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Quantum Escalade 1130 FD Testbericht von Maximilian Herold

Rollentest: Quantum Escalade 1130 FD

Ein Test vom Mount Everest bis zum Marianengraben
Von Maximilian Herold (alias: Friedfischschreck)

Wie schon so oft in letzter Zeit springt mich ein neuer Post im Raubfischbereich des Anglerboardforums an und sucht in meinem Endhirn nach Aufmerksamkeit. Der hastig und ungenau getippte Titel „Suche Rolle unter 100€“ verheißt nichts Gutes. Ich versuche ihn zu ignorieren, aber schaffe es letzten Endes doch nicht. Ein kurzer Klick mit der linken Maustaste auf den Titel bestätigt meine schlimmsten Erwartungen:

„Habe zum Geburtstag 100€ bekommen und möchte mir nun für meine Spinrute eine Rolle kaufen. Zur Auswahl stehen die Spro Red Arc, Shimano Technium, Shimano Exage und Ryobi Zauber.“

Resignierend klicke ich auf das Schließen-Kreuz meines Tabs und frage mich insgeheim warum der Ersteller des Threads nicht mal bei anderen Herstellern in den Katalogen geblättert hat. Schließlich haben auch andere Mütter, schöne Töchter. Eine dieser Töchter liegt in jenem Moment vor mir.

Die neue Escalade 1130 FD aus dem Hause Quantum / Zebco.

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Anbei einige Packungsdetails (3000er Model):

Schnurfassung 145m 0,28mm

11 Kugellager

Übersetzung 5,2:1

Schnureinzug 79cm

Gewicht: 307gr

Mein erster Eindruck katapultiert meinen Geist auf ungeahnte Höhen. Die 8848m des im Titel genannten Berges wirken dagegen geradezu winzig. Das Design der Rolle ist überaus stimmig und durchaus praktisch gehalten. Nichts wirkt protzig oder deplatziert. Vor allem die kleinen golden wirkenden Aussparungen an der Spule (nicht der Ersatzspule!) geben der Rolle den einzigartigen Look. Zwar ist dieses Feature nichts Neues und bei vielen Konkurrenten ebenfalls zu finden, aber dennoch verleiht es der meist schlicht gehaltenen Rolle doch einen kleinen Funken Extravaganz.

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Ein weiterer positiver Punkt ist das praktische Design des Kurbelknaufes. Wieder keine Neuerfindung aber ein Rückgriff auf Altbewährtes. Von der Form an die Knobs der kleineren Shimanos erinnernd (nur etwas breiter), liegt der Griff gut in der Hand und ist nicht zu wuchtig gestaltet. Dies setzt sich natürlich auch im darauf folgenden Kurbelarm fort. Schmal und dennoch stabil, soll er einen ruhigen Lauf der Rolle unterstützen. Doch dazu später mehr.

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Schwenken wir den imaginären Fokus doch erst mal auf wirklich essentielle Dinge. Beispielsweise der Gestaltung des Rollenfußes. Im Gegensatz zu vielen anderen Rollen, ist der Steg mit dem Rollenkörper nicht mittig im Fuß der Rolle platziert, sondern im hinteren Drittel. Das hat zur Folge, dass die gesamte Gewichtsverteilung um einige Zentimeter nach hinten wandert und somit die Kopflastigkeit der Rute korrigiert. Kleines Feature, große Wirkung. Da hat jemand mitgedacht!

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Ein weiterer Pluspunkt ist die Bremsregulierung. Hier erwartet uns ein großer und sehr griffiger Drehknopf. Ein Punkt welcher vor allem für die im Winter fischenden Gufiangler interessant sein sollte. Mir selbst ist es schon einmal passiert, dass ein großer Hecht verloren ging weil ich nach dem Anschlag die Bremse mit meine Handschuhen nicht rechtzeitig lösen konnte. Mit der Escalade dürfte dies nicht mehr passieren. Selbst mit dickeren Handschuhen lässt sich die Bremse noch gut regulieren. Vor meinem geistigen Auge nähere ich mich dem metaphorischen Gipfel auf 8848m.

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Doch beim Anblick der Konterschraube des Kurbelarmes falle ich gedanklich ins Basiscamp auf 5364m Höhe zurück. Erste Tests bestätigen meine schlimmste Vorahnung. Die Schraube lässt sich kaum ohne die Hilfe einer Zange lösen und somit ist der Kurbelarm nicht abklappbar. Sicherlich problematisch für alle die ihre Ruten in einem Single-Sleeve („Einzelrutentasche“) mit ans Wasser nehmen. Klar kann man die Schraube durch den vorsichtigen Einsatz der Angelzange lösen, allerdings verkratzt somit im Laufe der Zeit die Oberfläche des Schräubchens. Kleine Ursache, große Wirkung. Eindeutiger Minuspunkt!

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Soweit so gut. Den ersten Eindruck hat die Rolle mit einer kleinen Schwäche gut gemeistert. Doch nun muss der Praxistest folgen. Tage des Testens stehen vor dem unschuldigen Röllchen. Mitleid habe ich trotzdem keines. Am ersten Testtag erwartete die Escalade das gesamte Paket. Die Rolle durfte ihr Können mit 20er Gummilappen auf Hecht beweisen. Probleme hatte das Röllchen beim Fischen keine. Sie gab gleichmäßig Schnur frei, auch wenn die Bremse bei den hohen Wurfgewichten relativ weit geschlossen blieb.

