeichnet, konnte keiner verhindern. Wir wurden da alle zusammen über den Tisch gezogen. Dazu hat unsere Präsidentin im Nachgang auch noch einen vielbeachteten Kommentar verfasst.

GB: Die mangelnde Teilnahme an Referententreffen und auch auf der Hauptversammlung deuten darauf hin, dass selbst die Mitglieder kein allzu großes Interesse an einer Mitarbeit im DAFV haben. Welche konkreten Pläne haben Sie, um diesem Verdruss entgegenzuwirken?

OL: Auf Arbeitsebene stellen wir ein vermehrtes Interesse an der Arbeit des DAFV fest. Die Geschäftsführertagungen waren noch nie so gut besucht und wohl noch nie so konstruktiv durchgeführt. Wir haben 2017 zum ersten Mal alle Mitarbeiter der Landesverbände aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit zusammengebracht. Wir haben Landesverbände, wie z.B. Baden-Württemberg, die wieder in den DAFV eingetreten sind. Ich war zu der Zeit selber noch beim LFV-Baden-Württemberg und habe das durchaus auch kritisch gesehen. Wir haben damals gesagt, geben wir dem DAFV eine Chance, wenn wir Mehrwerte sehen, dann ist das Geld gut investiert und kommt den Anglern zugute. Keiner stellt in Deutschland ernsthaft in Frage, dass die Angler mehr denn je eine schlagkräftige Vertretung auf Bundes- und EU-Ebene brauchen. Die Austritte bringen doch keinem etwas. Ich habe den Eindruck, dass da manchmal persönliche Befindlichkeiten eine größere Rolle spielen als das Interesse am Angeln.

GB: Welche Erfolge konnte der DAFV in den letzten beiden Jahren erringen?

OL: Der Erfolg hat immer viele Väter und Mütter. Die Klage des NABU gegen die Kormoranverordnung in Sachsen-Anhalt wurde abgewiesen. Die flächendeckenden Aal-Fangverbote auf EU-Ebene wurden verhindert. 2016 haben wir das bag-limit für den Dorsch verhindert. Der Druck zu einer Lösung für ein flächendeckendes Kormoranmanagement zu kommen, ist gewachsen. Es wird mittlerweile offiziell anerkannt, dass Kormorane in Deutschland in ihrem Bestand nicht mehr gefährdet sind. Das ist zumindest ein Ansatz, in Zukunft den Schutzstatus aufzuheben und den Vogel in Anhang II der Vogelschutzrichtlinie aufzunehmen und damit als bejagbare Art auszuweisen. An diesen Entwicklungen hat der DAFV einen maßgeblichen Anteil unterstützt durch seine Landesverbände, durch die Kormorankommission und den Deutschen Fischereiverband. Wir sind ein Freund von konstruktiver Zusammenarbeit.
Wenn wir gegen andere Interessengruppen bestehen wollen, müssen wir Angler und Fischer enger und professioneller zusammenarbeiten. Wenn einem der DAFV nicht passt, dann sollte man helfen, ihn zu verändern und nicht austreten. Die Möglichkeit zu angeln ist längst kein Selbstläufer mehr in Deutschland. Wenn wir für unsere Interessen nicht gemeinsam einstehen, werden wir gegenüber anderen Interessengruppen an Boden verlieren. Eine weitere Aufsplittung hilft nach meiner Meinung keinem Angler in Deutschland.

GB: Herzlichen Dank für das Gespräch.
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Christian.Siegler ist offline   Mit Zitat antworten
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Alt 02.03.2018, 10:02   #2
Bitti2
Spezialisiert auf N und Dk
 
Dabei seit: 03.2006
Ort: Munich
Beiträge: 77
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

"2016 haben wir das bag-limit für den Dorsch verhindert".

Habe ich was verpasst?
Bitti2 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 10:23   #3
MarkusZ
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Dabei seit: 01.2007
Beiträge: 204
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

Zitat:
Zitat von Bitti2 Beitrag anzeigen
"2016 haben wir das bag-limit für den Dorsch verhindert".

Habe ich was verpasst?
Typische irreführende Politikersprache.

Das Bag-Limit galt ab 1.1.2017.

Auch wenn viele hier "verhindern" anders interpretieren also keine wirklichen Fake-News, nur alternative Fakten.
MarkusZ ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 10:31   #4
willmalwassagen
Mitglied
 
Dabei seit: 07.2015
Beiträge: 769
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

Endlich kommt er, der elektronisch lesbare Mitgliedsausweis. Wie lange haben wir den gefordert. Danke, danke, danke
willmalwassagen ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 10:35   #5
gründler
****
 
Dabei seit: 08.2005
Beiträge: 6.871
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

http://www.champions-team.de/aktuell...e_DAV_VdSF.php


Du sollst nicht falsch Zeugnis reden.......
gründler ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 10:40   #6
RuhrfischerPG
Gast
 
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Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

Pööhse

@Georg, Danke fürs einstellen



Das Angeln in D kein Selbstläufer mehr ist,sieht Olaf natürlich richtig.

