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Alt 06.01.2005, 22:13   #18
bernie1
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Standard AW: Krautbekämpfung aber wie???

Verkrautung flacher Gewässer: Lösungen

Ein häufiges Problem und dessen Lösungsmöglichkeiten


Vor allem flache Seen leiden oft unter dem Problem der starken Verkrautung. Das Wachstum
und die Verbreitung der krautigen Unterwasserpflanzen ist manchmal so stark, dass die
Ausübung der Angelfischerei nicht mehr möglich ist.

Ursache für die starke Entwicklung der Wasserpflanzen ist ein günstiges Zusammenwirken von
Wassertiefe, Lichtverhältnissen, Nährstoffangebot, Wassertemperatur und Fischbestand.

Aufgrund der geringen Wassertiefe kann das Sonnenlicht bis auf den Gewässergrund
eindringen. Licht ist eine der Grundlagen für das Wachstum von Pflanzen. An vielen Gewässern
fehlt ein naturnaher Gehölzbewuchs am Ufer, so dass die Sonne ungehindert in das Wasser
strahlen kann. Vor allem aus der Landwirtschaft besteht eine dauernde Zufuhr von Nährstoffen,
die das Pflanzenwachstum fördert. Durch die oft zu geringe Wassertiefe kann die Sonne das
Wasser besonders stark erwärmen, was wiederum das Wachstum allgemein fördert. Ein
Fischbestand, der aus zu vielen großen (fangreifen) Fischen besteht und womöglich noch viele
besonders große (überständige) Karpfen aufweist, ist durch eine massive Ausscheidung und
nur geringe Fixierung von Pflanzennährstoffen für ein starkes Pflanzenwachstum
verantwortlich. Wenn dann auch noch Enten und Fische aus falsch verstandener Tierliebe
gefüttert werden, kommen noch mehr Nährstoffe in das Wasser.

Die direkten Ursachen (hohe Nährstoffzufuhr und Lichteinstrahlung) können nur in geringem Rahmen
bekämpft werden.

Fischereiliche Bewirtschaftung

Das Einsetzen nicht einheimischer Fische wie Gras-, Silber- und Marmorkarpfen ist gesetzlich
verboten und bedarf einer Sondergenehmigung. Außerdem fressen diese Fische nicht jedes
Kraut und sie verdauen das Pflanzenmaterial sehr schlecht. Sie tragen durch ihre
Ausscheidungen erheblich zur Düngung bei. Dies gilt auch für besonders große Schuppen-
oder Wildkarpfen, die deshalb unbedingt entnommen werden sollten. Eine Nahrungsaufnahme
erfolgt bei den Gras- und Silberkarpfen außerdem nur bei Temperaturen über 15°C, also im
Sommer, wenn die Wasserpflanzen bereits gewuchert sind.

Viel besser ist der Besatz mit jungen einheimischen Rotfedern, die als einzige Fischart fast
ausschließlich Algen und Wasserpflanzen frißt. Rotfedern fressen und verdauen auch bei
niedrigen Wassertemperaturen, also auch bereits im Frühjahr, wenn die Pflanzen zu Keimen
beginnen.

Ein Überbesatz mit großen Karpfen führt zwar zu einer starken Trübung des Wassers, weil die
Fische den Boden aufwühlen. Das Licht kann nicht mehr so tief in das Wasser eindringen und
das Wachstum der Pflanzen wird gehemmt. Dafür aber gelangen große Mengen an Nährstoffen
aus dem Boden in das freie Wasser, die den Trübungseffekt wieder relativieren. Außerdem
muss ein hoher Karpfenbestand meist gefüttert werden, was zusätzlich Nährstoffe in das
Gewässer bringt.

Mechanische Entkrautung

Um den Krautmassen Herr zu werden bedarf es mechanischer Methoden. Gut funktioniert eine
Egge aus der Landwirtschaft, die von zwei Traktoren mit je einer Seilwinde durch das
Gewässer gezogen wird. Dabei werden die Wasserpflanzen ausgerissen und können mit der
Egge aus dem Wasser gezogen werden. Dabei sind der Fantasie und den technischen
Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Es werden bereits Ketten, Seile, Messer, Rechen und
andere Geräte erfolgreich eingesetzt. Wichtig ist, dass möglichst viel Kraut vor der Blüte bzw.
vor dem Beginn des Absterbens aus dem Gewässer entfernt wird. Ausreißen allein genügt
nicht, nur die vollständige Entfernung (auch nicht am Gewässerrand liegen lassen!) vom
Gewässer dient der Reduzierung der Nährstoffe. Für größere Wasserflächen gibt es die
Möglichkeit, ein Mähboot einzusetzen. Dessen Reichweite liegt bei einer Wassertiefe von
2 Metern.

„Winterung“ verkrauteter Gewässer

Bei Teichen, die abzulassen sind, kann die „Winterung“ ein gutes Mittel gegen das übermäßige
Kraut sein. Bei der „Winterung“ wird das Wasser im Herbst vollständig abgelassen. Im Winter
sollte dann der Gewässergrund möglichst tief gefrieren, damit die Dauerwurzeln und Rhizome
der Pflanzen absterben. Das derartige Trockenlegen reduziert außerdem die Schlammdicke
und die Nährstoffe darin ganz erheblich.

Abdeckung des Gewässerbodens

Nur bei kleineren Gewässern ist es möglich, einen Teil des Gewässergrunds mit Folie
abzudecken. Das verhindert erfolgreich das Wachstum von Wasserpflanzen. Schwarze Folie,
mit Baudrahtgittern beschwert, kann somit helfen, die Wasserfläche von Pflanzen frei zu halten.

Kalkung

Die Kalkung mit gelöschtem Kalk oder - bei trockengelegten Teichen - mit Branntkalk tötet alles
ab, was damit in Berührung kommt. Es wirkt auch gegen Pflanzen. Allerdings ist diese Methode
nicht erlaubt und bedarf einer besonderen Genehmigung. Nachteil ist, dass der Kalk nach
vollendeter Maßnahme wieder dem Pflanzenwachstum förderlich ist. Von einer Kalkung ist also
dringend abzuraten.

Petri Heil
Bernie1
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