Wirkliche Drillerfahrung konnte ich in dieser Sequenz des Tests nicht erfahren, da bei uns im Frühsommer-Sommer Ködergröße 20+ nicht unbedingt ins Beuteschema der heimischen Räuber passt. Daher entschied ich mich den Test auf unseren Forellenbach zu verlegen. Am Gewässer angekommen wurde mir allerdings nur zu schnell klar, dass erfolgreiches Fischen heute nicht möglich war, bedingt durch die hohe Wassertrübung und den gestiegenen Wasserstand. Also schnell ein paar Würfe gemacht um die Qualität der Schnurverlegung bei kleinen Ködern (1er und 2er Mepps) und dünner Mono zu testen. Bei einem Schnurdurchmesser von 0.18mm schlug sich die Rolle recht bravurös.
Von meiner Seite kein Grund zum Tadel:

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Nun fehlte eigentlich nur noch der obligatorische Testfisch. Ich entschied mich für's Twitchen mit Wathose. Dafür ging es ab an einen seerosenverseuchten See mit gutem „Klein“-Räuberpotential. Bedingt durch den stattgefundenen Wetterumschwung war die Fischerei allerdings alles andere als leicht. Beständig feuerte ich den X-Rap in die Lücken zwischen den Seerosenblättern.

Die Rolle musste wahrlich kilometerweise Schnur aufspulen und wieder freigeben. Doch alles ohne die kleinste Perücke. Obwohl die Rolle aus Hastigkeit und Zeitmangel nicht ganz randvoll mit Power Pro 0.15mm gefüllt war, gelangen weite und präzise Würfe ohne Probleme. Unterstützend wirken dabei sicherlich der große Spulendurchmesser (in Shimanogröße: 4000) und die gut beschichtete Abwurfkante.

Weiterhin gewährleisteten die oben angesprochene filigrane Bauweise des Kurbelarmes und die dadurch erzielte Gewichtsersparnis, einen sehr ruhigen Lauf der Rolle. Doch zurück zum Testeinsatz: Nach mehreren Stunden konzentrierten Fischens, gelang ein Doppelschlag. Erst konnte ein kleiner Hecht den am T-Rig präsentierten Wurm nicht widerstehen und dann nagelte sich ein anderer Artgenosse meinen vorhin erwähnten X-Rap ins Maul.
Beides keine Riesen, aber Hechtlein allemal.

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Mit den beiden Hechten beendete ich den Testtag und fuhr nach Hause, voller Vorfreude endlich einen 1,0er Testbericht abtippen zu können. Leider zu früh gefreut!

Während des Testfischens noch bravurös gelaufen, wollte ich das Röllchen einen Tag später einem Kollegen zeigen. Doch zu meinem Erstaunen ließ sich die Kurbel nicht mehr leichtgängig bewegen. Unter enormen Kraftaufwand drehte sich zwar die Rolle, doch wirklich Freude bringendes Fischen war damit nicht mehr möglich. Willkommen im metaphorischen Marianengraben auf 11.034m Tiefe!

Jeder, der schon mal eine manuelle Kaffeemühle betätigt hat, dürfte mein Problem nachvollziehen können. Um Abhilfe zu schaffen, wurde die Rolle aufgeschraubt und fieberhaft nach einer Lösung des Problems gesucht. Leider hatte ich bei diesem Schritt keine Kamera zur Hand, sonst hätte ich euch alles visualisieren können. Doch zurück zur Escalade. Während ich die einzelnen Zahnräder demontierte, fiel mir der disproportional wirkende Fettbestand auf.

Ganze Schmierfettklümpchen hingen überall im Getriebe der Rolle. Ich zückte ein Taschentuch und fing an, mit dem Schlitzschraubenzieher etwas von dem überschüssigen Fett zu entfernen. Danach baute ich die Rolle wieder zusammen und siehe da, sie ließ sich wieder leichtgängig drehen. Ein einfacher Überschuss an Schmierfett hatte eine halbe Katastrophe ausgelöst. Wieder einmal getreu dem Motto: Kleine Ursache, große Wirkung. (Die Bilder sind nach der Reinigung entstanden!)

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Natürlich finde ich den Umstand nicht gerade prickelnd, allerdings kann es auch gut sein, dass es sich bei meiner Escalade um ein „Montagsmodell“ handelt.

Die Beseitigung des überschüssigen Fetts ging eigentlich relativ schnell und unproblematisch, doch wirklich vorbildlich ist dies nicht. Andere Kunden wären nach so einem Kauf schnell enttäuscht von der Rolle, obwohl es sich nur um einen marginalen Fehler handelt.

Aus purer Unwissenheit kann so aus einer preiswerten Rolle schnell mal eine schlechte Rolle werden. In meinem folgenden Fazit habe ich den Umstand zwar aufgeführt, allerdings wenig gewertet, da das Problem von jedem Menschen mit nur einem Schraubenzieher und einem Taschentuch beseitigt werden kann.

Fazit:

Quantum hat es geschafft mit der Escalade eine gute Rolle mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis auf den Markt zu bringen. Konkurrieren kann sie allemal mit den Platzhirschen Spro Red Arc und Shimano Technium. Im Preisbereich genau zwischen den beiden liegend (ca. 90-100€), verfügt sie über einen ruhigeren Lauf als die Arc und eine höhere Übersetzung (5,2 <=> 4,8) in Verbindung mit dem niedrigeren Gewicht (307g <=> 320g) als die vergleichbare 4000er Technium FC.

Nochmals alles auf einen Blick:

Positiv

Negativ

- Rollenfußaufnahme

- leichter Kurbelarm

- griffiger Bremsknopf

- gleichmäßige Schnurverlegung

- kleiner, griffiger Knob

- Ersatzspule

- zu viel Fett im Getriebe

- schlecht geformtes Konterrädchen

Gesamtnote:

1,3