Das aber genau dieser Bundesverband maßgeblich daran beteiligt war, scheint ihm leider entfallen zu sein.
  Mit Zitat antworten
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Alt 02.03.2018, 10:43   #7
Moringotho
Mitglied
 
Dabei seit: 04.2011
Ort: Keller
Alter: 45
Beiträge: 365
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

sers,

ich halte mich bei sowas ja immer zurück, aber
das ist ja mal sowas von daneben (um nicht zu sagen eine gequirlte sc....) was da von sich gegeben wird.

und wo sehen einige andere (vor allem welche) hier eine positive entwicklung?
oder meinen die etwa die sinkenden mitgliedszahlen?

also mal im ernst das ist viel text für nix.

NdT Holger aka Mori
__________________
I hate morning people,
or mornings... or people....
Moringotho ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 10:54   #8
kati48268
nicht mehr heimatlos
 
Benutzerbild von kati48268
 
Dabei seit: 07.2008
Ort: Greven
Alter: 52
Beiträge: 12.364
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

Nach erstem Überfliegen:

Ich bin sprachlos und entsetzt über so viel stumpfe Ignoranz.
'Die DAFV-Welt ist wunderschön und besteht aus Marshmallows'.
Nicht mal ein Politiker vermag die Realität dermaßen zu verdrehen und zu verweigern.
Eine Schande!
__________________

kati48268 ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 11:06   #9
Windelwilli
Schönwetterangler
 
Benutzerbild von Windelwilli
 
Dabei seit: 09.2010
Ort: Ketzin
Beiträge: 1.445
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

Zitat:
Zitat von kati48268 Beitrag anzeigen
Nach erstem Überfliegen:

Ich bin sprachlos und entsetzt über so viel stumpfe Ignoranz.
'Die DAFV-Welt ist wunderschön und besteht aus Marshmallows'.
Nicht mal ein Politiker vermag die Realität dermaßen zu verdrehen und zu verweigern.
Eine Schande!
Bin auch immer noch am Kopfschütteln.
Soviel alternative Fakten....
__________________
"Mein schlimmster Alptraum ist, dass, wenn ich sterbe meine Frau meine Angelsachen für das verkauft, was ich ihr erzählte, was es gekostet hat."
Windelwilli ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.03.2018, 11:07   #10
smithie
Mitglied
 
Dabei seit: 04.2007
Ort: Bayern
Beiträge: 939
Standard AW: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wie wir den Verband weiter entwickeln wol

Zitat:
Zitat von Christian.Siegler Beitrag anzeigen
OL: [...] Wir vertreten die Interessen der Angler in verschiedensten Gremien, auf Veranstaltungen und Messen und gegenüber der Politik in Berlin/Bonn und Brüssel. Auch Ihre Medien haben einige unserer Arbeiten veröffentlicht. [...]
Ein Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder - worauf auch diverse Verbandsvertreter (z.B. Vollborn) immer wieder verweisen.

Dann würde ich in dem Zusammenhang eigentlich auch davon ausgehen/darum bitten, dass es ein DAFV unterlässt, zu behaupten, "die Angler" zu vertreten.
Das tut er nämlich einerseits wording-technisch nicht und weiterhin auch inhaltlich und mitgliedermäßig nicht!

Hier werden von weitreichenden Änderungen, Plänen, Aktionen, etc. pp. gesprochen.
Warum kommuniziert man das nicht proaktiv?
Ich als Verband will doch etwas erreichen - oder muss man dankbar dafür sein, dass es den Verband gibt aber informieren geht dann doch zu weit?
PMs 2018: grüne Woche - Jenes/welches "Meeting" GFP - Fishing Masters - didacta Teilnahme - Fisch der Jahres

Unter "Projekte und Aktionen" gibt es
Fisch und Flusslandschaft des Jahres.

Die RubrikThemen und Referate startet mit "Natur- und Umweltschutz".

Findet jemand Ansatzpunkte, Pläne etc. die hier im Interview geschildert werden?

Der DAFV ist m.E. halt derzeit nicht in der Position, sich auf vermeintlichen Vorschussloorbeeren auszuruhen oder dass man auf "das Wort vertraut". Das müsste (seit Jahren) was kommen.
Und wenn so viel erreicht worden ist - warum wird das nicht wahrnehmbar publik gemacht?
smithie ist offline   Mit Zitat antworten
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